22.09.2020 | Presseinfo Nr. 62

Wie viel Homeoffice bleibt nach der Corona-Krise?

Das Jahr 2020 wird als ein ganz besonderes Jahr in die Geschichte eingehen ...

... und das nicht nur, weil die Corona-Pandemie das öffentliche Leben auf den Kopf stellte. Im Jahr 2020 begann für viele Unternehmen und Beschäftigte auch das Zeitalter des Homeoffice. Quasi über Nacht wurde das „von-zu-Hause-arbeiten“ salonfähig. Klassische, tief verankerte Denkmuster in den Köpfen wurden aufgebrochen.

„Man kann fast sagen: Die Arbeitswelt wurde einmal auf links gekrempelt“, fasst Dr. Jürgen Radloff die Situation zusammen. „In kürzester Zeit wurden Dinge ermöglicht, die vorher schier unmöglich waren. Argumente wie ‚immer vor Ort sein zu müssen‘, ‚ständige Erreichbarkeit im Büro‘ und eine ‚festgelegte Arbeitszeit nach Stechuhr‘ wurden zur Seite geschoben. Das oberste Ziel in allen Firmen und Institutionen war es, die Betriebsfähigkeit sicherzustellen.“

Und hat es geklappt? „Allen Unkenrufen zum Trotz zeigte sich, dass es funktioniert“, so Dr. Radloff. „Und das auch noch unter erschwerten Bedingungen, wie z.B. Homeschooling und Kinderbetreuung.“

Für Arbeitsmarktexperten ist das nicht verwunderlich. Menschen sind nämlich nicht per se im Büro effizienter. Sie sind keine künstliche Intelligenz. Ihre Aufmerksamkeitsspanne ist begrenzt. Sie brauchen frei wählbare Ruhepausen und für die gelungene Bewältigung von Anforderungen ist ein Grundgefühl von Zusammenhalt, Sinnhaftigkeit und Einklang zentral. Das schafft keine Kennzahl und kein stylisches Büro.

Stefanie Patzelt ist Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt in der Agentur für Arbeit Stralsund und berät in dieser Funktion Unternehmen über die Möglichkeiten der flexiblen Arbeitsorganisation. Sie weiß „Motivation, Kreativität, Engagement kann man nicht erzwingen. Man muss es fördern. Menschen bringen sich nicht ein, entwickeln kreative Ideen und engagieren sich, weil sie es müssen - sondern weil sie es wollen. Unternehmen sind daher gut beraten, ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Homeoffice auch ‚nach Corona‘ weiter zu ermöglichen – ganz individuell und flexibel auf die Bedürfnisse der Arbeitnehmer zugeschnitten.“

Unsere Gesellschaft verändert sich - auch ohne Corona. Arbeitswelten werden durchlässiger und Teams arbeiten globaler. Die Zukunft mitzugestalten, dass ist die große Chance, die sich den Unternehmen jetzt bietet.