30.09.2021 | Presseinfo Nr. 25

Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im September 2021

September 2021

Der Arbeitsmarkt im September

Erholung am Arbeitsmarkt setzte sich weiter fort

In der Region Main-Rhön setzte die Herbstbelebung am Arbeitsmarkt ein. Die Zahl der Arbeitslosen ist im Vergleich zum Vormonat um 235 bzw. 2,9 Prozent gesunken. Insgesamt waren im September in der Region Main-Rhön 7.811 Menschen arbeitslos. Die Arbeitslosenquote ging um 0,1 Prozentpunkte, auf 3,1 Prozent, zurück. „Die Arbeitslosigkeit sowie die Inanspruchnahme der Kurzarbeit sinken sukzessive, die Arbeitskräftenachfrage der Betriebe in der Region Main-Rhön zieht weiter an. Wir erkennen deutliche Nachholeffekte auf dem regionalen Arbeitsmarkt. Außerdem konnten deutlich mehr Arbeitslose eine neue Beschäftigung finden als im September 2019. Der Fachkräftebedarf der Unternehmen, eines der dominierenden Themen vor der Krise, tritt wieder mehr in den Vordergrund“, erläutert Thomas Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt.

Fast alle von der Statistik ausgewiesenen Personengruppen konnten von der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt im September profitieren. Im Vergleich zum Vormonat sank vor allem die Zahl der Arbeitslosen in der Personengruppe der Jüngeren (15 bis 25 Jahre) um 108 Menschen (-12,0 Prozent). Einzig in der Personengruppe der ausländischen Mitbürger gab es kaum Veränderungen (+ 15 Personen /+ 1,0 Prozent) zu verzeichnen.

Im September war einiges an Bewegung am Arbeitsmarkt zu erkennen. Dies spiegelte sich im Zugang aus Beschäftigung und bei den Arbeitsaufnahmen wider. So meldeten sich 909 Menschen in die Erwerbstätigkeit ab, während sich 916 Personen arbeitslos meldeten.

Auch im Vergleich zum Vorjahr sind, mit einem Minus von 1.456 Personen (-15,7 Prozent), deutlich weniger Menschen arbeitslos gemeldet. Allerdings war auch der September 2020 noch stark von der Corona-Krise geprägt. Damals waren 9.267 Menschen arbeitslos. Die Quote lag bei 3,7 Prozent. „Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit zeigt im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Verschiebung vom Rechtskreis SGB III in den Rechtkreis SGB II. Während die Zahl der Arbeitslosen in der Arbeitslosenversicherung (SGB III) um 1.518 Personen zurückging, stieg sie in der Grundsicherung (SGB II) um 62 Personen leicht an", so Stelzer.

Verglichen mit dem September 2019 liegt die aktuelle Arbeitslosigkeit immer noch leicht über dem damaligen Stand vor dem Krisenzeitraum. Im September 2019 waren 7.535 Personen arbeitslos. Dies waren 276 arbeitslose Menschen (3,7 Prozent) weniger. Die Arbeitslosenquote betrug damals 3,0 Prozent. „Wir stehen vor der Herausforderung, diejenigen Menschen in Arbeit zu integrieren, die es schwerer haben auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen. Dazu zählen z.B. Langzeitarbeitslose oder Ältere. Gleichzeitig muss es uns gelingen, Arbeitslosigkeit gar nicht erst entstehen zu lassen. Der Einbruch am Arbeitsmarkt durch die Pandemie ging im Schwerpunkt zulasten der Helfertätigkeiten verbunden mit dem Risiko langzeitarbeitslos zu werden. Im Vergleich September 2019 (Vorkrisenniveau) zu September 2021 stieg die Anzahl der von Langzeitarbeitslosigkeit betroffenen Menschen um 826 Personen (47,7 Prozent) an. Je länger die Menschen aus dem Job raus sind, desto schwerer wird die erneute Arbeitsaufnahme. Arbeitskräfte, die von der Transformation betroffen sind, können wir über Qualifizierung fit für die Zukunft machen. Dies gilt für jüngere, wie auch für ältere Menschen. Ich empfehle, die Zeit der Arbeitslosigkeit für die berufliche Weiterbildung zu nutzen. Über alle Branchen hinweg können wir passende Qualifizierungen anbieten. Das ist eine Investition in die eigene Zukunft mit langfristig deutlich besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt", betont Stelzer.

Arbeitslose

Anzahl absolut

Arbeitslosen-

Quote

Veränderungen in %-

Punkten

zum Vormonat

Veränderungen in %-

Punkten

zum Vorjahr

AA Schweinfurt 7.811 3,1 % - 0,1 - 0,6
Stadt Schweinfurt 1.796 6,3 % + 0,1 - 0,9
Lkr. Schweinfurt 1.666 2,5 % + / - 0,0 - 0,3
Lkr. Bas Kissingen 1.751 3,0 % - 0,2 - 0,6
Lkr. Rhön-Grabfeld 1.251 2,7 % - 0,2 - 0,6
Lkrs. Hasßberge 1.347 2,7 % - 0,1 - 0,7

Die Unterbeschäftigungsquote sank um 0,1 Prozentpunkte im Vormonatsvergleich und folgt somit weiterhin dem Rückgang der Arbeitslosenquote

Die Arbeitsmarktstatistik erfasst zudem die Unterbeschäftigung. Diese beinhaltet neben den arbeitslosen Menschen beispielsweise auch Personen in Weiterbildungen sowie Selbständige, die mit einem Gründungszuschuss gefördert werden und daher nicht als arbeitslos gelten. Sie vermittelt damit einen umfassenderen Einblick in die Lage auf dem Arbeitsmarkt. 10.264 Menschen waren im September von Unterbeschäftigung betroffen. Hier gab es im Vergleich zum Vormonat ein Minus von

Betriebe nahmen immer weniger Kurzarbeit in Anspruch

Erfreulicherweise sanken die Anzeigen zur Kurzarbeit im Berichtsmonat erneut. Im Vergleich zum Vormonat mit 1.145 Betrieben, gab es einen Rückgang der Anzeigen auf Kurzarbeit auf 926 Betriebe. Gleichzeitig reduzierte sich die Anzahl der Arbeitnehmer von 15.576 auf 12.909. Dies bedeutete, dass nur noch für 7,3 Prozent der 177.290 Sozialversicherungsbeschäftigten in der Region Main-Rhön Kurzarbeit angemeldet wurde. Im Vormonat waren es noch 8,3 Prozent aller Sozialversicherungsbeschäftigten im Agenturbezirk Schweinfurt, für die Kurzarbeit angezeigt wurde.

  • Die Kurzarbeit wirkt nach wie vor und stabilisiert den Arbeitsmarkt, indem Beschäftigung erhalten bleibt und Arbeitslosigkeit verhindert wird. Das Arbeitsmarktinstrument Kurzarbeitergeld ist auch deshalb so wirksam, da es sich aufgrund der hohen Flexibilität den unterschiedlichen Auftragssituationen schnell anpassen kann. Der erfreuliche Rückgang der Anzeigen von Kurzarbeit in unserer Region würde noch deutlich stärker ausfallen, wenn nicht in einigen Branchen noch Corona bedingte Hygienevorschriften, zu Einschränkungen des Betriebsablaufs führen würden. So sahen sich mehrere regionale Betriebe, vor allem in den Branchen Einzelhandel, Hotel- und Gaststättengewerbe, Kunst und Kultur sowie das Friseurhandwerk inklusive der körpernahen Dienstleistungen und Branchen, welche direkt im Zusammenhang mit dem Tourismus oder Großveranstaltungen stehen, gezwungen, Kurzarbeit anzuzeigen“, berichtet Stelzer.

Eine Anzeige auf Kurzarbeit wird oft auch vorsorglich gestellt. Daraus lässt sich nicht exakt schließen, wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich und in welchem Stundenumfang kurzarbeiten werden. Diese Angaben der Betriebe liegen erst mit Zeitverzögerung vor. Für die tatsächlich eingetretene Kurzarbeit tritt der Betrieb mit der Lohnabrechnung in Vorleistung und muss danach bei der Agentur für Arbeit für den jeweiligen Monat einen Antrag auf die Auszahlung des Kurzarbeitergeldes stellen. Aktuelle Hochrechnungen der amtlichen Statistik der Bundesagentur für Arbeit zur realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen deshalb lediglich bis zum Mai 2021 vor.

Demnach wurde im Mai für 1.776 Betriebe und 10.918 Beschäftigte Kurzarbeitergeld abgerechnet. Im Vergleich zum Vormonat war dies ein Rückgang von 72 Betrieben, verbunden mit einem deutlichen Rückgang von 892 betroffenen Arbeitnehmern. Die Statistik weist seit Ende 2020 die Kurzarbeiterquote aus. Diese berechnet sich als Verhältnis aus der Zahl der Personen in Kurzarbeit, bezogen auf die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten der Beschäftigungsstatistik. Die Kurzarbeiterquote im Mai 2021 lag über alle Branchen hinweg bei 6,2 Prozent. Dies entsprach dem niedrigsten Wert seit Beginn der Pandemie im März 2020. Zu Beginn der Pandemie lag die Quote bei 6,8 Prozent. Den Höchststand erreichte dieser Wert im Mai 2020 mit 21,6 Prozent.

Stellenbestand auf höchstem Niveau seit Einführung der statistischen Erfassung

Die Nachfrage nach Arbeitskräften stieg auch im September 2021 weiter an. Die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter hatten im Berichtsmonat 972 neue Suchanfragen nach Arbeitskräften von Arbeitgebern entgegengenommen. Das waren 300 Stellen (+ 44,6 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat. Mit insgesamt 5.803 Arbeitsangeboten im Bestand stieg dieser, im Vergleich zum Vormonat, um 9 Stellen (+ 0,2 Prozent) und im Vergleich zum Vorjahr um 2.237 Stellen (+ 62,7 Prozent) an. Im Vorjahresvergleich ist in nahezu allen Branchen ein Stellenzuwachs zu verzeichnen. Vor allem in der Branche Rohstoffgewinnung, Produktion, Fertigung mit aktuell 1.676 Stellen im Stellenbestand, wurde in den letzten 12 Monaten ein deutliches Plus von 799 Stellen verzeichnet. Die Branche Verkehr, Logistik, Schutz und Sicherheit wuchs im gleichen Zeitraum ebenso um 591 Stellen auf 1.195 Stellenausschreibungen an. Auch die Branche Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung hatte 236 neue Stellen zu verzeichnen, mit aktuell 994 Arbeitsplatzangeboten. Die Branche kaufmännische Dienstleistung, Handel und Vertrieb wuchs auf 712 Stellenausschreibungen (+ 307 Stellenangeboten) an. „Die Betriebe in der Region Main-Rhön haben seit dem September 2020 wieder deutlich mehr Stellen gemeldet. Die Belebung der Arbeitskräftenachfrage ist zu einem großen Teil auf die eingetretenen Lockerungen der Hygienevorschriften und die damit verbundene positive Stimmung am Arbeitsmarkt zurückzuführen. Dieser branchenweite Anstieg ließ den Stellenbestand innerhalb der letzten 12 Monate um 62,7 Prozent anwachsen. Das ist sehr erfreulich. Damit haben die Menschen, die ihre Beschäftigung verloren haben, wieder beste Chancen einen Arbeitsplatz zu finden“, bestätigt Stelzer.

Im Berichtsmonat 2021 hat der aktuelle Stellenbestand den Stellenbestand im September 2019 (Vorkrisenniveau) mit 5.037 Stellen, um 766 Stellen (+ 15,2 Prozent) überholt.

Die Bilanz zum Ende des Berufsberatungsjahres 2020/2021 wird mit den aktuellsten Ausbildungsmarktdaten Anfang November veröffentlicht.

IAB-Arbeitsmarktbarometer trotz Rückgang auf hohem Niveau

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer liegt im September niedriger als im Sommer und ist gegenüber dem August um 1,2 Punkte gesunken. Der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hält sich aber mit 106,2 Punkten auf einem höheren Wert als in allen Vorjahren. Die Aussichten auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigung zeigen insgesamt trotz des Rückgangs positive Signale. Die Beschäftigungskomponente erreicht mit 107,0 Punkten das höchste Niveau seit Anfang 2018. Die Komponente Arbeitslosigkeit des IAB-Arbeitsmarktbarometers sinkt im September zwar deutlich vom Höchststand um 2,6 Punkte auf 105,5, liegt aber insgesamt immer noch auf einem sehr positiven Wert. „Durch die Lieferengpässe in der Industrie wurde der Aufschwung etwas gebremst. Die Arbeitsagenturen erwarten, dass die Arbeitslosigkeit weiter zurückgeht, aber nicht mehr so schnell wie in den letzten Monaten. Dies entspricht nun wieder dem vor der Krise üblichen Muster, nach dem die Beschäftigungserwartungen über denen für die Entwicklung der Arbeitslosigkeit liegen. Neben der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung legen jetzt auch die Minijobs wieder zu. Zudem kommen vermehrt Menschen zurück, die sich in der Corona-Krise vom Arbeitsmarkt zurückgezogen hatten, wodurch die Beschäftigungserwartungen zusätzlich steigen“, berichtet ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“.

„Durch die Lockerungen der Corona-Einschränkungen befindet sich die Wirtschaft in der Region Main-Rhön weiter auf einem Erholungspfad. Der Außenhandel hat sich ebenso weiter erholt. Erneute Risiken könnten sich durch neuerliche Corona-Maßnahmen bzw. Einschränkungen im weiteren Verlauf des Herbstes ergeben. Insgesamt geben die jüngsten Zahlen aber Anlass zu Optimismus - trotz der Unsicherheiten durch z.B. die Verbreitung von Virus-Varianten. Die Pandemiebekämpfung bleibt einer der entscheidenden Faktoren bei der weiteren regionalen Arbeitsmarktentwicklung der kommenden Monate“, fügt Stelzer hinzu.

Der Arbeitsmarktreport September 2021 in Zahlen

die ausführlichen Zahlen zum Arbeitsmarkt im September 2021