31.03.2021 | Presseinfo Nr. 17

Der Arbeits- und Ausbildungsmarkt Westmecklenburg im März 2021 Trotz Corona: Azubis dringend gesucht!

  • Entwicklung Arbeitslosigkeit: 18.101 Arbeitslose, 451 weniger als im Februar und 2.812 mehr als im März 2020 
  • Arbeitslosenquote: 7,4 Prozent

Seit nunmehr einem Jahr lebt Deutschland mit der Corona-Pandemie. Die Furcht vor Virus-Mutationen und steigende Corona-Infektionszahlen konnten dem Westmecklenburger Arbeitsmarkt im Frühlingsmonat März 2021 wenig anhaben. Bei der Entwicklung der Arbeitslosigkeit zeigten sich positive Signale - sie sank im März. So lag die Zahl der Arbeitslosen mit 18.101 um 451 oder 2,4 Prozent unter dem Vormonatswert. Die Arbeitslosenquote im Westen Mecklenburgs liegt aktuell bei 7,4 Prozent (MV: 8,5 Prozent).

„Besonders erfreulich bleibt, dass sich auch im März wiederholt weniger Frauen und Männer aus Erwerbstätigkeit arbeitslos gemeldet haben als im Vorjahr: Ein Minus von 136 oder 12,3 Prozent. Die Unternehmen in der Region tragen zu diesem Rückgang bei - sie halten ihre Fachkräfte. Hier zeigt sich, dass Kurzarbeitergeld Beschäftigung sichert und Entlassungen verhindern kann“, so Sydow.

Kurzarbeitergeld

„Kurzarbeit bleibt Stabilitätsanker des Arbeitsmarktes“, betont Sydow. Insgesamt haben 88 Unternehmen für 948 Mitarbeiter*innen im März Kurzarbeit angezeigt. Im Vormonat waren es 386 Anzeigen für 2.933 Beschäftigte.

Ob die Unternehmen Kurzarbeit tatsächlich in Anspruch genommen haben, zeigt sich erst mit Zeitverzug, denn die Betriebe haben eine Frist von drei Monaten, Kurzarbeit für ihre Arbeitnehmer abzurechnen. Die Auswertung für den Monat November

2020 liegt aktuell vor: Für 9.614 Beschäftigte wurde in 1.410 Betrieben tatsächlich Kurzarbeitergeld abgerechnet (Kurzarbeiter-Quote: 5,8 Prozent).

Entwicklung in der Grundsicherung

Die Zahl der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten in der Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) lag in den drei Westmecklenburger Jobcentern im März bei 23.179. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist dies ein Rückgang von 293 Personen (- 1,3 Prozent). In der Grundsicherung für Arbeitsuchende waren im Westen Mecklenburgs 10.826 Menschen arbeitslos gemeldet, 1.215 (12,6 Prozent) mehr als ein Jahr zuvor.

Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit

Im März sind insgesamt 1.854 Jugendliche unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Das sind 304 oder 19,6 Prozent junge Frauen und Männer mehr als im März 2020. Die aktuelle Arbeitslosenquote beträgt für diesen Personenkreis 9,7 Prozent.

Aktuelle Situation am Ausbildungsmarkt - eine erste Zwischenbilanz

Trotz Corona: Azubis dringend gesucht!

Für die Schülerinnen und Schüler der Abgangsklassen beginnen momentan die letzten Wochen und Monate ihres Schuljahres, bevor sie in ihre berufliche Zukunft starten. Doch wie sehen die Chancen der Teenager in diesem sehr speziellen „Corona-Jahr“ aus? Und wie reagieren die Firmen in einer für sie schwierigen Zeit?

Vielfach wird von einem sogenannten „Corona-Jahrgang“ am Ausbildungsmarkt gesprochen. Doch für eine so dramatische Entwicklung sieht Agenturchef Sydow derzeit in Westmecklenburg noch keine alarmierenden Signale. „Nach allem, was wir momentan beobachten, ist die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen in Westmecklenburg zwar leicht rückläufig - allerdings steht dies mit den aktuellen Lockdown-Beschränkungen in engem Zusammenhang und spricht für vorsichtigeres Agieren und zeitliche Verschiebungen. Die Zahl der bei uns gemeldeten unbesetzten Ausbildungsstellen liegt mit aktuell 1.675 um 13,9 Prozent (-270) unter dem Vorjahresniveau. Insgesamt wurden bisher 2.460 Ausbildungsstellen gemeldet. Nun ist es für eine endgültige Betrachtung jedoch deutlich zu früh. Schließlich entscheiden sich

bis zum Sommer immer noch viele Firmen, uns ihre freien Stellen zu melden. Daher wird bis zum Herbst hier noch viel Bewegung zu beobachten sein.“

TOP FÜNF der unbesetzten Ausbildungsplätze:

• Kaufmann/-frau im Einzelhandel: 124

• Verkäufer/-in: 87

• Fachkraft Lagerlogistik: 62

• Koch/Köchin: 56

• Kaufmann/-frau - Büromanagement: 52

Im vergangenen Jahr trotzte der Westmecklenburger Ausbildungsmarkt nahezu - anders als befürchtet - der Corona-Pandemie. Zwar gab es vereinzelt Stornierungen von Ausbildungsstellen - auch konnten einige Vorstellungsgespräche erst mit Verzögerungen oder unter besonderen Bedingungen stattfinden - aber insgesamt blieb das Angebot nur knapp unter dem Niveau des ‚Vor-Corona-Jahres'. Für den Agenturchef ist dies nicht verwunderlich: „Die Betriebe wissen, wie wichtig Fachkräfte sind und die bildet man am besten im eigenen Unternehmen aus. Das wird im Übrigen auch deutlich, wenn ich mir die Zahl der Bewerber*innen ansehe (aktuell 1.725): Im letzten Jahr standen insgesamt 2.944 gemeldete Stellen 1.888 Jugendlichen gegenüber, die einen Ausbildungsplatz suchten. Es fehlen also immer noch Bewerber*innen für die freien Lehrstellen im Westen Mecklenburgs. Daran wird Corona nichts ändern.“

Daneben appellierte der Agenturchef an alle Schülerinnen und Schüler - auch Abiturienten - die 2021 ihre Schulzeit beenden, sich schnellstmöglich über die vielfältigen Ausbildungsberufe in Westmecklenburg zu informieren. Insbesondere Jugendlichen, die noch keine Lehrstelle bzw. keinen Studienplatz gefunden haben, rät Sydow, unbedingt Kontakt zur Berufsberatung aufzunehmen. Termine können unter der kostenfreien Service-Nummer 0800 4 5555 00 (Montag-Freitag von 8 bis 18 Uhr) vereinbart werden. Die Berufsberatung unterstützt nicht nur bei der Lehrstellen- oder Studienplatzsuche. Auch Jugendlichen, die noch gar nicht wissen, welchen Beruf sie später einmal ergreifen möchten, finden hier Hilfe.

„Wir werden auch unter Pandemie-Bedingungen alle Wege - von digitalen Elternabenden (Termin: 13. April 2021 um 19 Uhr) über Chats bis hin zur individuellen Videoberatung - nutzen, um die Bandbreite der Ausbildungsberufe und die mit ihnen verbundenen Berufs- und Karrieremöglichkeiten Westmecklenburgs vorzustellen“, so Sydow ergänzend.

Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“

Anknüpfend erläuterte Agenturchef Sydow, dass eine Maßnahme zur Förderung der Ausbildungsbeteiligung beispielsweise das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ darstellt, das stark von der Krise betroffene Betriebe mit entsprechenden Prämien unterstützt.

Die Corona-Krise soll und darf nicht zur Ausbildungs- oder Fachkräftekrise werden. Kein Betrieb, kein Jugendlicher soll allein gelassen werden. Das Bundeskabinett hatte Mitte März dieser Verlängerung und Weiterentwicklung des Bundesprogramms zugestimmt. Ziel ist es, die betriebliche Berufsausbildung zu stabilisieren und zu stärken. Dazu wurden Ausbildungs- und Übernahmeprämien verdoppelt, Zuschüsse zur Vermeidung von Kurzarbeit und die Förderung von Auftrags- und Verbundausbildung verbessert. Ein Sonderzuschuss hilft auch Kleinstunternehmen. Kosten für externe Vorbereitungskurse werden anteilig übernommen. Die Förderung einer Auftrags- oder Verbundausbildung wird damit attraktiver.

Weitere Informationen zum Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ erhalten interessierte Unternehmen über ihre/n persönliche/n Ansprechpartner/in im gemeinsamen Arbeitgeber-Service Westmecklenburg oder unter der kostenfreien Arbeitgeber-Service-Rufnummer 0800 4 5555 20.

Gemeldete Stellen

„Im März“, so der Agenturchef, „wurden dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service Westmecklenburg 1.027 freie Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt gemeldet - 57 oder 5,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl der monatlichen Stellenmeldungen hat im Frühling die ‚1.000-er-Marke' geknackt“ - so Sydow - „und bewegt sich abermals über dem Vormonatsniveau.

Aktuell sind 4.715 zu besetzende freie Arbeitsstellen in unserem Bestand. Insbesondere im Bereich der Zeitarbeit, im verarbeitenden Gewerbe, im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im Baugewerbe bieten sich hier zahlreiche Einstiegsmöglichkeiten.

Auf einen Blick - Entwicklung in der Landeshauptstadt Schwerin

Mrz 21 Veränd.
um VJ in
Prozent
Jan 21 Mrz 20
Arbeitslosenquote
in Prozent
9,9 1,1 10,1 8,8
Arbeitslose 4.852 13,0 4.921 4.292
  darunter SGB III 1.422 22,7 1.511 1.159
  darunter SGB II 3.430 9,5 3.410 3.133
  darunter Jugendliche 584 16,1 580 503

„Dass der Westmecklenburger Arbeitsmarkt angesichts der aktuellen Pandemiesituation insgesamt vergleichsweise stabil geblieben ist, verdanken wir vor allem dem Instrument der Kurzarbeit. Die Bewältigung dieser besonderen Situation wird die Arbeitsagentur dabei noch lange beschäftigen. Gleichzeitig müssen wir jetzt ebenso die Weichen für die Zukunft stellen: Der zunehmende Fachkräftebedarf wird nach der Pandemie den Arbeitsmarkt dominieren. Mit der Qualifizierung von Beschäftigten und der Ausbildung des eigenen Fachkräftenachwuchses können die Betriebe diesem erfolgreich begegnen. Wir können dabei finanziell unterstützen“, so der Agenturchef abschließend.