Jahresbilanz am Ausbildungsmarkt 2021/2022

Anstieg der Bewerberinnen und Bewerber, leichter Rückgang der Ausbildungsstellen

05.12.2022 | Presseinfo Nr. 78

Das Angebot an freien Ausbildungsplätzen ist gegenüber dem Vorjahr erneut leicht gesunken; die Zahl der der Bewerberinnen und Bewerber hat gegenüber dem Vorjahr wieder zugenommen. Die Industrie und Handelskammer Stade für den Elbe-Weser-Raum stellt, gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Stade und der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade, die aktuellen Zahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr der Berufsberatung vor.

 

Nach zwei schwierigen, von pandemiebedingten Einschränkungen geprägten, Jahren hat sich 2021/22 die Entwicklung zum „Bewerbermarkt“ fortgesetzt. Die Arbeitsagentur und die Kammern haben große Anstrengungen unternommen, um möglichst vielen jungen Menschen einen Ausbildungsplatz anbieten zu können. Die Bemühungen waren letztlich erfolgreich, die Zahl der unversorgten Jugendlichen verzeichnet erneut einen Rückgang ebenso wie die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen.

 

 

Gemeldete Bewerber/innen:                                    2.795

Veränderung gegenüber Oktober 2020/21:            +56 bzw. +2,0%

Gemeldete Ausbildungsstellen:                                3.438

Veränderung gegenüber Oktober 2019/20:             -41 bzw. -1,2 %

 

Im zurückliegenden Ausbildungsjahr (01.10.2021 – 30.09.2022) lag die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen geringfügig unter dem Niveau des Vorjahres. Seit Oktober letzten Jahres hatten Unternehmen im Bezirk der Agentur für Arbeit Stade 3.438 Stellen für Auszubildende gemeldet, -41 Stellen (-1,2 Prozent) weniger als im Berichtszeitraum des Vorjahres.  

 

Die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber nahm hingegen leicht zu. Insgesamt nutzten 2.795 Jugendliche die Berufsberatung bei der Suche nach einer Ausbildung. Das waren 2 Prozent (+56 Personen) mehr als im Berufsberatungsjahr 2010/2021, in dem es einen deutlichen Rückgang zu verzeichnen gab.

 

Statement Agentur für Arbeit

 

„Nach zwei schwierigen, von pandemiebedingten Einschränkungen geprägten, Jahren hat sich 2021/22 die Entwicklung zum „Bewerbermarkt“ fortgesetzt. Die Arbeit der Berufsberatung an den Schulen in den Landkreisen Cuxhaven, Rotenburg und Stade hat sich normalisiert. Es wurden wieder Präsenzberatungen durchgeführt, wobei die alternativen Kommunikationswege per Telefon, Videochat oder Mail weiterhin offenstanden. Durch die intensive Beratungsarbeit konnten mehr Jugendliche erreicht und dem bundesweit rückläufigen Ausbildungsplatzbewerber/innen-Trend entgegengewirkt werden,“ fasst Dagmar Froelich, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stade zusammen.

„Um die jetzt noch unversorgten Bewerberinnen und Bewerber mit den noch unbesetzten Ausbildungsstellen zusammenzubringen, werden die Vermittlungsaktivitäten bis mindestens Ende des Jahres fortgesetzt. Gemeinsam mit unseren Partnern am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt lassen wir nichts unversucht, um jedem bisher unversorgten Jugendlichen zu einer Ausbildungsperspektive zu verhelfen. Erfahrungsgemäß melden sich in den nächsten Wochen noch junge Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen wieder auf der Suche nach einer Ausbildung sind. Betriebe melden Ausbildungsstellen, die (wieder) frei geworden sind. Die Zahlen zeigen: Die Chancen auf eine Ausbildungsstelle sind gut und so appelliere ich an Jugendliche ohne Berufsausbildung, weiterhin Kontakt zur Berufsberatung zu halten.“

 

Statement HWK

 

„Der Markt ist heiß umkämpft und gerade kleine Handwerksbetriebe haben es oft schwer, sich im Wettbewerb um Auszubildende gegen die Industrie durchzusetzen“ sagt Günter Neumann, Leiter Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Ende Oktober verzeichnete die Handwerkskammer im gesamten Bezirk 4.658 neue Ausbildungsverträge. In der Region Stade gab es Ende Oktober 1.627 neue Lehrverträge, nur 42 weniger als im Vorjahr. „Das ist insgesamt ein gutes Ergebnis. Lagen die Zahlen im September noch bei minus vier Prozent, so bewegen wir uns jetzt auf dem Vorjahresniveau“, freut sich Neumann. „Unsere Betriebe wissen, dass sie qualifizierte Fachkräfte am besten durch die Ausbildung im eigenen Betrieb gewinnen. Deswegen hat Ausbildung für sie unverändert einen hohen Stellenwert.“ Im Trend lägen klimarelevante Berufe wie Anlagenmechaniker im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk und Elektroniker. Auch die Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker mit dem Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik sei mit Blick auf die E-Mobilität stark im Kommen. Trotz dieser positiven Zwischenbilanz gibt Neumann aber keine Entwarnung: „Um später genug Fachkräfte zu haben, müssen wir die Nachwuchsarbeit verstärken. In einigen Branchen wird es immer schwieriger, Auszubildende zu finden", sagt er. Eine systematische Berufsorientierung sei daher an allen Schulformen – insbesondere an Gymnasien - dringend notwendig, damit sich mehr junge Menschen für eine Ausbildung entschieden.

 

 

Statement IHK

 

„In unseren Konjunkturumfragen bezeichnen die Unternehmen den Fachkräftemangel als eines ihrer größten Geschäftsrisiken. Darum bilden viele ihren Fachkräftenachwuchs selbst aus. Die Corona-Pandemie hat das „Matching“ schon erheblich erschwert. Nun sorgt der demografische Wandel für einen weiteren Rückgang der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Industrie, Handel und Dienstleistungen – insgesamt um 5,4 Prozent. Eine große Zahl an angebotenen Ausbildungsplätzen bleibt unbesetzt. Erfreulicherweise ist aber noch Bewegung in diesem Ausbildungsjahr, darum geht die IHK davon aus, dass sich die Zahl der eingetragenen Ausbildungsverhältnisse noch etwas erhöhen wird.

Trotz der Situation wollen die Unternehmen ihr Ausbildungsangebot laut einer IHK-Umfrage im kommenden Jahr auf demselben Niveau erhalten.

Mit vielen Maßnahmen zur Berufsorientierung und Ausbildungsplatzvermittlung unterstützt die IHK darüber hinaus Jugendliche und Betriebe, zum Beispiel mit Ausbildungsbotschaftern, die direkt in die Schulen gehen, mit Azubi-Speeddatings, Instagram-Livetalks mit Ausbildungsbetrieben und der Plattform „Moin Future“.

Zum Erfolg der dualen Berufsausbildung gehört aber auch der Erhalt der Berufsschulstandorte in unserer Flächenregion. Kooperationen zwischen den Schulen, hybride Unterrichtsformen, aber auch ein Flächenbonus für Klassengrößen können dazu beitragen. Eine wohnortnahe Beschulung ist in einer ländlichen Region, in der junge Leute nicht einfach mit dem Bus oder S-Bahn in einem akzeptablen Zeitrahmen von A nach B kommen, ein wichtiges standorterhaltendes Kriterium.“