30.10.2019 | Presseinfo Nr. 50

Ausbildungsmarktbilanz 2019 Westmecklenburg: Beste Chancen!

Schweriner Arbeitsagentur und Kammern ziehen Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2018/2019
 

Gemeinsam mit Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin und Dr. Gunnar Pohl, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin (HWK) zieht die Schweriner Arbeitsagentur heute die traditionelle Bilanz des abgelaufenen Berufsberatungsjahres in Westmecklenburg. Wie hat sich vom 1. Oktober 2018 bis zum 30. September 2019 die Situation auf dem Ausbildungsmarkt entwickelt?

145 unvermittelte Bewerber/innen und 628 unbesetzte Ausbildungsstellen - das ist die Bilanz des auslaufenden Berufsberatungsjahres. „Aus der Sicht der Bewerber/innen sicher ein vielversprechendes Verhältnis. Für die Unternehmen jedoch ein Warnsignal. Sie müssen sich noch stärker einbringen, um für junge Leute attraktiv zu sein.

Rein rechnerisch kommen rund 4,3 unbesetzte Ausbildungsplätze auf einen unvermittelten Jugendlichen“, erklärt Sydow. Die Zahl der gemeldeten Bewerber/-innen (2.469) ist mit insgesamt 281 bzw. 10,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze liegt beinahe auf dem Vorjahresniveau (- 9 bzw. - 0,3 Prozent). Insgesamt wurden der Schweriner Arbeitsagentur seit Oktober letzten Jahres 3.353 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet.

Der Agenturchef ist sich sicher, dass sich die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz in den nächsten Tagen noch ein Stück weit reduziert wird. „Einige werden auf freigewordene Lehrstellen nachrücken oder aber im Rahmen unseres ‚Langzeitschnupperpraktikums', der sogenannten Einstiegsqualifizierung (EQ), in einem Betrieb anfangen. Die Zahl der freien Lehrstellen wird allerdings auf dem hohen Niveau bleiben. „Wir müssen daher weiterhin alles daransetzen, alle Potenziale an ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Frauen und Männern in der Region zu erschließen.“

Der Wunsch der Schülerinnen und Schüler ihre Schullaufbahn mit einem Abitur zu beenden, ist ungebrochen hoch. Eine Kombination zwischen Studium und Berufsausbildung stellt gerade für diese Teenager eine interessante Alternative dar. Angebote, die auf ein duales Studium abzielen erhöhen die Attraktivität der betrieblichen Ausbildung und führen diese Jugendlichen zum anderen in die Unternehmen. Die Arbeitsagentur empfiehlt Ausbildungsbetrieben daher insbesondere die dualen Studienangebote weiter auszubauen. Auch die Gewinnung von ausländischen Jugendlichen für die Berufsausbildung ist eine wichtige und sinnvolle Ergänzung. Außerdem ist es notwendig ebenfalls Jugendliche in die Bewerberauswahl einzubeziehen, die aufgrund ihrer Schulnoten und Schulabschlüsse bisher nicht im Fokus standen. „Nicht immer ist die Schulnote allein die richtige Entscheidungsgrundlage für die Auswahl der künftigen Fachkraft. Jugendliche, die in der Schule keine ‚Vorreiter' waren, können sich in der praktischen Ausbildung großartig machen.“ Die Arbeitsagentur kann - neben der Einstiegsqualifizierung und den ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) - Betriebe im Laufe der Ausbildung auch mit der sogenannten „Assistierten Ausbildung“ (AsA) unterstützen.

Gelungener Start für IHK-Ausbildungsunternehmen in Westmecklenburg

„Zum 1. Oktober 2019 haben insgesamt 1.259 Jugendliche ihre Berufsausbildung in den IHK-Unternehmen Westmecklenburgs begonnen. Damit ist die Anzahl der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse seit nunmehr acht Jahren nahezu stabil,“ schätzt Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin die Ausbildungssituation in den IHK-Unternehmen Westmecklenburgs ein.

Die Berufsbereiche sind breit gestreut. An der Spitze steht der Handel mit 20,8 Prozent, gefolgt von der Metalltechnik mit 15,6 Prozent und dem Hotel- und Gastgewerbe mit 14,0 Prozent.

Im ersten Ausbildungsjahr kommen 8,9 Prozent der Auszubildenden aus anderen Ländern.

Fast die Hälfte der neuen Ausbildungsverträge wurden mit Absolventen der Regionalschulen geschlossen (48,2 Prozent), 23,4 Prozent mit Fachhochschul- und Hochschulreife, 22,1 Prozent mit Berufsreife und 3,8 Prozent ohne Schulabschluss. Weitere 2,5 Prozent der neuen Auszubildenden haben ihren Schulabschluss im Ausland erworben.

Eisenach betonte: „Die IHK-Lehrstellenbörse war dabei eine sehr gute Hilfe zur langfristigen Entscheidungsfindung. Es waren über 900 offene Ausbildungsstellen für den Ausbildungsstart 2019 im Angebot. Die Zahlen für den Ausbildungsmarkt Westmecklenburg dokumentieren die hohe Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in der Region. Trotz des erfreulichen Bildes konnten dennoch erneut zahlreiche Ausbildungsstellen nicht besetzt werden. In der IHK-Lehrstellenbörse sind bereits heute über 600 freie Plätze für den Ausbildungsstart 2020 eingestellt“.

Die Gewinnung von ausländischen Jugendlichen für die Berufsausbildung ist eine gute Bereicherung des Ausbildungsmarktes. Zum 30. September 2019 befinden sich insgesamt 247 Auszubildende in der Berufsausbildung. Die ausländischen Jugendlichen aller Ausbildungsjahre kommen aus 27 Staaten. In den IHK-Unternehmen wurden für das neue Ausbildungsjahr 112 Ausbildungsverträge mit ausländischen Jugendlichen abgeschlossen. Sie kommen aus 17 Staaten, u. a. aus Syrien (19), Vietnam (13), Spanien (11), Afghanistan (5) und der Ukraine (5).

„Die aktuellen Daten zeigen, dass das Ausbildungsmarketing und Betriebspraktika zur Gewinnung und Integration von zugewanderten Jugendlichen wichtige Wege sind. Die Anzahl der Herkunftsländer und somit das Interesse für eine Ausbildung in Deutschland ist deutlich gestiegen. Auch die Unternehmen in Westmecklenburg sind daran interessiert, ausländische Auszubildende und Mitarbeiter in ihre Betriebe zu integrieren. Der Ausbau der interkulturellen Kompetenz ist dabei weiterhin eine wichtige Herausforderung“, so Eisenach weiter.

Nicht jeder Schulabgänger, der eine Berufsausbildung aufnehmen möchte, verfügt über die notwendige Ausbildungsreife. Das hat verschiedene Ursachen, unter anderem in seinem Leistungsvermögen sowie in seiner Persönlichkeitsentwicklung. Die Einstiegsqualifizierung (EQ) eröffnet Jugendlichen einen erfolgreichen Start in die Berufsausbildung. Betriebe sind so in der Lage, Jugendliche über die Einstiegsqualifizierung an eine erfolgreiche Ausbildung heranzuführen. Für das neue Ausbildungsjahr wurden bereits 26 EQ-Verträge abgeschlossen.

„Wer sich für eine Berufsausbildung in den IHK-Ausbildungsunternehmen entscheidet, trifft die richtige Entscheidung für sich und seine Zukunft in MV. Das ist ein wichtiges Signal und Basis unseres Marketings für die Berufsausbildung in den IHK-Unternehmen Westmecklenburgs,“ so Eisenach abschließend.

Ausbildungssituation im Handwerkskammerbezirk Schwerin

Stichtag: 30. September 2019

Zum Ausbildungsbeginn 2019 konnte das Handwerk des Kammerbezirks Schwerin ein kräftiges Plus bei den neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse verbuchen. So liegt die Zahl der neu eingetragenen betrieblichen Ausbildungsverhältnisse mit 8,8 Prozent deutlich über dem Vorjahreswert.

„Unsere zu Beginn des Jahres ausgerufene Ausbildungsoffensive zeigt Wirkung“, so Dr. Gunnar Pohl, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin. „Handwerksbetriebe und Handwerksorganisation haben die Nachwuchsgewinnung gemeinsam zur wichtigsten Aufgabe gemacht und auf allen Ebenen wirksam für die berufliche Zukunft im Handwerk geworben. Wir freuen uns, dass diese vermehrten Anstrengungen durch Erfolg gekrönt wurden und wir dadurch dringend benötigte Verstärkung in die Betriebe bekommen.“ Für den Hauptgeschäftsführer ist dies ein Zeichen, dass das Handwerk seine besonderen Stärken im Wettbewerb um die Fachkräfte von morgen wieder besser zur Geltung bringen kann: "Jugendliche erfahren bei uns, dass sie kreativ und eigenständig arbeiten können und fühlen sich im familiären Betriebsklima gut aufgehoben".

Die Handwerkskammer Schwerin zählt insgesamt 721 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse, davon sind 704 betrieblich abgeschlossen worden. Dies entspricht einem kräftigen Zuwachs von insgesamt 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Bei den betrieblichen Verträgen wurde ein Zuwachs von 8,8 Prozent verzeichnet. Die Anzahl der außerbetrieblichen Ausbildungsverhältnisse liegt bei derzeit 17 Plätzen (Vorjahr 19 Verträge). Zuwächse sind zu vermelden insbesondere bei den Zimmerern, Maler und Lackierern, Metallbauern, Kfz-Mechatronikern, Anlagenmechanikern SHK, Tischlern, Konditoren und Friseuren, rückläufige Zahlen dagegen sind bei den Elektronikern und Fachverkäufern im Lebensmittelhandwerk zu verzeichnen.

Zum neuen Ausbildungsjahr begannen 35 Flüchtlinge, darunter 14 aus Syrien, ihre Ausbildung im Handwerk des Kammerbezirks. Über alle Lehrjahre befinden sich derzeit 97 Flüchtlinge in einer handwerklichen Ausbildung.

Auch in diesem Jahr blieben viele Ausbildungsplätze im Kammerbezirk Schwerin unbesetzt. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Schwerin waren Ende September noch 178 Angebote in 133 Betrieben gelistet. Die meisten freien Stellen werden in den Berufen Elektroniker (20), Metallbauer (17), Anlagenmechaniker SHK (16), Tischler (14), Maurer (11) und Kfz-Mechatroniker (8) gezählt.

82,8 Prozent der neuen Auszubildenden sind männlich. Mit 17,2 Prozent ist der Mädchenanteil an den Auszubildenden im Vergleich zum Vorjahr wiederum gesunken (Vorjahr 18,8 Prozent). Der größte Teil der Auszubildenden verfügt über den Abschluss der Mittleren Reife 50,7 Prozent (2018: 54,1 Prozent), der Anteil der Absolventen mit Berufsreife beträgt 24,7 Prozent (2018: 20,4 Prozent). Der Anteil der Abiturienten ist etwas gestiegen 12,8 Prozent (2018: 11,9 Prozent). Die Anzahl der Auszubildenden mit Förderschulabschluss/ohne Abschluss ist mit 5,9 Prozent (2018: 6,3 Prozent) leicht gesunken. 5,9 Prozent der Abschlüsse sind im Ausland erworben und nicht zuzuordnen. Insgesamt befinden sich zum Stichtag 30.09.2019 über alle Lehrjahre 2.144 Auszubildende im Handwerk des Kammerbezirkes Schwerin in der Ausbildung, 9 Prozent mehr als zum Vorjahreszeitpunkt.

Abschließend appellierte Sydow an alle Schülerinnen und Schüler - auch Abiturienten - die 2020 ihre Schulzeit beenden, sich bereits jetzt über die spannenden Ausbildungsberufe in Westmecklenburg zu informieren. „Nutzen Sie unsere Selbsterkundungsprogramme, besuchen Sie das Berufsinformationszentrum (BiZ) und vereinbaren Sie vor allem Gesprächstermine mit Ihrer/m Berufsberater/in. Je früher Sie aktiv werden, desto größer sind Ihre Chancen, den Traumberuf in der Heimat zu erlernen!“

Info I

Einen Beratungstermin - auch zu den Unterstützungsmöglichkeiten - bei der Berufsberatung können Jugendliche unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800 4 5555 00 vereinbaren. Für die Meldung zusätzlicher Ausbildungsplätze, bei Fragen zur Einstiegsqualifizierung (EQ), zu den ausbildungsbegleitenden Hilfen und der assistierten Ausbildung können Personalverantwortliche die kostenfreie Arbeitgeberservice-Rufnummer 0800 4 5555 20 nutzen oder sich direkt an ihren persönlichen Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeber-Service Westmecklenburg wenden.

Info II

Top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze

  • Koch/Köchin (43)
  • Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau (41)
  • Hotelfachmann/Hotelfachfrau (35)
  • Anlagenmechaniker/in - Sanitär-/Heiz.-Klimatechnik (28)
  • Elektroniker/in - Energie- und Gebäudetechnik (25)