05.01.2021 | Presseinfo Nr. 1

Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zum Jahresende

Der Arbeitsmarkt im Dezember 2020

Zum Ende des Jahres 2020 stieg die Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk Stralsund noch einmal deutlich an. 11.369 Männer und Frauen sind derzeit zwischen dem Kap-Arkona und dem Trebeltal ohne Job. Das sind 1.163 Personen mehr als im November. Die Arbeitslosenquote stieg um einen Prozentpunkt von 9,1 auf 10,1 Prozent. Das ist der höchste Wert unter allen Agenturbezirken in Mecklenburg-Vorpommern.

„Wieder einmal zeigt sich, wie stark unsere Region von der Tourismuswirtschaft geprägt ist“, so Dr. Jürgen Radloff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stralsund. „In keiner anderen Region im Land fiel der Vormonatsanstieg so stark aus, wie in unserem Landkreis. Dabei haben die Hotel- und Gastronomieberufe und der Handel den größten Anteil an dieser Entwicklung. Zähle ich noch die Reinigungsberufe dazu, lässt sich die Hälfte der aktuellen Steigerung bei den Arbeitslosenzahlen auf den Tourismusbereich zurückführen.“

Eine Zunahme der Beschäftigungslosigkeit zum Jahresende ist nicht ungewöhnlich. In diesem Jahr verstärken allerdings die Einschränkungen aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie den üblichen saisonalen Effekt. „Die Monate November und Dezember sind ganz sicher nicht mit der Hochsaison im Sommer zu vergleichen. Dennoch meldeten die Tourismusunternehmen in den letzten Jahren über den Jahreswechsel immer noch Personalbedarfe. Der Dezember und insbesondere die Zeit zwischen den Feiertagen lockte Jahr für Jahr viele Touristen zu uns an die Küste. Damit war das Weihnachtsgeschäft für viele Unternehmen ein wichtiger Termin vor der Besucherflaute in den Wintermonaten. Dieses Geschäft ist durch die angeordnete Schließung von Restaurants und Hotels in diesem Jahr weggebrochen.“

Die Auswirkungen zeigen sich ganz deutlich bei einem Vergleich der Arbeitslosenzahlen mit denen des Vorjahres. Im Dezember 2019 waren 9.915 Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Ein Jahr später sind es 1.454 Personen mehr. Die Arbeitslosenquote lag im Vorjahr noch bei 8,8 Prozent und damit ganz deutlich unter der 10-Prozent-Marke. „Wir müssen schon drei Jahre in die Vergangenheit schauen, bis in den Dezember 2017, um eine Arbeitslosenquote zu finden, die höher als der aktuelle Wert ist“, so Dr. Radloff.

Die Entwicklung im gesamten Agenturbezirk spiegelt sich auch in einer Betrachtung der einzelnen Geschäftsstellen wieder.

Den mit Abstand stärksten Zuwachs bei den Arbeitslosenzahlen verzeichneten die Insel Rügen und die Geschäftsstelle Ribnitz-Damgarten. Beide Regionen sind besonders stark vom Tourismus geprägt. Auf Rügen stieg die Beschäftigungslosigkeit um 692 Personen. Das sind beinahe 25 Prozent mehr als im November. Die Arbeitslosenquote auf Deutschlands größter Insel stieg binnen Monatsfrist von 8,4 auf 10,5 Prozent. Vor einem Jahr konnte auf Rügen noch ein Wert von 9,6 Prozent registriert werden. In der Geschäftsstelle Ribnitz-Damgarten, die mit der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst die zweite große Tourismusregion beherbergt, sind derzeit 2.296 Männer und Frauen ohne Job. Das sind 260 Personen bzw. 12,8 Prozent mehr als im November. Die Arbeitslosenquote rund um die Bernsteinstadt liegt aktuell bei 9,0 Prozent. Im November konnte noch ein Wert von 8,0 Prozent registriert werden. Im Dezember des letzten Jahres lag die Quote gar bei 7,8 Prozent.

In der Hansestadt Stralsund sind 3.348 Personen arbeitslos gemeldet, 71 mehr als noch im Vormonat. Das ist kein so starker Anstieg wie in den Tourismusgebieten. Dennoch erreicht die Arbeitslosenquote mit 11,8 Prozent den höchsten Wert unter allen Regionen des Agenturbezirkes. Auch hier ist ein Vergleich mit dem Vorjahr bemerkenswert: Im Dezember 2019 konnte im Stadtgebiet noch eine Arbeitslosenquote von 10,3 Prozent registriert werden.

Ähnlich sieht es in der Agenturgeschäftsstelle Grimmen aus. 1.267 Männer und Frauen sind hier ohne Job. Das sind 46 Personen mehr als im November. Die Arbeitslosenquote stieg binnen Monatsfrist von 9,5 auf jetzt 9,8 Prozent. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 8,0 Prozent.

Aktuell sorgt das Instrument der Kurzarbeit weiterhin für eine Stabilisierung am Arbeitsmarkt. Allein in den letzten beiden Monaten des Jahres sind zusammengerechnet 1.088 neue Anzeigen eingegangen. 10.154 Arbeitnehmer sind davon betroffen.