04.06.2020 | Presseinfo Nr. 54

Ausbildungsmarktbericht für den Landkreis Cham

Corona-Krise trifft vor allem schwächere Jugendliche bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz
 

Der Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Schwandorf ist wie im Vormonat sehr robust aufgestellt. Auch im Mai gab es so gut wie keine Stellenstornierungen vonseiten der Arbeitgeber. Spurlos geht die Pandemie dennoch nicht am Ausbildungsmarkt vorbei.

 

„Die Arbeitgeber in der Region konnten in den vergangenen Wochen deutlich weniger Praktika anbieten als vor der Pandemie. Dies hat vor allem Schülerinnen und Schüler ohne Top-Noten und mit Sprachschwierigkeiten hart getroffen. Die Erfahrung zeigt, dass gerade schwächere Jugendliche sich in Praktika oft durch Fleiß, Engagement und Geschick hervortun. Fehlt diese Chance, ist es schwerer für schwächere Bewerberinnen und Bewerber, eine Ausbildungszusage zu erhalten“, berichtet Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.

 

„Schwerer bedeutet aber keinesfalls unmöglich. Absagen zu erhalten ist frustrierend, davon sollten sich betroffene Jugendliche aber nicht entmutigen lassen und weiterhin Bewerbungen schreiben“, rät der Agenturleiter. Im Agenturbezirk ist statistisch gesehen für jede Bewerberin und jeden Bewerber eine Ausbildungsstelle vorhanden, wenn es auch nicht immer der Traumberuf ist.

 

Wer seine Chancen im Bewerbungsprozess erhöhen will, fragt beim Arbeitgeber am besten nach, ob kurzfristig ein Praktikum – zum Beispiel in den Sommerferien - möglich ist. Dies zeigt dem Unternehmen, dass echtes Interesse an einer späteren Ausbildung im Betrieb vorhanden ist und wirkt sich bei Bewerbungen daher oft positiv aus.

Für Arbeitgeber zahlt es sich auf der anderen Seite aufgrund der Krise besonders aus, die Bewerbungsfristen für das Ausbildungsjahr 2021 später als sonst üblich zu setzen. Durch die Schulschließungen müssen viele Unterrichtsinhalte nachgeholt werden. Daher kann die Berufsorientierung in vielen Schulen nicht zeitnah erfolgen. Die Jugendlichen steigen erst später in den Bewerbungsprozess ein und gehen Unternehmen bei einem frühen Bewerbungsschluss als potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten verloren.

 

Die Berufsberatung und die drei gemeinsamen Arbeitgeber-Services der Arbeitsagentur und der Jobcenter sind – trotz Corona und damit einhergehender Zusatzaufgaben – intensiv damit beschäftigt, Jugendliche und Unternehmen zusammen zu bringen. Die Berufsberaterinnen und Berufsberater stehen zum Beispiel in engem telefonischen Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern, um diese in der Berufs- und Studienorientierung zu unterstützen. Der Arbeitgeber-Service hat zudem in den letzten Wochen und Monaten in der Region Kontakt zu hunderten Betrieben aufgenommen, um Unterstützung bei der Suche nach Auszubildenden zu leisten.

 

In der mittleren Oberpfalz, das heißt in den Landkreisen Cham, Schwandorf, Amberg-Sulzbach und der kreisfreien Stadt Amberg meldeten die Betriebe und Verwaltungen seit Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober 2019 bis jetzt insgesamt 4.267 Ausbildungsstellen und somit 445 Stellen bzw. 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Unbesetzt waren noch 2.151 Stellen (2,4 Prozent mehr als im Vorjahr).

Den Stellen gegenüber standen 2.074 Bewerberinnen und Bewerber, was einem Rückgang um 172 Personen bzw. 7,7 Prozent entspricht. Unversorgt waren 542 Jugendliche und somit 1,3 Prozent weniger als im Mai 2019.

 

 

Landkreis Cham:
Im Landkreis Cham meldeten die Betriebe und Verwaltungen seit Beginn des Ausbildungsjahres im Oktober 2019 bis jetzt insgesamt 1.466 Ausbildungsstellen und somit 221 Stellen bzw. 13,1 Prozent weniger als im Vorjahr. Unbesetzt waren noch 760 Stellen (3,8 Prozent weniger als im Vorjahr).

 

Den Stellen gegenüber standen 701 Bewerberinnen und Bewerber, was einem Rückgang um 76 Personen bzw. 9,8 Prozent entspricht. Unversorgt waren 168 Jugendliche und somit zwölf Prozent mehr als im Mai 2019.