04.11.2019 | Presseinfo Nr. 79

Ausbildungsmarkt – Bilanz und Entwicklung im Landkreis Cham

Knapp 840 Bewerber treffen auf rund 1.750 Ausbildungsstellen
 
 

Der Ausbildungsstellenmarkt im Landkreis Cham hat sich im vor Kurzem zu Ende gegangenen Berichtsjahr aus Sicht der Bewerber sehr günstig dargestellt. Es gab deutlich mehr offene Stellen als Interessenten. Um den Fachkräfteengpässen in vielen Branchen zu begegnen und das eigene Unternehmen fit für die Zukunft zu machen, zeigten die Unternehmen ein großes Engagement bei der Personalgewinnung.

Das Angebot an gemeldeten Stellen ist leicht, die Zahl der gemeldeten Bewerber im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurückgegangen. Ursächlich hierfür sind vor allem zwei Entwicklungen. Zum einen stehen dem Ausbildungsmarkt durch den demographischen Wandel weniger Jugendliche zur Verfügung als noch vor einigen Jahren. Zum anderen hält die Tendenz hin zur Akademisierung an. Immer mehr Jugendliche entscheiden sich für ein Studium, statt einen Ausbildungsberuf zu ergreifen.

Insgesamt wurden der Agentur für Arbeit von Oktober 2018 bis Ende September dieses Jahres 1.754 Ausbildungsstellen gemeldet. Das waren 63 Stellen bzw. 3,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Bewerber für eine Ausbildungsstelle um 68 bzw. 7,5 Prozent auf 837 Personen. Das Verhältnis zwischen Ausbildungsstellen und Bewerbern gestaltete sich noch günstiger als im Vorjahr für die Bewerber. Auf je 100 gemeldete Stellen kamen 48 Bewerber (Vorjahr 50).

„Waren vor einigen Jahren die Unternehmen in der komfortablen Situation unter mehreren Top-Bewerbern ihren Kandidaten für eine offene Stelle zu wählen, ist die Situation heute genau umgekehrt. Gute Bewerber können zwischen mehreren Top-Unternehmen ihren Favoriten wählen. Das bedeutet aber nicht, dass gute Schulnoten und die Motivation der jungen Menschen weniger wichtig sind. Möchte ein Jugendlicher seine Traumausbildung bei einem bestimmten Betrieb antreten, entscheiden ein guter Schulabschluss, ein interessantes Anschreiben und der persönliche Eindruck im Vorstellungsgespräch noch immer darüber, ob die Bewerbung von Erfolg gekrönt ist“, sagt Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.

Nicht alle Jugendlichen, die sich als Bewerber bei der Agentur für Arbeit gemeldet sind, haben mittlerweile einen Ausbildungsvertrag unterschieben. Ein Teil der Jugendlichen hat sich für einen alternativen beruflichen Weg entschieden. Teils wiederholten Jugendliche, die als Bewerber für den diesjährigen Ausbildungsbeginn gemeldet waren, die letzte Jahrgangsstufe, um im nächsten Jahr mit besseren Noten eine Ausbildung anzutreten.

 

Zahlreiche Jugendliche nahmen Angebote der Agentur für Arbeit an

Den Jugendlichen, die keinen Ausbildungsvertrag abschließen konnten, bietet die Agentur für Arbeit verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten an. 20 Jugendliche können im Landkreis Cham ab Herbst in eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme (BvB) eintreten. Die Maßnahme enthält Praktikumsphasen und zielt darauf ab, Jugendlichen möglichst noch in diesem Jahr, spätestens aber im nächsten Jahr zu einem Ausbildungsplatz zu verhelfen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass ein Großteil der Jugendlichen nach oder bereits während dieses Lehrgangs den erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben schafft.

Für besonders benachteiligte Jugendliche besteht die Möglichkeit der Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen Einrichtung (BaE). Hier können insgesamt fünf Jugendliche eine von der Agentur für Arbeit geförderte Ausbildung antreten. Ziel ist die Übernahme in ein reguläres Ausbildungsverhältnis nach dem ersten Ausbildungsjahr.

Eine Einstiegsqualifizierung steht im kommenden Jahr für 15 Jugendliche zur Verfügung, bei denen die Ausbildungsreife bislang nicht im notwendigen Umfang vorhanden ist. Die Betriebe vermitteln im Rahmen eines Langzeitpraktikums vorwiegend praktische Kenntnisse, sodass in der Regel im Folgejahr die Aufnahme einer Ausbildung möglich ist.

Für junge Menschen mit Behinderung gibt es bei entsprechendem Förderbedarf durch die Agentur für Arbeit finanzierte Alternativen, wenn ein Einstieg direkt in eine Ausbildung nicht möglich ist. Insgesamt 30 Plätze stehen im Agenturbezirk Schwandorf in einer wohnortnahen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme zur Verfügung, für weitere 30 Jugendliche gibt es im Agenturbezirk eine gleichartige Maßnahme mit Internatsunterbringung. Rund ein Drittel der Plätze beider Maßnahmen entfällt auf den Landkreis Cham.

Ferner wird eine geförderte kooperative Ausbildung für 21 Jugendliche mit Handicap angeboten, bei der ein Bildungsträger und ein Betrieb zusammenwirken. Für bis zu 38 Personen besteht die Möglichkeit, eine integrative Ausbildung mit oder ohne Internatsunterbringung anzutreten. Rund ein Drittel der Plätze beider Maßnahmen wird im Landkreis Cham angeboten.

 

Unterstützungsangebote enden nicht mit dem Beginn der Ausbildung

Ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) stellen eine effektive Unterstützung dar, wenn das Erreichen des Ausbildungsziels gefährdet ist oder Probleme auftreten. Die Agentur für Arbeit organisiert bei Bedarf für die Teilnehmer kostenlose Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis. Flankierend kann zudem eine sozialpädagogische Betreuung in Anspruch genommen werden. Die Arbeitsagentur stellt im Landkreis Cham 235 Plätze für abH-Maßnahmen zur Verfügung. Für Jugendliche mit Behinderung stehen zusätzlich dazu nochmals 70 abH-Plätze bereit, von denen ein Drittel im Landkreis Cham angeboten wird.

Durch die abH-Maßnahmen soll sichergestellt werden, dass Jugendliche ihre Ausbildung nicht aufgrund von Problemen abbrechen, die mit Hilfe überwunden werden können. Die Präventionsstrategie hat sich bewährt und bleibt ein wichtiger Bestandteil der Aktivitäten der Agentur für Arbeit Schwandorf. Rund 80 bis 90 Prozent der geförderten Jugendlichen schaffen erfahrungsgemäß die Abschlussprüfung und werden später zu gefragten Fachkräften.

Das Instrument Assistierte Ausbildung (AsA), steht im Agenturbezirk Schwandorf für zwölf Jugendliche zur Verfügung. Ein Drittel der AsA-Maßnahmen entfällt auf den Landkreis Cham. Das Angebot richtet sich an Auszubildende, die während ihrer Lehrzeit auf besonders große Herausforderungen treffen und bei denen die ausbildungsbegleitenden Hilfen nicht ausreichen, um einen Abschluss der Ausbildung zu ermöglichen.

 

Investition in die Zukunft

Im Rahmen der Förderung der Berufsausbildung stellt die Agentur für Arbeit Schwandorf ein Budget in Höhe von 5,8 Millionen Euro zur Verfügung, das für die Unterstützung Jugendlicher und damit letztlich für die Fachkräftesicherung aktiv eingesetzt wird.