09.11.2020 | Presseinfo Nr. 120

Große Ausbildungsbereitschaft in der Corona-Krise

Ein ungewöhnliches Jahr am Ausbildungsmarkt endet. Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ist für Jugendliche und Arbeitgeber vieles anders gelaufen als üblich. Die Agentur für Arbeit Rheine zieht nun Bilanz zum statistischen Ausbildungsjahr, und die fällt trotz der besonderen Umstände positiv aus.

Agentur für Arbeit Rheine zieht Bilanz zum Ausbildungsmarkt

"Es ist uns in diesem Jahr trotz allem gelungen, vielen jungen Menschen bei dem Weg in die Berufswelt zu helfen. Sei es bei der Wahl des Ausbildungsberufes und der Suche nach einer Ausbildungsstelle, bei der Entscheidung für ein Studium oder für einen weiteren Schulbesuch", zeigt sich Reiner Zwilling, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Rheine zufrieden. Dabei hat die Pandemie aus Sicht von Zwilling allen Beteiligten viel abverlangt. So war die Bewerberauswahl während des Lock-Downs im Frühjahr für viele Unternehmen deutlich erschwert. Jugendliche waren zur gleichen Zeit verunsichert, ob eine Bewerbung überhaupt Sinn macht. Außerdem sind für beide Seiten die so wichtigen Berufswahlmessen entfallen.

"Für uns hat die Situation ein schnelles Umdenken erforderlich gemacht, denn auch unsere persönlichen Beratungsangebote konnten wir nicht mehr in gewohnter Weise aufrecht halten, weil beispielsweise Schulen geschlossen wurden", so Zwilling. Die Arbeitsagentur setzte daher auf telefonische Beratung und eine extra eingerichtete Hotline. So konnte auf diesem Weg mit vielen Jugendlichen ein enger Kontakt gehalten werden. Dazu wurden Informationsveranstaltungen des Berufsinformationszentrums (BiZ) in das Internet verlegt und finden seitdem digital statt. "Das wurde von den Jugendlichen gut angenommen. So konnten wir zu sehr vielen Themen wichtige Informationen an Interessierte weitergeben", resümiert der Ausbildungsmarktexperte.

Insgesamt 3.127 Jugendliche meldeten sich im vergangenen Jahr, also von Oktober 2019 bis Ende September 2020, bei der Agentur für Arbeit Rheine als Bewerber. Das sind 319 weniger als im Vorjahrszeitraum. "Dieser Rückgang ist aber nur zum Teil auf die Corona-Pandemie zurückzuführen. Seit mehreren Jahren sinkt die Zahl der Bewerber aufgrund der demografischen Entwicklung bereits." So waren es vor fünf Jahren mit 3.719 noch 592 Jugendliche mehr, die sich bei der Arbeitsagentur meldeten.

Zum Ende des aktuellen statistischen Ausbildungsjahres waren noch 121 Jugendliche ohne Ausbildungsstelle oder andere Alternative, 28 mehr als im Vorjahr. "Auch wenn das Ausbildungsjahr auf dem Papier abgeschlossen ist, gibt es für die Jugendlichen immer noch genügend Möglichkeiten", so Zwilling. Denn, so betont er, sie können bis Januar immer noch in das laufende Ausbildungsjahr einsteigen. Dazu gäbe es auch noch weitere Alternativen, die man ins Auge fassen könne. "Wir haben engen Kontakt zu den Betroffenen und arbeiten daran, verschiedene Optionen zu entwickeln. Niemand soll zurückbleiben, das ist unser Ziel", so Zwilling.

Dass für die unversorgten Bewerber noch einige Ausbildungsstellen zur Verfügung stehen, wird mit Blick auf die Stellensituation klar. Denn aktuell gibt es noch 384 unbesetzte Ausbildungsmöglichkeiten, 86 mehr als vor einem Jahr zu diesem Zeitpunkt. Für jeden unversorgten Bewerber stehen damit rechnerisch 3,17 Ausbildungsstellen zur Auswahl. „Das ist weiterhin eine große Auswahl“, betont Zwilling, ergänzt aber: „Unterschiedliche Interessen, räumliche Entfernungen oder auch Erwartungen der Unternehmen sorgen dafür, dass Bewerber und Ausbildungsstellen nicht immer zueinander passen.“

Insgesamt meldeten die Unternehmen im Bezirk der Agentur für Arbeit Rheine im nun abgelaufenen Berichtsjahr 3.424 Ausbildungsplätze und damit exakt so viele wie im Vorjahr. "Die Zahl freut mich ganz besonders, denn durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie ist die Situation bei vielen Unternehmen zumindest zeitweise sehr angespannt gewesen. Das man hier dennoch weiterhin auf die Ausbildung von jungen Menschen setzt zeigt, dass die Verantwortlichen trotz der jetzigen Situation auch an die Zukunft denken."

Die meisten Ausbildungsstellen meldeten die Unternehmen im Einzelhandel, dem Lager oder verschiedenen kaufmännischen Berufen. Auch im Metallbau, Elektrohandwerk oder der Sanitärtechnik wurden viele Nachwuchskräfte gesucht. Bei den Bewerbern zeichnen sich seit Jahre ähnliche Berufe als Favoriten ab. So ist bei den Mädchen eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten am gefragtesten, gefolgt von einer Ausbildung im Einzelhandel oder Büro. Aber auch die Berufe zahnmedizinische Fachangestellte oder Frisörin stehen weiterhin hoch im Kurs. Jungen suchen am häufigsten eine Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker, Einzelhandelskaufmann, Industriekaufmann, Tischler oder Fachinformatiker.

Mit dem Blick auf das kommende Jahr ist Zwilling weiter vorsichtig optimistisch: "Wir setzen alles daran, alle Jugendlichen auch unter den aktuell schwierigen Bedingungen auf dem Weg in eine Ausbildung zu begleiten. Ich bin mir sicher, das wird uns auch im kommenden Jahr gelingen." Gleichzeitig geht er auch im nächsten Jahr von einer großen Ausbildungsbereitschaft der Betriebe aus: "Zwar sind die kommenden Wochen für Arbeitgeber durchaus noch unsicher, aber schon jetzt melden einige Unternehmen freie Stellen für das kommende Jahr. Ich hoffe, dass diesem Beispiel noch viele folgen."