10.12.2019 | Presseinfo Nr. 189

Vorbildliches Engagement bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung

Am 03. Dezember jedes Jahres findet der Internationale Tag der Menschen mit Behinderung statt – ein von den Vereinten Nationen ausgerufener Gedenktag, der das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Probleme von Menschen mit Behinderung wachhalten und den Einsatz für die Würde, die Rechte und das Wohlergehen dieser Menschen fördern soll. Die Bundesagentur für Arbeit als Träger der aktiven Arbeitsförderung und der beruflichen Rehabilitation machte vom 02. bis 06. Dezember 2019 in einer Aktionswoche für Menschen mit Behinderung Unternehmen noch einmal verstärkt auf die Beschäftigungspotenziale dieses Personenkreises aufmerksam.

Die Aktionswoche war ein guter Anlass für die Agentur für Arbeit Saarland, die Firma NOWEDA in Friedrichsthal zu besuchen. Mit rund 80 Beschäftigten ist NOWEDA einer der großen Betriebe in Friedrichsthal und eine der 20 Niederlassungen der Apothekergenossenschaft NOWEDA EG mit Sitz in Essen. Sie hat das Potential schwerbehinderter Menschen erkannt und mit Unterstützung durch die Agentur für Arbeit zwei gehörlose Frauen eingestellt.

„Menschen mit Behinderung haben es im Vergleich zu nichtbehinderten Menschen leider immer noch schwerer, auf dem ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen“, erläutert Christina Arend, Geschäftsführerin Operativ der Agentur für Arbeit Saarland. „Dabei sind diese Menschen nicht weniger leistungsfähig. Vielmehr sind sie – richtig eingesetzt – sehr motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Chancen nutzen. Gut qualifizierte Arbeitsuchende mit Behinderung sind in allen Berufsgruppen zu finden, auch in Engpassberufen, d.h. in den Bereichen, in denen Fachkräfte fehlen oder händeringend gesucht werden“.

Michael Schilke, Betriebsleiter von NOWEDA in Friedrichsthal sieht das genauso, „Wir sehen uns in der gesamtgesellschaftlichen und sozialen Verantwortung, auch Menschen mit Behinderung auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu geben“, so Schilke. „Bei uns steht der Mensch als Garant für den Erfolg des Unternehmens im Mittelpunkt. Bei der Eingliederung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist es uns wichtig, dass das bestehende Team miteinbezogen wird. Dies gerade dann, wenn Unsicherheiten auf Seiten der neuen Mitarbeiterin bzw. des neuen Mitarbeiters oder des Teams bestehen, die im Vorfeld besprochen werden sollten, so auch bei Menschen mit Handicap“, betont Schilke.

Aktuell sind im Saarland rund 1.970 schwerbehinderte Frauen und Männer arbeitslos gemeldet, fast 10 Prozent mehr als vor einem Jahr. Dieser Personenkreis konnte in den vergangenen Jahren vom allgemeinen Rückgang der Arbeitslosigkeit nicht in gleichem Maße profitieren wie andere Personengruppen.

Arbeitgeber mit 20 oder mehr Arbeitsplätzen sind nach dem Schwerbehindertenrecht dazu verpflichtet, wenigstens fünf Prozent dieser Stellen mit schwerbehinderten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu besetzen. Für jeden nicht besetzten Pflichtarbeitsplatz müssen die Unternehmen eine Ausgleichsabgabe entrichten. Ein Blick auf die Ergebnisse des Anzeigenverfahrens nach dem Schwerbehindertengesetz zeigt, dass die Beschäftigung Behinderter noch ausgebaut werden kann. Im Jahr 2017 (aktuellster Datenstand) haben die rund 1.720 beschäftigungspflichtige saarländischen Unternehmen 10.120 schwerbehinderte Menschen beschäftigt, 1,7 Prozent mehr als 2016. Sie waren überwiegend in den Bereichen Öffentliche Verwaltung und Sozialversicherung, im Verarbeitenden Gewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Handel tätig. Die Beschäftigungsquote lag 2017 unverändert bei 4,2 Prozent (private Arbeitgeber: 3,8 Prozent; öffentliche Arbeitgeber: 5,9 Prozent). Für jeden nicht besetzten Pflichtarbeitsplatz müssen die Arbeitgeber monatlich eine Ausgleichsabgabe von derzeit 125 bis 320 Euro zahlen.


Finanzielle Fördermöglichkeiten bei Einstellung von schwerbehinderten Menschen

Die Agentur für Arbeit Saarland unterstützt bei Einstellung und Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen und Rehabilitanden mit verschiedenen finanziellen Förderungen. Sie sind auf die jeweiligen Bedürfnisse und Voraussetzungen der Betroffenen und Unternehmen abgestimmt. So kann beispielsweise eine Maßnahme beim Arbeitgeber gefördert werden. Sie dient dem arbeitgeberseitigen und arbeitnehmerseitigen Kennenlernen. Beide können prüfen, ob man zueinander passt. Eine Probebeschäftigung mit der 100%igen Übernahme der ortsüblichen Lohnkosten dient der Erlangung von notwendigen Kenntnissen der Arbeit im Betrieb. Der Arbeitnehmer/die Arbeitnehmerin werden vom Arbeitgeber für dessen Betrieb geschult und eingearbeitet.

Weitere Förderungen für behinderte oder schwerbehinderte Personen werden im Einzelfall entschieden:

  • Eingliederungszuschuss für behinderte und schwerbehinderte Menschen
  • Sonderprogramm zum Abbau der Arbeitslosigkeit schwerbehinderter Menschen
  • Probebeschäftigung behinderter Menschen
  • Hilfsmittel und Technische Arbeitshilfen zur Ausgestaltung des Arbeitsplatzes Förderleistungen zur Aufnahme einer Ausbildung

Die Nachfrage lohnt sich, denn die Arbeitsagentur findet Lösungen für jedes Unternehmen. Spezielle Beraterinnen und Berater für die berufliche Rehabilitation und der technische Berater in der Arbeitsagentur Saarland beraten gerne über die vielfältigen Möglichkeiten. Der Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit steht unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 4 5555 20 zur Verfügung.