05.06.2020 | Presseinfo Nr. 56

Corona-Ausbrüche im Ausland belasten auch Schwandorfer Industriebetriebe

Die Pandemie hat die Unternehmen im Agenturbezirk Schwandorf vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Dass es dennoch bislang zu keinem Stellenabbau im großen Stil gekommen ist, liegt vor allem am Instrument des Kurzarbeitergeldes. „Dieses hat sich in der Krise bewährt, zahlreichen Unternehmen und tausenden Menschen ihre wirtschaftliche Existenzgrundlage erhalten“, sagt Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.
 

In der mittleren Oberpfalz, das heißt in den Landkreisen Schwandorf, Amberg-Sulzbach und Cham sowie der kreisfreien Stadt Amberg, sind vom 1. bis zum 27. Mai 291 geprüfte Kurzarbeitsanzeigen für rund 5.560 betroffene Arbeitnehmer eingegangen. Im April hatten die Arbeitgeber 3.285 Anzeigen für 64.345 Arbeitnehmer eingereicht, im März 280 für 5.903 Beschäftigte.

 

Aus welchen Branchen die Anzeigen kamen, liefert eine für die Monate März und April seit Kurzem vorliegende Auswertung auf Agenturebene. Dabei bezieht sich der Begriff Betrieb nicht auf Unternehmen, sondern Anzeigesteller, wodurch die Zahl der Betriebe leicht überzeichnet ist, jedoch zumindest eine Orientierung gibt.

 

1.         Verarbeitendes Gewerbe

Von den 70.248 in den Anzeigen genannten Personen waren 30.293 im verarbeitenden Gewerbe beschäftigt und somit rund die Hälfte aller in der Branche tätigen Personen. Im Agenturbezirk betrafen die Anzeigen 40,6 Prozent aller Betriebe. Innerhalb der Industrie war vor allem die Metall-, Elektro- und Stahlindustrie mit 21.809 Personen sehr stark betroffen.

 

2.         Handel

Der Handel (inklusive des Kfz-Gewerbes) war mit 9.354 Arbeitnehmern ebenfalls stark in den Anzeigen vertreten. Betroffen waren 42,8 Prozent der Arbeitnehmer und 34,1 Prozent der Betriebe.

 

3.         Gastgewerbe

Stark getroffen hat die Krise auch das Gastgewerbe. Dort meldeten die Betriebe insgesamt 6.213 betroffene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen 2.545 im Hotel- und 3.668 im Gastronomiebereich tätig waren. Eine Prozentangabe der betroffenen Arbeitnehmer und Betriebe liegt leider nicht vor.

 

4.         Baugewerbe

Im Baugewerbe hat sich die Pandemie bei den Kurzarbeitsanzeigen mit 6.162 betroffenen Arbeitnehmern niedergeschlagen. Es waren 43,3 Prozent der Arbeitnehmer und 25,3 Prozent der Betriebe betroffen.

 

5.         Gesundheitswesen

Die Arbeitgeber aus dem Gesundheitswesen haben 3.762 Personen in den Anzeigen genannt, was 34,2 Prozent der in der Branche beschäftigten Personen und 44,5 Prozent der Betriebe entspricht.

 

6.         Verkehr und Lagerei

In der Logistikbranche wurden in den Anzeigen 3.418 Personen genannt und somit 56,3 Prozent der Beschäftigten und 34,4 Prozent der Betriebe.

 

7.         Arbeitnehmerüberlassung

In der Zeitarbeitsbranche waren 2.156 Beschäftigte betroffen und somit 58,5 Prozent der Beschäftigten bzw. 65,6 Prozent der Betriebe. Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass bereits vor Corona ein starker Rückgang der Beschäftigten im Bereich Personaldienstleistungen stattgefunden hat, teils aufgrund der gesetzlichen Übernahmeregelungen, vor allem jedoch aufgrund der Wirtschaftsabkühlung im Verarbeitenden Gewerbe.

 

8.         Dienstleitungen, private Haushalte

Bei den Dienstleistungen im Bereich Unterhaltung und Erholung sowie Arbeiten in privaten Haushalten wurden in den Anzeigen 2.100 Beschäftigte genannt. Damit waren 56,8 Prozent aller Beschäftigten und 34,1 Prozent der Betriebe in den Anzeigen vertreten.

 

9.         Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (z.B. Reisebüros, Sicherheitsdienste, Autovermietung)

Zur Sammel-Kategorie der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen gehören Unternehmen aus vielen verschiedenen Bereichen. Die in dem Wirtschaftszweig tätigen Firmen haben 1.686 Personen in den Anzeigen genannt und somit 42,8 Prozent aller Arbeitnehmer und 29,8 Prozent der Betriebe. Besondere Aufmerksamkeit erfahren haben in der Krise zurecht die Reisebüros. Diese haben 147 Personen und somit die Hälfte des Personals in den Anzeigen angegeben. Betroffen waren 80,5 Prozent aller Reisebüros und damit prozentual mehr Unternehmen als in jeder anderen Sparte.

 

10.       Immobilienbranche samt freiberuflicher, wissenschaftlicher und technischer Dienstleistungen

In Anzeigen aufgeführt wurden aus dem Bereich Immobilien sowie Dienstleistungen aus dem freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Bereich 1.596 Beschäftigte und somit 21,7 Prozent aller Personen und 16,5 Prozent der Betriebe.

 

Wie viele der genannten Personen am Ende tatsächlich in Kurzarbeit gehen mussten oder dies noch müssen, lässt sich aus den aktuell Zahlen nicht ablesen.

 

Landkreis Schwandorf:

 

Die Coronakrise und ihre Folgen haben Unternehmen aus allen Wirtschaftsbereichen im Landkreis belastet. Während in einigen Branchen erste Zeichen einer Normalisierung bemerkbar sind, ist die Lage in anderen Bereichen nach wie vor sehr angespannt.

 

Im Hotel- und Gaststättenbereich konnten einige Betriebe zumindest einen Teil ihres zuvor komplett in Kurzarbeit geschickten Personals im Mai wieder zurückholen - oft zwar noch mit reduzierter Stundenzahl, aber der erste Schritt hin zu einer Normalisierung ist getan. Die weitere Entwicklung hängt stark davon ab, wie gut die Gäste die Angebote annehmen und unter den derzeitigen Hygienevorschriften zu Restaurantbesuchen und Hotelübernachtungen bereit sind.

 

Noch keine Rückkehr zum Normalbetrieb ist für viele Firmen des verarbeitenden Gewerbes möglich. „Wie bereits im Dezember und vor allem Anfang des Jahres zeigt sich, dass es viele Global Player in der Region gibt, die auf ein reibungsloses Funktionieren der Lieferketten angewiesen sind. Corona-Ausbrüche im Ausland sorgen immer wieder dafür, dass wichtige Bauteile nicht rechtzeitig geliefert werden. Dies führt immer wieder zu Produktionsstopps und damit einhergehend auch Kurzarbeit“, berichtet Markus Nitsch, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schwandorf.

 

Im Landkreis Schwandorf sind vom 1. bis zum 27. Mai 94 geprüfte Kurzarbeitsanzeigen für 1.448 betroffene Arbeitnehmer eingegangen. Im April hatten die Arbeitgeber 1.037 Anzeigen für 19.989 Arbeitnehmer eingereicht, im März 93 für 2.225 Beschäftigte.