04.12.2020 | Presseinfo Nr. 77

Gut ausgebildet, erfahren, anpassungsfähig

Menschen mit Behinderung machen ihren Job

Auch wenn die Corona-Krise das gesellschaftliche Leben und auch die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung weiterhin bestimmt – an einem Punkt wird auch die andauernde Pandemie nichts ändern: Der Fachkräftemangel in bestimmten Branchen und Berufen setzt sich auch weiter fort. „Gerade unsere Region ist von den demographischen Veränderungen ganz besonders betroffen“, so Dr. Jürgen Radloff, Chef der Arbeitsagentur Stralsund. „Mehr und mehr langjährige und vor allem gutqualifizierte Beschäftigte in den Unternehmen gehen in den Ruhestand. Junge Leute wachsen nicht in ausreichendem Maße nach. Das ist eine Entwicklung, die wir in ganz Deutschland beobachten. In Mecklenburg-Vorpommern und auch in unserem Landkreis zeigt sich dieser Effekt allerdings besonders stark. Firmen, die dringend Fachkräfte suchen, sind also gut beraten, ihre Perspektive zu erweitern und auch Personengruppen als potenzielle Mitarbeitende zu betrachten, die sie früher vielleicht nicht ins Auge gefasst haben.“

Insbesondere Menschen mit Behinderungen sind eine solche Personengruppe. Sie haben es im Vergleich zu Menschen ohne Behinderung oftmals schwerer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das hat einen Grund: Viel zu häufig noch bestehen bei den Personalentscheidern in den Unternehmen Vorurteile, Unwissen und Unsicherheit. Dabei sind Menschen mit Behinderung nicht grundsätzlich weniger leistungsfähig. Vielmehr sind sie – richtig eingesetzt – sehr motivierte, zuverlässige und belastbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre Chance nutzen.

Außerdem profitieren Unternehmen, die schwerbehinderte Mitarbeiter einstellen, sogar gleich mehrfach. Zum einen natürlich, weil sie mit den Beschäftigten motivierte und zumeist gut ausgebildete Arbeitnehmer bekommen, zum anderen können sie aber auch bares Geld sparen. Denn private und öffentliche Arbeitgeber mit mindestens 20 Arbeitsplätzen sind gesetzlich verpflichtet, auf mindestens fünf Prozent der Arbeitsplätze schwerbehinderte Menschen zu beschäftigen. Arbeitgeber, die dieser Vorgabe nicht nachkommen, müssen eine Ausgleichsabgabe zahlen. Die konkrete Höhe dieser Abgabe ist dann abhängig von der Beschäftigungsquote. Dieses Geld können sich Unternehmen sparen!

Ein weiterer finanzieller Aspekt, der die Einstellung von schwerbehinderten Menschen für alle Arbeitgeber interessant machen kann, sind mögliche Förderleistungen, die die Agentur für Arbeit oder der jeweilige berufliche Rehabilitationsträger unter bestimmten Voraussetzungen zahlen kann.

Die Arbeitsagentur Stralsund informiert interessierte Unternehmen durch spezielle Fachleute im Arbeitgeberservice. Stephan Schneider vermittelt seit vielen Jahren erfolgreich schwerbehinderte Menschen in Unternehmen und berät Arbeitgeber gern zu allen Fragen der Einstellung, aber auch zu Fördermöglichkeiten. Er sagt: „Viele Arbeitgeber wissen nichts über die Fördermöglichkeiten, die sie vor der Einstellung behinderter Mitarbeiter beantragen können. Die Arbeitsagentur kann zum Beispiel eine Probebeschäftigung unterstützen und dafür die Lohn- und alle Nebenkosten zahlen. Auch Eingliederungszuschüsse können je nach Alter, fachlichen Defiziten und behinderungsbedingten Einschränkungen der Arbeitnehmer bis zu 96 Monate gewährt werden. Die Förderhöhe kann bis zu 70 Prozent des Bruttogehalts betragen. Außerdem werden Umbaumaßnahmen und Arbeitsplatzausstattungen von der Arbeitsagentur bezahlt, wenn der Antrag vor Abschluss des Arbeitsvertrags gestellt wird. Ich denke da z.B. an eine spezielle Software für sehbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer oder spezielle Büromöbel. Darüber hinaus gibt es vielfältige Möglichkeiten, die wir gerne mit den Arbeitgebern besprechen.“

Telefonisch ist Stephan Schneider unter der folgenden Nummer zu erreichen: 03831/ 259 – 174.

Der Arbeitgeberservice hat natürlich auch weiterhin die kostenfreien Servicenummer 0800 4 5555 20 geschaltet.