21.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Jahresarbeitsmarktrückblick 2020 der Region Main-Rhön

Robuster Arbeitsmarkt trotz Pandemie durch massiven Einsatz von Kurzarbeit

Der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön im Jahr 2020

Robuster Arbeitsmarkt trotz Pandemie durch massiven Einsatz von Kurzarbeit

Der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön war infolge der Corona-Pandemie im Frühjahr stark eingebrochen. Die Arbeitslosenquote blieb im Jahresverlauf relativ stabil. Dies ist dem Einsatz des Arbeitsmarktinstrumentes Kurzarbeit zu verdanken. Der bisherige Höhepunkt wurde im April und Mai erreicht. Nach einer kurzen Phase der Stabilisierung kam im Schlussquartal der Arbeitsmarkt angesichts der zweiten Infektionswelle erneut unter Druck. Ein Einbruch wie im Frühjahr zeichnete sich allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht ab. Vor allem in Teilen der Industrie zeigt sich aktuell eine positive Entwicklung der Auftragslage. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung war erstmalig seit 11 Jahren rückläufig. Die Zahl der Arbeitslosen stieg leicht an und die Kurzarbeit bewegte sich auf einem historischen Hoch.

Im Jahresdurchschnitt waren 8.963 Menschen arbeitslos gemeldet. Es wurden 1.507 Personen bzw. 20,2 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr gezählt. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag mit 3,6 Prozent weiterhin auf einem niedrigen Wert und erhöhte sich in 2020 um 0,6 Prozentpunkte.

Vom Anstieg der Arbeitslosigkeit waren die Kunden von der Arbeitsagentur und der Jobcenter unterschiedlich betroffen. In der Agentur für Arbeit Schweinfurt (im Bereich der Arbeitslosenversicherung) waren es 5.575 Menschen und damit eine Zunahme von 1.140 Personen (plus 25,7 Prozent). Die Zahl der arbeitslosen Menschen in den Jobcentern (umgangssprachlich Hartz IV) mit 3.389 Personen entsprach einem Zugang von 378 Personen (plus 12,2 Prozent).

Auffällig war, dass es für die Arbeitslosen schwieriger war, in Folge der Krise, neue Arbeit zu finden. Aus diesem Grund ist auch die Anzahl der Langzeitarbeitslosen (Menschen, die ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet waren) im Vergleich zum Vorjahr um 312 Personen (um 18,2 Prozent) angestiegen.

Seit Jahresbeginn 2020 wurde von insgesamt 4.143 Betrieben für 55.850 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt. Aktuelle Hochrechnungen unserer amtlichen Statistik zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen uns bis zum Monat August vor. Der Höchststand der Anzahl der Betriebe bei der realisierten Kurzarbeit lag im Monat April bei 3.254 und die Höchstzahl der betroffenen Arbeitnehmer im Monat Mai bei 38.013. Dies bedeutet, dass praktisch 29,7 Prozent der Betriebe und 21,6 Prozent der sozialversicherten Beschäftigten tatsächlich auch in Kurzarbeit gehen mussten.

Im Frühjahr lag der durchschnittliche Arbeitsausfall rein rechnerisch für jeden kurzarbeitenden Mitarbeiter bei rund einem Drittel. Damit wurde beim Höchststand der Kurzarbeit, bei mathematischer Betrachtung, die Arbeitslosigkeit für fast 10.000 Beschäftigte verhindert. Aufgrund des erneuten Lockdowns ist davon auszugehen, dass sich im Dezember 2020 wieder ein knappes Fünftel aller Beschäftigten in Kurzarbeit befand.

„Auffällig war, dass nach Betriebsgröße die Kleinstbetriebe (bis 19 Beschäftigte) mit rund 80 Prozent am stärksten von Kurzarbeit betroffen waren. Damit hilft das Instrument Kurzarbeit während der Corona-Pandemie insbesondere dem Mittelstand den Auftragsmangel zu überbrücken. Erwartet wird, dass dieser vorübergehend ist und mittelfristig in Vollbeschäftigung der Mitarbeiter zurückgekehrt werden kann. Erneut bewährt sich das Instrument der Kurzarbeit in einer Krise“, bewertet Stelzer die aktuelle Lage.

Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten nahm erstmalig seit 11 Jahren ab. Es wurde in 2020 ein Stand von 176.110 (177.795 in 2019) sozialversicherungspflichtig Beschäftigten verzeichnet. Welches einer Abnahme von 1.685 Personen (minus 1,0 Prozent) entsprach. „Dies lag nicht an der Zahl der Entlassungen, sondern eher am Verzicht der Unternehmen neues Personal einzustellen“, so Stelzer. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Beschäftigungsrückgang von 2.120 Personen (3,6 Prozent). Im Gegenzug gab es Beschäftigungszuwächse im Gesundheits- und Sozialwesen mit 607 Personen (2,0 Prozent), gefolgt vom Bereich der öffentlichen Verwaltung mit 210 Personen (2,5 Prozent) sowie dem Baugewerbe mit einem Plus von 177 Personen (1,0 Prozent).

Die Nachfrage der Arbeitgeber nach Arbeitskräften und die unserem Arbeitgeberservice gemeldeten Arbeitsstellen bewegte sich weiterhin auf einem hohen Niveau. Der durchschnittliche Bestand mit 3.831 noch zu besetzenden Stellen lag allerdings 1.160 Stellen unter dem Wert des Vorjahres (minus 23,2 Prozent) und damit auf dem Niveau von 2016. „Langfristig ist mit einem weiteren Mangel an Fachkräften im Agenturbezirk zu rechnen. Dies liegt auch am Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben. Mittlerweile dauert es im Schnitt gut acht Monate bis die Besetzung einer Stelle abgeschlossen ist“, teilt Stelzer mit.

„Weiterhin hängt die Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön stark von den Unwägbarkeiten der Entwicklung der Pandemie und der sich daraus ergebenden Einschränkungen ab. Die einzelnen Branchen jedoch nehmen sehr unterschiedliche Entwicklungen. Positiv ist, dass es bisher gelang die meisten Beschäftigungen und die leistungsfähigen Strukturen vieler Unternehmen zu erhalten“, erläutert Stelzer.