28.10.2021 | Presseinfo Nr. 45

Erfolgsgeschichte: „Lernen kann man immer!“

Arbeitsmarktpartner ziehen positive Bilanz für Berufsberatungsjahr 2020/21
 

Abdullah Khalil fühlt sich sichtlich wohl. Der 33-jährige Parchimer lernt seit September im zweiten Ausbildungsjahr den Beruf des Kfz-Mechatronikers für Nutzfahrzeuge bei der Truck & Bus Service-Center GmbH. Ständig Neues zu erfahren und sich umfassende Kenntnisse anzueignen, ist eine Intention, die der aus Syrien stammende junge Mann seit seiner Jugend verfolgt hat. „Lernen kann man immer“, sagt er mit einem Lachen im Gesicht. In seinem Unternehmen fällt ihm das auch leicht. „Die Kollegen sind freundlich und da, wenn ich Fragen habe. Sie erklären mir alles. Wenn es nötig ist, auch zwei Mal.“ Es gehe wie auf einer Treppe Schritt für Schritt nach oben - mit ausreichend Zeit und der notwendigen Sicherheit, die Abdullah lange gesucht hat. Nach seinem Schulabschluss machte er in seiner Heimat eine Ausbildung als Landmaschinentechniker. Mit so gutem Ergebnis, dass ihm das entsprechende Ingenieurstudium möglich war. Zu Ende bringen konnte er es nicht: Der Krieg brach aus, das Militär rief. „Ich wollte nicht zur Armee und bin weggelaufen aus Aleppo.“  Über die Türkei gelangte Abdullah 2015 nach Hamburg, Eltern und Geschwister blieben zurück. Er sprach kein Wort Deutsch, nur mäßig Englisch. „Das reicht nicht, um hier Fuß zu fassen. Also habe ich fleißig die neue Sprache gelernt. Und nach einer Ausbildung gesucht. Am liebsten in einer Werkstatt…“ Da ist er mit einer Einstiegsqualifizierung im vergangenen Jahr gut angekommen. So gut, dass ihm die gesamte Zeit auf die Ausbildung angerechnet werden konnte. Eineinhalb Jahre sind bis zum Abschluss noch zu bewältigen. Anschließend würde sich der Azubi liebend gern mit den Kollegen um die großen Fahrzeuge kümmern. Schon jetzt holt sich Abdullah völlig souverän das nötige Werkzeug aus seinem eigenen Schrankwagen, wechselt Öl an riesigen Trucks oder begibt sich mit den Kollegen auf Fehlersuche, wenn etwas nicht rund läuft. „Er ist wirklich wissbegierig, immer motiviert und macht seine Sache richtig gut“, schätzt Steffen Mihl als Ausbildungsverantwortlicher ein. „Wir geben ihn auch nicht mehr her“, betonen Uta Schröder und Mandy Hoering, die Ansprechpartnerinnen für die insgesamt 22 Auszubildenden der Unternehmensgruppe Krüger + Voigt Internationale Spedition GmbH sind, zu der der Truck- & Bus-Service gehört.

„Dieses regionale Erfolgsbeispiel zeigt, wie gut die Unterstützung der Berufsberatung greift“, freut sich Guntram Sydow, Chef der Schweriner Arbeitsagentur. „Wir in Westmecklenburg haben keine ,verlorene Generation'. Die Zusammenarbeit der Partner am Ausbildungsmarkt hat sich exzellent bewährt. Trotz der schwierigen Pandemie-Situation verzeichnen wir insgesamt einen Rückgang der Zahl noch nicht vermittelter Bewerber um 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aktuell sind 116 Bewerber*innen noch ohne Ausbildungsvertrag. Da geht noch was!“, unterstreicht Guntram Sydow am Ende des ‚Sommers der Berufsausbildung'. Gemeinsam mit den Arbeitsmarktpartnern von der IHK zu Schwerin und der Handwerkskammer Schwerin zieht er eine positive Bilanz für das Berufsberatungsjahr 2020/21.

Warum lief es trotz Corona gut? Berufsberater*innen zeigen Präsenz an den Schulen. Lehrstellenbörsen und Kampagnen hatten keine Auszeit. Kreative Ansätze und neue Formen der Unterstützung bewirken, dass „kein junger Mensch Westmecklenburg verlassen muss“, bestätigt Siegbert Eisenach, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Schwerin. „Unsere Unternehmen haben ihre Hausaufgaben gemacht und sogar etwas mehr Ausbildungsplätze als 2019 im Angebot.“ Bislang hat die Kammer 1.232 Ausbildungsverträge verzeichnet. Jugendliche starten vor allem im Handel (26 Prozent), im Bereich Metall/Elektro (18 Prozent) und im Gastgewerbe (11 Prozent) durch. 82 der neuen Azubis haben einen Migrationshintergrund. Junge Menschen aus dem Ausland finden auch im Handwerk Chancen, berichtet Julia Hünemörder, Abteilungsleiterin Berufsbildung/Prüfungswesen bei der Handwerkskammer Schwerin. „Wir registrieren in diesem Herbst ein Plus von 14,5 Prozent bei den Ausbildungsverhältnissen. 754 neue Verträge wurden unterzeichnet.“ Die meisten zieht es wie Abdullah in eine Werkstatt: 457 junge Menschen wollen Kfz-Mechatroniker/-in werden. Zuwächse verzeichnet die Handwerkskammer auch in den Bereichen Maler/Lackierer/-in, Dachdecker/-in und Tischler/-in. Gemeinsam richten die Ausbildungspartner eine Botschaft an junge Menschen, die noch keine Ausbildung begonnen haben: Es gibt noch freie Plätze. Und die Möglichkeit, im aktuellen Ausbildungsjahr einzusteigen.

„Wir suchen - wie alle Unternehmen in der Region - nach Fachkräften. Die besten sind solche, die wir selbst ausgebildet haben“, unterstreicht Franziska Höhne von der Unternehmensgruppe abschließend.