25.11.2021 | Presseinfo Nr. 84

Für Traumjob in der Pflege von Spanien in die Oberpfalz ausgewandert

In den Pflegeeinrichtungen in der mittleren Oberpfalz gibt es mehr offene Stellen als Bewerberinnen und Bewerber. Die Agentur für Arbeit Schwandorf unterstützt daher im Rahmen eines EU-Qualifizierungsprojekts Pflegeeinrichtungen dabei, gutes Personal aus dem Ausland zu rekrutieren.
 

Sulzbach-Rosenberg. An neblige Novembertage ohne Sonnenschein muss sich Rivana Barragán Rosillo noch gewöhnen. Ihre Stimmung trübt das Wetter allerdings nicht, da sie ihren Traumjob gefunden hat. Das erzählt sie ohne lange zu überlegen auf Deutsch. Keine Selbstverständlichkeit: Die 28-Jährige ist erst vor zwei Monaten im Rahmen des EU-Qualifizierungsprojekts aus einem Vorort von Madrid in die Oberpfalz ausgewandert. Organisiert hat die dritte Auflage des Programms wieder die Agentur für Arbeit Schwandorf über ihr EURES-Netzwerk sowie die Zentrale Auslandsvertretung der Arbeitsagentur. „Insgesamt konnten neun junge Menschen aus Spanien, Italien und Ungarn für die Arbeit in Einrichtungen in der Region gewonnen werden“, sagt Bernhard Lang, stellvertretender Agenturleiter.

Ein Jahr lang arbeiten die Pflegekräfte jeweils im Wechsel eine Woche in der Einrichtung im Helferbereich und besuchen einen berufsspezifischen Deutsch-Intensivkurs. Die Agentur für Arbeit übernimmt mindestens 50 Prozent des Arbeitsentgelts sowie die Sozialversicherungsbeiträge und Kursgebühren. Nach dem ersten Jahr können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entweder direkt die Ausbildung zur Pflegefachkraft oder vorgeschaltet als Pflegehelfer/in aufnehmen.

Rivana Barragán Rosillo hat ihre neue berufliche Heimat im Bavaria Senioren- und Pflegeheim in Sulzbach-Rosenberg gefunden. „In Spanien habe ich unter anderem in einem Modeladen und Bestattungsinstitut gearbeitet. Mein Traumjob war es allerdings, in einem Pflegeheim oder Krankenhaus tätig zu sein. Leider gab es in Spanien kaum Möglichkeiten hierfür“, berichtet die junge Frau.

Zwar ist die Nachfrage nach Personal in den Heimen in der Region groß. Ein Selbstläufer sind Bewerbungen allerdings nicht. Ralf Zeh, Leiter des Bavaria Senioren- und Pflegeheims, hat hohe Erwartungen an das Personal in seiner Einrichtung. „Qualifikation, Motivation und Arbeitshaltung stehen bei uns im Vordergrund. Als bei zwei von drei Kandidaten jedoch die erste Frage in einem Online-Speed-Dating nach dem Gehalt kam, hatte uns das nicht überzeugt und passte nicht zu uns. Frau Barragán Rosillo war anders. Sie hat viele gezielte, inhaltliche Fragen gestellt, sich für ihre Tätigkeit und die Bewohner interessiert“, betont der Einrichtungsleiter.

Der erste Eindruck hat nicht getäuscht. In einem Praktikum und nun in fester Anstellung engagiert sich die 28-jährige Spanierin mit großer Eigeninitiative und ist dabei zuversichtlich: „Meine größte Sorge war, dass die Sprachbarriere zwischen mir und den Menschen in der Einrichtung steht. Bei der Arbeit hat sich gezeigt, dass diese leichter zu überwinden war, als gedacht. Deutsch zu lernen, macht mir zudem Spaß“, erzählt die junge Frau. „Vielfalt ist uns sehr wichtig und das leben wir seit Langem in unserer Einrichtung vor. Jeden Tag bemühen wir uns um ein weiteres Stück Integration unserer Mitarbeiter, die u.a. aus Spanien, Afghanistan, dem Irak, Somalia, Syrien und Eritrea kommen. Unsere Erfahrungen sind hier durchweg positiv. Zudem hilft es uns, offene Stellen zeitnah wieder zu besetzen“, berichtet Ralf Zeh.

„Damit die Menschen die hierherkommen auch hier bleiben wollen, sind soziale Kontakte unerlässlich. Bei Rivana Barragán Rosillo hatten wir großes Glück. Sie hat ein Appartement bei einer Familie vor Ort anmieten können und dadurch zusätzlich direkten Familien-Anschluss gefunden“, freut sich der Einrichtungsleiter.

„Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden deutschen Bevölkerung wird es auch in Zukunft enorm wichtig sein, gutes Personal in ausreichender Zahl zu finden. Eine Möglichkeit hierfür ist die Rekrutierung von Pflegekräften aus dem Ausland. Frau Barragán Rosillo ist hier ein Paradebeispiel, wie dies gelingen kann. Ein weiterer Baustein ist die Weiterqualifizierung von Beschäftigten. Als Arbeitsagentur können wir Einrichtungen dabei unterstützen, ihre Arbeitnehmer/innen aus dem Helferbereich zu Fachkräften weiterzubilden. Interessierte Arbeitgeber wenden sich am besten direkt an ihren Arbeitgeber-Service“, sagt Bernhard Lang.

Für die Pflegeheime im Raum Sulzbach-Rosenberg ist Eva Plößner die Ansprechpartnerin des Arbeitgeber-Services. „Gerne berate ich die Arbeitgeber, welche Unterstützungsangebote jeweils für sie infrage kommen. Dabei schöpfen wir gerne die Möglichkeiten aus, die uns der Gesetzgeber zur Verfügung stellt, um Personal zu gewinnen“, betont sie.

Heimleiter Ralf Zeh (zweiter von links) freut sich, dass Rivana Barragán Rosillo (dritte von links) sich im Bavaria Senioren- und Pflegeheim einbringt. Alles Gute für die Zukunft wünschten ihr Bernhard Lang und Eva Plößner (beide Arbeitsagentur Schwandorf). Foto: Stephan-Park
Heimleiter Ralf Zeh (zweiter von links) freut sich, dass Rivana Barragán Rosillo (dritte von links) sich im Bavaria Senioren- und Pflegeheim einbringt. Alles Gute für die Zukunft wünschten ihr Bernhard Lang und Eva Plößner (beide Arbeitsagentur Schwandorf). Foto: Stephan-Park


Am Stichtag 31.03.2021 waren im Agenturbezirk Schwandorf knapp 3.400 Personen in der Altenpflege sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Im Jahresdurchschnitt waren rund 140 offene Stellen für den Bereich Altenpflege gemeldet. Zirka 80 arbeitslose Personen gaben als Zielberuf eine Tätigkeit als Pflegekraft in einem Seniorenheim an.