29.01.2021 | Presseinfo Nr. 4

Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im Januar 2021

Januar 2021

Die kalte Jahreszeit ließ die Arbeitslosigkeit saisonbedingt ansteigen

Der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön zeigte sich zu Beginn des neuen Jahres weitgehend robust. Im Januar 2021 waren in der Region Main-Rhön 9.500 Menschen arbeitslos gemeldet, das waren 853 Personen oder 9,9 Prozent mehr als im Dezember. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,5 Prozent im Dezember auf 3,8 Prozent im Januar. Dies entsprach einem jahreszeitlich bedingten üblichen Anstieg von 0,3 Prozentpunkten (Durchschnitt der letzten 3 Jahre: plus 0,4 Prozentpunkte). Letztmalig war die Arbeitslosenquote in einem Januar, im Jahr 2017 mit 3,9 Prozent (9.387 arbeitslosen Personen) höher. Überwiegend Männer waren von der Winterarbeitslosigkeit betroffen, da diese oftmals in den Außenberufen arbeiten. Die Zahl der arbeitslos gemeldeten Männer stieg im Vergleich zum Vormonat überproportional stark (+ 549 Personen / + 11,3 Prozent) auf 5.399 an.

"Witterungsbedingte Entlassungen sind Faktoren, die sich auch auf dem Arbeitsmarkt in unserer Region als übliche saisonale Komponente auswirken und die Arbeitslosenzahlen spürbar ansteigen lassen. Der bereits im letzten Quartal 2020 begonnene Lockdown light sowie der im Dezember zweite harte Lockdown, mitten im Weihnachtsgeschäft, wirkte sich nur unwesentlich auf die Arbeitslosmeldungen aus. Anders als im Frühjahr kam es bisher jedoch zu keiner Entlassungswelle. Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit zeigt, dass Instrumente wie das Kurzarbeitergeld sowie die Finanzhilfen der Bundesregierung offenbar greifen. Die Unternehmen halten nach wie vor an ihren Mitarbeitern, trotz des im Dezember für viele Branchen erneut verordneten Lockdowns, fest“, bewertet Thomas Stelzer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die aktuelle Situation.

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit im Januar waren die Kunden von der Arbeitsagentur und der Jobcenter unterschiedlich betroffen. In der Agentur für Arbeit Schweinfurt (im Bereich der Arbeitslosenversicherung) waren 6.060 Menschen arbeitslos und damit wurde eine Zunahme von 706 Personen (plus 13,2 Prozent) verzeichnet. In den Jobcentern (umgangssprachlich Hartz IV) waren 3.440 Personen arbeitslos. Dies entsprach einem Zugang von 147 Personen (plus 4,5 Prozent) im Vergleich zum Vormonat.

Gegenüber dem Vorjahresmonat gab es eine deutliche Veränderung. Damals wurden 8.395 arbeitslose Menschen gezählt (Arbeitslosenquote 3,4 Prozent). Dies waren 1.105 Personen weniger als im aktuellen Monat. Auffällig war, dass in Folge der Krise vor allem geringqualifizierte Arbeitslose Schwierigkeiten hatten, schnell eine neue Arbeit zu finden. Aus diesem Grund ist auch die Zahl der 2.427 langzeitarbeitslosen Menschen (Personen, die ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet sind) im Vergleich zum Vorjahr um 586 Personen (um 31,8 Prozent) angestiegen.

Die Arbeitslosenzahlen nach Regionen:

Arbeitslose

Anzahl absolut

Arbeitslosen-

Quote

Veränderung in %-Punkten

zum Vormonat

Veränderung in %-Punkten

zum Vorjahr

AA Schweinfurt 9.500 3,8 % + 0,3 + 0,4
Stadt Schweinfurt 1.970 6,9 % + 0,4 + 0,2
Lkr. Schweinfurt 1.965 2,9 % + 0,2 + 0,3
Lkr. Bad Kissingen 2.249 3,9 % + 0,4 + 0,7
Lkr. Rhön-Grabfeld 1.527 3,3 % + 0,3 + 0,5
Lkr. Haßberge 1.789 3,5 % + 0,4 + 0,3
Anstieg der Unterbeschäftigungsquote im Vorjahresvergleich um 0,4 Prozentpunkte

Die Arbeitsmarktstatistik erfasst zudem die Unterbeschäftigung. Diese beinhaltet neben den arbeitslosen Menschen beispielsweise auch Personen in Weiterbildungen sowie Selbständige, die mit einem Gründungszuschuss gefördert werden und daher nicht als arbeitslos gelten. Sie vermittelt damit einen umfassenderen Eindruck über die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

12.347 Menschen waren im Januar von Unterbeschäftigung betroffen, dies waren 578 mehr als im Dezember 2020 und 1.023 Personen mehr als im Januar 2020. Die Unterbeschäftigungsquote stieg im letzten Monat um 0,2 Prozentpunkte auf 4,9 Prozent an. Im Vorjahresmonat lag diese noch bei 4,5 Prozent. Im Zusammenhang mit der Betrachtung der Unterbeschäftigung wird ein besonderes Augenmerk auf die Entwicklung der Teilnehmerzahlen in Sprach- und Integrationskursen gelegt. Diese ist im Vergleich zum Vorjahresmonat um 153 auf 390 Personen gesunken.

Kurzarbeit wegen des Corona bedingten Lockdowns wieder gestiegen

Die Corona-Pandemie stellt den Arbeitsmarkt nun mit ihrer zweiten Welle auf eine heftige Probe. Durch den Einsatz von Kurzarbeit konnten Unternehmen ihr Personal halten und je nach Auftragslage flexibel einsetzen. Das Kurzarbeitergeld war und ist in der aktuellen Lage ein wichtiger Baustein zur Bewältigung der Krise. Betriebe müssen vor Beginn von Kurzarbeit eine schriftliche Anzeige bei der zuständigen Agentur für Arbeit einreichen. Dies hat spätestens bis zum Ende des Monats zu erfolgen, für den erstmalig Leistungen bezogen werden sollen. Im Berichtsmonat wurden im Agenturbezirk 2.794 Anzeigen der Betriebe für insgesamt 37.170 Personen erfasst. Vor einem Jahr lagen die Zahlen deutlich niedriger. Vor der Corona-Pandemie im Januar 2020 waren es 71 Betriebe mit 2.404 Arbeitnehmern für die Kurzarbeit angezeigt war. Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden. Hierbei handelt es sich um eine Prognose aus Sicht des Betriebes. „Nach wie vor sind besonders die Branchen Kunst, Unterhaltung und Erholung, das Hotel und Gastgewerbe, die Branchen Erbringung von sonstigen Dienstleistungen (insbesondere Friseure, Wäschereien, Bäder, Saunen, Gebäudereinigung und die Sicherheitsbranche), die Branche Verkehr und Logistik sowie der Handel und die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen von Kurzarbeit betroffen. Die Corona-Krise trifft Wirtschaft und Arbeitsmarkt schon jetzt deutlich härter als die Finanzkrise von 2009 (2009: Betriebe: 350 / AN: 25.500). So sind heute wesentlich mehr Branchen von Kurzarbeit betroffen als damals. Die Zahl der Entlassungen hält sich bislang in Grenzen. Die Tatsache, dass sehr viele Branchen deutlich stärker auf Kurzarbeit als auf Entlassungen setzen, zeigt, dass die Betriebe überwiegend gewillt sind ihr Personal zu halten“, erläutert Stelzer.

Für die tatsächlich eingetretene Kurzarbeit muss der Betrieb bei der Agentur für Arbeit für den jeweiligen Monat innerhalb von drei Monaten einen Antrag auf die Gewährung von Kurzarbeitergeld stellen und die Abrechnungslisten einreichen. Aktuelle Hochrechnungen unserer amtlichen Statistik zur realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen uns bis zum Monat September vor. Demnach wurde im September für 1.274 Betriebe mit 14.715 Beschäftigten Kurzarbeitergeld abgerechnet. Dies entsprach rund 11,6 Prozent der 10.955 Unternehmen und 8,3 Prozent der 176.110 sozialversicherungspflichtig Beschäftigen in der Region Main-Rhön. „Um die Belastungen der Corona-Pandemie für Arbeitnehmer und Arbeitgeber abzufedern, hat die Bundesregierung Sonderregelungen für den Bezug von Kurzarbeitergeld eingeführt. Unter anderem wurde die vollständige Erstattung der Sozialversicherungsbeiträge während der Kurzarbeit bis 30. Juni 2021 verlängert. Danach werden die Sozialversicherungsbeiträge zu 50 Prozent bis 31. Dezember 2021 erstattet, wenn mit der Kurzarbeit bis 30.Juni 2021 begonnen wurde. Ebenso wurde die Bezugsdauer für das Kurzarbeitergeld in bestimmten Fallgestaltungen auf bis zu 24 Monate für 2021 verlängert. Es wurden auch weitere finanzielle Anreize geschaffen, um die Zeit der Kurzarbeit für Weiterbildung und Qualifizierung zu nutzen“, erläutert Stelzer.

Offene Stellen im Januar 2020 weiterhin hoch

Die Anzahl der offenen Arbeitsstellen blieb im Januar weiterhin auf einem hohen Niveau. Mit 3.840 Arbeitsangeboten stieg der Stellenbestand im Vergleich zum Vormonat um vier Stellen. „Die Dynamik am Stellenmarkt verlangsamt sich jedoch“, kommentiert Stelzer die Zahlen. Dies zeigt ein Vergleich mit dem Vorjahresmonat. Der aktuell gemeldete Stellenbestand liegt um 432 Stellen niedriger, dies entspricht einem Minus von 10,1 Prozent. Im Zuge der Corona-Krise war die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin verhalten. Im Januar nahmen die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter 605 neue Stellenangebote entgegen. Die Stellenmeldungen sind beispielsweise der Branche Gesundheit und Soziales mit 88 Stellen zuzurechnen. 78 der offenen Stellen betrafen den Handel und die Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Weitere 62 Stellen im Zugang wurden den Bereichen öffentliche Verwaltung sowie Sozialversicherung zugerechnet. Das verarbeitende Gewerbe war ebenfalls mit 62 Stellen vertreten. „In vielen Fällen setzen die Arbeitgeber jedoch eine Ausbildung bei der Arbeitnehmersuche voraus. Rund 79 Prozent der gemeldeten Stellen forderten einen Berufsabschluss bzw. eine höherwertigere Ausbildung“, betont Stelzer.

Prognose des IAB: Arbeitsmarkt hält dem Lockdown stand

Das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) meldete, dass das IAB-Arbeitsmarktbarometer als Frühindikator im Januar um 0,4 Punkte auf 100,2 Punkte gefallen war. Das ist der erste deutlichere Rückgang seit dem ersten Lockdown. Dennoch verbleibt der Frühindikator des IAB im leicht positiven Bereich. „Die Arbeitsagenturen erwarten, dass der Arbeitsmarkt insgesamt auch einem verlängerten Lockdown standhalten kann. Die Corona-Eindämmungsmaßnahmen seit November führen zu deutlich geringeren wirtschaftlichen Einbrüchen als im Frühjahr 2020. Die Ungewissheit sei jetzt deutlich geringer. Mit der Perspektive der Impfungen vor Augen halten die Betriebe an ihren Beschäftigten fest. Eine Rolle spiele auch, dass Entlassungen, die pandemiebedingt erfolgten, oft bereits schon im zweiten Quartal 2020 getätigt worden waren. Der Arbeitsmarkt hält sich in der Krise gut, aber eine durchgreifende Erholung wird nicht einfach. Neueinstellungen seien derzeit bei vielen Betrieben nicht auf der Agenda“, erklärt ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. „Für die Frage, wie sich der Arbeitsmarkt in 2021 entwickelt, ist ganz entscheidend, wie rasch wir diese Krise überwinden. Dies hängt auch davon ab wie die Coronahilfen der Regierung greifen und wie lange die weiteren Beschränkungen im öffentlichen Leben anhalten sowie sich das weitere Impfgeschehen entwickeln wird. Wie stark die Arbeitslosigkeit letztendlich steigt, ist deshalb noch nicht seriös zu beziffern. Maßgeblich ist, dass die leistungsfähigen Strukturen der Unternehmen erhalten werden können und die Weiterbeschäftigung der gut qualifizierten Fachkräfte mit Hilfe des Kurzarbeitergeldes für die Zeit nach der Krise stabilisiert werden kann“, bewertet Stelzer die aktuelle Lage.