12.11.2019 | Presseinfo Nr. 81

Arbeitslosigkeit in Amberg-Sulzbach beinahe halbiert

Kaum war die große Wirtschaftskrise 2008/2009 überwunden, zog die Konjunktur in der Region Amberg-Sulzbach kräftig an. Von der Entwicklung haben zahlreiche Menschen profitiert und ihren Weg zurück in ein geregeltes Arbeitsleben gefunden. Mittlerweile gibt es neue Herausforderungen. So wird es zunehmend schwieriger für Unternehmen, geeignete Fachkräfte zu finden.
 

Zehn Jahre Wirtschaftswachstum

Waren im Oktober 2009 noch 4.374 Menschen arbeitslos, ging ihre Zahl bis 2019 um 2.054 Personen bzw. 46,96 Prozent sehr deutlich zurück. Von der aktuellen Arbeitslosenquote von 4,2 Prozent in der kreisfreien Stadt Amberg und 2,2 Prozent im Landkreis Amberg-Sulzbach war der Arbeitsmarkt 2009 mit Quoten von 8,3 Prozent und 4,3 Prozent weit entfernt.

Ein ähnliches Bild ergibt sich beim Blick auf die Unterbeschäftigungsquote, in der zusätzlich zu den klassischen Arbeitslosen auch alle Arbeitnehmer erfasst werden, die sich in einer Maßnahme befinden oder aufgrund einer Erkrankung dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung stehen. In der Stadt Amberg betrug die Unterbeschäftigungsquote im Oktober 2009 13,5 Prozent und im Landkreis Amberg-Sulzbach 6,7 Prozent. Aktuell liegt die Quote bei 6,1 Prozent für die Stadt und 3,2 Prozent für den Kreis.

Dass zahlreiche der vormals von Arbeitslosigkeit betroffenen Menschen in ihrer Heimatregion Beschäftigung gefunden haben, legt der Blick auf die Entwicklung der Stellen nahe. Seit 2009 sind in den Unternehmen bis Ende 2018 mehr als 9.880 sozialversicherungspflichtige Stellen entstanden.

Die Arbeitnehmer im Westen der mittleren Oberpfalz sind in der letzten Dekade mobiler geworden. Sowohl die Zahl der Aus- als auch der Einpendler hat sich erhöht. Der Pendleratlas zeigt, dass gegenüber 2010 die Zahl der Einpendler im Landkreis um rund 36,6 Prozent (Stadt Amberg: +21,5 Prozent) und der Auspendler aus dem Kreis um zirka 14,1 Prozent (Stadt Amberg: +25,1 Prozent) gestiegen ist.

„Mehr Stellen und weniger Arbeitslose: Die Zahlen zeigen klar, dass sich die Region in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt hat. Dennoch sind auch neue Herausforderungen entstanden, eine der größten für Unternehmen ist der Fachkräftemangel in vielen Branchen. Gute Bewerberinnen und Bewerber für eine Stelle zu finden, gestaltet sich zunehmend schwieriger. Im Oktober 2009 befanden sich im Stellenbestand des gemeinsamen Arbeitgeber-Services von Agentur für Arbeit und Jobcenter 309 offene Stellen in der Region Amberg-Sulzbach. Aktuell sind es 1506 offene Stellen“, berichtet Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.

Wie sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt in den kommenden Jahren entwickeln wird, ist nicht eindeutig abzuschätzen. Einerseits macht sich in der Wirtschaft eine Abkühlung bemerkbar, andererseits hat sich der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren teilweise von der wirtschaftlichen Entwicklung entkoppelt. Dies zeigt sich unter anderem darin, dass es trotz der aktuellen Wirtschaftsflaute weiterhin eine große Nachfrage nach Fachkräften gibt.

 

Griechische Gemeinschaft in Amberg wächst

Da der Bedarf der Unternehmen nicht mit heimischen Kräften gedeckt werden kann, haben Politik und Verwaltung in den vergangenen Jahren verschiedene Initiativen gestartet, um Arbeitnehmer aus dem Ausland in die Region zu locken. Eines der Vorhaben ist das Trikala-Projekt, das die Stadt Amberg angestoßen hat und an dem sich die Agentur für Arbeit beteiligt. Ziel ist es, Menschen aus der griechischen Partnerstadt Ambergs für ein Leben in der mittleren Oberpfalz zu begeistern. Dem Ruf in die Region gefolgt ist unter anderem Efstathios Panagiotou, der nun als Pflegekraft in Amberg tätig ist.

„Herr Panagiotou ist einer der ersten Bewerber, die hier eine neue berufliche Heimat gefunden haben. Wir hoffen und arbeiten aktiv daran, dass weitere Menschen aus unserer Partnerstadt Trikala nach Amberg kommen, denn wir brauchen sie. Deshalb freut es uns besonders, dass Herr Panagiotou weiterhin engen Kontakt mit den Menschen in seiner alten Heimat pflegt und dort von seinen Erfahrungen in Amberg berichtet. So sind bereits weitere Interessenten auf uns aufmerksam geworden, die sich vorstellen können, in die Oberpfalz zu ziehen“, sagt Michael Cerny, Oberbürgermeister der Stadt Amberg.

 

Ein Job mit Perspektiven

Ebenfalls nach Fachkräften gesucht wird natürlich weiterhin in der Region. Unter anderem, um Personal für den öffentlichen Nahverkehr zu gewinnen. Denn die aktuelle Personaldecke ist dünn. Damit alle Haltestellen in der gewohnten Taktung auch in Urlaubszeiten und bei längeren Ausfällen von Fahrerinnen und Fahrern bedient werden können, werden zusätzliche Kräfte dringend gesucht.

Die Entwicklung zeigt zudem, dass der öffentliche Nahverkehr in Zeiten eines gestiegenen Umwelt- und Klimabewusstseins sowie einer in der Region teils problematischen Parkplatzsituation zunehmend an Bedeutung gewinnt. Hinzu kommt der demographische Wandel, wodurch mehr ältere Menschen als noch vor einigen Jahren für ihre Mobilität auf ein gutes Busnetz angewiesen sind.

„Busfahrerin bzw. Busfahrer ist ein toller Beruf, der zahlreiche Vorteile bietet“, sagt Landrat Richard Reisinger, Vorsitzender des Zweckverbands Nahverkehr Amberg-Sulzbach. „Vor allem für Menschen, die den Umgang mit Menschen eines jeden Alters schätzen und lieben, ist das Berufsbild eines Busfahrers ein interessantes Angebot.“ Reisinger ermutigt deshalb alle Interessenten, sich gerne auf offene Stellen oder initiativ als Busfahrerin bzw. Busfahrer zu bewerben.