01.12.2020 | Presseinfo Nr. 52

„Es macht Spaß, mit solchen Menschen zu arbeiten“...

OTM GmbH in Wismar erhält ‚Inklusionszertifikat 2020'
 

Trockeneisreinigung, Entlacken und Beschichten, thermisches Spritzverzinken: Die Oberflächentechnik Marin GmbH (OTM) in Wismar bietet ein spannendes Arbeitsspektrum in der Reinigung, Bearbeitung und Veredlung von Oberflächen jeglicher Art. „Und das macht richtig viel Spaß“, sagt Geschäftsführer Ralf Marin.

Noch mehr Spaß bereitet ihm die Zusammenarbeit mit seinen zwei fest angestellten Mitarbeitern: Lucas Hinz (19) und Nick Möller (20) haben die Werkhalle und ihre Herausforderungen im Griff, unterstützen sich gegenseitig und leisten dem Chef gute Dienste. Während Nick als landesweit bester Azubi bewusst das kleine Unternehmen am Rande der Hansestadt für sein berufliches Vorankommen suchte, fand Lucas seinen Weg in die Arbeitswelt mit Unterstützung. Die Berater des Teams Rehabilitation und Schwerbehinderung der Schweriner Arbeitsagentur standen ihm zur Seite. „Eine klassische Ausbildung kam für Lucas aufgrund einer erheblichen Lernbehinderung nicht in Frage. Mit Hilfe der ‚Unterstützten Beschäftigung', einem arbeitsmarktpolitischen Instrument, welches eine zweijährige Förderung ermöglicht, konnte sich der junge Mann Schritt für Schritt wichtige Kenntnisse aneignen“, blickt Teamleiterin Cornelia Sarakewitz zurück. Mehr als drei Jahre ist es inzwischen her, dass Lucas Hinz zum Oberflächenbeschichter angelernt wurde. Seit August 2020 arbeitet er fest angestellt in dem kleinen Unternehmen.

Auch Ralf Marin erinnert sich noch mit Freude daran, als Lucas erstmals in das Unternehmen kam. „Er hat sich wirklich gut präsentiert. Freundlich, aufmerksam, gute Manieren… Das war ein Anfang. Seither strengen wir uns beide an, um Defizite, die Lucas aufgrund seines Handicaps mitbringt, auszugleichen. Das braucht schon mal Geduld. Aber es macht einfach viel Spaß, mit solchen Menschen zu arbeiten.“ Kleine Merkzettel helfen, Aufgaben und Abläufe nicht zu vergessen. Fragen dürfen immer gestellt werden - nicht nur ein- oder zweimal. „Ich habe gemerkt, dass sich mancher Mehraufwand in der Zuwendung bezahlt macht. Die Jungs haben Spaß. Und das ist wichtig, weil am Ende des Tages ein gutes Ergebnis zustande kommt“, sagt Ralf Marin voller Überzeugung.

Überzeugt hat er mit dieser Einstellung auch die Schweriner Arbeitsagentur. Der Vorsitzende der Geschäftsführung, Guntram Sydow, würdigte das außerordentliche Engagement zugunsten schwerbehinderter Menschen mit einer ebenso außergewöhnlichen Ehrung. Er überreichte zum Auftakt der bundesweiten „Woche der Menschen mit Behinderung“ das Inklusionszertifikat 2020 der Arbeitsagentur Schwerin. „Sie ebnen die Wege für jene Menschen, die es nicht so leicht haben. Aufgrund der Unternehmensgröße wäre die OTM gar nicht verpflichtet, Menschen mit einer Behinderung zu unterstützen. Sie tun es trotzdem und geben einem jungen Mann die Chance, auf dem ersten Arbeitsmarkt seinen Platz zu finden. Das verdient höchste Anerkennung.“

Guntram Sydow verwies darauf, dass im Agenturbezirk Schwerin, zudem neben der Landeshauptstadt auch die Landkreise Ludwigslust-Parchim sowie Nordwestmecklenburg mit der Hansestadt Wismar zählen, über 1.000 Menschen mit einer Schwerbehinderung arbeitslos sind. Demgegenüber leisten Unternehmen für 800 Pflichtarbeitsplätze die sogenannte Ausgleichsabgabe. „Das müsste nicht so sein. Wir unterstützen Firmen gern, wenn sie Menschen mit Handicap eine Chance geben wollen. Unser Arbeitgeber-Service berät gern über Förderleistungen, die Ausstattung von Arbeitsplätzen und mögliche Qualifizierungen“, so der Agenturchef.

Das Inklusionszertifikat wird übrigens jährlich an jeweils ein Unternehmen in Westmecklenburg vergeben. „Ich freue mich sehr über diese Anerkennung“, sagt Ralf Marin. „Gern ermuntere ich andere Unternehmen, es mir gleich zu tun: Es gibt viele Menschen mit einem Handicap, die das Team perfekt ergänzen können. Man muss das nur wollen. Und dann macht die Arbeit gemeinsam Spaß.“