04.01.2019 | Presseinfo Nr. 2

Der Arbeitsmarkt 2018 im Rückblick

Das vergangene Jahr 2018 brachte der Region viele Rekorde: ein Rekord-Sommer mit Rekord-Temperaturen und – die Auswertung der Tourismusbilanz ist zwar noch nicht veröffentlicht – möglicherweise vielleicht auch einen Rekord bei den Besucherzahlen unseres Landes.

Für Dr. Jürgen Radloff, den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stralsund, war das Jahr 2018 auch ein Jahr der Rekorde auf dem Arbeitsmarkt. „Noch nie zuvor hatten wir eine so niedrige Beschäftigungslosigkeit zu verzeichnen, wie im abgelaufenen Jahr. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote lag bei 9,1 Prozent. Das ist noch einmal ein deutlich niedrigerer Wert als im Jahr 2017.“ Damals konnte mit 9,9 Prozent erstmals ein Jahresdurchschnitt unter der 10-Prozent-Marke registriert werden. Ein Jahr später nun fällt dieser Wert noch einmal deutlich unter diese ehemalige Bestmarke. „Vom April bis in den Dezember – also neun Monate in Folge – lag unsere Arbeitslosenquote im einstelligen Bereich. Das hätte ich mir noch vor einigen Jahren nicht träumen lassen“, so der Agenturchef.

Die bislang niedrigste Arbeitslosenquote seit der Wiedervereinigung erreichte der Agenturbezirk Stralsund im Oktober 2018 mit einer Quote von 7,6 Prozent. Für die Region Vorpommern-Rügen insgesamt ist dies ein sensationeller Wert. Doch gerade die Tourismusregionen toppten diese Entwicklung noch einmal deutlich. Die niedrigste Arbeitslosenquote unter allen Geschäftsstellen des Agenturbezirkes verzeichnete die Insel Rügen. Von Juli bis September lag die Beschäftigungslosigkeit auf Deutschlands größter Insel bei 5,8 Prozent. Ähnlich sah es in der Geschäftsstelle Ribnitz-Damgarten aus, zu der auch die Halbinsel-Fischland-Darß-Zingst zählt – die zweite große Urlaubsregion im Agenturbezirk. Die niedrigste Arbeitslosenquote wurde hier im September gemessen mit einem Wert von 6,3 Prozent.

Super Werte in einer der Top-Tourismusregionen des Landes. Doch hinter diesen Zahlen steckt noch eine andere Wahrheit. „Der Tourismus beschert uns gerade in den beiden Urlaubshochburgen Rekordwerte“, so Dr. Radloff. „Doch zwischen den Sommer- und Wintermonaten liegen immer noch enorme Spannweiten, wie sie in kaum einer anderen Region in Deutschland zu beobachten sind.“ So verzeichnete die Insel Rügen die höchste Arbeitslosenquote im Januar mit einem Wert von 13,3 Prozent. Das sind 7,5 Prozentpunkte über dem Niveau des Sommers. Noch deutlicher wird die enorme Saisonschwankung bei einer Betrachtung der absoluten Zahlen. Während im August gerade einmal 1.940 Rüganer arbeitslos gemeldet waren, lag die Zahl der Arbeitslosen im Januar noch bei 4.511. In der Geschäftsstelle Ribnitz-Damgarten sah es ganz ähnlich aus. Hier lag die Arbeitslosenquote zum Jahresbeginn bei 10,9 Prozent und im Sommer bei 6,3.

„Die Arbeitslosigkeit in den Wintermonaten ist etwa doppelt so hoch wie im Sommer“, fasst Dr. Radloff die Situation zusammen. Mehr ganzjährige Beschäftigungsverhältnisse – gerade auch in der Tourismusbranche – sind für den Agenturchef daher wichtig. „Jahr für Jahr stehen die Unternehmen zum Beginn der Saison vor dem Problem, Arbeitskräfte für ihr Unternehmen zu finden. Und diese Suche wird voraussichtlich nicht einfacher werden.“

Das betrifft im Übrigen nicht nur Betriebe des Hotel- und Gastronomiegewerbes. Alle Branchen müssen sich mittlerweile einem härteren Wettbewerb um Fachkräfte stellen. Das wird deutlich, wenn man auf die weniger stark touristisch geprägten Regionen des Agenturbezirkes blickt. Auch in der Geschäftsstelle Grimmen und in der Hansestadt Stralsund sank die Beschäftigungslosigkeit im Jahresverlauf. In Grimmen wurde 2018 eine Arbeitslosenquote von 9,1 Prozent gemessen. In der Hansestadt Stralsund lag die durchschnittliche Quote bei 12,0 Prozent. Auch das ist eine positive Entwicklung für die Stadt. Nur zum Vergleich: 2017 lag die Beschäftigungslosigkeit noch bei 13,0 Prozent, im Jahr 2016 gar bei 14,3 Prozent.

Die größte Herausforderung für den Arbeitsmarkt ist für Dr. Radloff die Bevölkerungsentwicklung im Landkreis: „Viele erfahrene Arbeitskräfte werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Junge Leute werden nicht in ausreichendem Maße nachrücken. Dieses Szenario ist keine Zukunftsmusik. Bereits heute ist fast ein Viertel aller Beschäftigten in den Unternehmen älter als 55 Jahre. Hier bahnt sich eine Fachkräftelücke an, auf die sich viele Unternehmen der Region noch besser vorbereiten sollten.“