02.12.2020 | Presseinfo Nr. 135

Auf die Stärken schauen

Er ist fleißig, pünktlich, arbeitet gerne und mit großer Sorgfalt: ein Wunschkandidat für jeden Arbeitgeber, könnte man meinen. Und doch brauchte Stanislaw Prigorowski Unterstützung, um einen Job zu finden. Denn der junge Mann ist Autist. Mit der Hilfe von Birgit Haack aus der Agentur für Arbeit Rheine und Dorothea Kohl von Lernen fördern hat er nun seinen Platz im Berufsleben gefunden. Seit einigen Monaten arbeitet er fest angestellt bei der Schmitz Textiles GmbH + Co. KG in Emsdetten.

Bei Schmitz Textiles ist Stanislaw, oder Stan, wie er sich gerne nennen lässt, in der Webereivorbereitung tätig. In dem Unternehmen, das Textilien für unterschiedlichste Anwendungen produziert, steckt er Garnspulen auf große Dornen und reinigt die Schäfte, die Bestandteile der Webmaschinen sind. Arbeiten, bei denen Ausdauer und Gewissenhaftigkeit gefordert sind. „Stan macht seine Sache richtig gut“, lobt Thomas Hinrichs, Arbeitsleiter bei Schmitz Textiles. Er ist froh, dass der junge Mann mit seiner Arbeit die Facharbeiter entlastet. „Inzwischen kennt er die Abläufe und erledigt seine Aufgaben mit großer Zuverlässigkeit“, berichtet Hinrichs zufrieden.

Dass Stan so weit gekommen ist, verdankt er seiner großen Motivation und dem Programm „Unterstützte Beschäftigung“ der Agentur für Arbeit, das schwerbehinderten Menschen dabei hilft, im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Birgit Haack, Beraterin für Rehabilitanden und Schwerbehinderte in der Agentur für Arbeit Rheine, erläutert die Idee dahinter: „Normalerweise suchen Arbeitgeber Mitarbeiter für eine Arbeitsstelle mit fest umrissenen Tätigkeiten. Bei der unterstützten Beschäftigung ist es umgekehrt. Zuerst kommt der neue Mitarbeiter in das Unternehmen. Dann wird dort geschaut, welche Tätigkeiten zu ihm und seinen Fähigkeiten passen“. Der Arbeitsplatz werde also erst durch das Ausprobieren von verschiedenen Aufgaben geschaffen, führt sie aus. „Das ist eine gute Möglichkeit, Menschen mit Handicaps in den Arbeitsmarkt und in sinnvolle Tätigkeiten zu integrieren“.

Jobcoach hilft

Dabei werden beide Seiten nicht allein gelassen, betont Birgit Haack. „Stan hat mit der unterstützten Beschäftigung einen Job Coach an die Seite gestellt bekommen“, erklärt sie. Diese Aufgabe hat Dorothea Kohl, pädagogische Fachkraft beim Lernen fördern e.V., übernommen. Während vieler Wochen hat sie den jungen Mann im Unternehmen begleitet und während dieser Zeit bei Schmitz Textiles mitgearbeitet. Sie hat die einzelnen Arbeitsschritte selbst ausgeführt und beobachtet, welche Aufgaben Stan leichtfallen und bei welchen er Unterstützung braucht. „Zusätzlich hat Stan einen Paten im Unternehmen bekommen, der auch weiterhin sein Ansprechpartner bleibt. Schritt für Schritt haben wir dann gemeinsam den passenden Arbeitsbereich für Stan gefunden“, erzählt Dorothea Kohl.

Bei allen auftretenden Fragen war sie während der unterstützten Beschäftigung sowohl für Stan als auch für den Betrieb da. „Das Team von Schmitz Textiles hat sich sehr dafür eingesetzt, dass Stan seinen Platz in der Firma gefunden hat“, schildert Dorothea Kohl. „Dabei haben wir auf seine Stärken geschaut“, sagt Arbeitsleiter Hinrichs. Stan habe im Laufe der Zeit viele Fortschritte gemacht, ergänzt Hinrichs: „Er gestaltet sich seine Arbeitsabläufe inzwischen sogar zum großen Teil selbstständig. Er ist wirklich eine große Hilfe“. Da ist es nur folgerichtig, dass Schmitz Textiles den Emsdettener nach der Phase der unterstützten Beschäftigung in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen hat. „Das ist richtig toll gelaufen“, freut sich Birgit Haack. Sie wünscht sich, dass noch mehr Unternehmen den Versuch wagen und Menschen mit Handicap eine Chance geben: „Es ist ein Gewinn für beide Seiten“, sagt Hinrichs.

Ein Mann und eine Frau arbeiten gemeinsam an einer Art Gestell.
Stanislaw Prigorowski hat bei Schmitz Textiles seinen Platz im Berufsleben gefunden. Dabei geholfen haben ihm das Programm „Unterstützte Beschäftigung“ der Agentur für Arbeit und Job Coach Dorothea Kohl vom Lernen Fördern e.V.