11.04.2019 | Presseinfo Nr. 33

Umdenken bei Arbeitgebern

Weniger saisonbedingte Entlassungen

Mecklenburg-Vorpommern ist ein stark touristisch geprägtes Bundesland. Und innerhalb des Landes nimmt der Landkreis Vorpommern-Rügen noch einmal eine besondere Stellung ein: hier gibt es gleich zwei große Tourismusgebiete – die Inseln Rügen und Hiddensee sowie die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. In keiner anderen Region in Mecklenburg-Vorpommern spielt das Tourismusgewerbe eine so große Rolle. Jahr für Jahr sorgen die Urlauberströme für gute Bilanzen in der Hotel- und Gastronomiebranche und im Handel. Aber auch der Arbeitsmarkt profitiert. Denn wo sich viele Urlauber aufhalten, werden auch Köche, Kellner und Verkäufer gesucht.

In der Vergangenheit führte dies oft zu enormen Schwankungen in der Arbeitslosigkeit: sehr hohe Werte in den Wintermonaten – sehr niedrige Arbeitslosenquoten im Sommer. „Oftmals registrierten wir bei der Arbeitslosenquote Schwankungen von über 10-Prozentpunkten im Jahresverlauf“, erklärt Dr. Jürgen Radloff, Chef der Arbeitsagentur Stralsund. Doch seit einigen Jahren ändert sich die Situation am Arbeitsmarkt. „Saisonbedingte Entlassungen nehmen in unserem Landkreis ab“, so Radloff. „Vergleichen wir die Arbeitslosmeldungen des letzten Jahres mit denen der Vorjahre so wird deutlich: Es werden weniger Beschäftigte zum Saisonende entlassen.“ Konkret lag die Zahl der Zugänge in die Arbeitslosigkeit im Jahr 2018 um fast 660 Personen unter dem Vorjahresniveau.

Aus Sicht des Agenturchefs ist es vor allem der Fachkräftemangel, der die Beschäftigten in Lohn und Brot hält. „Unternehmer, die in den letzten Jahren Probleme hatten, zum Saisonbeginn rechtzeitig geeignetes Personal zu finden, überlegen sich heute sehr gut, ob sie qualifizierte Beschäftigte in die Arbeitslosigkeit entlassen.“ Denn der Konkurrenzdruck unter den Betrieben steigt. Gut ausgebildete Arbeitnehmer können heute zwischen vielen Arbeitsangeboten wählen. Da fällt es deutlich leichter, für bessere Arbeitsbedingungen den Arbeitgeber zu wechseln. Die Unternehmen versuchen daher zunehmend, Arbeitskräfte über den Winter zu halten, damit im Frühjahr die Suche nach neuen Fachkräften nicht von vorne losgehen muss. Das gilt im Übrigen nicht nur für die Hotel- und Gastronomiebranche und den Handel. Auch in anderen saisonabhängigen Wirtschaftsbereichen beobachtet die Agentur für Arbeit diese Entwicklung.

Dr. Radloff wünscht sich, dass der Trend auch in den nächsten Jahren anhält. „Wenn noch mehr Unternehmen versuchen, ihr Personal ganzjährig zu halten, hätte das eine sehr positive Wirkung auf den Arbeitsmarkt. Damit wäre die Region nicht mehr den hohen Schwankungen bei der Arbeitslosigkeit unterworfen. Außerdem ist es natürlich positiv für die Arbeitnehmer, wenn sie das ganze Jahr hindurch eine feste Beschäftigung und einen regelmäßigen Lohn haben.“