03.04.2020 | Presseinfo Nr. 31

Was passiert mit Auszubildenden während der Zeit der Kurzarbeit?

Viele Unternehmen befinden sich aufgrund der Corona-Pandemie aktuell in einer wirtschaftlich schwierigen Lage. Um das Personal in den Betrieben zu halten, wird oftmals die Möglichkeit der Kurzarbeit genutzt.

Häufig bestehen bei den Unternehmen allerdings Unklarheiten, wie mit den Auszubildenden umgegangen wird.

Die Regeln hierzu sind eindeutig:

Auszubildenden gegenüber kann in der Regel keine Kurzarbeit angeordnet werden. Der Ausbildungsbetrieb ist dazu verpflichtet, alle Mittel auszuschöpfen, um die Ausbildung weiter zu gewährleisten, z. B. durch die Umstellung des Ausbildungsplans oder durch das Vorziehen anderer Lerninhalte. Auch das Ausbildungspersonal muss von der Kurzarbeit ausgenommen werden. Alternativ wird es so eingesetzt, dass sich Ausbilder, die sich in Kurzarbeit befinden, die Ausbildungszeit so aufteilen, dass die Azubis auch weiterhin in Vollzeit ihre Lehre absolvieren können.

Das veröffentlicht auch die Industrie- und Handelskammer zu Rostock auf ihrer Internetseite. Hier wird ergänzt: Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, kann Kurzarbeit auch für Auszubildende in Frage kommen. Diese Option ist allerdings restriktiv zu handhaben. Sollte Auszubildenden gegenüber Kurzarbeit angeordnet werden, haben sie Anspruch auf Zahlung der vollen Ausbildungsvergütung für mindestens sechs Wochen. Erst nach Ablauf dieser sechs Wochen kann auch für Auszubildende grundsätzlich Kurzarbeit beantragt werden.

Auf gar keinen Fall darf einem Azubi wegen der Corona-Pandemie fristlos gekündigt werden. Ausbildungsverträge haben einen besonderen Rechtsschutz. Bei einer Kündigung droht auf jeden Fall ein Verfahren vor dem Arbeitsgericht.

Für Dr. Jürgen Radloff, den Chef der Arbeitsagentur Stralsund hat der Umgang mit den Auszubildenden in der aktuellen Situation eine besondere Bedeutung: „Unabhängig von der Corona-Pandemie, die wir gerade erleben, bleibt in unserer Region ein Problem bestehen: Der Fachkräftemangel in bestimmten Branchen. Fast alle Wirtschaftsbereiche und gerade auch der Hotel- und Gastronomiebereich suchen in jedem Jahr händeringend junge Leute für die vielen freien Ausbildungsplätze. An dieser Situation wird auch die aktuelle Pandemie nichts ändern. Die Unternehmen sind also gut beraten, in der derzeitigen Situation nicht nur ihr Fachpersonal in den Unternehmen zu halten. Auch die weitere Ausbildung der Azubis ist wichtig.“

Das gilt im Übrigen auch im Hinblick auf das Image eines Unternehmens, denn die Jugendlichen machen bei ihrer Berufswahl die Entscheidung für oder gegen einen Ausbildungsbetrieb mittlerweile auch davon abhängig, wie das Unternehmen mit ihren Beschäftigten umgeht. „Das Betriebsklima ist zu einem entscheidenden Faktor bei der Besetzung von Stellen geworden – gerade bei Mangelberufen“, so Dr. Radloff. „Gerade in der aktuellen Krise müssen die Unternehmen der Region beweisen, wie wichtig ihnen das eigenen Personal ist.“

Betroffenen Ausbildungsbetrieben wird auf jeden Fall eine Beratung durch ihre zuständige Kammer empfohlen. Diese haben oftmals auch wichtige Informationen vorab auf ihrer Internetseite veröffentlicht.

Für die IHK zu Rostock ist dies:

www.rostock.ihk24.de/coronavirus

Für die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern:

www.hwk-omv.de/Coronavirus-Uebersicht.