11.12.2020 | Presseinfo Nr. 56

Den Königsweg eingeschlagen ...

Ausbildungszertifikate 2020: Arbeitsagentur Schwerin ehrt drei Unternehmen
 

Seit 2008 ehrt die Arbeitsagentur Schwerin zum Ende eines jeden Jahres drei Unternehmen in Westmecklenburg, die in herausragender Weise einen Königsweg beschreiten: Sie engagieren sich vorbildlich bei der Ausbildung und Förderung von Nachwuchskräften in der betrieblichen Ausbildung und damit im Kampf gegen den Fachkräftemangel.

„Die Sehnsucht nach Normalität eint uns in der schwierigen Zeit der Pandemie. Gäbe es Corona nicht, würden wir auch jetzt über das Thema Fachkräftemangel zu reden haben“, sagt Guntram Sydow, Chef der Schweriner Arbeitsagentur. Umso erfreulicher sei es, dass etliche der rund 13.000 Unternehmen in Westmecklenburg mit großem Verantwortungsbewusstsein und wirtschaftlicher Weitsicht die Ausbildung junger Menschen fördern, so Sydow. „Es freut mich besonders, dass viele Unternehmen sich auch offen für jene jungen Menschen zeigen, die vielleicht etwas mehr Unterstützung benötigen, um ihren Weg in eine berufliche Zukunft erfolgreich zu gestalten. Die Nutzung von arbeitsmarktpolitischen Instrumenten, wie beispielsweise die Einstiegsqualifizierung, helfen dabei.“

Eine solide Ausbildung sei die beste Vorsorge gegen Arbeitslosigkeit. Im Herbst verzeichnete die Arbeitsagentur in Westmecklenburg mehr als 500 offene Ausbildungsstellen. Demgegenüber standen 160 nicht vermittelte Bewerber*innen. Aber: Jeder könne in der Region seinen Traumberuf finden. Ein bisschen Flexibilität sei sicher von Nöten, um den eigenen Traum zu verwirklichen. „Dabei helfen motivierte Unternehmen, die viele Ausbildungsangebote bereithalten“, so der Agenturchef.

Guntram Sydow ehrte in diesem Jahr die Volker Rumstich Transport GmbH Parchim, die Objekteinrichtung Hengelhaupt GmbH Grevesmühlen und die Leuckhardt Schaltanlagen Systemtechnik GmbH Schwerin mit dem Ausbildungszertifikat 2020.

Landkreis Ludwigslust-Parchim: Künftig im Laster „ohne Ohren“ unterwegs ...

Parchim. Die Logistikexperten der Firma Rumstich aus Parchim bilden seit 1998 aus. Seither, so Firmenchef Volker Rumstich, haben 110 junge Menschen fachliche Qualifikationen erworben, um in der Transportwirtschaft einen guten Job zu machen. Nicht alle sind im rund 80 Mitarbeiter zählenden Unternehmen geblieben - sie stärken anderswo den Wirtschaftszweig. Und das freut Volker Rumstich. Zusammen mit Tochter Katja führt er die Geschäfte und lässt sich immer wieder Neues einfallen, um Jungen und Mädchen für faszinierende Technik in der modernen Fahrzeugflotte zu begeistern. Umfangreiche Social-Media-Aktivitäten gehören dazu, Werbung für die Ausbildung als Berufskraftfahrer per Kino-Spot, Kinderzeichnungen auf den Lastkraftwagen, ein unermüdliches Engagement im Arbeitskreis SchuleWirtschaft bis auf Bundesebene - die Kreativität kennt in diesem Parchimer Unternehmen keine Grenzen.

Die Auszubildenden erhalten aktive Unterstützung, um in der Region Fuß zu fassen: Wohnungen stehen zur Verfügung. Für große Mobilität sorgt eine Freistellung, um den Pkw-Führerschein zügig zu machen. „Vor allem besticht die hohe Qualität der Ausbildung und das Engagement für Menschen mit einer Behinderung oder Migrationshintergrund“, würdigte Agenturchef Gyntram Sydow das Unternehmen.

Stolz auf die Auszeichnung sind auch Alexander Thom (2. Lehrjahr) und Evelyn Schröder (1. Lehrjahr). Die beiden 17-Jährigen wollen Berufskraftfahrer/in werden und schätzen die unternehmenseigene Verbundausbildung, zusätzliche Qualifikationen, das familiäre Umfeld im Kreis der Kollegen und ausgesprochen kompetente Ausbilder. Und dann macht es auch noch richtig Spaß, die Brummis „ohne Ohren“ zu bewegen. Denn Spiegel haben die großen Fahrzeuge nicht mehr: Alles wird per Kameratechnik in die Fahrerkabine übertragen, wenn die beiden nach erfolgreichem Abschluss ihrer Ausbildung in ganz Deutschland unterwegs sein werden.

Landkreis Nordwestmecklenburg: Als Azubi zu Madame Tussauds ...

Grevesmühlen. Eine eigene Wachsfigur haben die Auszubildenden der Hengelhaupt GmbH Grevesmühlen natürlich nicht. Als Azubi des Fachbetriebs für Objekteinrichtung war Nik Ahrens (3. Lehrjahr) allerdings schon im berühmten Wachsfigurenkabi-
nett in Berlin. Auch im Legoland in Dänemark hat der 18-jährige angehende Tischler bereits Spuren seines Könnens hinterlassen. Das macht ihn total stolz. Auch Jan Erik Matzkeit ist begeistert über die vielen tollen Dinge, die in seinem Ausbildungsbetrieb entstehen. Und davon konnte Geschäftsführer Thomas Köhler etliche aufzählen. „Wir fertigen alle Arten von Möbeln und statten mit Einzelanfertigungen neben privaten Haushalten vor allem Arztpraxen, Hotels, Freizeitparks, Veranstaltungen, Kulissen, Geschäfts- und Ladenbereiche sowie Kantinen aus.“ Das klingt schon spektakulär. Noch spektakulärer ist die Kundenliste: Darin finden sich Projekte wie Madame Tussauds, das Airbeat One-Festival, Blockhouse-Restaurants, das Legoland-Hotel oder eine Showbühne für Andrea Berg.

Eine normale Tischlerausbildung reiche allerdings nicht für solche besonderen Aufträge, weiß der Firmenchef. Er wünscht sich daher eine Anpassung der Ausbildungsinhalte an zeitgemäße Standards, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Köhler setzt gezielt auf die Vermittlung von fachspezifischem Know-how sowie neue Ausbildungsformen wie das triale Studium Handwerksmanagement. Seit 1990 hat das Unternehmen 40 jungen Menschen die Ausbildung ermöglicht. „Damit haben Sie 40-mal eine Chance eröffnet, 40-mal etwas gegen Fachkräftemangel getan und ebenso oft junge Menschen animiert, in der Region zu bleiben“ betonte Sydow. „Sie sind ein Unternehmer, der weiß, dass man sich kümmern muss, auch mit sogenannten weichen Faktoren wie dem betrieblichen Frühstücks- und Mittagsangebot“, wertschätzte der Agenturchef. „Wir möchten unsere aktuell 63 Mitarbeiter natürlich gern halten - viele haben wir selbst ausgebildet. Das dies Anerkennung findet, macht auch mich stolz“, so Thomas Köhler. Einer von denen, die bei der Objekteinrichtung Hengelhaupt GmbH ihr Rüstzeug erworben haben, ist Christian Frank. Der heute 37-Jährige fing im Jahr 2000 mit seiner Lehre an, machte seinen Meister und steht als Ausbildungsleiter dem Tischlernachwuchs zur Seite. Immer noch mit viel Spaß bei der Sache. Das wiederum hat etwas mit der Philosophie seines Chefs zu tun. „Mir liegt viel daran, von Anfang an das Schöne an unserem Beruf zu vermitteln“, sagt er mit einem Lächeln.

Landeshauptstadt Schwerin: Junge Frauen erobern die Elektrotechnik ...

Schwerin. Niederspannungs-Schaltanlagen, die so groß sind wie eine Schrankwand, gehören zum Arbeitsalltag bei der Leuckhardt Schaltanlagen Systemtechnik GmbH. Seit 2006 ist das Schweriner Unternehmen mit Niederlassung in Magdeburg ansässig und versorgt Installateure, Anlagenbauer und namhafte Industriekunden mit hochwertigen Produkten. Auch das Schweriner Schloss haben die Elektronikspezialisten schon mit modernster Schalttechnik bestückt. Als Dienstleister unterstützt das Unternehmen Auftraggeber aus der Automatisierungs- und Umwelttechnik, im Bereich Wartung und Service von Elektroanlagen, beim Sekundärschutz sowie Leittechnikanlagen, der Netzanalyse sowie der Softwareentwicklung für Industriesteuerungen.

Ginge es nicht um zahlreiche Kabel, die exakt zu platzieren sind, würde man sicher auch von dicken Brettern sprechen, die hier gebohrt werden.

Seit inzwischen zwölf Jahren gehört auch die Ausbildung bis hin zu Projektentwicklern zum Arbeitsalltag der 65 Mitarbeiter. Aktuell werden fünf junge Leute in Schwerin und weitere sechs in Magdeburg ausgebildet. Darunter finden sich auch junge Frauen. Eine von ihnen ist Auguste Guhl, die im dualen Studiengang den Bachelor of Engineering anstrebt. Wie bei vielen anderen Berufsstartern war es auch bei Auguste der Vater, ein selbstständiger Elektromeister, der die Berufsfindung der heute 20-Jährigen geprägt hat. „Mathe und Physik mochte ich schon immer. Mich lockte nach dem Abitur aber auch die Chance, unabhängig sein zu können. Ein duales Studium, bei dem ich schließlich auch mein eigenes Geld verdiene, war so eine gute Lösung.“ Mit dem Studienort Wismar hat die junge Frau aus Renzow kurze Wege in der Heimat. „Die Kombination aus Ausbildung und Studium, das wirklich hart ist, ist genau die richtige Richtung für mich. Mir macht das viel Spaß“, sagt die künftige Ingenieurin. In ihrem Studiengang ist sie die einzige Frau, in der Firma sind allein zehn in der Werkstatt tätig. „Frauen verfügen über ein ausgesprochen gutes Fingerspitzengefühl. Sie leisten hier einen tollen Job“, weiß Firmenchef Jens Schönrock aus Erfahrung. Einen tollen Job macht aber auch der Geschäftsführer. Er sucht im Zusammenspiel mit Ausbildungs- und Werkstattleiter Andreas Warncke immer wieder nach attraktiven Angeboten - gerade für junge Menschen, eröffnet Chancen für jene, deren Motivation besser ist als die Schulnoten, füllt regelmäßig einen großen Korb mit frischen Obst im Pausenraum und freut sich, nach guten Abschluss auf die Übernahme seines Berufsnachwuchses. „Dieses Engagement würdigen wir gern und gratulieren zum Ausbildungszertifikat 2020“, so Agenturchef Guntram Sydow.