29.07.2021 | Presseinfo Nr. 19

Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im Juli 2021

Juli 2021

Der Arbeitsmarkt zeigte sich nach wie vor sehr widerstandsfähig

Die zunehmenden Lockerungen der behördlichen Einschränkungen aufgrund der Pandemie und die damit verbundenen Öffnungsschritte wirkten sich stabilisierend auf den Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön aus. 7.719 Menschen waren im Juli arbeitslos gemeldet. Im Vergleich zum Vormonat blieb die Arbeitslosenquote unverändert auf 3,1 Prozent. Positiv hervorzuheben ist hierbei der leichte Rückgang von aktuell 50 arbeitslosen Menschen, da im Durchschnitt der letzten 5 Jahre ein Anstieg von deutlich über hundert arbeitslosen Personen im Monatswechsel zu verzeichnen war. „Wenn man die aktuellen Eckdaten des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes betrachtet, steht unsere Region Main-Rhön im Vergleich zum übrigen Bundesgebiet günstig da. Der regionale Arbeitsmarkt zeigt sich nach wie vor sehr robust. Die Arbeitslosigkeit sowie die Unterbeschäftigung blieben im Vergleich zum Vormonat nahezu unverändert und die Kurzarbeit sank im Juli erfreulicherweise deutlich. Ebenso hat die Nachfrage nach Arbeitskräften erheblich an Fahrt aufgenommen“, erläutert Thomas Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, die regionale Arbeitsmarktsituation.

Im Krisenjahr 2020 betrug die Arbeitslosenquote im Juli 3,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank diese um 0,7 Prozentpunkte und die Arbeitslosigkeit ging deutlich um 1.814 Personen zurück. Vergleicht man allerdings die aktuellen Arbeitslosenzahlen mit dem Juli 2019, vor der Corona-Pandemie, mit 7.385 arbeitslosen Menschen und einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent, so sind noch 334 Menschen (+ 4,5 Prozent) mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Vor allem Langzeitarbeitslose, aber auch ältere ab 55 Jahre und Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung sind von der Krise besonders betroffen. Die Statistik unterscheidet bei der Beobachtung der Arbeitslosenzahlen in den Personengruppen nach verschiedenen Strukturmerkmalen. Beleuchtet man die Arbeitslosenzahlen im Juli 2019 (Vorkrisenzeitpunkt) zu Juli 2021 nach den unterschiedlichen statistischen Kriterien, so war vor allem in der Personengruppe der 55-Jährigen und älter, ein Plus von 375 Personen (+ 17,0 Prozent) zu beobachten. Dagegen sank die Anzahl der arbeitslosen Menschen unter 25 Jahren um 192 Personen (- 21,7 Prozent). Nach dem Kriterium der Ausbildung, stieg die Personenanzahl derjenigen ohne abgeschlossene Berufsausbildung um 247 Personen (+ 8,8 Prozent). Die Anzahl der Personengruppe mit Berufsabschluss blieb in diesem Zeitraum nahezu unverändert.  Die Personengruppe mit akademischer Ausbildung stieg um 101 arbeitslose Personen (+ 23,0 Prozent). Ebenso stieg die Anzahl derjenigen Menschen, welche länger als ein Jahr von Arbeitslosigkeit betroffen waren (Langzeitarbeitslose) deutlich um 909 Personen (+ 53,7 Prozent) an. Im Helferbereich stieg die Anzahl der arbeitslosen Personen um 1.241 Personen (+ 47,0 Prozent). Im Fachkräftebereich gab es im gleichen Zeitraum einen Rückgang von 956 Personen (- 28,5 Prozent). „Es hat sich in der Pandemie erneut gezeigt, dass Geringqualifizierte stärker von Arbeitslosigkeit betroffen sind und Fachkräfte durchgängig nachgefragt wurden“, führt Stelzer aus.

Arbeitslose

Anzahl absolut

Arbeitslosen-

Quote

Veränderun in %-Punkten

zum Vormonat

Veränderun in %-Punkten

zum Vorjahr

AA Schweinfurt 7.719 3,1 % +/- 0,0 - 0,7
Stadt Schweinfurt 1.690 5,9 % + 0,1 - 1,5
Lkr. Schweinfurt 1.613 2,4 % +/- 0,0 - 0,5
Lkr. Bad Kissingen 1.835 3,2 % +/- 0,0 - 0,6
Lkr. Rhön-Grabfeld 1.214 2,7 % +/- 0,0 - 0,6
Lkr. Haßberge 1.367 2,7 % +/- 0,0 - 0,7
Nur noch jedes zehnte Unternehmen zeigte Kurzarbeit an 

Erfreulicherweise sanken die Anzeigen zur Kurzarbeit im Berichtsmonat deutlich. Im Vergleich zum Vormonat mit 2.361 Betrieben, gab es einen Rückgang der Anzeigen auf Kurzarbeit auf 1.332 Betriebe. Gleichzeitig reduzierte sich die Anzahl der Arbeitnehmer von 29.422 auf 12.882. „Nur noch gut jedes zehnte Unternehmen in der Region zeigte für knapp ein Zehntel der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Agenturbezirk Kurzarbeit an. Noch vor einem Jahr war es jedes dritte Unternehmen mit einem Sechstel der Sozialversicherungspflichtigen, welches von Kurzarbeit betroffen war“, teilt Stelzer mit. Eine Anzeige wird oft auch vorsorglich gestellt. Daraus lässt sich nicht schließen wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich und in welchem Stundenumfang in Kurzarbeit waren. Diese Angaben der Betriebe liegen erst mit Zeitverzögerung vor. Für die tatsächlich eingetretene Kurzarbeit tritt der Betrieb mit der Lohnabrechnung in Vorleistung und muss danach bei der Agentur für Arbeit für den jeweiligen Monat einen Antrag auf die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes stellen. Aktuelle Hochrechnungen der amtlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen bis zum Monat März 2021 vor. Demnach wurde im März für 1.858 Betriebe und 13.396 Beschäftigte Kurzarbeitergeld abgerechnet. Im Vergleich zum Vormonat war dies ein deutlicher Rückgang von 429 Betrieben, verbunden mit einem ebenso deutlichen Rückgang von 2.788 betroffenen Arbeitnehmern. Die Statistik weist seit Ende 2020 die Kurzarbeiterquote aus. Diese berechnet sich als Verhältnis aus der Zahl der Personen in Kurzarbeit, bezogen auf die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Beschäftigungsstatistik. Die Kurzarbeiterquote im März lag über alle Branchen hinweg bei 7,6 Prozent. Diese entsprach dem Wert, vor dem zweiten Lockdown, im Oktober 2020. Den Höchststand erreichte dieser Wert im Mai 2020 mit 21,6 Prozent. „Der erfreuliche Rückgang der Inanspruchnahme von Kurzarbeit in unserer Region würde noch deutlich stärker ausfallen, wenn nicht bei einer Reihe von Rohstoffen und Vorprodukten Lieferengpässe und Preissteigerungen die Abwicklung von Aufträgen negativ beeinflussen würde. Aufgrund der aktuellen Probleme in den Lieferketten sahen sich mehrere Betriebe gezwungen Kurzarbeit, erneut oder erstmalig, anzuzeigen“, so Stelzer.

Stellenbestand wieder nahe Höchststand

Die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter hatten im Berichtsmonat 1.342 neue Suchanfragen nach Arbeitskräften von Arbeitgebern entgegengenommen. Das waren 204 Stellenzugänge mehr als im Vormonat sowie 625 Stellen oder 87,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Mit insgesamt 5.509 Arbeitsangeboten im Bestand, stieg dieser im Vergleich zum Vormonat um 467 Stellen (+ 9,3 Prozent) und im Vergleich zum Vorjahr um 1.911 Stellen (+ 53,1 Prozent) an. In diesem Berichtsmonat hatte der aktuelle Stellenbestand den Stellenbestand im Juli 2019 (Vorkrisenniveau) mit 5.143 Stellen, um 366 Stellen (+ 7,1 Prozent) überholt. Auch lag der aktuelle Stellenbestand deutlich über den durchschnittlichen Stellenbeständen der letzten Jahre mit einem monatlichen durchschnittlichen Bestand von 4.470 Stellen. „Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist nach wie vor ungebrochen hoch und spiegelt insbesondere den Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wider. Letztendlich ist dies die Ursache, dass fast der Höchststand der gemeldeten offenen Stellen vom August 2018 mit 5.527 wieder erreicht ist“, berichtet Stelzer.

Endspurt auf dem Ausbildungsstellenmarkt

„Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe bleibt auch in der Zeit der Pandemie erfreulicherweise ungebrochen hoch. Unternehmen wol­len sich trotz Corona-Krise ihre Fachkräfte von morgen sichern. Jedem bisher unversorgten Bewerber stehen aktuell rechnerisch 2,6 unbesetzte Ausbildungsstellen (Juli 2020: 2,1; Juli 2019: 2,6) zur Verfügung. Wer in Ausbildung investiert hat seine Fachkräfte für morgen. Dies gilt auch in finanziell unsicheren Zeiten. Unsere Berufsberater begleiten in Kooperation mit den Schulen besonders die Schüler der Abschlussklassen, damit beim Übergang in den Beruf niemand auf der Strecke bleibt“, betont Stelzer.

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres waren noch 514 junge Menschen auf der Suche nach einer Lehrstelle. Auf der anderen Seite waren noch 1.350 Lehrstellen unbesetzt. Die Zahl der Jugendlichen, die noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle waren, lag im Juli um 136 Personen (- 20,9 Prozent) niedriger als im Vorjahr. Ebenso lag die Zahl der bis zum Berichtsmonat unbesetzten Ausbildungsstellen um 40 Stellen (- 2,9 Prozent) niedriger als im letzten Jahr. Seit Oktober 2020 wandten sich 2.392 Jugendliche bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle an die Berufsberatung der Agentur für Arbeit Schweinfurt. Ebenso war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang um 129 junge Menschen zu verzeichnen und entsprach einem Minus von 5,1 Prozent. Dies kam auch dem Rückgang der Schulabsolventen gleich. Im gleichen Zeitraum wurden der Arbeitsagentur 3.698 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 188 oder 4,8 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

"Wir haben nach wie vor eine gute Ausbildungssituation in der Region Main-Rhön. Wichtig ist, dass die Jugendlichen den beruflichen Werdegang entsprechend ihrer Fähigkeiten einschlagen. Mittlerweile sind Praktika, um sich von einem Beruf einen persönlichen Eindruck zu machen, wieder möglich. Ein Praktikum ist oftmals der beste Wegbereiter in die Ausbildung und bietet eine Chance, seinen Wunschberuf auszuprobieren. Zusätzlich plant die Berufsberatung der Arbeitsagentur gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern im Rahmen „des Sommers der Ausbildung“ in den kommenden Wochen Aktionen, um Jugendliche und Ausbildungsbetriebe zusammenzubringen. Unterstützt durch die Allianz für Aus- und Weiterbildung werden die lokalen Events unter: www.aus-und-weiterbildungsallianz.de veröffentlicht. Schulabgänger*innen, die noch nicht wissen, wie es nach dem Sommer für sie weitergeht, empfehle ich, jetzt Kontakt zur Berufsberatung aufzunehmen. Ob persönlich oder online: Wir haben zahlreiche Angebote für junge Menschen, die bei der Berufswahl unterstützen. Für den Ausbildungsvertrag im Herbst ist es noch nicht zu spät", erläutert Stelzer.

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Stabil auf sehr gutem Niveau

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer verliert im Juli gegenüber dem Vormonat minimal um 0,1 Punkte auf 107,1 Punkte. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) liegt damit weiter auf sehr hohem Niveau, wobei der Optimismus im Hinblick auf die Arbeitslosigkeit noch einmal zunimmt, während er im Hinblick auf die Beschäftigung etwas zurückgeht. „Die Arbeitsagenturen erwarten weiterhin eine deutliche Erholung am Arbeitsmarkt. Aber das Ende der Fahnenstange scheint beim Optimismus erreicht. Risiken für die nächste Zeit ergeben sich durch eine mögliche vierte Welle der Covid-19-Pandemie und damit verbundene neuerliche Eindämmungsmaßnahmen. Die gegenläufige Entwicklung dürfte zum einen darauf zurückzuführen sein, dass wieder mehr Personen an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen können. Zum anderen entwickelt sich das Arbeitskräftepotenzial schwächer als in den Jahren vor der Pandemie“, so ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“. „Die positiven Signale, sinkende Kurzarbeit sowie stark zunehmende Arbeitskräftenachfrage, lassen zuversichtlich auf eine fortschreitende Erholung des Arbeitsmarktes in der Region Main-Rhön im weiteren Jahresverlauf hoffen. Es zeichnet sich ein stetig wachsender Fachkräftemangel in unserer Region ab. Die alternde Gesellschaft und der Rückgang von Zuwanderung während der Pandemie verschärft diese Entwicklung auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Auch wenn der Ausnahmezustand der Pandemie enden wird, ist zu erwarten, dass der Trend knapper werdender Fachkräfte noch deutlicher sichtbar wird. Die aufgetretenen Lieferengpässe und die Sorge vor einer vierten Corona-Welle sind allerdings aktuelle Unsicherheiten“, resümiert Stelzer.

Der Arbeitsmarktreport Juli 2021 in Zahlen

die ausführlichen Zahlen zum Arbeitsmarkt im Juli 2021