14.01.2021 | Presseinfo Nr. 9

Ausbildungsmarkt im Bergischen Städtedreieck unter spürbarem Corona-Einfluss

Wie zu erwarten war, hat sich die Corona-Pandemie trotz aller Bemühungen der Ausbildungsmarktpartner auf das Ausbildungsmarktgeschehen ausgewirkt

  • Sinkende Zahlen der Bewerberinnen und Bewerber sowie
  • der Ausbildungsstellen
  • Seit Oktober 2020 verstärkte Nachvermittlungsaktivitäten der Marktpartner
  • Unternehmen nutzen vor allem die „Ausbildungsprämie plus“
  • Ausblick auf das Ausbildungsjahr 2020 / 2021:
    Regionale Unterschiede bei der Entwicklung der Ausbildungssuchenden und der Ausbildungsstellen.
    - Zahl der Ausbildungssuchenden im Bergischen Städtedreieck auf Niveau des Vorjahres.
    - Rückgang bei den gemeldeten Berufsausbildungsstellen um rund fünf Prozent.

Ausbildungsjahr 2019/2020

„Wie zu erwarten war, hat sich die Corona-Pandemie trotz aller Bemühungen der Ausbildungsmarktpartner auf das Ausbildungsmarktgeschehen ausgewirkt. Sowohl bei den Ausbildungsstellen als auch bei den Bewerberinnen und Bewerbern sind Rückgange zu verzeichnen. Gleichzeitig stieg die Zahl der unversorgten Ausbildungssuchenden“, resümiert Martin Klebe, Leiter der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal das abgelaufene Ausbildungsjahr.

In den vergangenen Monaten haben sich das Ausbildungsgeschehen und die zeitlichen Abläufe aufgrund der Corona-Pandemie nach hinten verschoben. Deshalb haben die Agentur für Arbeit und ihre Partner im Ausbildungskonsens vereinbart, dass das Ausbildungsjahr nicht am 30.09. endete, sondern erst zu Beginn des neuen Jahres gemeinsam Bilanz gezogen wird.

Wichtigstes Ergebnis ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Sie ist um 13,4 Prozent (-508 Verträge) geringer ausgefallen als noch vor einem Jahr.

Am 30. September 2020 haben noch 404 Jugendliche eine Ausbildungsstelle gesucht und 343 Ausbildungsstellen waren unbesetzt.
Aktuell sind 152 Jugendliche unversorgt und 64 Ausbildungsstellen sind noch unbesetzt. Der Fokus für die Vermittlungsbemühungen der Marktpartner liegt nun darauf, die Jugendlichen bei ihrer Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle und die Unternehmen bei der Besetzung ihrer Ausbildungsstellen im laufenden Ausbildungsjahr 2020/2021 zu unterstützen.

Wie geht die Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal mit den Herausforderungen um?
  • Check-U
    Selbsterkundungstool zur Einschätzung von fachlichen und beruflichen Interessen, sozialen Kompetenzen. Hilft anhand der ermittelten Stärken herauszufinden, welche Ausbildungsberufe und Studienfelder bei der Berufsorientierung näher in Betracht kommen.
  • Telefonische- und Videokommunikation
    - Ergänzt die persönliche Beratung, freiwillige Teilnahme, ist nutzerfreundlich.
    - Kundenseitig werden lediglich eine stabile Internetverbindung und eine eigene E-Mail-Adresse, ein PC (Laptop, Tablet, Smartphone  inkl. Kamera und Lautsprecher bzw. Headset benötigt.
    - Datensicherheit: Identitätsprüfung zu Beginn der Beratung; Beratungsgespräche werden nicht aufgezeichnet.
  • AzubiWelt-App – Der kurze Weg zur Ausbildungsstelle Zielgruppengerechte App für Jugendliche, die eine Ausbildungsstelle suchen. Ausbildungsberufe entdecken, passende Lehrstellen finden und direkte Kontaktaufnahme zur BA
  • Postkartenaktion – „Noch keinen Plan für deine Zukunft?“ Ausgabe mit den Halbjahreszeugnissen geplant
    Gemeinsame Aktion der Landesregierung mit der Regionaldirektion QR-Codes auf der Rückseite,
    Verlinkungen: Jobbörse * Berufsberatung * Berufsberatungstermin * KAoA
  • Telefonische und elektronische Erreichbarkeit
    Direktdurchwahlen der Berufsberatung:

    Remscheid: 02191 4606-345
    Remscheid.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

    Solingen: 0212 2355-345
    Solingen.Berufsberatung@arbeitsagentur.de

    Wuppertal: 0202 2828-345
    Wuppertal.Berufsberatung@arbeitsagentur.de 

    Kostenlose Service-Telefonnummer: 0800 4 5555 00
    Internet: https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/solingen-wuppertal/berufsberatung

Die Bilanz der Industrie- und Handelskammer

Carmen Bartl-Zorn, Geschäftsführerin der Bergischen Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid (IHK) führt aus, dass im IHK-Bezirk, der die drei Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid umfasst, die Zahl der neueingetragenen Ausbildungsverträge zum 31.12.2020 im Vergleich zum Vorjahr deutlich um 275 Verträge (11,8 Prozent) zurückgegangen ist. Das ist im Wesentlichen mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu erklären.
Der Rückgang der Eintragungen im gewerblich-technischen Bereich fällt mit 18,7 Prozent (-156 Verträge) drastisch aus. Starke Rückgänge gibt es vor allem in den Bereichen der Metall-, Elektro- und Chemieberufe. Zuwächse sind in den Berufen der Bereiche Medien/Druck und Lebensmittel zu verzeichnen.
Auch im kaufmännischen Bereich ist mit einem Minus von 8 Prozent (119 Verträge) ein erheblicher Rückgang der Eintragungszahlen festzustellen.
Die deutlichsten Rückgänge sind bei den Industriekaufleuten, im Bereich der Hotel- und Gaststättenberufe, im Bereich Verkehr und Transport zu konstatieren. Erfreulich sind die Zuwächse im Handel und bei den Kaufleuten im Gesundheitswesen. Aufgrund der Corona-Pandemie hat teilweise eine zeitliche Verlagerung der Einstellungsaktivitäten stattgefunden, so konnte in den letzten Wochen ein Nachholeffekt festgestellt werden.

Die Bilanz der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal

Sascha Bomann, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Solingen-Wuppertal bilanziert:
Das Ausbildungsjahr 2020 gestaltete sich aufgrund fehlender Berufsorientierungsaktionen als ein sehr schwieriges Jahr. Berufsausbildungsbörsen konnten nicht stattfinden, Aktionen wie Schulbank trifft Werkbank, die direkt in den Schulen stattfinden, konnten ebenfalls nicht durchgeführt werden. Handwerk lebt vom Mitanpacken, vom Mitmachen. Das alles konnten wir digital nur schwer vermitteln. Hinzukommt, dass die Unsicherheiten durch die Pandemie, sowohl bei den Unternehmen, als auch bei den ausbildungsplatzsuchenden jungen Menschen zugenommen hat.
Befürchteten wir jedoch im Sommer 2020 noch einen Rückgang um bis zu 20 Prozent bei den neueingetragenen Berufsausbildungsverhältnissen, so sind es jetzt 11 Prozent weniger in Solingen und rund 8 Prozent weniger in Wuppertal. Der Endspurt im letzten Quartal, unterstützt durch viele Gespräche und Online-Aktionen konnten noch einige Unentschlossene und Ausbildungsbetriebe zueinander bringen.
Erfreulich ist, dass es auch leichte Steigerungen an neuen Ausbildungsverträgen gibt. In Solingen kann sich das Maler-, das Tischler- und das Kfz-Handwerk über ein Plus an neuen Ausbildungsverträgen freuen. In Wuppertal gibt es ebenfalls eine Zunahme an neuen Ausbildungsverträgen im Maler- und Tischlerhandwerk.
Die pandemiebedingten Schließungen der Friseurunternehmen schlagen sich leider auch auf die neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in diesem Gewerk nieder. Hier ist insbesondere in Wuppertal ein starker Rückgang zu verzeichnen.
Wir wünschen uns, dass wir in 2021 schnellstmöglich wieder Präsensveranstaltungen an Schulden durchführen können, um den jungen Menschen zu zeigen, welche Karrierechancen das Handwerk zu bieten hat. Bis dahin nutzen wir unsere Social-Media-Kanäle um die Ausbildungs- und Chancenvielfalt des Handwerks zu präsentieren.

Die Bilanz der Kreishandwerkerschaft Remscheid

Fred Schulz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Remscheid resümiert und berichtet:
Das Jahr 2020 war insgesamt ein sehr schwieriges Jahr und hat und ganz besonders die Bemühungen im Bereich der Nachwuchswerbung stark zurückgeworfen. Von März 2020 bis Dezember 2020 konnten wir nicht in die Schulen. Das war ein Rückschlag, zumal durch die starken Aktionen und Initiativen 2019 ein sehr guter Kontakt zu allen Schulen und deren Verantwortlichen aufgebaut wurde. Die Unsicherheit durch die Pandemie konnte bei einem Großteil der Betriebe ebenso festgestellt werden, wie auch bei den ausbildungsplatzsuchenden jungen Menschen.
Für das Jahr 2021 gilt es, die Auswirkungen der Pandemie weiter intensiv zu beobachten und zum Zeitpunkt X in einer konzertierten Aktion die Nachwuchswerbung mit Präsentveranstaltungen in den Schulen wieder durchzuführen. Ein Konzept, wie sich die Geschäftsführung eine konzertierte Aktion vorstellt, ist in Bearbeitung. Die Nutzung der Printmedien und der Social-Media-Kanäle werden wichtige Bausteine sein. Aber - das A & O sind die Informationsveranstaltungen in den Schulen. Warum es wichtig ist, zum Zeitpunkt X eine konzertierte Aktion durchzuführen, zeigen die nachfolgenden Zahlen, Daten und Fakten auf:
Zum Stichtag 31.12.2020 verzeichnen wir insgesamt ein Minus von 15 Prozent bei den zur Eintragung eingereichten Ausbildungsverträge gegenüber dem 31.12.2019. Schon am 31.12.2019 waren die Eintragungszahlen niedriger als zum gleichen Zeitpunkt 2018. Ein besonders starker Rückgang ist im Friseurhandwerk, im KFZ-Handwerk und in den Berufen der Nahrungsmittelhandwerke zu verzeichnen. Überwiegend stagnieren die Lehrlingszahlen in den einzelnen Handwerksberufen auf niedrigen Niveau.

Das Handwerk in Remscheid

Der Einzugsbereich unserer Kreishandwerkerschaft entspricht dem Stadtgebiet von Remscheid. Wichtiger und unentbehrlicher Bestandteil des hiesigen Wirtschaftslebens in Remscheid sind die ca. 800 Vollhandwerksbetriebe, 180 zulassungsfreien Handwerksbetriebe und 170 handwerksähnlichen Betriebe mit ihren etwa 7.300 Beschäftigten. In diesen Betrieben werden derzeit knapp 500 Lehrlinge ausgebildet. Der Jahresumsatz im Gesamthandwerk beträgt ca. 700 Mio. Euro.
Somit ist das Handwerk in Remscheid nicht nur ein gewichtiger Wirtschaftsfaktor, sondern auch mit Abstand der größte Ausbilder in der Region. 12 Handwerksinnungen sind in der Lage, auf den Gebieten Hoch- und Tiefbau, gewerblichem und behördlichem Wohnungs- und Straßenbau, Altbausanierung, Dienstleistungen - vom Friseurgewerbe bis zur Gebäudereinigung - Metall- und Maschinenbau, KFZ-Technik und die vielfältigen Aufgaben der Nahrungsmittelhandwerke ihre Aufgaben zum Wohle der Allgemeinheit mit einem hohen Maß an Leistungsbereitschaft, Qualitätsbewusstsein und Zuverlässigkeit zu erfüllen.
Der Zusammenschluss der Innungen in der Kreishandwerkerschaft Remscheid als einer Körperschaft des öffentlichen Rechts bewirkt eine starke Position und straffe Organisation des Remscheider Handwerks. Im Remscheider Handwerk arbeiten 7.300 Menschen in sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen. Damit ist jeder fünfte/sechste Arbeitsplatz in Remscheid im Handwerk angesiedelt. Diese Zahl ist seit Jahren konstant. Die Remscheider Handwerksbetriebe bieten jährlich 200 neue Ausbildungsplätze an. Derzeit befinden sich ca. 500 junge Menschen in einem Ausbildungsverhältnis im Handwerk.

Ausblick auf das Ausbildungsjahr 2020/2021

Bewerberinnen und Bewerber:

Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 2.223 Jugendliche ausbildungssuchend gemeldet. Dass sind 0,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. 
Zum Vergleich: NRW-weit ist diese Zahl um 4,8 Prozent zurückgegangen.
Die Entwicklung ist in den drei Städten unterschiedlich.

Remscheid:
Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 320 Jugendliche ausbildungssuchend gemeldet. Dass sind 3,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. 

Solingen:
Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 467 Jugendliche ausbildungssuchend gemeldet. Dass sind 11,7 Prozent weniger als vor einem Jahr. 

Wuppertal:
Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 1.436 Jugendliche ausbildungssuchend gemeldet. Dass sind 5,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. 

Gemeldete Berufsausbildungsstellen:

Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 1.985 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das sind 4,9 Prozent weniger als vor einem Jahr. Zum Vergleich: NRW-weit sind die gemeldeten Ausbildungsstellen um 7,1 Prozent zurückgegangen.

Die Entwicklung ist in den drei Städten unterschiedlich.

Remscheid:
Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 422 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das sind 9,6 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Solingen:
Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 443 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das sind 3,3 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Wuppertal:
Für das Ausbildungsjahr 2020/2021 sind aktuell 1.120 Berufsausbildungsstellen gemeldet. Das sind sechs Prozent weniger als vor einem Jahr.

Bundesprogramm Ausbildungsplätze sichern

Unternehmen nutzen vor allem die „Ausbildungsprämie plus“ und stellen mehr Ausbildungsplätze als üblich zur Verfügung.
Im Bergischen Städtedreieck haben Unternehmen Prämien und Zuschüsse im Bundesprogramm „Ausbildungsplätze sichern“ wie folgt beantragt:

41 Unternehmen die Ausbildungsprämie
94 Unternehmen die Ausbildungsprämie plus
22 Unternehmen den Zuschuss zur Ausbildungsvergütung

Allgemeine Informationen zur Ausbildungsprämie

Es gibt vier verschiedene Möglichkeiten, Unterstützung von der Arbeitsagentur zu erhalten:

1.  Ausbildungsprämie – 2.000 € pro Azubi,
wenn die Zahl der Auszubildenden dem Durchschnitt der letzten drei Jahre entspricht.

2.  Ausbildungsprämie plus- 3.000 € pro Azubi,
wenn mehr Ausbildungsverträge abgeschlossen werden als in den Jahren zuvor.

3.  Übernahmeprämie – 3.000 € pro Azubi,
der von einem pandemiebedingt insolvent gegangenen, kleinen oder mittleren Betrieb (bis 249 Beschäftigte) unmittelbar übernommen wird.

4.  Zuschuss bei Vermeidung von Kurzarbeit – 75 Prozent
der Ausbildungsvergütung, wenn im Betrieb, bzw. in der Betriebsabteilung, mindestens 50 Prozent der Arbeitszeit ausfällt, die Berufsausbildungsaktivitäten aber fortgesetzt werden.

Kontakt:   Service-Hotline für Arbeitgeber: 0800 5 4444 20 (kostenfrei)
Remscheid:   Remscheid.Ausbildungsstellen.@arbeitsagentur.de
Solingen:       Solingen.Ausbildungsstellen.@arbeitsagentur.de
Wuppertal:     Wuppertal.Ausbildungsstellen.@arbeitsagentur.de

Linktipps für Bewerberinnen und Bewerber, Eltern, Lehrer:

www.jobboerse.arbeitsagentur.de
Jobbörse für Ausbildungsstellen

www.planet-beruf.de
Bewerbungshilfen, Expertentipps

www.berufe-entdecker.de
Mit Bildern spannende Ausbildungsberufe entdecken

www.check-U.de
Mit Check-U zum passenden Beruf

www.azubiwelt.de
Ausbildungssuche per App

www.berufe.tv
Videoclips zu den Berufen

www.berufenet.arbeitsagentur.de
Berufsinformationen zu allen anerkannten Ausbildungsberufen