20.01.2020 | Presseinfo Nr. 4

Arbeitsmarktbilanz 2019

Konjunkturdelle sorgt für höhere Arbeitslosenzahlen
 

Im Bezirk der Agentur für Arbeit Schwandorf nimmt das verarbeitende Gewerbe eine Schlüsselrolle in der Wirtschaft ein. Daher blieb die konjunkturelle Abkühlung im Bereich der Metall- und Elektroindustrie, insbesondere in der Automobil- und Zuliefererbranche, nicht ohne Folgen für die Entwicklung des Arbeitsmarktes. Vom Beschäftigungsabbau in besonderem Maß betroffen waren Personaldienstleister, die in Betrieben des verarbeitenden Gewerbes Arbeitnehmer im Einsatz hatten.

Auf das ganze Jahr betrachtet stieg die Arbeitslosigkeit in der mittleren Oberpfalz, das heißt in den Landkreisen Amberg-Sulzbach, Schwandorf und Cham sowie der kreisfreien Stadt Amberg leicht an. Knapp 6.630 Arbeitnehmer waren von Arbeitslosigkeit betroffen und somit rund 200 Personen bzw. 3,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutliche Unterschiede bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit fallen beim Blick auf die beiden Rechtskreise auf. Ende des Jahres waren rund 2.460 Personen Kunden der drei Jobcenter in der mittleren Oberpfalz. Damit nahm die Zahl der Arbeitslosen im Bereich SGB II um zirka 160 Personen bzw. 6,2 Prozent ab.

Ein Anstieg der Arbeitslosigkeit war hingegen im Bereich SGB III zu verzeichnen, der besonders stark konjunkturellen Einflüssen unterliegt. Die Zahl der von der Agentur für Arbeit betreuten Arbeitslosen lag bei knapp 4.170 Personen. Somit waren zirka 360 Arbeitnehmer bzw. 9,5 Prozent mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als im Vorjahr.

„Die Erfahrung zeigt: Je niedriger die berufliche Qualifikation einer Arbeitnehmerin bzw. eines Arbeitnehmers ist, desto höher ist das Risiko eines Jobverlustes und desto länger dauert die Arbeitslosigkeit meist an. Der Erwerb eines Berufsabschlusses bzw. die eigene Weiterbildung senken hingegen das Risiko, eines Tages in eine existenzgefährdende Situation zu geraten. Eine höhere Qualifizierung eröffnet Beschäftigten zudem meist bessere Karrierechancen“, betont Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.

Der Agenturleiter empfiehlt Beschäftigten, die Beratungsangebote der Agentur für Arbeit zu nutzen. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nie: Das Sprichwort klingt eingängig, hat in der modernen Arbeitswelt aber keinerlei Wahrheitsgehalt. Heutzutage gibt es kaum Berufe, in denen Arbeitnehmer sich nicht fortbilden und so ihr Können weiterentwickeln. Zeigt ein Beschäftigter von sich aus Interesse und Initiative, wird das von Arbeitgebern in Zeiten des Fachkräftemangels oft besonders positiv bewertet“, sagt Markus Nitsch.

 

Die Arbeitslosenquote lag im Agenturbezirk Schwandorf 2019 wie bereits im Vorjahr bei 2,7 Prozent. Mit einer Quote von 3,0 Prozent (Vorjahr 2,9 Prozent) lag die Oberpfalz auf dem zweiten Platz der bayerischen Agenturbezirke. Nur Schwaben erreichte mit 2,9 Prozent eine niedrigere Arbeitslosenquote im Freistaat.

Die Unterbeschäftigungsquote bewegte sich im Schwandorfer Agenturbezirk mit 3,8 Prozent auf dem gleichen Niveau wie 2018.

 

Zahl der Neuanmeldungen gestiegen – Zahl der Abmeldungen gesunken

Im Jahr 2019 meldeten sich rund 28.740 Personen neu oder erneut arbeitslos, rund 330 Personen bzw. 1,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Abgänge aus der Arbeitslosigkeit nahm geringfügig ab. 28.140 Personen beendeten ihre Arbeitslosigkeit, rund 610 bzw. 2,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Zirka 11.200 zuvor arbeitslos gemeldete Personen nahmen direkt eine Erwerbstätigkeit auf.

 

Weniger Langzeitarbeitslose

Personen, die seit mehr als einem Jahr keiner Erwerbstätigkeit mehr nachgehen, zählen als langzeitarbeitslos. Dank starker Bemühungen der Arbeitsvermittlerinnen und Arbeitsvermittler sowie der starken Kräftenachfrage der Unternehmen in der Region sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen im vergangenen Jahr um knapp 80 Personen bzw. 5,9 Prozent auf nunmehr knapp 1.190. Damit machten sie 17,9 Prozent aller Arbeitslosen aus.

 

Stellenbestand auf Vorjahresniveau

Die auf hohem Niveau liegende Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich im vergangenen Jahr abgeschwächt. Insgesamt meldeten die Betriebe und Verwaltungen knapp 12.570 Stellen zur Besetzung, 2.360 Angebote bzw. 15,8 Prozent weniger als im Vorjahr.

In etwa auf dem gleichen Niveau wie 2018 bewegte sich der Bestand an Angeboten im gemeinsamen Stellenpool der Agentur für Arbeit und der Jobcenter. Jahresdurchschnittlich waren rund 5.140 Stellenangebote registriert, drei Offerten bzw. 0,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Beschäftigung erreicht neuen Höchststand

Trotz der gestiegenen Zahl an Arbeitslosen war der Schwandorfer Arbeitsmarkt 2019 sehr aufnahmefähig für Arbeitskräfte. Der Stand der Beschäftigung erreichte einen neuen Rekordwert. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Stichtag 30. Juni) erhöhte sich um zirka 2.240 Personen bzw. 1,4 Prozent auf rund 167.720.

 

Ausblick auf 2020

Einer der Schwerpunkte der Agentur für Arbeit Schwandorf wird es 2020 sein, Beschäftigte weiterzubilden. Dank des Anfang 2019 in Kraft getretenen Qualifizierungschancengesetzes (QCG) können Betriebe jeder Branche und Größe bei der Qualifizierung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unterstützt werden, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Mehr Informationen erteilen gerne die gemeinsamen Arbeitgeber-Services von Arbeitsagentur und Jobcentern.

Für die Unternehmen stellt die Weiterbildung ihrer Beschäftigten eine große Chance dar. Statt dringend benötigte Fachkräfte lange Zeit extern zu suchen, können sie die Initiative selbst in die Hand nehmen und zu Fachkräftemachern werden. Für die Beschäftigten eröffnet eine höhere Qualifizierung neue Karrierechancen und macht ihren Job zudem krisenfester.

Von Januar bis September vergangenen Jahres bildeten sich im Agenturbezirk Schwandorf mit Hilfe des Qualifizierungschancengesetzes rund 330 Arbeitnehmer weiter. Damit erhöhte sich die Zahl der Qualifizierungen von Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr um rund 22,3 Prozent. „Die Arbeitgeber und Beschäftigten haben das Qualifizierungschancengesetz gut angenommen. Auch in diesem Jahr stehen ausreichend Mittel zur Weiterbildung Beschäftigter zur Verfügung“, betont Markus Nitsch.

Der Agenturleiter verweist auf die gestaffelten Förderkonditionen. „Bislang haben vor allem größere Betriebe die Angebote wahrgenommen, dabei bietet das Qualifizierungschancengesetz für kleine Unternehmen besonders attraktive Förderkonditionen. In Betrieben mit weniger als zehn Mitarbeitern können unter bestimmten Voraussetzungen sogar die gesamten Weiterbildungskosten übernommen werden“, berichtet der Vorsitzende der Geschäftsführung.

Ein weiterer wichtiger Baustein für die Gewinnung von Fachkräften für die Unternehmen in der Region ist das Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das am 1. März in Kraft tritt. Die Vermittlerinnen und Vermittler im gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit Schwandorf stehen Unternehmen für Beratungen zur Verfügung.

Neben vielen weiteren Projekten und Programmen, welche die Agentur für Arbeit Schwandorf für das aktuelle Jahr geplant hat, wird ein Schwerpunkt auf der Lebensbegleitenden Berufsberatung vor dem Erwerbsleben liegen. Die BA hat die bereits in der Vergangenheit intensive Betreuung und Begleitung junger Menschen auf dem Weg von der Schule ins Arbeitsleben 2019 noch weiter ausgebaut. Dieser Weg wird 2020 konsequent fortgesetzt und leistet einen essentiellen Beitrag dabei, Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen.

 

 

Regionale Entwicklung des Arbeitsmarktes

 

Landkreis Schwandorf

Im Landkreis Schwandorf waren im Jahr 2019 durchschnittlich knapp 2.400 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr nahm die Arbeitslosigkeit spürbar zu, und zwar um rund 260 Personen bzw. 12,2 Prozent.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote stieg von 2,5 Prozent im Vorjahr auf 2,8 Prozent an. Die Zahl der neuen Arbeitslosmeldungen erhöhte sich gegenüber 2018 um 330 Meldungen bzw. 3,3 Prozent auf rund 10.310. Auf der anderen Seite beendeten knapp 10.060 Personen ihre Arbeitslosigkeit, rund 160 Arbeitnehmer bzw. 1,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Die Kräftenachfrage bewegte sich in den vergangenen zwölf Monaten weiter auf hohem Niveau, nahm jedoch ab. Im Laufe des Berichtsjahres meldeten die Betriebe und Verwaltungen knapp 4.720 neue Stellen zur Besetzung, rund 1.080 Angebote bzw. 18,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Stellenpool waren durchschnittlich rund 1.940 Angebote gemeldet, knapp 130 Offerten bzw. 6,2 Prozent weniger als 2018.

 

Landkreis Amberg-Sulzbach

Im Landkreis Amberg-Sulzbach waren im Jahr 2019 durchschnittlich knapp 1.400 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Arbeitslosigkeit leicht, und zwar um knapp 50 Personen bzw. 3,2 Prozent.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote ging von 2,4 Prozent im Jahr 2018 auf 2,3 Prozent zurück. Die Zahl der neuen Arbeitslosmeldungen stieg gegenüber dem Vorjahr um rund 90 bzw. 1,7 Prozent auf zirka 5.700. Knapp 5.650 Personen beendeten auf der anderen Seite ihre Arbeitslosigkeit, zirka 160 bzw. 2,7 Prozent weniger als 2018.

Die Kräftenachfrage bewegte sich weiter auf hohem Niveau, wenn auch die Zahl der Stellenzugänge deutlich zurückging. Im Laufe des Berichtsjahres meldeten die Betriebe und Verwaltungen rund 1.800 Stellen zur Besetzung, was einem Rückgang von rund 510 Offerten bzw. 22,2 Prozent entspricht. Die Zahl der Angebote im Stellenpool hat sich in den vergangenen zwölf Monaten hingegen leicht erhöht. Durchschnittlich waren zirka 870 Stellenangebote gemeldet, rund 50 Offerten bzw. 6,1 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Stadt Amberg

In der kreisfreien Stadt Amberg waren im vergangenen Jahr durchschnittlich rund 1.000 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Arbeitslosigkeit geringfügig, und zwar um knapp 30 Personen bzw. 2,8 Prozent.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote ging von 4,4 Prozent im Vorjahr auf 4,2 Prozent zurück. Die Zahl der neuen Arbeitslosmeldungen sank gegenüber 2018 um knapp 230 Meldungen bzw. 5,4 Prozent auf rund 3.950. Demgegenüber beendeten rund 3.810 Personen ihre Arbeitslosigkeit, zirka 540 bzw. 12,5 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Die Kräftenachfrage bewegte sich 2019 weiter auf hohem Niveau. Im Laufe des Berichtsjahres meldeten die Betriebe und Verwaltungen zirka 1.650 neue Stellen zur Besetzung, rund 680 Angebote bzw. 29,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Stellenpool ist leicht gewachsen. Durchschnittlich waren knapp 690 Angebote der Arbeitgeber gemeldet, rund 30 Offerten bzw. 5,0 Prozent mehr als im Vorjahr.

 

Landkreis Cham

Im Landkreis Cham waren in den vergangenen zwölf Monaten durchschnittlich rund 1.830 Arbeitnehmer arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Arbeitslosigkeit geringfügig, und zwar um knapp 20 Personen bzw. 0,9 Prozent.

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote lag wie im Vorjahr bei 2,5 Prozent. Knapp 8.790 Personen meldeten sich neu oder erneut arbeitslos, 130 Arbeitnehmer bzw. 1,5 Prozent mehr als 2018. Zirka 8.620 Personen beendeten ihre Arbeitslosigkeit, knapp 80 bzw. 0,9 Prozent weniger als im Vorjahr.

Die Kräftenachfrage der Betriebe und Verwaltungen ließ im vergangenen Jahr im Hinblick auf die Stellenzugänge geringfügig nach, bewegte sich jedoch noch immer auf einem hohen Niveau. Im Laufe des Berichtsjahres meldeten die Unternehmen und Verwaltungen knapp 4.400 Stellen zur Besetzung, rund 90 Angebote bzw. 2,0 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Bestand an Offerten im Stellenpool erhöhte sich hingegen leicht. Durchschnittlich waren zirka 1.640 Stellenangebote gemeldet, knapp 50 Offerten bzw. 3,0 Prozent mehr als im Jahr 2018.