01.12.2020 | Presseinfo Nr. 31

Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im November 2020

November 2020

3,4 Prozent Arbeitslosenquote -  erneut leichter Rückgang, trotz Corona

Trotz des Teil-Lockdowns zeichnete sich im November, zum dritten Mal in Folge, eine leichte positive Arbeitsmarktentwicklung in der Region Main-Rhön ab. Es waren 8.520 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote erreichte im November 3,4 Prozent. Damit liegen wir wieder auf dem November-Niveau von 2012. „Die Zahlen belegen, dass dieser Teil-Lockdown sich nicht so drastisch wie der flächendeckende Lockdown im Frühjahr auswirkt. Noch im Oktober waren 281 Menschen mehr arbeitslos gemeldet und die Quote lag mit 3,5 Prozent um 0,1 Prozentpunkte höher. Auch sind die Schließungen branchenspezifisch weniger beschränkt. Die Grenzen sind weiter geöffnet, sodass Lieferketten nicht unterbrochen werden. Große Teile der Wirtschaft – Industrie, Handwerk, verarbeitendes Gewerbe – arbeiten weiter. Ferner zeigt sich, wie schon in den vergangenen Monaten, dass sich das Instrument Kurzarbeit bewährt und die Auswirkungen der Krise deutlich abmildert. Außerdem hilft die Bundesregierung zusätzlich mit den sogenannten „Novemberhilfen“, erläutert Thomas Stelzer, Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt.

Im Vorjahr lag das Niveau der Arbeitslosigkeit allerdings niedriger. Damals wurden 1.392 weniger Arbeitslose gezählt und die Arbeitslosenquote lag bei 2,9 Prozent.

Auch im November war Bewegung am Arbeitsmarkt zu verzeichnen. Dies spiegelte sich im Zugang aus Beschäftigung und bei den Arbeitsaufnahmen wider. Es meldeten sich 841 Menschen in Erwerbstätigkeit ab. Die Zugänge aus Erwerbstätigkeit in Arbeitslosigkeit lagen mit 941 Personen leicht darüber.

Die Arbeitslosenzahlen nach Regionen:

Arbeitslose

Anzahl absolut

Arbeitslosen-

Quote

Veränderung in %-Punkten

zum Vormonat

Veränderung in %-Punkten

zum Vorjahr

AA Schweinfurt 8.520 3,4 % - 0,1 + 0,5
Stadt Schweinfurt 1.871 6,5 % - 0,3 +0,6
Lkr. Schweinfurt 1.733 2,6 % - 0,1 + 0,4
Lkr. Bad Kissingen 1.996 3,4 % +/- 0,0 + 0,6
Lkr. Rhön-Grabfeld 1.344 2,9 % - 0,2 + 0,6
Lkr. Haßberge 1.576 3,1 % - 0,2 + 0,5
Kurzarbeit verhinderte weiterhin steigende Arbeitslosigkeit

Kurzarbeit eröffnet Betrieben eine Möglichkeit, vorübergehende Phasen mangelnder Auslastung zu überbrücken. Betroffene Unternehmen sind dadurch nicht gezwungen ihre Mitarbeiter zu entlassen, sondern profitieren davon, dass ihnen die gut ausgebildeten und eingearbeiteten Fachkräfte erhalten bleiben. Damit sparen sich die Unternehmen vor allem zeit- und kostenintensive Rekrutierung und Einarbeitung von neuen Fachkräften nach einer schwierigen Phase. Betriebe, in denen aus konjunkturellen Gründen Kurzarbeit notwendig wird, zeigen diese bei der Agentur für Arbeit vorab an und rechnen erst später die konkrete Kurzarbeit ab.

Der Bundestag beschloss aktuell das sogenannte Gesetz zur Beschäftigungssicherung. Damit werden Sonderregeln zur Kurzarbeit über das Jahr 2020 hinaus bis Ende 2021 verlängert. Mit ausgeweiteter Kurzarbeit soll auch im kommenden Jahr ein deutlich durch Corona bedingter Anstieg der Arbeitslosenzahlen verhindert werden. Nachdem die Neuanzeigen zur Kurzarbeit in den vergangenen Monaten kontinuierlich gesunken waren, könnten diese angesichts der neuerlichen Beschränkungen, welche vor allem die Hotel- und Gastronomiebetriebe, die Kosmetik- und Fitness-Studio-Betreiber sowie die Kulturschaffenden betrifft, in den nächsten Monaten wieder ansteigen. “Gerade deshalb ist die Verknüpfung von Kurzarbeit mit Qualifizierung im Jahr 2021 sinnvoll. Dies könnte Unternehmen helfen ihre Beschäftigten für den Strukturwandel und für die digitale Transformation fit zu machen“, erläutert Stelzer.

Seit Jahresbeginn war für 4.295 Betriebe und für 59.153 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt worden. Der höchste Eingang an Anzeigen in diesem Jahr erfolgte im Monat April mit 3.426 Betriebsanzeigen. Für den Berichtsmonat lag der Eingang von neuen Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für 118 Betriebe mit 1.037 Personen vor. Nachdem die monatliche Zahl der Neuanzeigen sich seit April kontinuierlich verringert hatte, stieg diese erstmals seit Oktober wieder an. In unserer Region waren das verarbeitende Gewerbe, die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, der Maschinenbau, das Hotel- und Gaststättengewerbe sowie das Gesundheitswesen hierbei betroffen.

Aus der Anzeige ist nicht zu erkennen, wann und in welchem Umfang im Betrieb tatsächlich kurzgearbeitet wird. Für die tatsächlich später eingetretene Kurzarbeit muss der Betrieb der Agentur für Arbeit für den jeweiligen Monat innerhalb von drei Monaten einen Antrag auf die Gewährung von Kurzarbeitergeld stellen und die Abrechnungslisten einreichen. Aktuelle Hochrechnungen unserer amtlichen Statistik zur realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen uns bis zum Monat Juli vor. Demnach wurde im Juli für 1.642 Betriebe mit 23.643 Beschäftigten Kurzarbeitergeld abgerechnet. Auffällig ist, dass nach Betriebsgrößen die Kleinstbetriebe (bis 19 Beschäftigte) mit 83 Prozent (2.272 Betriebe) am stärksten von Kurzarbeit betroffen waren. Darüber hinaus befanden sich 333 Kleinbetriebe (20 bis 99 Beschäftigte), 95 Mittelbetriebe (100 bis 499 Beschäftigte) und 14 Großbetriebe (ab 500 Beschäftigte) in Kurzarbeit.

Stellenmeldungen der Arbeitgeber nahmen zu

Im November wurden den Vermittlungsfachkräften im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter 877 Stellen neu gemeldet, 116 Stellen mehr als im November 2019.

„Nachdem die Nachfrage nach neuen Mitarbeitern im April, mit einem Minus von rund 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, regelrecht eingebrochen war, steigerte sich diese im Berichtsmonat um ein Plus von rund 15 Prozent im Vergleich zum November 2019. Allerdings dürften die Stellenmeldungen weiterhin nur zaghaft ansteigen bzw. auf niedrigerem Niveau verharren, da mit dem erneuten Teil-Lockdown in der derzeit wirtschaftlich angespannten Lage weniger Menschen ihren Arbeitsplatz wechseln. Diese niedrigere Fluktuation trägt neben dem geringeren Bedarf an zusätzlichem Personal dazu bei, dass tendenziell weniger Stellen auf dem Arbeitsmarkt zu besetzen sind“, so Stelzer.

Die Stellenmeldungen seit Jahresbeginn liegen mit 7.883 Stellen um 1.556 Stellen bzw. 16,5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt befinden sich aktuell 3.847 Arbeitsstellen im Stellenpool, 733 (16 Prozent) weniger als im Vorjahr. Die meisten gemeldeten Stellen sind dem Berufsbereich Rohstoffgewinnung, Produktion und Fertigung zuzurechnen. Ebenfalls stark vertreten sind der Berufsbereich Gesundheit, Lehre, Erziehung sowie Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit. An vierter Stelle kommt der Bereich Bau, Architektur, Vermessung und Gebäudetechnik.

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Aussichten verbessern sich trotz des Lockdowns

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im November um 0,4 Punkte auf 100,5 Punkte gestiegen. Damit verbleibt der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im leicht positiven Bereich. „Die Beschäftigung wird im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen. Wichtig hierfür seien die Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt bereits vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. Die Perspektive auf einen Impfstoff macht die Unternehmen zuversichtlicher. Das verstärkt noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten. Dennoch belaste die weltweite zweite Corona-Welle die Erholung, und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft stellen große Herausforderungen dar“, kommentiert ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt. „Bei einer Gesamtschau auf den regionalen Arbeitsmarkt ist es erfreulich und ebenso nicht zu erwarten gewesen, dass trotz der behördlichen Einschränkungen aufgrund der Corona-Krise die Arbeitslosenquote bereits im dritten Monat leicht sinkt und sich die Anzahl der Anträge von Arbeitnehmern auf Insolvenzgeld in einer unauffälligen Größenordnung bewegt. Ebenso der Frühindikator „gemeldete offene Stellen“ zeigt eine leichte positive Tendenz. Auch wenn der weitere Verlauf der Corona-Krise derzeit nicht seriös eingeschätzt werden kann, ist ein vorläufiges Resümee, dass bisher der erleichterte Zugang zum Kurzarbeitergeld und die anderen Unterstützungsleistungen den Arbeitsmarkt weitgehend stabilisieren konnten“, fasst Stelzer zusammen.