01.06.2021 | Presseinfo Nr. 37

Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt weiterhin fest im Griff

Der Arbeitsmarkt im Mai 2021

Die Corona-Krise hielt den Arbeitsmarkt der Region Vorpommern-Rügen auch im Mai weiterhin fest im Griff. Aktuell sind zwischen Sassnitz und Marlow 11.276 Männer und Frauen ohne Job. Das sind zwar 347 weniger als im Vormonat, allerdings bleibt die Entwicklung deutlich hinter dem zurück, was Arbeitsmarktexperten normalerweise in dieser Jahreszeit erwarten würden.

„Spätestens zu Pfingsten müsste das Tourismusgeschäft in unseren Urlaubsregionen eigentlich brummen und auch der Personalnachfrage auf dem Arbeitsmarkt einen deutlichen Schub verleihen“, so Dr. Jürgen Radloff, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Stralsund. „Doch das war in diesem Jahr nicht der Fall. Die im Mai geltenden Corona-Einschränkungen haben die Hotel- und Gastronomiebranche – einen sehr wichtigen Wirtschaftsbereich in Vorpommern –  immer noch stark belastet. Das hat natürlich auch entsprechende Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt.“

Die Arbeitslosenquote in Vorpommern-Rügen sank nur leicht von 10,3 Prozent im April auf jetzt 10,0 Prozent im Mai. Das ist im Übrigen das gleiche Niveau wie bereits im Vorjahresmonat. Allerdings war auch der Mai 2020 von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt und eignet sich daher nur bedingt für einen Vergleich. Um einschätzen zu können, wie stark sich die Pandemie auf dem Arbeitsmarkt der Region auswirkt, muss man bis ins Vor-Corona-Jahr 2019 zurückblicken. Im damaligen Mai lag die Zahl der Arbeitslosen bei 8.268. Heute sind es 3.000 Personen mehr. Die Quote erreichte im Mai 2019 einen Wert von 7,3 Prozent. Das war mit weitem Abstand die niedrigste Arbeitslosenquote, die in diesem Monat seit der Wiedervereinigung erreicht wurde. „Von dem damaligen Niveau sind wir aktuell weit entfernt“, so Dr. Radloff. „Wie schnell der Arbeitsmarkt wieder anziehen wird, kann derzeit niemand mit Bestimmtheit sagen. Ich rechne zumindest ab dem Juni - mit der Öffnung der Region für Touristen - und auch für die Sommermonate mit einem Ansteigen der Personalnachfrage und einem Rückgang der Beschäftigungslosigkeit.“

Die Tourismusbranche ist natürlich nicht der einzige Wirtschaftsbereich, der den Arbeitsmarkt im Landkreis Vorpommern-Rügen beeinflusst. Nennenswerte Impulse kamen allerdings aus keiner der anderen Branchen. „Alle Wirtschaftsbereiche vermelden leicht sinkende Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vormonat“, so der Agenturchef. „Das sind allerdings nur sehr geringe Veränderungen, die in ihrer Summe zum Rückgang der Arbeitslosigkeit um 347 Personen führten.“

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sorgen mittlerweile auch für einen deutlichen Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit. Aktuell sind fast 4.000 Männer und Frauen ein Jahr oder länger ohne Job. Das sind fast 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit gelten über ein Drittel aller gemeldeten Arbeitslosen in Vorpommern-Rügen als langzeitarbeitslos. Eine solche Entwicklung darf sich nach Einschätzung von Arbeitsmarktexperten nicht verfestigen. Denn je länger die Zeit der Arbeitslosigkeit dauert, umso schwieriger ist es für jeden Einzelnen, wieder in eine Beschäftigung zu kommen. Positive wirtschaftliche Impulse sind jetzt wichtig, denn je schneller die Wirtschaft nach der Krise wieder Fahrt aufnehmen kann, umso schneller kann sich auch die Beschäftigungslosigkeit und damit die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzieren.

Von großer Bedeutung für eine Beschäftigungsaufnahme ist auch die Qualifizierung von Arbeitslosen. Aktuell erwerben 587 Männer und Frauen mit Unterstützung der Arbeitsagentur und des Jobcenters eine neue berufliche Qualifikation.

Im Monat Mai sorgte auch das Instrument der Kurzarbeit weiterhin für eine Stabilisierung am Arbeitsmarkt. Ohne die Inanspruchnahme der Kurzarbeitergeld-Regelungen wäre die Arbeitslosigkeit deutlich höher ausgefallen. Zuletzt nutzen noch über 1.800 Unternehmen im Agenturbezirk Stralsund diese Möglichkeit.