02.12.2020 | Presseinfo Nr. 100

Neunburger Taxiunternehmer mit Inklusion hinter dem Lenkrad erfolgreich

Die Bundesagentur für Arbeit veranstaltet mit zahlreichen Netzwerkpartnern vom 30. November bis 4. Dezember die Woche der Menschen mit Behinderung. Wie Inklusion vor Ort im Agenturbezirk Schwandorf gelingt, zeigt das Taxiunternehmen Fritz Hoffmann aus Neunburg vorm Wald.
 

Neunburg. Auf den Straßen in Neunburg und überregional sind die Fahrerinnen und Fahrer des Taxiunternehmens Fritz Hoffmann täglich unterwegs, um Menschen sicher ans Ziel zu bringen. Genauso vielfältig wie die Lebensläufe der Fahrgäste auf der Rückbank sind die Biografien der Menschen hinter dem Steuer. Mit Martin Dietl (54 Jahre) und Johann Elsner (60 Jahre) sind für das Unternehmen seit diesem Jahr auch zwei Fahrer mit Handicap im Einsatz.

„Im Frühjahr haben wir nach neuen Mitarbeitern gesucht. Als ich erfahren habe, dass zwei Bewerber ein schweres Rückenleiden plagt, war dies für mich nicht von Bedeutung. Eine Krankheit oder Behinderung kann jeden treffen. Das sagt nichts über das Engagement und den Charakter eines Menschen aus. Und die entscheiden, ob jemand zu uns passt oder nicht“, sagt der Taxiunternehmer Fritz Hoffmann.

Er gab Dietl und Elsner die Chance, sich zu beweisen – und hat es nicht bereut. „Beide sind mit Begeisterung bei der Arbeit, einfühlsam gegenüber unseren oft schwerkranken Fahrgästen und absolut zuverlässig. Man merkt deutlich, dass sie mit Herzblut bei der Sache sind und ihnen der Job viel bedeutet“, so Hoffmann weiter.

Das Rückenleiden der beiden Mitarbeiter ist kein Tabuthema im Unternehmen. „Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Als Familienunternehmen ist es für uns selbstverständlich, dass wir füreinander da sind und andere dort unterstützen wo es nötig ist. Müssen schwere Lasten gehoben werden, greift jemand Herrn Dietl und Elsner unter die Arme. Im Gegenzug springen die beiden dort ein, wo sie etwas besser als ein anderer Mitarbeiter können“, sagt der Firmenchef.

„Aufgrund meines Rückenleidens konnte ich meinen alten Beruf in der Kfz-Industrie nicht mehr ausüben. Das war nicht einfach für mich. Ich habe immer gerne gearbeitet und wollte auch weiterhin etwas Sinnvolles tun. Umso größer war natürlich die Freude, dass ich das bei Taxi Hoffmann nun wieder kann“, erzählt Martin Dietl. Ähnlich erging es seinem Kollegen Johann Elsner: „Auf dem Papier gehöre ich vielleicht zum alten Eisen. Aber wie sagt man so schön: Wer rastet, der rostet. Die Zeit bis zum Ruhestand abzusitzen, kam für mich nicht infrage. Durch den Beruf lerne ich viele Menschen kennen und habe Abwechslung im Alltag.“

Zustande kam der Kontakt zwischen den Bewerbern und Taxi Hoffmann durch Vermittlung der Arbeitsagentur Schwandorf. Finanziell gefördert wurden beide Einstellungen mit einem Eingliederungszuschuss. „Ein Unternehmen sucht Mitarbeiter, zwei Bewerber möchten unbedingt den Job. Alter und Behinderung spielen keine Rolle und nach kurzer Zeit sind die Arbeitsverträge unterschrieben. Taxi Hoffmann zeigt eindrucksvoll, wie unkompliziert gelebte Inklusion sein kann“, sagt Bernhard Lang, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit Schwandorf.

Der stellvertretende Agenturleiter ermuntert Arbeitgeber bei der Stellenbesetzung das Augenmerk nicht auf mögliche Schwächen von Bewerberinnen und Bewerber zu richten, sondern darauf, was wirklich für die Tätigkeit relevant ist. „Unsere Erfahrung zeigt, dass Unternehmen mit einer offenen Strategie bei der Stellenbesetzung im Schnitt deutlich erfolgreicher bei der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind. Nicht nur können sie Stellen schneller besetzen, sondern meist auch mit höher qualifizierten Arbeitnehmern. Dies liegt auch daran, dass sich unter den arbeitslosen Personen mit Behinderung sehr viele Fachkräfte befinden. Sie warten oft auf eine Chance, ihr Können zu zeigen und sind daher für jeden Arbeitgeber ein großer Gewinn. Gerne beraten die Expertinnen und Experten des gemeinsamen Arbeitgeber-Services der Arbeitsagentur und des Jobcenters interessierte Arbeitgeber zum Thema“, berichtet Lang.

Unter den 7.460 erwerbslosen Personen im Agenturbezirk Schwandorf befanden sich im November zirka 880 arbeitslos gemeldete Personen mit Schwerbehinderung. Knapp 350 von ihnen strebten eine Stelle als Fachkraft an.