22.07.2020 | Presseinfo Nr. 72

Neue Broschüre für klischeefreie Berufswahl erschienen

„Wir können kein Mädchen als Azubi nehmen, wir haben nur eine Toilette.“ Diese Aussage hört die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Schwandorf, Dorothea Seitz-Dobler, zwar immer seltener. Aber ganz ausrotten lässt sich dieses Vorurteil nicht, bedauert Seitz-Dobler.
 

Von Seiten der Arbeitgeber gibt es noch immer Vorbehalte gegen weibliche Auszubildende. Das geht von der besagten Toilette über den eventuell rauen Umgangston im Betrieb bis hin zu den Schreckgespenstern Schwangerschaft, Elternzeit und Teilzeit. Die Agentur für Arbeit versucht diese Argument mit einer neuen Broschüre zu entkräften, die den Titel „Fachkraft gesucht, Mädchen gefunden“ trägt.

 

Die Vorurteile bei Arbeitgebern sind zwar nicht mehr so groß wie vor zehn Jahren, hinzukämen aber Bedenken der Eltern und der Mädchen selbst, ob sie eine technische Ausbildung schaffen. Viele Mütter haben Angst, dass für die Tochter KFZ-Mechatronikerin körperlich zu anstrengend sei, geben ihr aber eine Broschüre über Ausbildungsmöglichkeiten im Pflegebereich in die Hand.

 

Den größten Hemmschuh bilden die Mädchen selbst. „Es ist leider immer noch so, dass mehr als die Hälfte aller Mädchen aus nur zehn Ausbildungsberufen wählen und darunter ist kein Beruf aus dem sogenannten MINT-Bereich - also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik“, bedauert Seitz-Dobler.

 

Oft sei es so, dass sich Mädchen mit einer Drei in Mathematik für nicht geeignet halten, einen technischen Beruf zu ergreifen, Jungen mit einer Drei in Mathe sich hingegen für technisch begabt halten. „Diese oft unbewussten Vorurteile prägen sich Kindern schon sehr früh ein, aber es gibt keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Mädchen Mathematik schlechter verstehen“, weiß die Beauftragte für Chancengleichheit. Die Kompetenzen für sogenannte MINT-Berufe werden durch gezielte Förderung gelegt. So ist die Gleichstellungsexpertin froh, dass es in ihrem Agenturbezirk gezielte Mädchen- und Frauenförderung gibt, sei es an den Schulen oder an der OTH Amberg bzw. dem Technologiecampus in Cham.

 

Aber auch die MINT-Beauftragten in den Regionen tragen zu einer ständigen Verbesserung des Förderangebots bei, freut sich die Arbeitsmarktexpertin und hat die Hoffnung, dass wenigstens einer der 170 MINT-Ausbildungsberufe unter die „Top Ten“ bei den Mädchen kommt.

 

Die genannte Broschüre und weiterführendes Material zur klischeefreien Berufsorientierung kann man kostenlos bei der Beauftragten für Chancengleichheit unter der Telefonnummer 09431 200-250 anfordern, oder per Mail an  Schwandorf.bca@arbeitsagentur.de .