30.10.2019 | Presseinfo Nr. 70

Presseinformation

Mehr Ausbildungsstellen als gemeldete Bewerber im Landkreis Meißen
24 unversorgte Bewerber und 92 unbesetzte Ausbildungsstellen zum 30.09.2019
 

Überblick

Im zurückliegenden Berufsberatungsjahr - von Oktober 2018 bis September 2019 - haben sich 1.463 Jugendliche (576 Mädchen und 887 Jungen) als Bewerber für eine Berufsausbildungsstelle bei der Agentur für Arbeit Riesa oder beim kommunalen Träger der Grundsicherung gemeldet. Der Rückgang von 163 jungen Menschen gegenüber dem Berufsberatungsjahr 2017/2019 ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass weniger Schüler die Schule verlassen haben. Diesen Bewerbern standen 1.506 beim Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Riesa gemeldete Berufsausbildungsstellen gegenüber. Im Vorjahresvergleich sind das 46 Stellen (-3,0 Prozent) weniger.

„Auf dem Ausbildungsmarkt haben die Jugendlichen momentan die besseren Karten. Die Unternehmen und Verwaltungen im Landkreis Meißen haben unserem Arbeitgeber-Service knapp 1.500 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet und somit stand zumindest rein rechnerisch jedem Bewerber eine Stelle gegenüber. Aber nicht in jedem Fall passten die Interessen der Jugendlichen mit den Anforderungen der Unternehmen zusammen, um alle Lehrstellen besetzen zu können. Ich finde es schade, dass uns die Jugendlichen aufgrund ihrer vermeintlich guten Chancen zunehmend keinen Vermittlungsauftrag erteilen. Denn durch die steigende Nachfrage der Betriebe können wir interessante Vorschläge unterbreiten oder auch Alternativen eröffnen, die gegebenfalls sonst nicht betrachtet worden wären. Alle jungen Menschen, die an einer Ausbildung interessiert sind, sollten sich zeitnah bei der Berufsberatung melden. Die duale Ausbildung ist ein Grundpfeiler für einen erfolgreichen Berufsstart und die beste Perspektive für die Zukunft – für Betriebe und für Jugendliche gleichermaßen“, so Petra Schlüter, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Riesa. 
                                                                                                                          

Verbleib der Bewerber

Bis zum 30. September 2019 mündeten von den 1.463 gemeldeten Bewerbern 906 Jugendliche in eine duale Ausbildung ein. Dies entspricht einem Anteil von 61,9 Prozent. 533 Bewerber nahmen anderweitige Ausbildungen auf, besuchen weiterhin die Schule oder nehmen an berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen teil. Am Ende September waren 24 Mädchen und Jungen noch nicht in eine Ausbildung oder eine Alternative eingemündet. „Gemeinsam mit den Kammern nutzen wir das sogenannte „V. Quartal“, also die Zeit 01. Oktober bis zum 31. Dezember, um diese Jugendlichen doch noch in eine Ausbildung zu integrieren, so Petra Schlüter weiter“

Bewerber nach Schulabschluss

920 aller gemeldeten Bewerber besuchten eine allgemeinbildende Schule und für 465 junge Menschen endete der Besuch einer berufsbildenden Schule. 36 Bewerber waren zuvor an Akademien oder Hochschulen. 45,5 Prozent (666 Bewerber) verfügen über einen Realschulabschluss und 26,7 Prozent der Jugendlichen (390 Bewerber) erlangten einen Hauptschulabschluss. Die allgemeine Hochschulreife haben 12,6 Prozent der jungen Menschen (184 Bewerber) und 7,6 Prozent der Jugendlichen (111 Bewerber) besitzen die Fachhochschulreife. 91 Mädchen und Jungen (6,2 Prozent) konnten keinen Schulabschluss nachweisen. Der Anteil der sogenannten Altbewerber (Bewerber, die die Schule in den Vorjahren beendeten) beträgt 33,1 Prozent (Vorjahr: 32,9 Prozent).

Betriebliches Ausbildungsangebot

Das betriebliche Ausbildungsangebot bildet die Chancen der Jugendlichen, in der Region einen Beruf zu erlernen, ab. Im zurückliegenden Berufsberatungsjahr akquirierten die Arbeitsvermittler im Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Riesa 1.489 betriebliche sowie 17 außerbetriebliche Ausbildungsstellen. Das sind insgesamt 46 Stellen (-3,0 Prozent) weniger als im Berufsberatungsjahr 2017/2018.

Die Top 10 der im zurückliegenden Berichtsjahr 2018/2019 gemeldeten Berufsausbildungsstellen waren:

Kaufmann/-frau im Einzelhandel (81 Stellen)
Zerspanungsmechaniker/in (58 Stellen)
Fachkraft - Lagerlogistik (52 Stellen)
Industriekaufmann/-frau (38 Stellen)
Mechatroniker/in (37 Stellen)
Verkäufer/in (35 Stellen)
Kfz-Mechatroniker/in (35 Stellen)
Kaufmann/-frau - Groß-/Außenhandel (34 Stellen)
Industriemechaniker/in (31 Stellen)
Koch/Köchin (31 Stellen)

Ende September blieben 92 der insgesamt 1.506 gemeldeten Berufsausbildungsstellen unbesetzt (Vorjahr: 117 Stellen). Unter anderem konnten Ausbildungsstellen für Manufakturporzellanmaler/in (7 Stellen), Fachverkäufer/in Lebensmittelhandwerk Bäckerei (6 Stellen), Hauswirtschafter/in (5 Stellen), Mechatroniker/in, Restaurantfachmann/frau (je 4 Stellen), Zerspanungsmechaniker/in, Metallbauer/in, Koch/Köchin, Kaufmann/-frau im Einzelhandel und Verkäufer/in (je 3 Stellen) nicht besetzt werden.

Oftmals sind es mehrere Gründe, die dazu führen, dass Ausbildungsstellen unbesetzt bleiben, zum Beispiel Interesse, schulische Leistungen, Mobilität.

Förderung benachteiligter Jugendlicher

Die Agentur für Arbeit Riesa hat für die Förderung benachteiligter Jugendlicher 29 Plätze eingerichtet, darunter 13 Plätze für behinderte Jugendliche. Des Weiteren gewährt die Arbeitsagentur mit dem Ausbildungsbeginn 2019 für 39 Jugendliche mit gesundheitlichen Einschränkungen oder Jugendliche mit Lernbehinderungen an Arbeitgeber einen Ausbildungszuschuss für die betriebliche Ausbildung. Mit finanzieller Unterstützung der Riesaer Arbeitsagentur starteten 23 Jugendliche ihre Berufsausbildung in einem Berufsbildungswerk.

Insgesamt 11 Jugendliche begannen Einstiegsqualifizierungen bei Arbeitgebern.

Top 10 der Berufswünsche

Die Berufswahl ist weiterhin stark von geschlechterspezifischen Wünschen und Vorstellungen geprägt.

Bei den Mädchen ergab sich folgende Rangliste:

Verkäuferin 84
Kauffrau - Büromanagement 38
Kauffrau im Einzelhandel 37
Medizinische Fachangestellte 35
Verwaltungsfachangestellte - Kommunalverwaltung 25
Friseurin 22
Sozialversicherungsfachangestellte - allg. Krankenversicherung 15
Zahnmedizinische Fachangestellte 14
Industriekauffrau 11
Tiermedizinische Fachangestellte 11

Bei den Jungen waren die Wunschberufe:

Fachlagerist 62
Kfz-Mechatroniker - PKW-Technik 58
Verkäufer 36
Tischler 30
Industriemechaniker 29
Kaufmann im Einzelhandel 27
Fachinformatiker - Anwendungsentwicklung 25
Mechatroniker 24
Koch 24
Zerspanungsmechaniker 21

Berufsorientierung

Die Agentur für Arbeit Riesa arbeitet mit allen Partnern des regionalen Arbeitsmarktes eng zusammen, um junge Menschen beim Übergang von der Schule in das Erwerbsleben zu unterstützen. So beteiligt sie sich an verschiedenen Oberschulen und Förderschulen an 15 Projekten zur vertieften Berufsorientierung im Agenturbezirk Riesa. Die Unterstützung junger Menschen durch Berufseinstiegsbegleiter begann in den vergangenen Jahren in den Förderschulen und wird derzeit an Oberschulen ausgebaut. Im aktuellen Beratungsjahr werden fast 500 Jugendliche an Oberschulen begleitet. An insgesamt 15 Oberschulen kommen auch Praxisberater zum Einsatz, die von der Agentur für Arbeit Riesa mitfinanziert werden.

Ausblick

Die Arbeitsvermittler im Arbeitgeber-Service sowie die Berufsberater der Agentur für Arbeit Riesa haben ihren Fokus bereits auf den Ausbildungsbeginn 2020 gerichtet. Alle Jugendlichen, die im nächsten Jahr in eine betriebliche Ausbildung starten möchten, sollten sich jetzt mit Blick auf die Berufswahl aktiv mit den eigenen Stärken und Talenten auseinandersetzen. Unsere Onlineangebote, zum Beispiel www.planet-beruf.de, www.berufe.tv und die AzubiWelt-App, bieten einen guten Einstieg in den Berufswahlprozess und in den Beratungsgesprächen mit unseren Berufsberater können die vielfältigen Möglichkeiten auf dem regionalen Ausbildungsmarkt und auch Alternativen im Detail besprochen werden.

„Am 23. November 2019 findet die 11. gemeinsame Ausbildungsbörse der Agentur für Arbeit Riesa und des Jobcenters Landkreis Meißen zum Tag der offenen Tür am Beruflichen Schulzentrum für Technik und Wirtschaft in Riesa statt. Rund 90 Aussteller stellen an diesem Tag die vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten im Landkreis Meißen und darüber hinaus vor. An diesem Tag können Jugendliche und ihre Eltern unkompliziert mit Personalverantwortlichen ins Gespräch kommen und die Vielfalt der Ausbildungschancen direkt vor der Haustür kennenlernen“, so Petra Schlüter. Personalentscheidern rät sie, die Ausbildungsstellen frühzeitig zu melden und bei der Bewerberauswahl auch Jugendliche zu berücksichtigen, die auf den ersten Blick nicht alle Anforderungen erfüllen. Jeder hat Talente und Fähigkeiten. Falls sich zu Beginn oder auch im Laufe der Ausbildung Unterstützungsbedarf abzeichnet, fördert die Agentur für Arbeit Riesa mit ausbildungsbegleitenden Hilfen.