05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Arbeitsmarktreport der Region Main-Rhön im Dezember 2020

Dezember 2020

Verschärfte Corona-Regeln machten sich auf dem Arbeitsmarkt durch deutlichen Anstieg der Kurzarbeit bemerkbar

Der statistische Zähltag für den Dezember ist der 10.12.2020. Zu diesem Zeitpunkt stand Deutschland noch vor Beginn der seit dem 16.12.2020 geltenden verschärften Maßnahmen zur Bekämpfung der zweiten Welle der Pandemie. Die veröffentlichten Daten stellen die tatsächliche Lage am Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön lediglich zum Stichtag dar. „Die Lage am Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön ist dadurch gekennzeichnet, dass wir einerseits eine sehr stabile Arbeitslosenquote haben und andererseits ein deutlicher Anstieg der Anzeigen auf Kurzarbeit zeigen, dass dieses Instrument den Arbeitsmarkt weiterhin stabilisiert“, erläutert Stelzer, der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt.

In der Region Main-Rhön waren 8.647 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 127 Personen oder 1,5 Prozent mehr als im November. Die Arbeitslosenquote stieg von 3,4 Prozent im November auf 3,5 Prozent im Dezember. Im Dezember 2019 wurden 1.354 Arbeitslose weniger gezählt und die Arbeitslosenquote lag bei 2,9 Prozent. Auffällig ist, dass in Folge der Krise die Beendigung von Arbeitslosigkeit schwieriger wird. Dies zeigt sich dadurch, dass die Anzahl der Langzeitarbeitslosen (länger als 12 Monate arbeitslos gemeldet) im Vergleich zum Vorjahr um ein Drittel angestiegen ist.

Die Arbeitslosenzahlen nach Regionen:

Arbeitslose

Anzahl absolut

Arbeitslosen-

Quote

Veränderung in %-Punkten

zum Vormonat

Veränderung in %-Punkten

zum Vorjahr

AA Schweinfurt 8.647 3,5 % + 0,1 + 0,6
Stadt Schweinfurt 1.864 6,5 % +/- 0,0 + 0,5
Lkr. Schweinfurt 1.782 2,7 % + 0,1 + 0,4
Lkr. Bad Kissingen 2.049 3,5 % + 0,1 + 0,8
Lkr. Rhön-Grabfeld 1.367 3,0 % + 0,1 + 0,6
Lkr. Haßberge 1.585 3,1 % +/- 0,0 + 0,4

Kurzarbeit

Die Entwicklung der Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit ließen weiterhin die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Seit Jahresbeginn 2020 wurde von insgesamt 4.143 Betrieben für 55.850 Arbeitnehmer Kurzarbeit angezeigt. Nachdem die Neuanzeigen zur Kurzarbeit in den vergangenen Monaten kontinuierlich gesunken waren, könnten diese angesichts der neuerlichen Beschränkungen, in den nächsten Monaten wieder ansteigen.

Aus der Anzeige ist nicht zu erkennen, wann und in welchem Umfang im Betrieb tatsächlich kurzgearbeitet wird. Für die tatsächlich später eingetretene Kurzarbeit muss der Betrieb bei der Agentur für Arbeit für den jeweiligen Monat innerhalb von drei Monaten einen Antrag auf die Gewährung von Kurzarbeitergeld stellen und die Abrechnungslisten einreichen. Aktuelle Hochrechnungen unserer amtlichen Statistik zur realisierten Kurzarbeit der regionalen Unternehmen liegen uns bis zum Monat August vor. Der Höchststand der Anzahl der Betriebe bei der realisierten Kurzarbeit lag im Monat April bei 3.254 und die Höchstzahl der betroffenen Arbeitnehmer im Monat Mai bei 38.013. Aufgrund des neuerlichen Lockdowns ab 16.12.2020 ist damit zu rechnen, dass diese Höchststände wieder erreicht werden. Im Frühjahr lag der durchschnittliche Arbeitsausfall bei den kurzarbeitenden Mitarbeitern bei rund einem Drittel. Durch den Einsatz von Kurzarbeit wurde damals allein rechnerisch für fast 10.000 Beschäftigte Arbeitslosigkeit verhindert. Damit ist davon auszugehen, dass sich im Dezember 2020 wieder ein knappes Fünftel aller Beschäftigten in Kurzarbeit befindet. „Der Strukturwandel und die fortschreitende Digitalisierung haben durch die Corona-Pandemie deutlich an Fahrt gewonnen. Die verbesserten gesetzlichen Regelungen für geförderte Qualifizierung der Beschäftigten während der Kurzarbeit werden bereits von den Unternehmen genutzt.  Mittelfristig hilft dies die vor der Krise dominierenden Themen - Fachkräftesicherung, Transformation und Demografie - zu bewältigen“, erläutert Stelzer.

Stellenmeldungen der Arbeitgeber nahmen ab

Die Anzahl der offenen Arbeitsstellen blieb bis zum Stichtag 10. Dezember gegenüber dem November weiterhin auf einem hohen Niveau. Mit 3.836 Arbeitsangeboten sank der Stellenbestand im Vergleich zum Vormonat geringfügig um 11 Stellen. Dies entsprach einem Minus von 0,3 Prozent. Die meisten gemeldeten Stellen sind dem Berufsbereich Gesundheit und Sozialwesen, dem Bereich Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kfz, dem Bereich Bau sowie dem verarbeitenden Gewerbe zuzurechnen. Im Vergleich zum Vorjahr fällt dieser Rückgang deutlicher aus. Nahezu alle Branchen melden weniger Personalbedarf. Insgesamt befinden sich 508 Arbeitsstellen (11,7 Prozent) weniger im Stellenpool als im Vorjahr. 

Angesichts der in weiten Teilen ruhenden Wirtschaft, veranlasst durch die zweite Welle der Corona-Pandemie, blieben in vielen Branchen Neu- und Wiedereinstellungen vorerst aus. Die Stellenmeldungen waren im Vergleich zum November rückläufig. Die Vermittlungsfachkräfte im gemeinsamen Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit und der Jobcenter nahmen bis zum Stichtag 767 neue Suchanfragen nach Arbeitskräften von Arbeitgebern an. Das waren 110 Stellenzugänge oder 12,5 Prozent weniger als im Vormonat.

Die Stellenmeldungen seit Jahresbeginn lagen mit 8.650 Stellen um 1.454 Stellen bzw. 14,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Schwerpunktsetzung der Arbeitsagenturen und Jobcenter liegt erneut auf der Existenzsicherung für Unternehmen und Arbeitnehmer mit und ohne Beschäftigung

"Erneut hat für uns die Existenzsicherung der Unternehmen und Arbeitnehmer in der aktuellen Situation oberste Priorität. Die Geldleistungen müssen schnell fließen. Dafür haben wir die besonders geforderten Bereiche personell reorganisiert bzw. weiter aufgestockt. Vermittler und Berufsberater unterstützen bei der telefonischen Beratung von Unternehmen und Beschäftigten zur Kurzarbeit oder bei der Abarbeitung sämtlicher Anfragen und Anträge. Die Agentur Schweinfurt und ihre Jobcenter haben außerdem für eine verbesserte Erreichbarkeit neben der Telefonie auch das Online-Angebot nochmal deutlich erweitert und zusätzlich Kurzvideos mit Anleitungen zur Verfügung gestellt. Alle Informationen sind gebündelt auf unserer Internetseite www.arbeitsagentur.de zu finden", teilt Stelzer mit.

IAB-Arbeitsmarktbarometer: Arbeitsmarktentwicklung bleibt stabil

Das IAB-Arbeitsmarktbarometer ist im Dezember um 0,5 Punkte auf 101,0 Punkte gestiegen. Damit signalisiert der Frühindikator des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) eine leichte Aufwärtsentwicklung am Arbeitsmarkt über die ersten Monate des Jahres 2021. „Die Arbeitsagenturen erwarten im zweiten Lockdown keinen erneuten Einbruch des Arbeitsmarkts. Viele Betriebe würden ihre Beschäftigten halten, unterstützt durch Kurzarbeit und Stützungsmaßnahmen. Inzwischen wissen wir, woran wir mit einem Lockdown sind. Und heute können wir damit rechnen, mit den Impfungen die Pandemie in den Griff zu bekommen. Die Corona-Einschränkungen und die tiefgreifende wirtschaftliche Transformation in Bereichen wie Automobil oder Handel stellen den Arbeitsmarkt 2021 weiter vor Herausforderungen“, kommentiert ein Experte des IAB-Forschungsbereichs „Prognosen und gesamtwirtschaftliche Analysen“ die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt. „Auffällig ist, dass nach Betriebsgröße die Kleinstbetriebe (bis 19 Beschäftigte) mit 82 Prozent am stärksten von Kurzarbeit betroffen sind. Damit hilft das Instrument Kurzarbeit während der Corona-Pandemie insbesondere dem Mittelstand den Auftragsmangel zu überbrücken. Erwartet wird, dass dieser vorübergehend ist und mittelfristig in Vollbeschäftigung der Mitarbeiter zurückgekehrt werden kann. Erneut bewährt sich das Instrument der Kurzarbeit in einer Krise“, bewertet Stelzer die aktuelle Lage.