15.01.2021 | Presseinfo Nr. 2

Arbeitsagentur zieht Bilanz zum Arbeitsmarkt 2020

„Das Corona-Virus hat das letzte Jahr sehr nachhaltig beeinflusst. Die Zahl arbeitslos gemeldeter Menschen im Bezirk der Agentur für Arbeit Siegen ist im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen und die Pandemie bescherte uns Rekordwerte bei der Kurzarbeit“
Doch trotz der negativen Auswirkungen der Pandemie für Arbeitssuchende wurden am Arbeitsmarkt keine neuen Negativrekordwerte erreicht. Durch das Instrument der Kurzarbeit und umfangreiche Wirtschaftshilfen konnte der Arbeitsmarkt noch stabilisiert und das Niveau sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung weitestgehend gehalten werden.
 

Arbeitslosigkeit

Durchschnittlich 12.168 Menschen waren im Agenturbezirk Siegen im Jahr 2020 arbeitslos. Das sind 2.342 Personen oder 28,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag im Durchschnitt bei 5,1 Prozent, im Jahr 2019 lag sie noch bei 4,1 Prozent.

Die Arbeitslosigkeit ist vor allem in den Monaten April und Mai, also nach dem ersten sognannten harten Lockdown, spürbar gestiegen. Tomczak erklärt: „Die Unternehmen haben nicht mehr entlassen, sondern ganz klar weniger eingestellt. In vielen Branchen war eine deutliche Unsicherheit zu spüren. Dadurch gab es auf der einen Seite weniger Fluktuation, denn die Mitarbeiter wechseln ihren Job in unsicheren Zeiten seltener. Zusätzlich dazu gab es auch weniger zusätzliche Neueinstellungen durch die Unternehmen“. Trotz des Anstiegs, lag die durchschnittliche Arbeitslosigkeit unter dem Niveau der Finanzkrise im Jahr 2009. Zum Ende des Jahres hat sich der Arbeitsmarkt in beiden Kreisen wieder stabilisiert, die Zahl der Arbeitslosen ist zum Jahresende sogar entgegnen der saisonüblichen Entwicklung wieder leicht gesunken.

Im Zuständigkeitsbereich der beiden Jobcenter Kreis Siegen-Wittgenstein und Kreis Olpe (SGB II) ist die Zahl der Arbeitslosen um 732 gestiegen und lag im Durchschnitt bei 6.594. Im Rechtskreis der Agentur für Arbeit Siegen (SGB III) ist die Zahl arbeitsloser Menschen um 1.610 auf 5.573 Personen gestiegen.

Sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

Die Unternehmen in dem Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Siegen haben ihre Belegschaft trotz der unsicheren Zeiten größtenteils gehalten. Mit 175.896 reduzierte sich die versicherungspflichtige Beschäftigung um 1,3 Prozent zum Vorjahr und bliebt relativ stabil. „Beschäftigungsverluste sind vor allem im verarbeitenden Gewerbe und der Arbeitnehmerüberlassung zu erkennen, Steigerungen gab es in den systemrelevanten Bereichen, wie z.B. im Gesundheitswesen, in der öffentlichen Verwaltung und im Handel“, erklärt Tomczak.

Kurzarbeit

Das Instrument der Kurzarbeit sicherte im Jahr 2020 Arbeitsplätze. Es handelt sich um ein zweistufiges Instrument, das den Betrieben erlaubt, trotz konjunktureller Engpässe Beschäftigte zu halten. Die Unternehmen zeigen geplante verkürzte Arbeit an und gehen mit der Auszahlung des Lohnersatzes in Vorleistung. Die Betriebe können innerhalb von drei Monaten die erforderliche Abrechnungsliste einreichen. Erst dann liegen endgültige Daten vor, wie viele Personen kurzgearbeitet haben und in welchem Umfang. „Aus diesem Grund können wir zu dem jetzigen Zeitpunkt noch keine abschließenden Aussagen treffen, wie die endgültigen Zahlen der Kurzarbeit für das Jahr 2020 aussehen“, so Tomczak. Bis Jahresende wurden für beide Kreise insgesamt 5.857 Anzeigen auf Kurzarbeit eingereicht, potentiell betroffen waren 108.497 Beschäftigte. Die aktuellsten Hochrechnungen zur tatsächlich realisierten Kurzarbeit liegen für den Monat August vor. In diesem Monat haben im Agenturbezirk Siegen insgesamt 1.400 Betrieben Kurzarbeit umgesetzt. Die Anzahl der Beschäftigten, die sich in Kurzarbeit befanden, lag bei 18.534.

Arbeitskräftenachfrage

Mit Beginn der ersten Eindämmungsmaßnahmen brach im Frühjahr die Arbeitskräftenachfrage deutlich ein. Im Jahresschnitt waren 2.992 Arbeitsstellen unbesetzt. Verglichen mit 2019 waren 1.241 freie Stellen weniger im Bestand, ein Rückgang von 29,3 Prozent. „In dieser Krisen-Situation zeichnete sich noch deutlicher ab, dass in unserer Region vor allem qualifiziertes Personal gebraucht wird. In zwei vor drei ausgeschriebenen Stellen werden Fachkräfte gesucht“, betont Tomczak. Die Pandemie hat zudem das Thema Digitalisierung deutlich schneller vorangetrieben, vielen Beschäftigten fehlen aber dafür noch die notwendigen Qualifikationen. „Wir werden unseren Fokus für das Jahr 2021 auf das Thema Qualifizierung legen und Arbeitgeber dabei unterstützen, ihre Belegschaft für die Veränderungen fit zu machen. Denn das ist auch während der Kurzarbeit mit Förderung durch uns möglich“, ergänzt sie weiter.

Jahresbilanz Kreis Siegen-Wittgenstein

Im Kreis Siegen-Wittgenstein waren 2020 durchschnittlich 8.758 Personen arbeitslos. Das sind 1.594 Menschen mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,6 Prozent. Im Vorjahr lag sie noch bei 4,5 Prozent. Im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Siegen-Wittgenstein (SGB II) ist die Zahl der Arbeitslosen um 600 gestiegen und lag im Durchschnitt bei 5.108. Im Rechtskreis der Agentur für Arbeit Siegen (SGB III) ist die Zahl arbeitsloser Menschen um 994 auf 3.650 Personen gestiegen.

Der Arbeitgeber-Service hat im letzten Jahr 5.394 Stellen eingeworben. Das sind 957 Stellen weniger als im Vorjahr. Der Bestand lag im Jahresdurchschnitt bei 2.108 Stellen, 26,6 Prozent weniger als im Vorjahr.

Bis Jahresende wurden für den Kreis Siegen-Wittgenstein insgesamt 3.907 Anzeigen auf Kurzarbeit eingereicht, potentiell betroffen waren 69.926 Personen.

Jahresbilanz Kreis Olpe

Im Kreis Olpe waren 2020 durchschnittlich 3.410 Personen arbeitslos. Das sind 748 Menschen mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 4,2 Prozent. Im Vorjahr lag sie noch bei 3,3 Prozent. Im Zuständigkeitsbereich des Jobcenters Kreis Olpe (SGB II) ist die Zahl der Arbeitslosen um 132 gestiegen und lag im Durchschnitt bei 1.486. Im Rechtskreis der Agentur für Arbeit Siegen (SGB III) ist die Zahl arbeitsloser Menschen um 616 auf 1.924 Personen gestiegen.

Der Arbeitgeber-Service hat im letzten Jahr 3.015 Stellen eingeworben. Das sind 840 Stellen weniger als im Vorjahr. Der Bestand lag im Jahresdurchschnitt bei 884 Stellen, 35,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Bis Jahresende wurden für den Kreis Olpe insgesamt 1.950 Anzeigen auf Kurzarbeit eingereicht, potentiell betroffen waren 38.571 Personen