20.01.2021 | Presseinfo Nr. 3

Arbeitsmarktbilanz 2020

Coronakrise bestimmt Arbeitsmarktentwicklung.

Das zurückliegende Arbeitsmarktjahr war von großen Verwerfungen gekennzeichnet. Die Coronakrise zeigte sich in der mittleren Oberpfalz, das heißt in den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach, Cham und in der kreisfreien Stadt Amberg, unter anderem in einer starken Zunahme der Arbeitslosigkeit und der Kurzarbeiterzahlen bei zugleich stockenden Neuzugängen der Stellen sowie einem Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.
 

Schwandorf. Zu Beginn des Jahres zeigten sich zunächst noch saisontypische Effekte, wie die erhöhte Winterarbeitslosigkeit. „Diese wird in normalen Jahren durch einen Aufschwung im Frühjahr beendet. Dieser war 2020 kaum zu spüren. Im Gegenteil: Durch steigende Infektionen in der Region und dem Lockdown Mitte März fror der Arbeitsmarkt zeitweise weitgehend ein“, berichtet Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.

In den Frühlingsmonaten belastete das neuartige Virus die Unternehmen und Beschäftigten. Die Arbeitsagentur Schwandorf reagierte auf die neue Lage unter anderem, indem sie sich innerhalb kürzester Zeit umorganisierte. Die Krisenbewältigung stand nun im Fokus der Arbeit. Zahlreiche Arbeitgeber hatten zum ersten Mal in ihrer Geschäftshistorie mit dem Thema Kurzarbeit zu tun. Vielfach nahmen die Unternehmen die Beratungsangebote der Arbeitsagentur wahr. Die Telefonleitungen waren gerade in der Anfangszeit stark ausgelastet. Die BA erweiterte ihre telefonischen Erreichbarkeiten und baute auch die EDV entsprechend aus.

Unterstützt durch verschiedene staatliche Programme und das Instrument der Kurzarbeit stabilisierte sich die Lage in den Sommermonaten. Der Arbeitsmarkt taute wieder auf. Die gebeutelte Hotel- und Gastronomiebranche erlebte im Sommer einige rentable Wochen.

„Mit dem Ende der Freiluftsaison und den wieder gestiegenen Infektionszahlen kehrten die pandemiebedingten Probleme im Herbst zurück. Es gab kaum eine Branche, die das Krisenjahr 2020 ohne größere Einschnitte durchlebte. Zum Vorkrisenniveau zurückgekehrt ist der Arbeitsmarkt bis zum Jahresende nicht. Durch das Aufflammen von Infektionsherden rund um den Globus, liefen die Lieferketten seit Beginn der Pandemie nicht mehr reibungslos, was zahlreiche Betriebe aus dem verarbeitenden Gewerbe belastete. Die Veranstaltungsbranche musste ein Jahr ohne Volksfeste, Konzerte, Messen und andere größere Veranstaltungen verkraften“, berichtet der Agenturleiter.

Auf das ganze Jahr betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Agentur für Arbeit stark an. Knapp 8.310 Arbeitnehmer waren von Arbeitslosigkeit betroffen und somit rund 1.680 Personen bzw. 25,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutliche Unterschiede bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit fallen beim Blick auf die beiden Rechtskreise auf. Ende des Jahres waren rund 2.740 Personen Kunden der drei Jobcenter in der mittleren Oberpfalz. Damit nahm die Zahl der Arbeitslosen im Bereich SGB II um zirka 280 Personen bzw. 11,2 Prozent zu.

Ein noch stärkerer Anstieg der Arbeitslosigkeit war im Bereich SGB III zu verzeichnen. Die Zahl der von der Agentur für Arbeit betreuten Arbeitslosen lag bei zirka 5.570 Personen. Somit waren knapp 1.410 Arbeitnehmer bzw. 33,7 Prozent mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als im Vorjahr.

Die Arbeitslosenquote lag im Agenturbezirk Schwandorf bei 3,4 Prozent und somit 0,7 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.

Mehr Zu- und Abgänge als im Vorjahr

Im Jahr 2020 meldeten sich aus der Erwerbstätigkeit heraus rund 14.210 Personen neu oder erneut arbeitslos, knapp 210 Arbeitnehmer bzw. 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug beendeten knapp 11.280 Personen ihre Arbeitslosigkeit, um direkt eine Tätigkeit aufzunehmen, rund 80 Arbeitnehmer bzw. 0,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Langzeitarbeitslosigkeit hat pandemiebedingt zugenommen

„Die Unternehmen haben 2020 weniger stark neue Kräfte nachgefragt als im Vorjahr, zugleich gab es auf dem Arbeitsmarkt pandemiebedingt deutlich mehr arbeitsuchende Menschen. Eine Gemengelage, die die Chancen für seit Längerem arbeitslose Menschen deutlich verschlechtert hat, zeitnah wieder ins Erwerbsleben zurückzukehren. Eine wichtige Aufgabe der Jobcenter und Agentur für Arbeit ist es darauf hinzuwirken, dass sich die Langzeitarbeitslosigkeit bei den Betroffenen nicht verfestigt“, sagt Markus Nitsch.

Insgesamt 1.480 Personen waren von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen und somit 290 Arbeitnehmer bzw. 24,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Teilnahme an Maßnahmen war nur begrenzt möglich

Nicht ohne Einfluss ist die Coronakrise auch auf die Zahl der unterbeschäftigten Personen geblieben. 2020 lag diese – ohne Kurzarbeit – bei zirka 10.580 Arbeitnehmern und somit rund 1.390 Personen bzw. 15,2 Prozent über dem Stand des Vorjahres. Ursächlich hierfür waren das Infektionsgeschehens und die damit einhergehenden Einschränkungen für die Teilnahme an Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik.

Die Unterbeschäftigungsquote erhöhte sich binnen Jahresfrist um 0,5 Prozentpunkte auf 4,3 Prozent.

Kräftenachfrage hat deutlich nachgelassen

Die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich im Coronajahr spürbar abgeschwächt. Insgesamt meldeten die Betriebe und Verwaltungen knapp 9.680 Stellen zur Besetzung, rund 2.890 Angebote bzw. 23 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Stellenpool befanden sich knapp 4.380 Offerten und somit zirka 770 Angebote bzw. 14,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Beschäftigung erstmals seit 2008 gesunken

Wie tief die Coronakrise ins Wirtschaftsleben eingeschnitten hat, zeigt sich unter anderem anhand der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung. Diese war zuletzt 2008 gesunken und ist seitdem kontinuierlich gewachsen – bis 2020. Im zurückliegenden Jahr lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Arbeitsort im Agenturbezirk Schwandorf bei rund 166.520 Arbeitnehmern und somit zirka 1.200 Personen bzw. 0,7 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Kurzarbeitergeld hat sich bewährt

„Wir befinden uns in der schlimmsten Krise der Nachkriegszeit – und die Arbeitslosenquote bewegt sich in greifbarer Nähe der Vollbeschäftigung. Wie passt das zusammen? Ein wesentlicher Faktor war das Kurzarbeitergeld. Das Arbeitsmarktinstrument hat in den vergangenen Monaten seinen Wert unter Beweis gestellt, hat Unternehmen gestützt und Beschäftigte vielfach vor der Arbeitslosigkeit bewahrt. Ohne Kurzarbeit sähe die Lage heute vollkommen anders aus“, führt der Agenturleiter aus.

Im Agenturbezirk war zeitweise jeder dritte Betrieb in Kurzarbeit. Anders als in früheren Krisen waren Unternehmen jeder Branche und Größe betroffen. Teils mussten sie aufgrund behördlicher Anordnungen schließen, teils aufgrund von fehlenden Aufträgen oder weil unter den Bedingungen des Infektionsschutzes nicht mehr wirtschaftlich rentabel gearbeitet werden konnte. Als besonders sinnvoll hat sich erwiesen, die Zeit der Kurzarbeit für Qualifizierungen zu nutzen „Während der Krise standen vielfach die Maschinen in Betrieben still, aber nicht der technologische Wandel. Dieser hat sich eher noch beschleunigt. Durch die Zwänge der Pandemie, aber auch durch bewusste Weichenstellungen für die Zukunft, haben die Betriebe ihre IT-Infrastruktur vielfach ausgebaut. Oft kann das so erschlossene Potential aber nur dann vollumfänglich genutzt werden, wenn mithilfe von Weiterbildungen auch in das Knowhow der Beschäftigten investiert wird“, sagt Nitsch.

Arbeitgeber haben bis zu drei Monate nachträglich Zeit, ihre Kurzarbeit-Abrechnungslisten bei der Arbeitsagentur einzureichen. Dann werden die Formulare bearbeitet, damit das Geld zügig ausgezahlt kann und erst im letzten Schritt fließen die Daten in statistische Auswertungen ein. Daher liegen zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Jahreszahlen zum Thema Kurzarbeit vor.

Ausblick auf 2021

Der Schwerpunkt der Agentur für Arbeit Schwandorf wird 2021 auf der Bewältigung der Coronakrise liegen. „Mit Beratungsangeboten und Geldleistungen werden wir unsere Kundinnen und Kunden durch das Jahr begleiten. Bei einer hohen Arbeitslosigkeit steigt tendenziell die Bereitschaft von Menschen, jede Arbeit annehmen, egal ob sie sicher und zukunftsfähig ist. Das ist nicht unsere Stoßrichtung als Arbeitsagentur. Unser Anspruch ist weiterhin – wenn Betroffene diesen Weg mitgehen und dies auch wünschen - vorrangig in Beschäftigungsverhältnisse mit langfristiger Perspektive zu vermitteln. Damit dies gelingt, sind Flexibilität und die Bereitschaft sich weiterzubilden für Beschäftigte noch wichtiger als in der Vergangenheit“, sagt der Agenturleiter.

„Gut durch die Krise kommen wir nur, wenn es auch den Unternehmen in der Region gut geht. In der Krise haben die Arbeitgeber aller Branchen soweit möglich ihre Beschäftigten gehalten. Die Agentur für Arbeit als Ganzes und im Besonderen die gemeinsam mit den drei Jobcentern betriebenen Arbeitgeber-Services stehen den Betrieben auch in Zukunft als Ansprechpartner jederzeit zur Verfügung, um diese zu beraten, über Fördermöglichkeiten zu informieren oder bei der Suche nach Personal zu helfen“, betont Nitsch.

Regionale Entwicklung des Arbeitsmarktes

Landkreis Schwandorf

Im Landkreis Schwandorf waren im Jahr 2020 durchschnittlich knapp 2.960 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Arbeitslosigkeit sehr deutlich zu, und zwar um rund 560 Personen bzw. 23,3 Prozent.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote stieg von 2,8 Prozent im Vorjahr auf 3,4 Prozent an.

Aus der Erwerbstätigkeit heraus meldeten sich rund 5.040 Personen neu oder erneut arbeitslos, 40 Arbeitnehmer bzw. 0,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug beendeten zirka 3.910 Personen ihre Arbeitslosigkeit, um direkt eine Tätigkeit aufzunehmen, rund 120 Arbeitnehmer bzw. drei Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Betriebe und Verwaltungen meldeten rund 3.820 neue Stellen zur Besetzung, rund 900 Angebote bzw. 19,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Stellenpool waren durchschnittlich rund 1.630 Angebote gemeldet, zirka 310 Offerten bzw. 16,2 Prozent weniger als 2019.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag bei 55.900 Arbeitnehmern und somit 730 Personen bzw. 1,3 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Landkreis Amberg-Sulzbach

Im Landkreis Amberg-Sulzbach waren im Jahr 2020 durchschnittlich zirka 1.750 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Arbeitslosigkeit um rund 360 Personen bzw. 25,5 Prozent zu.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote stieg von 2,3 Prozent im Vorjahr auf 2,9 Prozent an.

Aus der Erwerbstätigkeit heraus meldeten sich rund 2.720 Personen neu oder erneut arbeitslos, knapp 80 Arbeitnehmer bzw. 3,0 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug beendeten zirka 2.120 Personen ihre Arbeitslosigkeit, um direkt eine Tätigkeit aufzunehmen, rund 30 Arbeitnehmer bzw. 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Betriebe und Verwaltungen meldeten rund 1.480 neue Stellen zur Besetzung, rund 330 Angebote bzw. 18,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Stellenpool waren durchschnittlich rund 760 Angebote gemeldet, knapp 120 Offerten bzw. 13,7 Prozent weniger als 2019.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag bei rund 29.040 Arbeitnehmern und somit zirka 280 Personen bzw. 0,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Stadt Amberg

In der kreisfreien Stadt Amberg waren im Jahr 2020 durchschnittlich 1.270 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Arbeitslosigkeit um rund 270 Personen bzw. 26,7 Prozent zu.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote stieg von 4,2 Prozent im Vorjahr auf 5,3 Prozent an.

Aus der Erwerbstätigkeit heraus meldeten sich rund 1.690 Personen neu oder erneut arbeitslos, fünf Arbeitnehmer bzw. 0,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Gegenzug beendeten knapp 1.300 Personen ihre Arbeitslosigkeit, um direkt eine Tätigkeit aufzunehmen, rund 70 Arbeitnehmer bzw. 5,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Betriebe und Verwaltungen meldeten rund 1.230 neue Stellen zur Besetzung, rund 420 Angebote bzw. 25,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Stellenpool waren durchschnittlich rund 520 Angebote gemeldet, knapp 170 Offerten bzw. 24,2 Prozent weniger als 2019.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag bei rund 27.600 Arbeitnehmern und somit zirka 290 Personen bzw. ein Prozent unter dem Vorjahreswert.

Landkreis Cham

Im Landkreis Cham waren im Jahr 2020 durchschnittlich zirka 2.330 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Arbeitslosigkeit um rund 500 Personen bzw. 27,3 Prozent zu.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote stieg von 2,5 Prozent im Vorjahr auf 3,2 Prozent an.

Aus der Erwerbstätigkeit heraus meldeten sich rund 4.760 Personen neu oder erneut arbeitslos, zirka 90 Arbeitnehmer bzw. zwei Prozent mehr als im Vorjahr. Im Gegenzug beendeten knapp 3.950 Personen ihre Arbeitslosigkeit, um direkt eine Tätigkeit aufzunehmen, rund 70 Arbeitnehmer bzw. 1,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Betriebe und Verwaltungen meldeten rund 3.160 neue Stellen zur Besetzung, rund 1.240 Angebote bzw. 28,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Stellenpool waren durchschnittlich rund 1.470 Angebote gemeldet, knapp 170 Offerten bzw. 10,2 Prozent weniger als 2019.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten lag bei rund 53.970 Arbeitnehmern und somit zirka 90 Personen bzw. 0,2 über dem Vorjahreswert.