18.11.2020 | Presseinfo Nr. 94

Ausbildungsmarkt – Bilanz und Entwicklung im Landkreis Cham

„Das zurückliegende Ausbildungsjahr wird allen Akteuren sicherlich in besonderer Erinnerung bleiben. Durch die Pandemie mussten Arbeitgeber, Bewerberinnen und Bewerber sowie die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Schwandorf neue Wege finden und entwickeln, um keinen Corona-Jahrgang entstehen zu lassen. Im Landkreis Cham ist dies gelungen“, bestätigen unisono Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf und Franz Löffler, Landrat des Landkreises Cham.
 

Die Arbeitgeber im Landkreis Cham meldeten von Oktober 2019 bis Ende September 2020 insgesamt 1.562 Ausbildungsstellen. Das waren 192 Stellen bzw. 10,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Bewerber für eine Ausbildungsstelle um 87 bzw. 10,4 Prozent auf 750 Personen. Ende September waren noch 310 freie Ausbildungsstellen gemeldet (im Vorjahr 209). Jedem Bewerber standen statistisch gesehen wie schon im Vorjahr 2,1 Stellen zur Verfügung.

„Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber trotz der Pandemie in der mittleren Oberpfalz im Vergleich zum Vorjahr erneut zurückgegangen ist. Lediglich acht Jugendliche waren am Ende des Jahres unversorgt. Ebenfalls positiv zu verbuchen ist die große Ausbildungsbereitschaft der Betriebe, die trotz der Corona-Einschränkungen und wirtschaftlich herausfordernder Zeiten an den Ausbildungszusagen festgehalten haben. Ohne diese Bereitschaft wäre der Chamer Ausbildungsmarkt deutlich schlechter durch die Krise gekommen. Honoriert wurde das Verhalten der Arbeitgeber durch die Ausbildungsprämien auch vom Gesetzgeber“, berichtet der Agenturleiter.

„Ich bin wirklich sehr froh, dass die Unternehmen im Landkreis Cham trotz der schwierigen Situation an ihrer Ausbildungsbereitschaft festhalten. Eine der wichtigsten Strategien zur Sicherung des Fachkräftebedarfs ist nach wie vor die Ausbildung“, betont Landrat Franz Löffler.

BA unterstützt Jugendliche im Schuljahr 2020/2021 auf vielfältige Weise

Ein Einblick in die Theorie und Praxis von Berufen ist sehr wichtig. Daher erhalten im Kreis Cham 357 Schülerinnen und Schüler der Mittelschulen und Förderzentren - einer Zielgruppe die überwiegend betriebliche Ausbildung anstrebt - mit Berufsorientierungsmaßnahmen einen realistischen Eindruck in verschiedene Berufe.

Für Jugendliche mit Schwierigkeiten einen Hauptschulabschluss zu erwerben, in eine Ausbildung zu gelangen oder sich in einer Ausbildung zu bewähren stehen im Landkreis Cham insgesamt 126 Plätze für eine Berufseinstiegsbegleitung an Mittel- und Förderschulen zur Verfügung.

Insgesamt 16 Jugendliche können in eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) im Kreis Cham eintreten. Die Maßnahme enthält Praktikumsphasen und hat das Ziel, Jugendlichen möglichst noch in diesem Jahr, spätestens aber im nächsten Jahr, zu einem Ausbildungsplatz zu verhelfen.

Für besonders benachteiligte Jugendliche besteht die Möglichkeit der Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE). Hier können insgesamt vier Jugendliche im Landkreis eine von der Agentur für Arbeit geförderte Ausbildung antreten. Ziel ist die Übernahme in ein reguläres Ausbildungsverhältnis.

Eine Einstiegsqualifizierung steht im kommenden Jahr für zwölf Chamer Jugendliche zur Verfügung, bei denen die Ausbildungsreife bislang nicht im notwendigen Umfang vorhanden ist. Die Arbeitgeber vermitteln im Rahmen eines Langzeitpraktikums vorwiegend praktische Kenntnisse, sodass meist im Folgejahr die Aufnahme einer Ausbildung möglich ist.

Für junge Menschen mit Behinderung gibt es in der mittleren Oberpfalz bei entsprechendem Förderbedarf durch die Agentur für Arbeit finanzierte Alternativen zu einem Direkteinstieg ins Arbeitsleben. Insgesamt 30 Plätze stehen in einer wohnortnahen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme zur Verfügung. Für weitere 30 Jugendliche gibt es eine gleichartige Maßnahme mit Internatsunterbringung. Ferner wird eine geförderte kooperative Ausbildung für 18 Jugendliche mit Handicap angeboten, bei der ein Bildungsträger und Betrieb zusammenwirken. Für bis zu 38 Personen besteht die Möglichkeit, eine integrative Ausbildung mit oder ohne Internatsunterbringung anzutreten.

Unterstützungsangebote während der Ausbildung

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) stellen eine zielführende Unterstützung dar, wenn der erfolgreiche Ausbildungsabschluss gefährdet ist oder Probleme auftreten. Die Agentur für Arbeit organisiert bei Bedarf kostenlose Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis. Flankierend kann zudem eine sozialpädagogische Betreuung in Anspruch genommen werden. Die Arbeitsagentur stellt im Kreis Cham 235 Plätze für abH-Maßnahmen zur Verfügung. Für Jugendliche mit Behinderung stehen zusätzlich nochmals im gesamten Agenturbezirk 70 abH-Plätze bereit, davon ein Drittel im Kreis Cham.

Durch die abH-Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass Jugendliche ihre Ausbildung fortsetzen, auch wenn es Startschwierigkeiten ins Berufsleben gibt. Die Präventionsstrategie hat sich bewährt und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten der Agentur für Arbeit Schwandorf. Rund 80 bis 90 Prozent der geförderten Jugendlichen schaffen später die Abschlussprüfung und werden zu gefragten Fachkräften.

Das Instrument Assistierte Ausbildung (AsA), steht für zwölf Jugendliche im Gesamtbezirk zur Verfügung. Es richtet sich an Auszubildende, die während ihrer Lehrzeit auf besonders große Herausforderungen treffen und bei denen die ausbildungsbegleitenden Hilfen nicht ausreichen, um einen Abschluss zu ermöglichen.

Treffen Jugendliche während ihrer Ausbildung auf Probleme, empfiehlt es sich, dass sich die Auszubildenden bzw. der Betrieb frühzeitig bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit melden. Je früher die Unterstützungsangebote angenommen werden, desto schneller können mögliche Probleme gelöst werden.

„Passende Nachwuchskräfte zu finden, ist für Unternehmen in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, da die Demographie und der Trend zur Akademisierung sich immer stärker bemerkbar machen. Um die Zukunft des eigenen Betriebs zu sichern, lohnt es sich daher, die Suche möglichst offen zu gestalten. Wer auch Ausbildungen in Teilzeit anbietet und bereit ist schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben, erhöht seine Erfolgsaussichten im Wettbewerb um kluge Köpfe. Gerne beraten die Expertinnen und Experten im Arbeitgeber-Service interessierte Unternehmen, welche Unterstützungsangebote es derzeit gibt“, sagt Markus Nitsch.

Arbeitsagentur fördert Jugendliche mit 5,5 Millionen Euro

Zur Förderung der Berufsausbildung stellt die Agentur für Arbeit Schwandorf für den gesamten Agenturbezirk zu dem neben dem Landkreis Cham noch die Kreise Schwandorf, Amberg-Sulzbach und die Stadt Amberg gehören, ein Budget in Höhe von rund 5,5 Millionen Euro zur Verfügung. Dieses dient der Unterstützung Jugendlicher und trägt damit zur Fachkräftesicherung bei.