29.04.2021 | Presseinfo Nr. 14

Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im April 2021

April 2021

Der Arbeitsmarkt erholte sich trotz verschärfter Pandemie-Einschränkungen

Zu Beginn des zweiten Quartals spürt man die Auswirkungen des anhaltenden Lockdowns am Arbeitsmarkts in der Region Main-Rhön erstaunlich wenig. Die typische konjunkturelle Frühjahrsbelebung erfolgte, trotz der Covid-19-Pandemie. So waren im April 8.480 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 494 Personen weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote sank von 3,6 Prozent im März auf 3,4 Prozent im April. „Entgegen aller Rückschläge in der Corona-Pandemie erholt sich der regionale Arbeitsmarkt weiter. Im Vergleich zum Vormonat und Vorjahresmonat sind Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung rückläufig. Generell verbessern sich die Perspektiven am regionalen Arbeitsmarkt. Es gab eine spürbare Frühjahrsbelebung und dies, obwohl die Infektionen steigen und die Einschränkungen für einige Wirtschaftsbereiche nach wie vor bestehen. Das Frühjahr ist allgemein eine gute Zeit am Arbeitsmarkt. Sobald das Wetter sich bessert, wird wieder verstärkt in den Außenberufen gearbeitet. Darüber hinaus verzeichnen das verarbeitende Gewerbe sowie das Baugewerbe eine positive Auftragslage. Auch die Industriebetriebe exportieren wieder international und greifen immer weniger auf Kurzarbeit zurück. Beflügelt von dieser Entwicklung stellen die regionalen Betriebe wieder verstärkt ein. All diese Faktoren unterstützen die Erholung der regionalen Wirtschaft nach dem Corona-Einbruch“, erläutert Thomas Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die Situation.

Im April 2020 lag die Arbeitslosenquote noch bei 3,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank diese um 0,3 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent und die Arbeitslosigkeit ging deutlich um 644 Personen zurück. Nahezu alle von der Statistik ausgewiesenen Personengruppen konnten im Vergleich zum Vorjahr von dem Rückgang der Arbeitslosigkeit profitieren. Bei den 4.673 arbeitslosen Männern konnte ein Rückgang von 534 Personen (minus 10,3 Prozent) festgestellt werden. Bei den 3.807 arbeitslosen Frauen wurde ein Rückgang von 110 Personen (minus 2,8 Prozent) verzeichnet. Am deutlichsten war der Rückgang bei der Personengruppe der 683 jüngeren arbeitslos gemeldeten Menschen (15 bis unter 25 Jahre) mit einem Minus von 372 Personen (minus 35,3 Prozent) zu beobachten. Auch die Personengruppe der arbeitslos gemeldeten 1.716 Ausländer sank um 112 Personen (minus 6,1 Prozent) sowie die der 3.654 älteren arbeitslosen Menschen (50 Jahre und älter) um 115 Personen (minus 3,2 Prozent). Die Folgen des zweiten Lockdowns haben am lokalen Arbeitsmarkt kaum Spuren hinterlassen. Allerdings ist die Personengruppe der 2.590 langzeitarbeitslosen Menschen (Personen, die ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet sind) im Vergleich zum Vorjahr um 696 Personen (plus 36,7 Prozent) deutlich angestiegen. Dies ist eine Folge der Pandemie. In deren Folge sich das Risiko der Verfestigung von Arbeitslosigkeit erhöht. Eine weitere Ursache für die weitgehend positive Entwicklung am Arbeitsmarkt war sowohl durch nahezu unveränderte Zugänge, als auch durch höhere Abgänge aus Arbeitslosigkeit bedingt. Die Abgänge in Erwerbstätigkeit sind im Vergleich zum Vorjahresmonat mit einem Plus von 393 Personen (65,1 Prozent) auf 1.093 gestiegen, während die Zugänge aus Erwerbstätigkeit mit einem Minus von 548 Personen (39,9 Prozent) auf 824 gesunken waren.

Arbeitslose

Anzahl absolut

Arbeitslosen-

Quote

Veränderung in %-Punkten

zum Vormonat

Veränderung in %-Punkten

zum Vorjahr

AA Schweinfurt 8.480 3,4 % - 0,2 - 0,3
Stadt Schwienfurt 1.809 6,3 % -0,4 - 0,8
Lrk. Schweinfurt 1.777 2,7 % - 0,1 - 0,2
Lkr. Bad Kissingen 2.023 3,5 % - 0,2 +/- 0,0
Lkr. Rhön-Grabfeld 1.306 2,8 % - 0,2 - 0,4
Lkr. Haßberge 1.565 3,1 % - 0,2 - 0,3

Kurzarbeit bleibt weiterhin der rettende Anker für viele Unternehmen

Trotz der Auswirkungen des anhaltenden Lockdowns sanken, wie bereits im Vormonat, im April die Anzeigen zur Kurzarbeit. Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle Betriebe, welche von den Schließungen betroffen sind, bereits Kurzarbeit angezeigt. Die Kurzarbeit bleibt dennoch der rettende Anker für viele Unternehmen. Seit Anfang dieses Jahres gingen von 2.586 Betrieben im Arbeitsagenturbezirk Schweinfurt Kurzarbeitsanzeigen für 32.019 Arbeitnehmer ein. Im Vergleich zum Vormonat war dies ein Rückgang von 295 Betrieben und 5.988 Arbeitnehmern. Dies entsprach rund einem Viertel der 10.955 Unternehmen und knapp einem Fünftel (18 Prozent) der 178.411 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in unserer Region. Vor einem Jahr zeigten rund ein Drittel der Betriebe für gut ein Viertel (26 Prozent) ihrer Arbeitnehmer Kurzarbeit an. Eine Anzeige wird oft auch vorsorglich gestellt. Daraus lässt sich nicht schließen wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich in Kurzarbeit waren und in welchem Stundenumfang. Diese Angaben liegen erst mit Zeitverzögerung vor.

Für die tatsächlich eingetretene Kurzarbeit tritt der Betrieb mit der Lohnabrechnung in Vorleistung und muss danach bei der Agentur für Arbeit für den jeweiligen Monat einen Antrag auf die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes stellen. Aktuelle Hochrechnungen unserer amtlichen Statistik zur realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen uns bis zum Monat Dezember vor. Demnach wurde im Dezember für 1.874 Betriebe und 14.627 Beschäftigte Kurzarbeitergeld abgerechnet.

Die Statistik weist seit Ende 2020 die Kurzarbeiterquote aus. Diese berechnet sich als Verhältnis aus der Zahl der Personen in Kurzarbeit bezogen auf die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Beschäftigungsstatistik. Die Quote weist das relative Ausmaß und die Bedeutung der Kurzarbeit für eine Region aus. Die Kurzarbeiterquote für Dezember lag über alle Branchen hinweg bei 8,2 Prozent. In der Spitze, im Mai 2020, lag diese noch bei 21,6 Prozent.

Leichter Rückgang der Unterbeschäftigungsquote auf 4,5 Prozent

Die Arbeitsmarktstatistik erfasst zudem die Unterbeschäftigung. Diese beinhaltet neben den arbeitslosen Menschen beispielsweise auch Personen in Weiterbildungen sowie Selbständige, die mit einem Gründungszuschuss gefördert werden und daher nicht als arbeitslos gelten. Sie vermittelt damit einen umfassenderen Einblick über die Lage auf dem Arbeitsmarkt. 11.320 Menschen waren im April von Unterbeschäftigung betroffen. Hier gab es im Vergleich zum Vormonat ein Minus von 531 Personen. Die Unterbeschäftigungsquote ist mit 4,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat 0,2 Prozentpunkte rückläufig. Gegenüber dem Vorjahresmonat war ebenso ein Rückgang in Höhe von 487 Personen zu verzeichnen. Damals lag die Quote bei 4,7 Prozent (11.802 Personen) und somit um 0,2 Prozentpunkte höher. Zahlreiche Menschen mit Fluchthintergrund befinden sich aktuell in Sprach- und Integrationskursen. Die Teilnehmerzahlen sind im Vergleich zum Vorjahresmonat um ein Drittel, auf 379 Personen, zurückgegangen.

Die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen nimmt wieder zu

„In Anbetracht der anhaltenden Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie hält sich der Arbeitsmarkt verhältnismäßig robust. Die staatlichen Subventionen federn stärkere Auswirkungen ab. Trotz des zweiten Lockdowns seit Anfang November ist der Stellenmarkt nicht zum Stillstand gekommen. Denn bei den Stellenmeldungen seit Jahresbeginn, mit 3.600 Stellen und einer Steigerung von 850 Stellen (plus 30,9 Prozent) im Vergleich zum Vorjahresniveau, lässt sich ein deutlich positiver Trend ablesen“, erläutert Stelzer. Mit insgesamt 4.433 Arbeitsangeboten im Berichtsmonat, stieg der Stellenbestand im Vergleich zum Vormonat um 250 Stellen (+ 6,0 Prozent) und im Vergleich zum Vorjahr um 541 Stellen (+ 13,9 Prozent) an. „Die zunehmende Einstellungsbereitschaft der Unternehmen zeichnete sich vor allem in den Branchen des verarbeitenden Gewerbes mit einem Plus von 111 Stellen (plus 24 Prozent), im Baugewerbe mit einem Plus von 60 Stellen (plus 14 Prozent) sowie in der Branche Verkehr und Lagerei mit einem Plus von 54 Stellen (plus 29 Prozent) im Vergleich zum Vorjahr ab. Erhebliche Einbußen musste hingegen das Hotel- und Gaststättengewerbe mit einem Minus von 65 Stellen (minus 30 Prozent) aufgrund der noch immer andauernden Einschränkungen hinnehmen“, so Stelzer. Betrachtet man den monatlichen Stellenzugang, so hat dieser sich ebenfalls weiter positiv entwickelt. Die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter nahmen bis zum Stichtag 1.029 neue Suchanfragen nach Arbeitskräften von Arbeitgebern an. Das waren 6 Stellenzugänge mehr als im Vormonat sowie 602 Stellen oder 141 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Der Ausbildungsmarkt zeigte sich leicht verunsichert durch die Folgen der Pandemie

„Manche Firmen sind aufgrund der unsicheren zukünftigen wirtschaftlichen Lagen etwas vorsichtiger bei der Meldung von Ausbildungsstellen. Dennoch wird der Fachkräftemangel weiterhin zunehmen, weshalb gerade jetzt die Ausbildungsbereitschaft wichtiger denn je ist“, so Stelzer. Wie bereits in den vergangenen Jahren überstieg die Anzahl der gemeldeten Lehrstellen die Zahl der registrierten Bewerber deutlich. Seit Oktober 2020 wandten sich 2.246 Jugendliche bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Schweinfurt. Dies war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 125 junge Menschen und entsprach einem Minus von 5,3 Prozent, was größtenteils am Rückgang der Schulabgänger, in etwa der gleichen Höhe, liegt. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 3.407 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 273 Ausbildungsplätze oder 7,4 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. „Das Team der Berufsberatung der Agentur für Arbeit stellt jungen Menschen ein breites Spektrum an Online-Angeboten zur Verfügung. Im Vordergrund unseres Unterstützungsangebotes steht das persönliche Beratungsgespräch. Je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens ist dies aber an Schulen und in der Arbeitsagentur nicht immer uneingeschränkt möglich. Deshalb gibt es jetzt für junge Menschen ergänzend ein neues Angebot: die Videoberatung. Unser Videoberatungsangebot ist kostenlos und der Inhalt der Gespräche ist streng vertraulich und datenschutzkonform möglich. Jugendliche, die eine Ausbildung machen möchten, sollten sich trotz der aktuellen Situation nicht verunsichern lassen. Die Unternehmen wollen weiterhin ausbilden“, erläutert Stelzer.

Die Jugendlichen, welche im April noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle waren, lag mit 988 um 25 Personen oder 2,6 Prozent höher als vor der Jahresfrist. Sie hatten die Wahl zwischen 1.671 unbesetzten Berufsausbildungsstellen. Das waren 218 oder 11,5 Prozent weniger als vor einem Jahr. Damit standen im April rein rechnerisch jedem jungen Menschen 1,7 offene Stellen (April 2020: 1,6 offene Stellen) zur Auswahl.

IAB-Arbeitsmarktbarometer klettert auf den höchsten Stand seit 2019

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer legt zum dritten Mal in Folge zu und ist im April gegenüber dem Vormonat um 0,5 Punkte auf 102,4 Punkte gestiegen. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) klettert damit auf den höchstens Stand seit Mai 2019. Der Positivtrend des IAB-Arbeitsmarktbarometers setzt sich weiter fort. „Für den Arbeitsmarkt zeichnet sich ein Erholungskurs ab, aber die Entwicklung ist noch weit davon entfernt, was ohne Pandemie erreicht worden wäre. Mit Blick auf die voranschreitende Impfkampagne seien die Arbeitsagenturen in ihren Einschätzungen zur Arbeitsmarktentwicklung weiterhin verhalten optimistisch. Mit dem höheren Impftempo steigt die Hoffnung auf Entspannung in der Corona-Krise. Dennoch bleiben für die nächste Zeit Risiken durch die dritte Welle bestehen“, so ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. „Trotz der andauernden Lockdown-Situation entwickelt sich der Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön positiver, als von vielen erwartet. Der regionale Arbeitsmarkt des Agenturbezirks Schweinfurt ist deutlich konjunktursensibler als der des Bundesgebietes. In der aktuellen Situation profitiert dieser nach wie vor von den umfassenden Stützungsmaßnahmen, der guten Auftragslage der Automobilzulieferindustrie und der robusten Verfassung am Bau und großen Teilen des Handwerks. Dennoch bleibt abzuwarten wie sich die aktuell auslaufende Frist zur Aussetzung der Insolvenzantragspflicht auf den Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön auswirken wird. Auch die Geschäftslage kleiner und mittelgroßer Unternehmen, die direkt von den Folgen der Pandemie betroffen sind, bleibt weiterhin angespannt. Eine zuverlässige Prognose der weiteren Entwicklung des heimischen Arbeitsmarktes ist deshalb zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr schwer möglich. Allerdings verweisen die Frühindikatoren am Arbeitsmarkt, sowie die positive Entwicklung am Stellenmarkt und die rückläufige Inanspruchnahme der Kurzarbeit, auf eine weitere Erholung am regionalen Arbeitsmarkt hin“, fasst Stelzer zusammen.

Der Arbeitsmarktreport April 2021 in Zahlen

die ausführlichen Zahlen zum Arbeitsmarkt im April 2021