11.11.2020 | Presseinfo Nr. 31

Bilanz am Ausbildungsmarkt

Jedes Schuljahr melden sich Jugendliche bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit Reutlingen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Und auch Betriebe melden ihren Bedarf an Auszubildenden. Nach vollständiger statistischer Erfassung all dieser Meldung kann immer zum Ende eines Schuljahres, Bilanz gezogen werden. In den vergangenen Jahren fiel diese zumeist überwiegend positiv aus. In diesem Jahr stellen sich jedoch aufgrund der Corona-Pandemie ganz neue, drängende Fragen. So wurde in der Hochphase der ersten Infektionswelle befürchtet, dass es einen „Corona-Jahrgang“ oder gar die „Generation Corona“ geben könnte. Gibt es in unserer Region Anzeichen dafür?
 

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Reutlingen, Wilhelm Schreyeck, zieht eine erste Bilanz: „In der ersten Welle der Pandemie wurde ein sogenannter verlorener Jahrgang befürchtet. Den sehen wir so zumindest jetzt noch nicht. Auch im Schuljahr 2019/2020 blieb der Ausbildungsmarkt ein Bewerbermarkt, denn es gab rein rechnerisch mehr Ausbildungsstellen als Bewerberinnen und Bewerber hierfür. Rein rechnerisch deshalb, weil trotzdem Angebot und Nachfrage nicht immer zueinander passen und dadurch nicht zwangsläufig jeder und jede die gewünschte Ausbildung findet.“

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Reutlingen kamen auf 100 betriebliche Ausbildungsstellen 77 Ausbildungsinteressenten und damit nochmal weniger, als im Jahr zuvor (da waren es 81). Zudem starteten deutlich weniger Jugendliche in Ausbildung als im Vorjahr (minus 12,12 Prozent). Wilhelm Schreyeck fügt an: „Die Besetzung der Ausbildungsstellen bleibt für viele Unternehmen in bestimmten Berufsbereichen und Berufen weiterhin schwierig, daran hat bislang auch die Pandemie nichts Wesentliches geändert.“

Konkret haben sich 2 883 Jugendliche bei der Berufsberatung als Bewerber für eine Ausbildung gemeldet und damit 5,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Demgegenüber standen 3 744 Berufsausbildungsstellen (minus 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Die Ausbildungsbereitschaft hat aus Sicht der Arbeitsagentur auch in der Corona-Pandemie nicht wesentlich nachgelassen. Viel Auswahl hatten junge Leute beispielsweise im Verkauf von Lebensmitteln oder auch der Gastronomie. Eher schwierig gestaltete sich die Suche nach einer Lehrstelle in der Technischen Mediengestaltung oder auch in Büroberufen, um nur 2 Berufsbereiche zu nennen. Rund 44 Prozent aller gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber mündeten tatsächlich in Ausbildung. Ein weiterer großer Teil, nämlich rund 21 Prozent, wählten zunächst eine weitere Schulbildung.

Nur 34,8 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber kamen direkt aus dem aktuellen Schulentlassjahr einer allgemeinbildenden Schule. An diesem, im Vorjahresvergleich weiter gesunkenen Anteil (minus 15,5 Prozent), lassen sich die unterschiedlichen Beweggründe der Beteiligten am Ausbildungsmarkt ablesen. Während es bei den Betrieben trotz der aktuell schwierigen Situation um die Nachwuchsgewinnung geht, steht bei den Schulabsolventen häufig im Vordergrund, sich nicht zu früh festlegen zu wollen. Verbunden wird damit die Hoffnung, eine für sich bestmögliche Ausgangsposition schaffen zu können. Insofern führt der Weg direkt nach dem allgemeinen Schulabschluss eher in Richtung der weiterführenden Schulen oder auch der Freiwilligendienste.  

Zum Ausbildungsbeginn 2020 bzw. zum 30. September blieben 3,4 Prozent der Jugendlichen (in absoluter Zahl 97), die bei der Berufsberatung gemeldet waren, unversorgt. „Für einige dieser jungen Menschen haben sich zwischenzeitlich bereits Perspektiven ergeben. So klappte es beispielsweise nach dem 30.09. doch noch mit einer Ausbildung, einem Freiwilligendienst oder zum Beispiel mit einem Praktikum“, so Wilhelm Schreyeck und fügt an: „Für die anderen bleiben wir weiter am Ball.“

Die Bilanz zum 30.09. bedeutet jedoch nicht das Ende der Vermittlungsaktivitäten. Auch jetzt können Interessierte noch in eine Ausbildung einsteigen und auch Betriebe melden vereinzelt noch freie Stellen für das bereits begonnene Ausbildungsjahr, beispielsweise bei vorzeitigen Vertragsauflösungen in der Probezeit. Das Zeitfenster schließt sich jedoch allerspätestens im Dezember.