05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Entwicklung Arbeitsmarkt im Dezember

•             11.512 Arbeitslose im Agenturbezirk
•             388 Arbeitslose weniger als im Vormonat
•             Arbeitslosenquote sinkt auf 4 Prozent
 
Die Zahl der Arbeitslosen in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg ist zum vierten Mal in Folge gesunken. Zum Stichtag Mitte Dezember waren 11.512 Männer und Frauen ohne Arbeit, 388 Personen weniger als noch im November. Mit minus 3,3 Prozent verzeichnete die Agentur für Arbeit Rottweil - Villingen-Schwenningen landesweit den stärksten Rückgang der Arbeitslosenzahlen im Dezember. „Zum einen liegt die Zahl derjenigen Personen, die ihre Arbeitslosigkeit beenden und ein Beschäftigung aufnehmen konnten, erfreulicherweise über den Werten der Vorjahre“, beschreibt Sylvia Scholz, Geschäftsführerin der Agentur für Arbeit Rottweil – Villingen-Schwenningen die Situation. „Mehr Arbeitsaufnahmen gab es insbesondere in den Verkehrs-, Logistik- und Fertigungsberufen. Andererseits halten viele Betriebe ihre Beschäftigten, unterstützt durch Kurzarbeit.“ Die Arbeitslosenquote im Agenturbezirk sank im Dezember auf 4 Prozent und liegt damit wieder unter dem Landesschnitt von 4,2 Prozent. Der winterliche Lockdown, der seit dem 16. Dezember neuerliche Einschränkungen für Einzelhandel, Gastronomie, Kultur- und Freizeitbetriebe sowie für viele Dienstleister zur Folge hat, kann sich in den aktuellen Zahlen aufgrund des statistischen Stichtages (10. Dezember) noch nicht wiederspiegeln.

 

Jahresrückblick Arbeitsmarkt 2020

In den letzten zehn Jahren war der Arbeitsmarkt von einer langanhaltenden wirtschaftlichen

Wachstumsphase geprägt. Internationale Handelskonflikte, der EU-Austritt des

Vereinigten Königreiches, die Transformation in der Automobilindustrie und der Beginn

der Strukturkrise im verarbeitenden Gewerbe dämpften dieses Wirtschaftswachstum

bereits im Jahr 2019. Die Corona-Krise überlagerte diese konjunkturelle Schwächephase

im zweiten Quartal des vergangenen Jahres und sorgte ab April 2020 für einen

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weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit. Mit dem Herbstaufschwung setze eine leichte Erholung

auf dem Arbeitsmarkt ein, viele Unternehmen waren wieder auf Wachstumskurs

und Auftragsspitzen wurden abgebaut, mehr Menschen konnten ihre Arbeitslosigkeit

beenden. „Angesichts der immensen Herausforderungen zeigte sich der Arbeitsmarkt

2020 vergleichsweise robust, Wirtschaftshilfen und Stabilisierungsmaßnahmen wie das

Kurzarbeitergeld konnten eine noch höhere Arbeitslosigkeit verhindern“, sagt Sylvia

Scholz rückblickend. Die Teams der Leistungsgewährung werden weiterhin von Kolleginnen

und Kollegen aus benachbarten Bereichen unterstützt und zusätzlich wurden

befristet neue Mitarbeiter eingestellt, um die hohen Antragszahlen zu stemmen. „Die

Lage bleibt angespannt und ab wann mit einer nachhaltigen Erholung gerechnet werden

kann, ist stark vom Infektionsgeschehen abhängig. Bis dahin stellen wir eine zügige

Leistungsbearbeitung und Auszahlung von Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld in

dieser für alle Beteiligten herausfordernden Situation sicher. Parallel dazu zielt unsere

Weiterbildungsförderung als präventive Maßnahme darauf ab, die Beschäftigten am Arbeitsmarkt

zu halten und fit für zukünftige Anforderungen zu machen.“

Arbeitslosigkeit

Im Jahresschnitt waren in der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg 11.282 Männer und

Frauen arbeitslos gemeldet, 3.651 oder 47,8 Prozent mehr als 2019. Die Arbeitslosenquote

betrug im Jahresdurchschnitt 4 Prozent (plus 1,3 Prozentpunkte im Vergleich zu

2019).

Verlauf der Arbeitslosigkeit 2019 und 2020. Im Dezember waren 3.211 mehr Menschen arbeitslos als vor

einem Jahr. Agentur für Arbeit Rottweil - Villingen-Schwenningen (Quelle: Statistik der Bundesagentur für

Arbeit)

Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez Jan Feb Mrz Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez

+ 3.211

8.301

11.512

2019 2020

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Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) betrug

im Jahresschnitt 68 Prozent. Die Arbeitslosenzahl in der Grundsicherung (Rechtskreis

SGB II) reagiert auf Konjunktureinflüsse meist schwächer und später als in der

Arbeitslosenversicherung (Rechtskreis SGB III). Auch in der Corona-Krise stieg die Arbeitslosigkeit

in der Grundsicherung deutlich schwächer als in der Arbeitslosenversicherung.

Im Jahresdurchschnitt 2020 waren dies 22,6 Prozent. Mit der negativen Arbeitsmarktentwicklung

nahm die Anzahl der Langzeitarbeitslosen – Menschen, die länger als

ein Jahr arbeitslos sind – zu: Im Bereich der Arbeitslosenversicherung (SGB III) waren

im Jahresschnitt 528 langzeitarbeitslose Personen gemeldet, das ist ein Anstieg von

90,3 Prozent zum Vorjahreswert. Die Mehrzahl der Langzeitarbeitslosen erhält jedoch

Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II): 2020 waren das im

Schnitt 1.576 Personen (plus 27,5 Prozent). „In der aktuellen Krise haben besonders

geringqualifizierte Arbeitslose ein erhöhtes Risiko, dass aus dem kurzfristigen Jobverlust

Langzeitarbeitslosigkeit wird“, beschreibt Sylvia Scholz. „In dieser Situation setzen

Jobcenter und die Agenturen für Arbeit auf eine Verbesserung der Qualifikation und

abschlussorientierte Weiterbildung, um anschließend auf dieser Basis eine möglichst

dauerhafte Arbeitsaufnahme zu ermöglichen.“

Schwarzwald-Baar-Kreis Jahreswerte 2020

5.393 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt (plus 50,8 Prozent)

SGB III: 3.209 Personen (plus 71 Prozent)

SGB II: 2.183 Personen (plus 28,5 Prozent)

Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt: 4,4 Prozent (2019: 3 Prozent)

Landkreis Rottweil Jahreswerte 2020

2.742 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt (plus 46,5 Prozent)

SGB III: 1.846 Personen (plus 67 Prozent)

SGB II: 896 Personen (plus 17 Prozent)

Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt: 3,4 Prozent (2019: 2,3 Prozent)

Landkreis Tuttlingen Jahreswerte 2020

3.147 Arbeitslose im Jahresdurchschnitt (plus 44,2 Prozent)

SGB III: 2.064 Personen (plus 64,5 Prozent)

SGB II: 1.084 Personen (plus 16,7 Prozent)

Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt: 3,8 Prozent (2019: 2,7 Prozent)

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Kurzarbeit

Kurzarbeit hat sich in der Krise als flexibles Instrument bewährt, um Arbeitsplätze zu

erhalten und Kündigungen zu vermeiden. Die angezeigte Kurzarbeit ist ein wichtiger

Indikator für die Entwicklung des Arbeitsmarktes und signalisiert, wie viele Betriebe für

welche Anzahl ihrer Beschäftigten Kurzarbeit planen. Da sich die Auftragslage der Betriebe

ändern kann, handelt es sich um eine reine Absichtserklärung – das bedeutet,

dass die Kurzarbeit für weniger Beschäftigte oder für einen kürzeren Zeitraum oder sogar

gar nicht erfolgen kann.

Angezeigte Kurzarbeit

Seit Beginn der Corona-Pandemie wurde Kurzarbeit in einem bisher noch nie erlebten

Umfang angezeigt. Der Höhepunkt des Jahres 2020 wurde im April erreicht: In diesem

Monat gingen 3.988 Anzeigen von Betrieben aus dem Agenturbezirk ein. Damit wurde

Kurzarbeit für 58.818 Beschäftigte angemeldet. Im dritten Quartal gingen die Anzeigen

mit dem konjunkturellen Erholungskurs deutlich zurück und erreichten im August ihren

Tiefstand seit Beginn der Corona-Krise. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen im

Herbst und den damit einhergehenden neuen Beschränkungen stieg die angezeigte

Kurzarbeit im vierten Quartal erneut an. Im Dezember setzte sich die Entwicklung mit

433 Anzeigen für 3.099 Personen fort.

Insgesamt gingen 2020 kumuliert 7.017 Anzeigen für 99.086 Personen ein (2019: 392

Anzeigen für 5.951 Personen). Bei der Summe können allerdings Doppelzählungen

durch Betriebe auftreten, die in 2020 mehr als eine Anzeige abgegeben haben, weil sie

die Kurzarbeit für mindestens drei Monate unterbrochen haben oder weil die erste Anzeige

nur für ein halbes Jahr galt.

Anzeigen konjunkturelle Kurzarbeit 2020, Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen (Quelle: Statistik

der Bundesagentur für Arbeit, eigene Darstellung)

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Realisierte Kurzarbeit

Die Statistik über die realisierte Kurzarbeit gibt den tatsächlichen Arbeitsausfall an. Anträge

mit Abrechnungslisten der Betriebe können innerhalb einer Frist von drei Monaten

nach dem Monat mit Kurzarbeit abgegeben werden, weshalb die Daten erst nach einer

5-monatigen Wartezeit vollzählig sind und veröffentlicht werden.

Realisierte Kurzarbeit 2020, Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen (Quelle: Statistik der Bundesagentur

für Arbeit, eigene Darstellung)

Im Mai 2020 war rund jeder vierte sozialversicherungspflichtige Beschäftigte im Agenturbezirk

von Kurzarbeit betroffen: Die Kurzarbeiterquote erreichte in diesem Monat ihren

Höchststand von 24,9 Prozent. 3.648 Betriebe bezogen in diesem Monat für 53.444

Beschäftigte Kurzarbeitergeld. Rund zwei Drittel der Beschäftigten kamen aus dem Verarbeitenden

Gewerbe, vor allem aus der Metall- und Elektroindustrie. Aber auch Dienstleistungsbereiche

wie Handel und Gastronomie waren stark von Kurzarbeit betroffen.

Beschäftigung

Im Laufe des Jahres 2020 nahm die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im

Agenturbezirk mit seinen drei Landkreisen ab. Insgesamt sank die Zahl der Beschäftigten

um 1,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf insgesamt 212.194 Personen (minus

3.060 Personen). Das Verarbeitende Gewerbe zeigte bereits seit Mitte 2019 eine

Schwächetendenz, die sich mit der Corona-Krise beschleunigte: Die Beschäftigung

sank um 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2020: 97.697 Personen, minus 2.661

Beschäftige). Im Gastgewerbe war prozentual gesehen ein noch stärkerer Beschäftigungsrückgang

mit minus 5,7 Prozent zu verzeichnen (2020: 4.130 Personen, minus

248 Beschäftigte). Die Daten beziehen sich auf den Stichtag vom 30. Juni 2020.

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Stellenmarkt

Im Jahr 2020 war die Nachfrage nach Arbeitskräften verhalten. In wirtschaftlich angespannten

Lagen wechseln Beschäftigte seltener ihren Arbeitsplatz. Diese niedrigere

Fluktuation trägt neben dem zurückhaltenden Personalbedarf der Unternehmen dazu

bei, dass weniger Stellen zu besetzen sind. Insgesamt wurden im Agenturbezirk knapp

ein Drittel weniger Arbeitskräfte nachgefragt als 2019. Der Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen

fiel im Jahresschnitt 30,9 Prozent geringer aus. Im Dezember waren zuletzt

582 Stellenangebote weniger im Bestand als vor einem Jahr.

Entwicklung der gemeldeten Arbeitsstellen in den Jahren 2019 und 2020. Im Dezember gab es 582 Stellenangebote

weniger im Bestand als vor einem Jahr. Agentur für Arbeit Rottweil-Villingen-Schwenningen

(Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit)

Ausbildungsmarkt

Die Corona-Pandemie hat den Ausgleich auf dem Ausbildungsmarkt deutlich verlangsamt,

aufgrund des Lockdowns im Frühjahr verzögerten sich Auswahl- und Entscheidungsprozesse.

Im Agenturbezirk Rottweil – Villingen-Schwenningen hatten Bewerber

jedoch weiterhin gute Chancen: Auf 100 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen kamen

rechnerisch 68 gemeldete Bewerber. Kleine und mittlere Unternehme, die an ihrer

Ausbildungsbereitschaft festhalten, können seit August mit dem Bundesprogramm Ausbildungsplätze

sichern Förderleistungen beantragen, um die Folgen der Corona-Pandemie

abzufedern. Die Vermittlungsaktivitäten der Berufsberatung laufen indes weiter: Im

sogenannten „5. Quartal“ von Oktober bis Dezember können erfahrungsgemäß einige

der noch unbesetzten Ausbildungsstellen besetzt werden und noch unversorgte Bewerber

werden dabei unterstützt, einen Ausbildungsplatz oder eine Alternative finden. Die

Bilanz zur Nachvermittlung erscheint mit dem nächsten Arbeitsmarktbericht am 29. Januar.