28.10.2021 | Presseinfo Nr. 44

Jahres-Ausbildungsmarktbilanz 2021

Schweriner Arbeitsagentur und Kammern ziehen Bilanz zum Berufsberatungsjahr 2020/2021
 

Gemeinsam mit Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin und Julia Hünemörder, Abteilungsleiterin Berufsbildung/Prüfungswesen der Handwerkskammer Schwerin (HWK) zieht die Schweriner Arbeitsagentur heute die traditionelle Bilanz des abgelaufenen Berufsberatungsjahres in Westmecklenburg. Wie hat sich vom 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021 die Situation auf dem Ausbildungsmarkt entwickelt?

116 unvermittelte Bewerber/innen (2020: 164; - 29,3 Prozent) und 562 unbesetzte Ausbildungsstellen (2020: 535; 5 Prozent) - das ist die Bilanz des auslaufenden Berufsberatungsjahres. „Rein rechnerisch kommen rund 4,84 unbesetzte Ausbildungsplätze auf einen unvermittelten Jugendlichen“, erklärt Guntram Sydow, Leiter der Schweriner Arbeitsagentur. Die Zahl der gemeldeten Bewerber/-innen (2.209) ist mit insgesamt 144 bzw. 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Die Zahl der gemeldeten betrieblichen Ausbildungsplätze liegt ebenfalls unter dem Vorjahresniveau (- 479 bzw. - 14,7 Prozent). Insgesamt wurden der Schweriner Arbeitsagentur seit Oktober letzten Jahres 2.787 betriebliche Ausbildungsstellen gemeldet.

„Trotz der Corona-bedingten Einschränkungen hat der Ausbildungsmarkt in Westmecklenburg seine Robustheit erneut unter Beweis gestellt. Das sah im Frühjahr teilweise noch anders aus. Doch in den folgenden Monaten ist es zu einem Aufholprozess gekommen, der ohne das große Engagement aller Ausbildungsmarktpartner nicht möglich gewesen wäre. Denn unser gemeinsames Anliegen bestand von Anfang an darin, negative Auswirkungen der Pandemie auf den Ausbildungsmarkt und damit die Zukunft junger Menschen zu verhindern. Das ist bis dato besser gelungen, als es viele zu Beginn der Pandemie erwarteten.“

Auch wenn das COVID-19 Virus an unterschiedlichsten Stellen des Arbeits- und Ausbildungsmarktes seine Spuren hinterlässt, eines bleibt unverändert: Der enorme Bedarf an Fachkräften. „Es ist deshalb wichtig, dass Unternehmen weiterhin in den Königsweg der Fachkräftesicherung: Die Ausbildung investieren“, unterstreicht Sydow. Der Agenturchef ist sich sicher, dass sich die Zahl der Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz in den nächsten Tagen und Wochen noch ein Stück weit reduziert wird. „Einige werden auf freigewordene Lehrstellen nachrücken oder aber im Rahmen unseres ‚Langzeitschnupperpraktikums', der sogenannten Einstiegsqualifizierung (EQ), in einem Betrieb anfangen. Die Zahl der freien Lehrstellen allerdings wird auf dem hohen Niveau verbleiben. Wir müssen daher weiterhin alles daransetzen, alle Potenziale an ausbildungsfähigen und ausbildungswilligen Frauen und Männern in der Region zu erschließen.“

Der Wunsch der Schüler*innen ihre Schullaufbahn mit einem Abitur zu beenden, ist hoch. Eine Kombination zwischen Studium und Berufsausbildung stellt gerade für diese Teenager eine interessante Alternative dar. Angebote, die auf ein duales Studium abzielen erhöhen die Attraktivität der betrieblichen Ausbildung und führen diese Jugendlichen zum anderen in die Unternehmen. Die Arbeitsagentur empfiehlt Ausbildungsbetrieben daher insbesondere die dualen Studienangebote noch weiter auszubauen. Auch die Gewinnung von ausländischen Jugendlichen für die Berufsausbildung ist eine wichtige und sinnvolle Ergänzung. Außerdem ist es notwendig ebenfalls Jugendliche in die Bewerberauswahl einzubeziehen, die aufgrund ihrer Schulnoten und Schulabschlüsse bisher nicht im Fokus standen. „Nicht immer ist die Schulnote allein die richtige Entscheidungsgrundlage für die Auswahl der künftigen Fachkraft. Jugendliche, die in der Schule keine ‚Olympioniken' waren, können sich in der praktischen Ausbildung großartig machen.“ Die Arbeitsagentur kann - neben der Einstiegsqualifizierung (EQ) Betriebe im Laufe der Ausbildung auch mit der sogenannten Assistierten Ausbildung flexibel (AsA flex) unterstützen.

Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Schwerin:

Ausbildungsstart 2021 über den Erwartungen

Am 1. September beginnt traditionell für die meisten Ausbildungsunternehmen und ihren Auszubildenden der Start in die Berufsausbildung. Die IHK-Ausbildungsunter-nehmen haben 1.232 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das sind 9 Prozent mehr als im Vorjahr und entspricht dem Ausbildungsniveau vor Corona. „Damit haben sich die Ausbildungsbemühungen der IHK-Ausbildungsunternehmen in dieser besonderen Zeit gelohnt.“, berichtet Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin.

Nach einer anfänglich unklaren Situation mit vielen (Online-) Aktionen und geringen Teilnehmerzahlen haben sich die vielen Bemühungen gelohnt. „Wir haben einen erfreulichen Aufholprozess mit vielen kleinen, erfolgreichen Schritten erlebt.“, äußert Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin.

Die traditionellen Angebote zur Berufsorientierung, wie Ausbildungsmessen, Berufsstartertage und Unterrichtsstunden konnten für den diesjährigen Abgang nicht umgesetzt werden. Neue Formate wurden entwickelt und angeboten. Der Erfolg war nicht garantiert. Umso mehr zeigt sich die IHK zu Schwerin zufrieden. „Streckenweise standen über 600 Ausbildungsangebote den Schulabgängerinnen und Schulabgängern zur Verfügung. Das Angebot konnte Ende September bis auf unter 100 offene Stellen reduziert werden. Und selbst diese sind noch in Arbeit. Die IHK-Unternehmen sind immer noch bereit, sehr kurzfristig Ausbildungsverträge für einen Ausbildungsstart abzuschließen. Vor allem, da es in der Probezeit immer noch Bewegung gibt.“, so Eisenach weiter. „Unsere Ausbildungsunternehmen standen zu ihrem Wort, das Ausbildungsniveau auch unter den Corona-Bedingungen zu halten.“, so Eisenach weiter.
Unter den neuen Ausbildungsverhältnissen sind auch 82 Verträge (6,7 Prozent) mit ausländischen Jugendlichen. Sie kommen aus 29 verschiedenen Staaten, darunter Vietnam: 21, Indonesien: 7, Syrien: 7, Ukraine: 6 und Georgien: 4.

Die IHK-Ausbildungsregion Westmecklenburg präsentiert sich attraktiv und tagesaktuell in den sozialen Medien über die Kampagne „Mach, worauf du Bock hast!“. „Wer sich für eine Berufsausbildung in den IHK-Ausbildungsunternehmen entschließt, trifft die richtige Entscheidung und seine Zukunft in MV. Und wir werden ihn dabei unterstützen“, so Eisenach.

Die Ausbildungsangebote sind unter www.ihk-lehrstellenboerse.de einsehbar. Die IHK zu Schwerin steht Jugendlichen für Beratungsmöglichkeiten zur Seite und ist erreichbar unter der AZUBI-Hotline: 0385 5103-400 sowie per E-Mail: beruf@schwerin.ihk.de. „Schließlich geht es um die berufliche Zukunft der Schulabgänger und um die Fachkräftesicherung für die Unternehmen Westmecklenburgs, die uns sehr am Herzen liegen“, führt Eisenach abschließend aus.

Ausbildungssituation im Handwerkskammerbezirk Schwerin

zum Stichtag 30. September 2021

Zum Ausbildungsbeginn 2021 verzeichnete das Handwerk des Kammerbezirks Schwerin einen Anstieg der neu eingetragenen Ausbildungsverhältnisse um rund 13 Prozent. Auch verglichen mit dem Vor-Corona-Jahr 2019 kann das Handwerk im Kammerbezirk Schwerin ein leichtes Plus von fast 3 Prozent melden.

„Für dieses von viel Unsicherheit geprägte Jahr ist das ein wirklich gutes Ergebnis, das uns für die Zukunft sehr optimistisch stimmt. Das aktive Werben der Betriebe und unsere intensive Begleitung bei der Nachwuchsgewinnung haben sich gelohnt. Die meisten Betriebe konnten während des Corona-Lockdowns weiterarbeiten. Sie haben ungebrochen an der Ausbildung festgehalten und ihre dringend benötigten Fachkräfte herangezogen. Das hat für das Handwerk zu Recht den Ruf der Krisenfestigkeit weiter gefestigt“, so Julia Hünemörder, Abteilungsleiterin Berufsbildung/Prüfungswesen der Handwerkskammer Schwerin. „Auch jetzt macht es immer noch Sinn, sich zu bewerben. Wer nach diesem anstrengenden Schuljahr immer noch mit leeren Händen dasteht, sollte jetzt persönliches Engagement zeigen. Wir empfehlen jungen Menschen, direkt auf die Betriebe zuzugehen und nach einem Ausbildungsplatz zu fragen. Viele Handwerksbetriebe sind da sehr offen und pragmatisch. Auch unsere Kammer hilft jederzeit gerne mit Beratung und Vermittlung.“

Die Handwerkskammer Schwerin zählt zum Stichtag 30. September insgesamt 740 neu eingetragene Ausbildungsverhältnisse, davon sind 728 mit Handwerksbetrieben abgeschlossen worden. Außerbetriebliche Ausbildungsverhältnisse wurden demnach nur 12 abgeschlossen (Vorjahr: 4 Verträge).

Zuwächse sind insbesondere in den Berufen Maurer, Zimmerer, Dachdecker, Maler und Lackierer, Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Tischler sowie Kaufmann/frau für Büromanagement zu verzeichnen. Rückgänge gibt es bei Raumausstattern, Augenoptikern und Mechatronikern für Reifen-und Vulkanisationstechnik.

Zum neuen Ausbildungsjahr haben 19 Flüchtlinge ihre Ausbildung im Handwerk des Kammerbezirks begonnen. Über alle Lehrjahre befinden sich derzeit 81 Flüchtlinge in einer handwerklichen Ausbildung, damit nehmen Flüchtlinge 4,2 Prozent des Lehrlingsbestandes ein (Vorjahr: 5,6 Prozent). Trotz der positiven Bilanz sind auch in diesem Jahr noch Ausbildungsplätze im Kammerbezirk Schwerin unbesetzt geblieben. In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Schwerin waren am Ende September noch 198 Angebote gelistet. Im Vergleich zum Vorjahr waren es aber weniger. Die meisten freien Stellen gibt es für die Berufe Elektroniker, Metallbauer, Maurer und Anlagenmechaniker Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

83,8 Prozent der neuen Auszubildenden sind männlich. Mit 16,2 Prozent ist der weibliche Anteil an den Auszubildenden angestiegen (Vorjahr 14,2 Prozent).

Der größte Teil der Auszubildenden verfügt über einen Schulabschluss der Mittleren Reife 56,1 Prozent (2020: 54,8 Prozent), der Anteil der Absolventen mit Berufsreife beträgt 21,7 Prozent (2020: 22,1 Prozent). Der Anteil der Abiturienten erreicht 15,0 Prozent (2020: 16 Prozent). Die Anzahl der Auszubildenden mit Förderschulabschluss/ohne Abschluss ist mit 4,6 Prozent (2020: 4,8 Prozent) leicht gesunken. 2,6 Prozent der Abschlüsse sind im Ausland erworben und nicht zuzuordnen. Insgesamt befinden sich zum Stichtag 30. September 2021 über alle Lehrjahre 2.087 Auszubildende im Handwerk des Kammerbezirkes Schwerin in der Ausbildung, das sind 4,5 Prozent mehr als zu diesem Zeitpunkt im Vorjahr.

Abschließend appellierte Sydow an alle Schüler*innen - auch Abiturienten - die 2022 ihre Schulzeit beenden, sich bereits jetzt über die vielfältigen und spannenden Ausbildungsberufe in Westmecklenburg zu informieren. „Unser Versprechen: Die Berufsberatung ist und bleibt für jeden interessierten jungen Menschen da. Der persönliche Kontakt spielt für die Berufsberater*innen eine besonders große Rolle. Sie sind in den Schulen präsent und bieten zudem Videoberatung an. Der Zugang ist ganz einfach. Ein Smartphone, Tablet oder Computer reichen, um das barrierefreie Angebot anmeldungsfrei zu nutzen. ‚Face-to-face' ist ein kompetenter Ansprechpartner da, um Fragen zu beantworten, Hinweise zu geben oder auch ein guter Zuhörer zu sein. Nutzen Sie auch unsere Selbsterkundungsprogramme sowie die breite Palette unserer Online-Angebote (siehe INFO II), die bequem von zuhause aus genutzt werden können und vereinbaren Sie vor allem Gesprächstermine mit Ihrer/m Berufsberater/in - persönlich, telefonisch oder per Videochat. Je früher Sie aktiv werden, desto größer sind Ihre Chancen, den Traumberuf in der Heimat zu realisieren!“

Info I

Einen Beratungstermin - auch zu den Unterstützungsmöglichkeiten - bei der Berufsberatung können Jugendliche unter der kostenfreien Service-Rufnummer 0800 4 5555 00 bzw. per Mail: Schwerin.Berufsberatung@arbeitsagentur.de vereinbaren. Für die Meldung zusätzlicher Ausbildungsplätze, bei Fragen zur Einstiegsqualifizierung (EQ) oder der Assistierten Ausbildung flexibel (AsA flex) können Personalverantwortliche die kostenfreie Arbeitgeberservice-Rufnummer 0800 4 5555 20 nutzen oder sich direkt an ihren persönlichen Ansprechpartner im gemeinsamen Arbeitgeber-Service Westmecklenburg wenden.

Info II - Online-Angebote für Jugendliche

Unter der Rubrik „Schule, Ausbildung und Studium“ der Homepage www.arbeitsagentur.de finden Jugendliche das kostenlose und eignungsdiagnostisch fundierte Erkundungstool „Check-U“. Es hilft dabei, Berufe zu finden, die zu den eigenen Interessen und Fähigkeiten passen. Informationen zu über 3.000 Berufen bieten das Filmportal www.berufe.tv und die Seite www.berufenet.arbeitsagentur.de. Die kostenfreie App „AzubiWelt“ ermöglicht u. a. die komfortable und personalisierte Suche nach freien Ausbildungsstellen direkt am Smartphone. Schülerinnen und Schüler, die einen Hauptschulabschluss oder einen mittleren Schulabschluss anstreben, finden im Portal www.planet-beruf.de Reportagen und Interviews sowie Material rund um die Themen „Ausbildungssuche“, „Berufswahl“ und „Bewerbung“.

Info III - Top 5 der unbesetzten Ausbildungsplätze

  • Koch/Köchin (38)
  • Verkäufer/in (36)
  • Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau (36)
  • Hotelfachmann/Hotelfachfrau (34)
  • Kaufmann/-frau im Einzelhandel (29)