30.06.2022 | Presseinfo Nr. 50

Oberviechtach: Arbeitslosenzahl steigt in Folge des Ukrainekrieges spürbar an

„Der Ukrainekrieg wirft seine Schatten im Juni auch auf den Oberviechtacher Arbeitsmarkt“, sagt Bernhard Lang, kommissarischer Arbeitsagenturleiter. „Durch den russischen Angriffskrieg sind viele Menschen aus der Ukraine geflohen und haben in Deutschland Schutz gesucht. Da sich die Flüchtlinge aus der Ukraine seit Juni in den Jobcentern arbeitslos melden müssen, um Zugriff auf das Beratungsangebot sowie die Geldleistungen des Jobcenters zu erhalten, ist die Arbeitslosigkeit stark angestiegen. Diesen einmaligen Sondereffekt gilt es bei der Interpretation der aktuellen Arbeitsmarktzahlen zu berücksichtigen. Einige Personen haben seit dem Stichtag zur Monatsmitte die Region bereits wieder in Richtung ihrer Heimat verlassen. Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt weiterhin robust“, so Lang weiter.
 

Die Arbeitslosigkeit nahm binnen Monatsfrist um rund 20 Personen bzw. 13,8 Prozent zu. Mitte des Berichtsmonats waren zirka 180 Personen arbeitslos gemeldet, 20 Arbeitnehmer bzw. zehn Prozent weniger als im Juni 2021. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich binnen Monatsfrist um 0,3 Prozentpunkte auf nunmehr 2,5 Prozent. Im Juni 2021 lag die Quote bei 2,7 Prozent.

Auf den Stellenmarkt im Agenturbezirk wirkt sich der Konflikt bislang nicht spürbar aus. „Zwar belasten die gestiegenen Preise viele Arbeitgeber, doch sind sie weiterhin in der Mehrheit auf der Suche nach Personal, wie die gemeldeten offenen Stellen zeigen“, sagt Lang.

Mitte Juni waren im gemeinsamen Stellenpool der Arbeitsagentur und des Jobcenters rund 180 Stellenangebote gemeldet, zirka 50 Offerten bzw. 41,9 Prozent mehr als im Juni 2021. Seit Jahresbeginn meldeten die Betriebe und öffentlichen Verwaltungen rund 160 Stellen und somit zwei Offerten bzw. 1,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Bewegungszahlen: Rückgang der Arbeitslosmeldungen

Im Laufe des Berichtsmonats meldeten sich aus der Erwerbstätigkeit heraus zehn Personen arbeitslos und somit zwei Arbeitnehmer bzw. 16,7 Prozent weniger als im Juni 2021. Im Gegenzug beendeten zehn Personen ihre Arbeitslosigkeit, um direkt ins Berufsleben zurückzukehren oder einzusteigen. Dies waren zwei Arbeitnehmer bzw. 16,7 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.

Blick in die Branchen: Industrie sucht händeringend nach Personal

Die Arbeitgeber aus dem verarbeitenden Gewerbe haben einen hohen Personalbedarf und sind entsprechend weiterhin auf der Suche nach neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

In der Bau- und Baunebenbranche gibt es ebenfalls größere Personalengpässe. Arbeitsuchende haben gute Erfolgschancen, dass eine Bewerbung mit einem Arbeitsvertrag belohnt wird.

Ausbildung: Weniger Bewerber als im Vorjahr

Im Landkreis Schwandorf, zu dem die Geschäftsstellenbezirke Schwandorf und Oberviechtach gehören, sind bis zum Berichtsmonat rund 1.490 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet worden, das sind sechs Stellen bzw. 0,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Demgegenüber beträgt die Zahl der gemeldeten Bewerber knapp 710, das sind zirka 80 Bewerber bzw. zwölf Prozent mehr als im Vorjahr.

Zahl der Kurzarbeiter hat abgenommen

Im Januar 2022 befanden sich der neuesten Hochrechnung der BA-Statistik zufolge im Landkreis Schwandorf 840 Beschäftigte in 130 Betrieben in Kurzarbeit. Die Kurzarbeiterquote belief sich auf 1,5 Prozent, im Dezember 2021 lag sie noch bei 1,8 Prozent.

Fluchtbewegung aus der Ukraine spürbar

Mitte Juni waren im Landkreis Schwandorf knapp 380 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet. Damit stellten sie 14,7 Prozent aller Arbeitslosen im Kreis.

In die Region sind allerdings noch mehr Menschen aus der Ukraine gekommen, die teils nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und daher nicht in der Zahl der Arbeitslosen erfasst sind, so zum Beispiel viele Frauen mit Betreuungspflichten für Kinder. Eine bessere Näherung an den tatsächlichen Wert der Ukrainerinnen und Ukrainer vor Ort bietet daher die Zahl der gemeldeten erwerbsfähigen Personen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft. Diese erhöhte sich von Mitte Februar bis Mitte Juni von zirka zehn auf rund 550 Personen. Diese Zahl enthält alle Arbeitslosen, Arbeitsuchenden sowie Personen, die einen Antrag auf Leistungen der Grundsicherung gestellt haben, auch wenn dieser noch nicht bewilligt wurde. Zudem sind in der Zahl volljährige Ukrainerinnen und Ukrainer enthalten, die noch zur Schule gehen, Betreuungspflichten gegenüber Kindern haben oder langfristig erkrankt sind.

Eine weitere Größe, welche bei der Interpretation der aktuellen Situation hilft, sind die sogenannten Bedarfsgemeinschaften. Bei einer Bedarfsgemeinschaft handelt es sich in der Regel um eine Familie, zu der oftmals auch Kinder gehören, mit mindestens einem Regelleistungsberechtigen. In der Gruppe der Ukrainerinnen und Ukrainer gibt es besonders viele Mütter mit Kindern, da die Väter das Herkunftsland oft nicht verlassen konnten. Bis Mitte Juni waren im Landkreis Schwandorf insgesamt 520 Bedarfsgemeinschaften gemeldet, in denen mindestens eine Person die ukrainische Staatsbürgerschaft hat. Bei der Interpretation der Zahl gilt es zu bedenken, dass es sich um eine Hochrechnung handelt, die möglicherweise noch unterzeichnet ist.