29.10.2020 | Presseinfo Nr. 42

Jahres-Ausbildungsmarktbilanz 2020

Schweriner Arbeitsagentur und Kammern ziehen Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2019/2020
 

Gemeinsam mit Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin und Karin Koop, Abteilungsleiterin Berufsbildung/Prüfungswesen der Handwerkskammer Schwerin (HWK) zieht die Schweriner Arbeitsagentur heute die traditionelle Bilanz des abgelaufenen Berufsberatungsjahres in Westmecklenburg. Wie hat sich vom 1. Oktober 2019 bis zum 30. September 2020 die Situation auf dem Ausbildungsmarkt entwickelt?

164 unvermittelte Bewerber/innen und 535 unbesetzte Ausbildungsstellen - das ist die Bilanz des auslaufenden Berufsberatungsjahres.

Rein rechnerisch kommen rund 3,3 unbesetzte Ausbildungsplätze auf einen unvermittelten Jugendlichen“, erklärt Frank Skowronek, stellvertretender Leiter der Schweriner Arbeitsagentur. Die Zahl der gemeldeten Bewerber/-innen (2.353) ist mit insgesamt 116 bzw. 4,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze liegt leicht unter dem Vorjahresniveau (- 87 bzw. - 2,6 Prozent). Insgesamt wurden der Schweriner Arbeitsagentur seit Oktober letzten Jahres 3.266 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet.

Auch wenn das COVID-19 Virus an ganz unterschiedlichen Stellen des Arbeits- und Ausbildungsmarktes seine Spuren hinterlässt, eines bleibt unverändert: Der Bedarf an Fachkräften. „Es ist deshalb wichtig, dass Betriebe weiterhin in Ausbildung investieren“, unterstreicht Skowronek.

Der Agenturvize ist sich sicher, dass sich die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz in den nächsten Tagen und Wochen noch ein Stück weit reduziert wird. „Einige werden auf freigewordene Lehrstellen nachrücken oder aber im Rahmen unseres ‚Langzeitschnupperpraktikums', der sogenannten Einstiegsqualifizierung (EQ), in einem Betrieb anfangen. Die Zahl der freien Lehrstellen allerdings wird auf dem hohen Niveau bleiben. Wir müssen daher weiterhin alles daransetzen, alle Potenziale an ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Frauen und Männern in der Region zu erschließen.“

Ausbildungsstart in den IHK-Berufen 2020: Solide trotz Corona

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres in Westmecklenburg verzeichnete die Industrie- und Handelskammer zu Schwerin zum 30. September 2020 insgesamt 1.127 Ausbildungsverträge und somit 89,5 Prozent bezogen auf den Vorjahresmonat.
Die Berufsbereiche sind breit gestreut. An der Spitze steht der Handel mit 22,3 Prozent, gefolgt von der Metalltechnik mit 12,0 Prozent und dem Hotel- und Gastgewerbe mit 9,8 Prozent.

Nach einem anfänglichen Minus von 25 Prozent im Mai ist die Differenz mit 10,5 Prozent zum Vorjahr kleiner geworden. „Das war ein erfreulicher Aufholprozess mit kleinen Schritten“, äußert Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin.
Im ersten Ausbildungsjahr kommen 5,9 Prozent der Auszubildenden aus anderen Ländern. In den IHK-Unternehmen wurden für das neue Ausbildungsjahr 67 Ausbildungsverträge mit ausländischen Jugendlichen abgeschlossen. Diese kommen aus 28 Staaten u. a. aus Vietnam (16), Indonesien (7), Syrien (7), Eritrea (3) und Tadschikistan (3).

Fast die Hälfte der neuen Ausbildungsverträge wurden mit Absolventen der Regionalschulen geschlossen (50,7 Prozent), 23,2 Prozent mit Fachhochschul- und Hochschulreife, 21,8 Prozent mit Berufsreife und 2,2 Prozent ohne Schulabschluss. Weitere 1,7 Prozent der neuen Auszubildenden haben ihren Schulabschluss im Ausland erworben.
„Unsere Ausbildungsunternehmen haben zu ihrem Wort gestanden, das Ausbildungsniveau auch unter den Bedingungen von Corona zu halten, allerdings ist die Anzahl der potenziellen Bewerber im Vergleich zum Vorjahr deutlich eingebrochen“, so Eisenach weiter.

Die Ausbildungskampagne der IHK zu Schwerin „Mach, worauf du Bock hast!“ hat bei der Werbung um Auszubildende Wirkung gezeigt. Sie war auf den sozialen Kanälen Instagram und Facebook mit persönlichen Geschichten und Erlebnisberichten von Auszubildenden aus den IHK-Unternehmen ebenso präsent, wie auch auf den Monitoren in Bussen und Bahnen des Schweriner Nahverkehrs.

Aber nicht jeder Schulabgänger, der eine Berufsausbildung aufnehmen möchte, verfügt bereits über die notwendige Ausbildungsreife. Das hat verschiedene Ursachen, unter anderem in seinem Leistungsvermögen sowie dem Stand seiner Persönlichkeitsentwicklung. Die Einstiegsqualifizierung (EQ) eröffnet Jugendlichen einen erfolgreichen Start in die Berufsausbildung. Betriebe sind so in der Lage, Jugendliche über ein 6 bis 12- monatiges Langzeitpraktikum an eine erfolgreiche Ausbildung heranzuführen. Für das neue Ausbildungsjahr wurden bereits 14 EQ-Verträge abgeschlossen.
„Wer sich für eine Berufsausbildung in den IHK-Ausbildungsunternehmen entschließt, trifft die richtige Entscheidung für sich und seine Zukunft in MV. Und wir werden ihn dabei unterstützen“, so Eisenach.

Die Ausbildungsangebote stehen unter www.ihk-lehrstellenboerse.de zur Verfügung. Die IHK zu Schwerin steht Jugendlichen für Beratungsmöglichkeiten zur Seite und ist erreichbar unter der AZUBI-Hotline: 0385 5103-400 und der E-Mail: beruf@schwerin.ihk.de.
„Schließlich geht es um die berufliche Zukunft der Schulabgänger und um die Fachkräftesicherung für die Unternehmen Westmecklenburgs, die uns sehr am Herzen liegen“, so Eisenach abschließend.

Ausbildungssituation im Handwerkskammerbezirk Schwerin zum Stichtag 30. September 2020

Zum Ausbildungsbeginn 2020 verzeichnete das Handwerk des Kammerbezirks Schwerin einen Rückgang der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse um 10,5 Prozent. Damit liegt die Handwerkskammer Schwerin ungefähr im Bundestrend. Deutschlandweit verzeichnet das Handwerk Corona-bedingt aktuell einen Rückstand zum Vorjahr von 8,1 Prozent.

„Unsere Handwerkskammer und die Ausbildungsbetriebe haben mit vielen Aktionen und Ideen versucht, in diesem weitgehend kontaktlosen Jahr Jugendliche zu erreichen“, so Dr. Gunnar Pohl, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Schwerin.“ Das konnte die große Lücke, die die Corona-Pandemie in die Nachwuchsgewinnung des Handwerks geschlagen hat, aber nur bedingt füllen. Alle haben dabei an online-Erfahrung zugelegt. Es ist aber auch deutlich geworden, dass der persönliche Kontakt - vor allem über ein Praktikum - letztlich über den Erfolg entscheidet. Unsere endgültige Bilanz ziehen wir aber erst zum Jahresende. Bis dahin werden wir noch alles dafür tun, freie Ausbildungsplätze in unseren Handwerksbetrieben mit motiviertem Nachwuchs zu besetzen. Viele Betriebe haben großes Interesse, auch in diesem Quartal noch Azubis einzustellen.“

Die Handwerkskammer Schwerin zählt zum Stichtag 30. September 2020 insgesamt 645 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse, davon sind 641 mit Handwerksbetrieben abgeschlossen worden. Außerbetriebliche Ausbildungsverhältnisse wurden bisher erst vier abgeschlossen (Vorjahr: 17 Verträge). Betrachtet man ausschließlich die betrieblichen Verträge, beträgt der Rückgang zum Vorjahr 9 Prozent.

Zuwächse sind insbesondere bei den Maurern, Malern und Lackierern, Elektronikern und in den Gesundheitshandwerken zu sehen. Rückläufige Zahlen gibt es bei den Fahrzeuglackierern, Kfz-Mechatronikern, Tischlern und Friseuren.

Zum neuen Ausbildungsjahr haben 24 Flüchtlinge ihre Ausbildung im Handwerk des Kammerbezirks begonnen. Über alle Lehrjahre befinden sich derzeit 99 Flüchtlinge in einer handwerklichen Ausbildung, damit nehmen Flüchtlinge 5,6 Prozent des Lehrlingsbestandes ein.

Auch in diesem Jahr sind viele Ausbildungsplätze im Kammerbezirk Schwerin unbesetzt geblieben. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Schwerin waren am 30. September noch 217 Angebote in 168 Betrieben gelistet und damit mehr als im Vorjahr. 2019 haben zu diesem Zeitpunkt 133 Handwerksbetriebe noch 168 Ausbildungsplätze angeboten. Die meisten freien Stellen gibt es für die Berufe Elektroniker, Metallbauer, Maurer und Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

85,8 Prozent der neuen Auszubildenden sind männlich. Mit 14,2 Prozent ist der weibliche Anteil an den Auszubildenden erneut gesunken (Vorjahr 17,2 Prozent).

Der größte Teil der Auszubildenden verfügt über einen Schulabschluss der Mittleren Reife 54,8 Prozent (2018: 50,7 Prozent), der Anteil der Absolventen mit Berufsreife beträgt 22,1 Prozent (2018: 24,4 Prozent). Der Anteil der Abiturienten erreicht mit 16,0 Prozent (2018: 12,8 Prozent) einen bisherigen Höchstwert. Die Anzahl der Auszubildenden mit Förderschulabschluss/ohne Abschluss ist mit 4,8 Prozent (2018: 5,9 Prozent) leicht gesunken. 2,3 Prozent der Abschlüsse sind im Ausland erworben und nicht zuzuordnen.

Insgesamt befinden sich zum Stichtag 30. September über alle Lehrjahre 1.991 Auszubildende im Handwerk des Kammerbezirkes Schwerin in der Ausbildung, das sind 7,1 Prozent weniger als zu diesem Zeitpunkt im Vorjahr.

Abschließend appellierte Skowronek an alle Schülerinnen und Schüler - auch Abiturienten - die 2021 ihre Schulzeit beenden, sich bereits jetzt über die spannenden Ausbildungsberufe in Westmecklenburg zu informieren. „Unser Versprechen: Die Berufsberatung ist für jeden interessierten jungen Menschen da - egal, wie sich die Situation entwickelt. Der persönliche Kontakt spielt für die Berufsberater eine besonders große Rolle. Die Berater*innen sind in den Schulen präsent und bieten seit Oktober sogar Videoberatung an. „Der Zugang ist ganz einfach. Ein Smartphone, Tablet oder Computer reicht, um das barrierefreie Angebot anmeldungsfrei zu nutzen. ‚Face-to-face' ist ein kompetenter Berufsberater da, um Fragen zu beantworten, Hinweise zu geben und auch ein guter Zuhörer zu sein.“

Nutzen Sie unsere Selbsterkundungsprogramme und vereinbaren Sie vor allem Gesprächstermine mit Ihrer/m Berufsberater/in - persönlich, telefonisch oder per Videochat. Je früher Sie aktiv werden, desto größer sind Ihre Chancen, den Traumberuf in der Heimat zu erlernen!“

Info I

Einen Beratungstermin - auch zu den Unterstützungsmöglichkeiten - bei der Berufsberatung können Jugendliche unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800 4 5555 00 vereinbaren. Für die Meldung zusätzlicher Ausbildungsplätze, bei Fragen zur Einstiegsqualifizierung (EQ), zu ausbildungsbegleitenden Hilfen und der assistierten Ausbildung können Personalverantwortliche die kostenfreie Arbeitgeberservice-Rufnummer 0800 4 5555 20 nutzen oder sich direkt an ihren persönlichen Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeber-Service Westmecklenburg wenden.

Info II

Top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze

  • Koch/Köchin (44)
  • Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau (36)
  • Hotelfachmann/Hotelfachfrau (31)
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel (21)
  • Fleischer/in (16)