04.11.2019 | Presseinfo Nr. 214

Metzger sucht Fachkraft: Kreative Lösung in Zeiten des Fachkräftemangels

In vielen Branchen werden Fachkräfte händeringend gesucht. Es ist höchste Zeit, in die betriebliche Weiterbildung zu investieren! So wie die Firma Rudolf Jacobs Metzgerei und Markthandel in Solingen

Rudolf Jacobs, Inhaber der Metzgerei Jacobs, weiß um die Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal zu bekommen. „Seit ich 2004 meinen Meister gemacht und die Metzgerei von meinem Vater übernommen habe, bilde ich aus – in manchen Jahren auch über meinen eigenen Bedarf. Fachkräfte sind auf dem freien Markt schon lange nicht mehr zu bekommen. Derzeit bilde ich einen Auszubildenden in der Fertigung und eine Auszubildende im Verkauf aus. Damit habe ich überwiegend gute Erfahrungen gemacht. Wir sind ja ein kleiner Betrieb, da ist es wichtig, dass auch der Nasenfaktor stimmt und man gut miteinander klarkommt.“

 

Als Martina Wildförster, Qualifizierungsberaterin der Agentur für Arbeit, ihm Anfang des Jahres Lukas Kallen vorstellte, hat die Chemie sofort gestimmt. Jacobs weiter: „Mir hat auch gefallen, dass er so früh in seinem Leben Verantwortung für eine Familie übernommen hat und ich war gerne bereit, ihm eine Umschulung zum Fleischer zu ermöglichen. Das war eine gute Entscheidung und ich habe sie nicht bereut. Natürlich ist es für mich auch sehr positiv, dass sich die Agentur für Arbeit finanziell an der Umschulung beteiligt. Eine rundum gute Sache, das Förderprogramm – und gar nicht so kompliziert, wie ich es zunächst angenommen hatte. Seit Februar dieses Jahres arbeitet Lukas Kallen als Helfer Lebensmittelherstellung in meinem Betrieb und wird gleichzeitig als Fleischer ausgebildet, die er voraussichtlich Ende Januar 2021 abschließen wird - eine win-win Situation für alle Beteiligten!“

 

Lukas Kallen hat nun doch noch die Möglichkeit auf einen anerkannten Berufsabschluss: „Eine reguläre Ausbildung wäre für mich aus finanziellen Gründen nicht machbar gewesen, davon hätte ich meine Familie nicht ernähren können! Es ist wirklich sehr fordernd, Arbeit, Familie und Schule unter einen Hut zu bringen. Ich bin aber auch sehr dankbar, diese Chance bekommen zu haben und tue alles, um diese zu nutzen!“

 

Den fachlichen Hintergrund erläutert Martina Wildförster, zuständige Weiterbildungsberaterin der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal so: „Die Agentur für Arbeit unterstützt die Weiterbildung sowohl von Arbeitslosen als auch von Beschäftigten durch unterschiedliche Programme – wie zum Beispiel durch eine betriebliche Einzelumschulung, also eine verkürzte reguläre Ausbildung in einem Betrieb. Arbeitssuchende ohne Berufsabschluss oder nicht ausreichend ausgebildete Bewerberinnen und Bewerber der Agentur für Arbeit sowie Beschäftigte können in verhältnismäßig kurzer Zeit einem beruflichen Abschluss erwerben. Der Berufsabschluss sichert nicht nur künftige Beschäftigung, er verhilft auch zu dauerhaft höherem Einkommen. Die betriebliche Umschulung wird wie eine Ausbildung in einem ausbildungsberechtigten Betrieb - inklusive Teilnahme am Berufsschulunterricht - durchgeführt und endet mit einer Abschlussprüfung vor der jeweils zuständigen Kammer. Die Dauer der Umschulung im Betrieb ist im Verhältnis zur regulären Ausbildung um mindestens ein Drittel verkürzt und kann sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit erfolgen.“

 

Die Agenturen für Arbeit fördern solche Einzelumschulungen, da Gerinqualifizierte das höchste Risiko haben, arbeitslos zu werden – beziehungsweise keine passende Arbeitsstelle zu finden. Gleichzeitig leisten sie einen Beitrag, den Unternehmen den Fachkräftebedarf von morgen zu sichern.

 

Das bestätigt auch Martin Klebe, Leiter der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal: „Eine Ausbildung lohnt sich für jeden – auch noch zu einem späteren Zeitpunkt im Erwerbsleben. Ein Berufsabschluss ist der beste Schutz vor Arbeitslosigkeit. Man erhält mit einer Ausbildung mehr Gehalt, hat ein geringes Risiko arbeitslos zu werden und leistet einen höheren Beitrag bei den Rentenzahlungen. Die Differenz des mittleren Entgelts zum ungelernten Einkommen beträgt übrigens rund 730 €.

Ich wünsche mir, dass weitere Unternehmen Ungelernten eine Chance geben und ihnen eine Qualifizierung oder Umschulung ermöglichen. Seit Jahresbeginn haben wir mit dem Qualifizierungschancengesetz sehr gute Fördermöglichkeiten. Welche Qualifizierung die Unternehmen weiterbringt und wie diese unkompliziert und auch mit der Entwicklung von individuellen Lösungen den Mitarbeitenden zugänglich gemacht werden können, erklären unsere spezialisierten Qualifizierungsberaterinnen - der Impuls muss aber von den Unternehmen ausgehen. Daher mein Appell an die Arbeitgeber: Kontaktieren Sie uns bitte!“, so Martin Klebe, Leiter der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal.