Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im Oktober 2022

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02.11.2022 | Presseinfo Nr. 50

Anhaltend positive Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön - Trotz sich abzeichnender konjunktureller Abschwächung

Der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön zeigte sich im Oktober in erneut starker Verfassung. Steigende Energiepreise, die aktuelle Inflation, steigende Zinsen und auch Material und Lieferengpässe hinterließen am allgemeinen Arbeitsmarkt kaum Spuren in der Region Main-Rhön. Die Arbeitslosenquote ging im Vergleich zum Vormonat sogar um 0,2 Prozentpunkte auf 3,2 Prozent zurück. Die Zahl der Arbeitslosen ist um 514 bzw. 6,2 Prozent gesunken. Insgesamt waren im Oktober in der Region Main-Rhön 7.815 Menschen arbeitslos. „Trotz der vorherrschenden Unsicherheiten bezüglich des wirtschaftlichen Verlaufs, zeigte sich der regionale Arbeitsmarkt zum Beginn des 4. Quartals sehr robust. Die Arbeitslosigkeit sank um 0,2 Prozentpunkte, die Anzahl der Arbeitnehmer für die Anträge auf Kurzarbeit gestellt wurde, hat sich noch weiter deutlich reduziert. Mit rund 800 neuen Stellengesuchen blieb die Nachfrage nach Arbeitskräften konstant auf einem hohen Niveau“, erläutert Thomas Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt.

Alle von der Statistik ausgewiesenen Personengruppen konnten von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt im Oktober profitieren. Im Vergleich zum Vormonat sank vor allem die Zahl der Arbeitslosen in der Personengruppe der Jüngeren (15 bis 25 Jahre) um 208 Menschen (- 23,8 Prozent). Im Oktober war einiges an Bewegung am Arbeitsmarkt zu erkennen. Dies spiegelte sich im Zugang aus Beschäftigung und bei den Arbeitsaufnahmen wider. So meldeten sich 767 Menschen in Erwerbstätigkeit ab, während sich 820 Personen arbeitslos meldeten.

Im Vergleich zum Vorjahr sind, mit einem Plus von 633 Personen (+ 8,8 Prozent), mehr Menschen arbeitslos gemeldet. Damals waren 7.182 Menschen arbeitslos. Die Quote lag bei 2,9 Prozent. Während die Zahl der Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung (Agentur für Arbeit, Rechtskreis SGB III) um 246 Personen (-6,4 Prozent) auf aktuell 3.625 arbeitslos gemeldete Menschen zurückging, stieg sie in der Grundsicherung (Jobcenter, sogenanntes „Hartz4“, Rechtskreis SGB II) um 879 Personen (+26,5 Prozent) an. Der Anstieg der Zahl der Arbeitslosen in den Jobcentern begründet sich fast ausschließlich durch die Aufnahme der geflüchteten Menschen aus der Ukraine. „Sehr erfreulich ist allerdings die rückläufige Anzahl an langzeitarbeitslosen Menschen in beiden Rechtskreisen im Vergleich zum Vorjahr. Die Langzeitarbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung nahmen um 78 Personen (- 11,3 Prozent) und in der Grundsicherung um 163 Personen (- 9,1 Prozent) ab. Gerade in Zeiten einer sehr hohen Arbeitskräftenachfrage ist zu beobachten, dass die Personengruppe der Langzeitarbeitslosen erfreulicherweise profitieren kann“, teilt Stelzer mit.

Arbeitslose
Anzahl absolut
Arbeitslosen-
Quote
Veränderung in %-Punkten
zum Vormonat
Veränderung in %-Punkten
zum Vorjahr
AA Schweinfurt7.8153,2 %- 0,2+ 0,3
Stadt Schweinfurt1.8046,4 %- 0,4+ 0,7
Lkr. Schweinfurt17302,6 %- 0,2+ 0,3
Lkr. Bad Kissingen1.7723,1 %- 0,2+ 0,3
Lkr. Rhön-Grabfeld1.1782,6 %- 0,2+ 0,2
Lkr. Haßberge1.3312,7 %- 0,2+ 0,2

Integrationsfortschritte bei den geflüchteten Personen aus der Ukraine

Derzeit sind in der Agentur für Arbeit und in den Jobcentern der Region Main-Rhön 816 Personen aus der Ukraine arbeitslos gemeldet. Der Großteil dieser Personengruppe sind Frauen (601 Personen). In der Personengruppe der Jugendlichen (15 bis unter 25 Jahre) waren im Berichtsmonat 52 Geflüchtete arbeitslos gemeldet.

In der ersten Phase des Übergangs der Ukrainer in die Jobcenter wurde durch die Jobcenter ab Juni zunächst die finanzielle Unterstützung sichergestellt. Danach begann die zweite Phase,  die Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt. Spracherwerb und eine gesicherte Kinderbetreuung sind hierbei wichtige Grundlagen für eine Integration.

Nach dem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit der Geflüchteten aus der Ukraine im Sommer 2022 im Agenturbezirk, sind in den letzten Wochen keine nennenswerten Zugänge mehr zu beobachten. „Um die aus der Ukraine geflüchteten Jugendlichen schnell im bayerischen Schulsystem ankommen zu lassen und den Spracherwerb zu fördern, wurden in Bayerns Schulen sogenannte „Brückenklassen“ eingerichtet. Auch in unserem Agenturbezirk gibt es für junge Ukrainer*innen dieses Angebot. Ziel ist es, diesen jungen Menschen einen schulischen Abschluss in Deutschland zu ermöglichen. Mit einer qualitativ guten Berufsberatung wollen wir dann den Weg, beispielsweise in eine duale Ausbildung, ebnen“, berichtet Stelzer.

Anzeigen der Betriebe auf Kurzarbeit gehen weiter zurück

 „Durch die Zahlung von Kurzarbeitergeld bei vorübergehend erheblichem Arbeitsausfall aufgrund wirtschaftlicher Ursachen (z.B. Auftragsmangel) sollen den Betrieben ihre eingearbeiteten Mitarbeiter und Arbeitnehmer erhalten bleiben, um so Arbeitslosigkeit zu vermeiden. Die geplante Inanspruchnahme der regionalen Betriebe sinkt weiterhin auf einem bereits sehr erfreulich niedrigen Niveau“, so Stelzer.

Die Zahl der Betriebe bzw. Abteilungen, welche für ihre Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet hatten, sank gegenüber dem September um 13 Betriebe auf 39 Betriebe im Oktober.  Die Anzahl der betroffenen Arbeitnehmer sank ebenfalls um 1.339 auf 580.  Vor einem Jahr waren die Zahlen deutlich höher. Im Oktober 2021 waren es noch 739 Betriebe bzw. Abteilungen mit 10.619 Beschäftigten für welche damals Kurzarbeit angezeigt wurde.

Weiterhin sehr hohe Nachfrage nach Arbeitskräften

Die Nachfrage der regionalen Unternehmen nach Arbeitskräften bleibt weiterhin auf einem historisch hohen Niveau.

Die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter hatten im Berichtsmonat 806 neue Suchanfragen nach Arbeitskräften von Arbeitgebern – nahezu identisch mit dem Vormonat - entgegengenommen. Dies waren aber 276 Stellen (- 25,5 Prozent) weniger als im Vorjahresmonat.

Der Bestand offener Stellen lag bei 6.698. Obwohl dieser im Vergleich zum Vormonat um 155 Stellen (- 2,3 Prozent) sank, liegt er aber immer noch 890 Stellen (+ 15,3 Prozent) über dem Vorjahresniveau.

Seit Jahresbeginn wurden 9.873 Stellenzugänge verzeichnet, dies entsprach einem Rückgang von 743 Stellen (- 7,0 Prozent) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. „Das historisch hohe Nachfrage-Niveau nach Fach- und Arbeitskräften in zahlreichen Branchen führt teilweise bereits zu Einschränkungen im Produktions- und Dienstleistungsbereich. Diese Themen betreffen auch unsere Region.  Die Situation sollten wir nutzen um auch weiterhin die Menschen die schon seit längerer Zeit ohne Beschäftigung sind in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Durch professionelle Beratung, Investitionen in Bildung, Ausbildung und Sprachförderung wollen wir, die Agentur für Arbeit Schweinfurt, den Erfolg der Menschen in unserer Region positiv beeinflussen. Die gezielte Akquise von Fach- und Arbeitskräften in Europa und sogenannten Drittländern rückt stärker in den Vordergrund, zum Beispiel für die Pflege“, resümiert Stelzer.

Ausbildungsmarkt

Die Jahresbilanz der Ausbildungsmarktdaten wird am Donnerstag, den 04. November für die Region Main-Rhön veröffentlicht.

IAB-Arbeitsmarktbarometer fällt zum sechsten Mal in Folge

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer lag im Oktober 2022 bei 100,2 Punkten und ist im Vergleich zum September um weitere 0,3 Punkte gesunken. Damit liegt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) nur noch knapp über der neutralen Marke von 100 und signalisiert somit nur noch geringfügig positive Aussichten für die Arbeitsmarktentwicklung. Auf europäischer Ebene verzeichnet das Barometer ebenfalls den sechsten Rückgang in Folge und liegt nun mit 99,7 Punkten leicht unterhalb der neutralen Marke von 100 Punkten.

„Normalerweise gibt es nur eines von beiden: starker Arbeitskräftebedarf oder schwache Konjunktur. Aber im Moment trifft Knappheit auf Krise. Weil Arbeitskräfte knapp sind, halten die Betriebe ihre Beschäftigten auch in der Energiekrise. Die Einstellungspläne werden aber etwas zurückgefahren. Die Fluchtzuwanderung aus der Ukraine erhöht schlagartig das Arbeitskräftepotenzial in Deutschland und damit zunächst die Arbeitslosigkeit wie auch – stärker zeitverzögert – die Beschäftigung“, berichtet ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

„Infolge der Auswirkungen des Krieges gegen die Ukraine entwickelte sich der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön nicht in dem Maße positiv, wie zu Jahresanfang noch zu erwarten war. Für das Gesamtjahr 2022 war die Region Main-Rhön bislang nicht von einem Wirtschaftseinbruch geprägt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen – Krieg, Energiepreise, Material- und Lieferengpässe sowie der Fortgang der Covid-19-Pandemie – ist eine konjunkturelle Schwächephase für die kommenden Monate nicht auszuschließen“, fügt Stelzer hinzu.