30.01.2020 | Presseinfo Nr. 5

Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im Januar 2020

Der Arbeitsmarkt im Januar 2020

Die kalte Jahreszeit ließ die Arbeitslosigkeit saisonbedingt ansteigen

Die insgesamt positive Entwicklung in 2019 am Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön pausierte zu Beginn des neuen Jahres. Im Januar 2020 waren in der Region Main-Rhön 8.395 Menschen arbeitslos gemeldet, das waren 1.102 Personen oder 15,1 Prozent mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote stieg von 2,9 Prozent im Dezember auf 3,4 Prozent im Januar. Überwiegend Männer waren von der Winterarbeitslosigkeit betroffen, da diese oftmals in den Außenberufen arbeiten. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Männer stieg im Vergleich zum Vormonat überproportional stark (+ 779 Personen / + 18,9 Prozent) auf 4.906 an. "Witterungsbedingte Entlassungen und das Ende des Weihnachtsgeschäftes sind Faktoren, die sich auch auf dem Arbeitsmarkt in unserer Region als übliche saisonale Komponente auswirken und die Arbeitslosenzahlen spürbar ansteigen lassen. Hinzu kamen auslaufende befristete Arbeitsverträge", bewertet Thomas Stelzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die aktuelle Situation. Gegenüber dem Vorjahr gab es kaum Veränderung. Im Januar 2019 lag die Arbeitslosenquote bei 3,2 Prozent, damals wurden 7.774 arbeitslose Menschen gezählt, dies waren 421 Personen weniger.

Die Bewegungszahlen auf dem Arbeitsmarkt in der Region sind weiterhin relativ hoch. 1.861 Menschen konnten im Januar ihre Arbeitslosigkeit beenden. Dies waren 94 Personen weniger als im Vorjahresmonat. Im Gegenzug mussten sich 2.977 Arbeitnehmer erstmals oder erneut arbeitslos melden. Dies waren 82 Personen weniger als im Januar 2019.

 

Die Arbeitslosenzahlen nach Regionen:

  Arbeitslose Anzahl absolut Arbeitslosen-Quote Veränderungin %-Punkten zum Vormonat Veränderungin %-Punkten zum Vorjahr
AA Schweinfurt

8.395

3,4 % + 0,5 + 0,2
Stadt Schweinfurt 1.891 6,7 % + 0,7 + 0,6
Lkr. Schweinfurt 1.747 2,6 % + 0,3 + 0,1
Lkr. Bad Kissingen 1.860 3,2 % + 0,5 - 0,1
Lkr. Rhön-Grabfeld 1.299 2,8 % + 0,4 +/- 0,0
Lkr. Haßberge 1.598 3,2 % + 0,5 + 0,4

Weiterer Anstieg der Kurzarbeit

Die Zahl der Betriebe, welche für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet hatten, stieg um zwei auf 71 Betriebe mit insgesamt 2.404 Arbeitnehmern. Gegenüber dem Dezember waren 585 Personen mehr betroffen. Vor einem Jahr lagen die Zahlen deutlich niedriger. Im Januar 2019 waren es 20 Betriebe mit 454 Beschäftigten. „Im Vergleich zum Vorjahr gibt es einen deutlichen Anstieg der Anzeigen zu Kurzarbeitergeld. Hauptsächlich von Kurzarbeit betroffen sind die Branchen die Automobil- und Zuliefererindustrie (Maschinenbau, Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, Herstellung von Metallerzeugnissen). Das endgültige Ausmaß des Arbeitsausfalls pro Kopf ist aus den Anzeigen noch nicht erkennbar. Die Zahl der ausgefallenen Stunden, für die Kurzarbeitergeld als Ausgleich gezahlt wird, hängt letztendlich immer von der ganz aktuellen Auftragslage des jeweiligen Betriebes ab“, führt Stelzer aus.

 

Geringer Anstieg bei den arbeitslosen Menschen mit Fluchthintergrund

Im Januar wurden in der Region Main-Rhön 684 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund gezählt. Das waren 8,1 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen. Den weitaus größten Anteil bildeten dabei Menschen aus Syrien (406 Personen), gefolgt von afghanischen Staatsbürgern (95). Knapp die Hälfte des Personenkreises (45 Prozent) ist jünger als 35 Jahre und zwei Drittel der arbeitslosen Menschen im Kontext von Fluchtmigration sind männlich. Verglichen mit dem Vorjahr stellt sich die Situation ähnlich dar. Damals wurden 642 arbeitslose Menschen mit Fluchthintergrund gezählt. Das waren 42 Personen weniger und entsprach ebenso 8,1 Prozent aller gemeldeten Arbeitslosen. „Der Arbeitsmarkt in unserer Region zeigte sich aufnahmefähig auch für geflüchtete Menschen. Angesichts der günstigen Altersstruktur könnte das Schul- und Qualifikationsniveau der Geflüchteten noch gesteigert werden und so die Ausbildungs- und Arbeitsmarktintegration erleichtern", erläutert Stelzer.

 

Leichter Anstieg der Unterbeschäftigungsquote im Vorjahresvergleich um 0,2 Prozentpunkte

Die Arbeitsmarktstatistik erfasst zudem die Unterbeschäftigung. Diese beinhaltet neben den arbeitslosen Menschen beispielsweise auch Personen in Weiterbildungen sowie Selbständige, die mit einem Gründungszuschuss gefördert werden und daher nicht als arbeitslos gelten. Sie vermittelt damit einen umfassenderen Eindruck über die Lage auf dem Arbeitsmarkt. Im Vorjahresvergleich hat sich die Situation leicht verschlechtert. 11.342 Menschen waren im Januar von Unterbeschäftigung betroffen, das waren 900 mehr als im Dezember 2019 und 427 Personen mehr als im Januar 2019. Die Unterbeschäftigungsquote stieg im letzten Monat um 0,4 Prozentpunkte auf 4,5 Prozent an. Im Vorjahresmonat lag diese noch bei 4,3 Prozent. Im Zusammenhang mit der Betrachtung der Unterbeschäftigung wird ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Teilnehmerzahlen in Sprach- und Integrationskursen gelegt. Diese ist im Vergleich zum Vormonat um 45 auf 543 Personen gesunken. Im Januar 2019 war die Zahl mit 597 Teilnehmern um 54 Personen höher.

 

Nachfrage nach neuen Mitarbeitern gab auf hohem Niveau nach

Die neueste Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (Stand: Januar 2020) liegt vor. Diese wird halbjährlich durchgeführt. Nach deren Einschätzung gibt es keinen generellen flächendeckenden und branchenübergreifenden Fachkräftemangel in ganz Deutschland. „Qualifizierte Fachkräfte sind in vielen Branchen kaum noch zu finden. Der Arbeitsmarkt steuert in immer mehr Bereichen auf einen Fachkräftemangel zu. Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit schafft dazu Transparenz. Sie stellt objektiv dar, in welchen Berufen aktuell Besetzungsschwierigkeiten auftreten und wie sich die Situation in den Bundesländern darstellt. Im Vergleich zur letzten Analyse im Juni 2019 hat sich die Zahl der sogenannten Engpassberufe hauptsächlich bei Spezialisten erhöht“, so Stelzer. Deutschlandweit gibt es erhebliche Engpässe in einigen technischen Berufsfeldern, in Bauberufen sowie in Gesundheits- und Pflegeberufen. Im Vergleich zur Analyse im Juni 2019 sind mehrere Berufe neu als Berufe mit einem Engpass eingestuft worden. So kamen u.a. weitere Metall- und Bauberufe sowie Berufe aus der Informatik und der Sicherheitsbranche hinzu.

Für Bayern wurden in nachfolgend aufgelisteten Branchen weitere Engpässe zusätzlich zur bundesweiten Analyse definiert: Einen Mangel an Fachkräften wiesen die Berufsgruppen Farb- und Lackiertechnik sowie technisches Zeichnen, Konstruktion und Modellbau auf. Ebenso wurden zusätzlich Sonderbedarfe an Fachkräften in den Berufsgruppen Lebensmittel- und Genussmittelherstellung sowie Führer/innen von Fahrzeug- und Transportgeräten in Bayern gemeldet. Zusätzliche Engpässe bei dem Anforderungsniveau der Spezialisten und Experten wurden für die Berufsgruppen Metallbearbeitung, technisches Zeichnen, Konstruktion und Modellbau sowie Gesundheit, Krankenpflege, Rettungdienst und Geburtshilfe, Verkauf sowie Ver- und Entsorgung, definiert.

Die Mangelsituation zeigt sich auch in unserer Region durch die anhaltende Nachfrage nach Arbeitskräften. Die Anzahl der offenen Arbeitsstellen blieb im Januar gegenüber dem Dezember weiterhin auf einem hohen Niveau. Mit 4.272 Arbeitsangeboten sank der Stellenbestand im Vergleich zum Vormonat lediglich um 72 Stellen, dies entspricht einem Minus von 1,7 Prozent. „Allerdings hat die Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes einen Dämpfer durch die internationalen Handelsstreitigkeiten und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Brexit erhalten. Die Wirtschaft ist zuletzt kaum gewachsen. Die Dynamik am Stellenmarkt verlangsamt sich und die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern hat auf hohem Niveau nachgegeben“, kommentiert Stelzer die Zahlen. Dies zeigte sich im Vergleich zum Vorjahresmonat, denn der aktuell gemeldete Stellenbestand liegt um 976 Stellen niedriger, dies entspricht einem Minus von 18,6 Prozent. „Der nach wie vor hohe Bestand an offenen Stellen hat auch seine Schattenseiten. So können die Unternehmen ihren Bedarf an Fachkräften oft nur mit Verzögerungen decken. Mehr als 268 Tage dauert es im Durchschnitt, bis eine Stelle wieder besetzt wird. Noch vor einem Jahr war es rund ein Monat (32 Tage) weniger“, so Stelzer. Im Januar nahmen die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter 584 neue Stellenangebote entgegen. Das waren 152 Stellenzugänge weniger als vor einem Jahr. Die Stellenmeldungen sind beispielsweise dem Bereich des Handels und der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen 85 Stellen zuzurechnen. 80 der offenen Stellen betrafen die Branche Gesundheit und Soziales. Das verarbeitende Gewerbe mit 72 Stellen war ebenfalls gewichtig vertreten. Weitere 58 Stellen im Zugang, fielen auf die Bereiche öffentliche Verwaltung sowie Sozialversicherung. „Auch Ungelernte profitieren erfreulicherweise von der Situation am Arbeitsmarkt. Sie haben es allerdings ungleich schwerer einen Zugang zum Arbeitsmarkt zu finden. In vielen Fällen setzen die Arbeitgeber jedoch eine Ausbildung bei der Arbeitnehmersuche voraus. Rund 77 Prozent der gemeldeten Stellen forderten einen Berufsabschluss bzw. eine höherwertigere Ausbildung“, betont Stelzer.

 

Prognose des IAB: Beschäftigung wächst in 2020 weiter

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete, dass das IAB-Arbeitsmarktbarometer als Frühindikator mit dem gleichen Wert ins neue Jahr startete, wie es das alte beendete. Im Januar blieb es auf dem Wert von 101,9 Punkten. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass sich der Arbeitsmarkt insgesamt weiter gut entwickeln wird. „Die Arbeitsagenturen erwarten weiterhin keinen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit. Auch wenn es in einzelnen Bereichen Beschäftigungsrückgänge gebe, vor allem in der Exportindustrie, bleibe das Entlassungsniveau insgesamt niedrig. Eine Krise ist weiterhin nicht in Sicht. Trotz aller Schwierigkeiten im Auto- und Exportbereich deutet alles darauf hin, dass das Jahr 2020 auf den Beschäftigungsrekord des Vorjahres noch einmal etwas drauflegt“, erklärt ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. „Der regionale Arbeitsmarkt erlebte zuletzt eine der längsten Aufschwungphasen seit dem Jahr 2010. Dieser Aufschwung ging einher mit einem kräftigen Aufbau der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung, einer hohen Einstellungsbereitschaft der Unternehmen und einer sinkenden Arbeitslosigkeit. Einige Frühindikatoren signalisieren, dass die Arbeitslosigkeit in 2020 leicht ansteigen könnte. Zu nennen sind hier die vermehrt frühzeitige Arbeitssuchendmeldungen und der wachsende Beratungsbedarf zur Kurzarbeit. Dem entgegen wirkt allerdings der Fachkräftemangel in vielen Branchen. Da der überwiegende Anteil der Unternehmen aus den konjunkturunabhängigen Branchen, wie der öffentlichen Verwaltung, dem Gesundheits- und Sozialwesen, dem Bereich Unterricht und Erziehung, der Dienstleistungsbranche etc. sich weiterhin zunehmend knappe Arbeitskräfte sichern werden“, lautet die Einschätzung von Stelzer.