30.06.2022 | Presseinfo Nr. 51

Sulzbach-Rosenberg: Flucht der Menschen vor dem Krieg in der Ukraine ist auf dem Arbeitsmarkt sichtbar

„Im vergangenen Monat ist in diesem Jahr zum ersten Mal die Arbeitslosigkeit im Bezirk der Geschäftsstelle Sulzbach-Rosenberg spürbar gestiegen“, sagt Geschäftsstellenleiterin Stefanie Neufeld. Da sich die Flüchtlinge aus der Ukraine seit Juni in den Jobcentern arbeitslos melden müssen, um Zugriff auf das Beratungsangebot sowie die Geldleistungen des Jobcenters zu erhalten, ist die Arbeitslosigkeit stark angestiegen. Diesen einmaligen Sondereffekt gilt es bei der Interpretation der aktuellen Arbeitsmarktzahlen zu berücksichtigen. Einige Personen haben seit dem Stichtag zur Monatsmitte die Region bereits wieder in Richtung ihrer Heimat verlassen. Insgesamt zeigt sich der Arbeitsmarkt weiterhin robust.
 
 
Die Arbeitslosigkeit nahm binnen Monatsfrist um rund 170 Personen bzw. 30,1 Prozent zu. Mitte des Berichtsmonats waren zirka 750 Personen arbeitslos gemeldet, 40 Arbeitnehmer bzw. 5,6 Prozent weniger als im Juni 2021. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich binnen Monatsfrist um 0,7 Prozentpunkte auf nunmehr 2,9 Prozent. Im Juni 2021 lag die Quote bei 2,7 Prozent.
 
Neben der Betrachtung der Arbeitslosenzahlen ist laut Neufeld auch der Stellenzugang interessant. „Es wurden zwar nicht mehr ganz so viele neue Stellen gemeldet, wie im letzten Monat, aber der Bestand an offenen Stellen ist immer noch enorm hoch.“
 
 
Mitte Juni waren im gemeinsamen Stellenpool der Arbeitsagentur und des Jobcenters rund 600 Stellenangebote gemeldet, drei Offerten bzw. 0,5 Prozent weniger als im Juni 2021. Seit Jahresbeginn meldeten die Betriebe und öffentlichen Verwaltungen knapp 450 Stellen und somit zirka 60 Offerten bzw. 12,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.
 
 
Bewegungszahlen: Mehr Arbeitslosmeldungen als im Vorjahr
 
Im Laufe des Berichtsmonats meldeten sich aus der Erwerbstätigkeit heraus 80 Personen arbeitslos und somit zirka 30 Arbeitnehmer bzw. 66,7 Prozent mehr als im Juni 2021. Im Gegenzug beendeten knapp 50 Personen ihre Arbeitslosigkeit, um direkt ins Berufsleben zurückzukehren oder einzusteigen. Dies waren 50 Arbeitnehmer bzw. 52,6 Prozent weniger als im Vorjahresmonat.
 
 
 
Blick in die Branchen: Speditionsgewerbe klagt über zu wenig Bewerber
 
Wie viele Branchen leidet laut Neufeld auch das Speditionsgewerbe unter fehlenden Bewerberinnen und Bewerbern für offene Stellen. „Es gibt kaum noch passende Arbeitskräfte für die vielen gemeldeten offenen Fahrer-Stellen“ berichtet die Geschäftsstellenleiterin.
 
Aber auch in den Bereichen Pflege medizinische Assistenzberufe, Bau- und Baunebengewerbe sowie in der Zeitarbeitsbranche sind die gemeldeten Stellen kaum zu besetzen, da Bewerberinnen und Bewerber fehlen.
 
 
Ausbildung: Mehr Ausbildungsstellen als im Vorjahr
 
In der Region Amberg-Sulzbach, zu der die Geschäftsstellenbezirke Amberg und Sulzbach-Rosenberg gehören, sind bis zum Berichtsmonat rund 1.430 Ausbildungsstellen zur Besetzung gemeldet worden, das sind knapp 180 Stellen bzw. 14,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Demgegenüber beträgt die Zahl der gemeldeten Bewerber zirka 570, das sind rund 50 Bewerber bzw. 8,7 Prozent weniger als im Vorjahr.
 
 
Zahl der Kurzarbeiter hat abgenommen
 
Im Landkreis Amberg-Sulzbach belief sich die Zahl der Kurzarbeiter im Januar auf rund 410 Beschäftigte in zirka 70 Betrieben. Die Kurzarbeiterquote betrug 1,4 Prozent, im Dezember 2021 lag sie bei 1,7 Prozent.
 
 
 
Fluchtbewegung aus der Ukraine spürbar
 
Mitte Juni waren im Landkreis Amberg-Sulzbach knapp 280 Ukrainerinnen und Ukrainer arbeitslos gemeldet. Damit stellten sie 17,8 Prozent aller Arbeitslosen im Kreis.
 
In die Region sind allerdings noch mehr Menschen aus der Ukraine gekommen, die teils nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und daher nicht in der Zahl der Arbeitslosen erfasst sind, so zum Beispiel viele Frauen mit Betreuungspflichten für Kinder. Eine bessere Näherung an den tatsächlichen Wert der Ukrainerinnen und Ukrainer vor Ort bietet daher die Zahl der gemeldeten erwerbsfähigen Personen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft. Im Landkreis Amberg-Sulzbach stieg die Zahl der gemeldeten erwerbsfähigen Personen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft von Mitte Februar bis Mitte Juni von sieben auf knapp 430 Betroffene. Diese Zahl enthält alle Arbeitslosen, Arbeitsuchenden sowie Personen, die einen Antrag auf Leistungen der Grundsicherung gestellt haben, auch wenn dieser noch nicht bewilligt wurde. Zudem sind in der Zahl volljährige Ukrainerinnen und Ukrainer enthalten, die noch zur Schule gehen, Betreuungspflichten gegenüber Kindern haben oder langfristig erkrankt sind.
 
Eine weitere Größe, welche bei der Interpretation der aktuellen Situation hilft, sind die sogenannten Bedarfsgemeinschaften. Bei einer Bedarfsgemeinschaft handelt es sich in der Regel um eine Familie, zu der oftmals auch Kinder gehören, mit mindestens einem Regelleistungsberechtigen. In der Gruppe der Ukrainerinnen und Ukrainer gibt es besonders viele Mütter mit Kindern, da die Väter das Herkunftsland oft nicht verlassen konnten. Bis Mitte Juni waren im Landkreis Amberg-Sulzbach zirka 60 Bedarfsgemeinschaften gemeldet, in denen mindestens eine Person die ukrainische Staatsbürgerschaft hat. Bei der Interpretation der Zahl gilt es zu bedenken, dass es sich um eine Hochrechnung handelt, die stark unterzeichnet ist.