29.07.2022 | Presseinfo Nr. 48

Arbeitsmarkt Juli 2022

  • Quote stabil - Anteil arbeitsloser Ausländer steigt auf 20%
  • Typischer Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit
  • Bestand an Arbeitsstellen leicht rückläufig
  • 437 Bewerber*innen für 1.209 freie Ausbildungsstellen

Im Berichtsmonat Juli 2022 sind in der Suhler Arbeitsagentur 10.690 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 200 bzw. 1,9% mehr als im Vormonat Juni 22. Die Arbeitslosenquote bleibt unverändert bei 4,6%.

Zum Vergleich: Im Juli letzten Jahres waren mit 10.877 Arbeitslosen 187 bzw. 1,7% mehr Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, die Quote betrug 4,6%.

Wolfgang Gold, Leiter der Suhler Arbeitsagentur, fasst die aktuelle Lage am Südwestthüringer Arbeits- und Ausbildungsmarkt kurz zusammen:

  • Wir verzeichnen einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit, jedoch mit Verschiebungen innerhalb der Personengruppen. Der Anteil von ausländischen arbeitslos gemeldeten Menschen hat dabei deutlich zugenommen, welcher weiterhin auf Zugänge in die Grundsicherung zurückzuführen ist.
  • Auch in diesem Jahr haben sich Jugendliche und junge Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildung arbeitslos gemeldet. Wir gehen von einem sichtbaren Rückgang in den Folgemonaten aus, die ausgebildeten Fachkräfte werden dringend auf dem Arbeitsmarkt benötigt.
  • 1.010 sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen konnten im Berichtsmonat besetzt werden.
  • Sowohl die Anzahl an gemeldeten Bewerber*innen als auch die Anzahl an gemeldeten Ausbildungsstellen hinken dem Vor-Corona- Niveau hinterher.

Personengruppen

54,3% aller im Berichtsmonat registrierten Arbeitslosen sind männlich (5.806), das sind 84 bzw. 1,5 % mehr als im Juni 22. Der Anteil an arbeitslosen Frauen steigt im Juli auf 4.884 Betroffene, 116 bzw. 2,4% mehr als im Vormonat. „Wir ordnen diesen untypischen Anstieg der Arbeitslosigkeit von weiblichen Personen der Zuwanderung aus der Ukraine zu, da überwiegend Frauen und Kinder in Deutschland Zuflucht gesucht haben bzw. auch noch suchen,“ erklärt Gold. 1.057 Jugendliche und junge Erwachsene zählen im Berichtsmonat zum Bestand, 132 bzw. 14,3% mehr als noch vor 4 Wochen. Der Anstieg betrifft besonders die 20- 24-jährigen, ein kausaler Zusammenhang zu Arbeitslosmeldungen nach Abschluss von Ausbildungen ist erkennbar. Gold sagt: „Leider ist es nicht allen Unternehmen und Einrichtungen möglich, ihre Auszubildenden zu übernehmen. Daher ist es wichtig, dass sich Auszubildende bereits vor Ende ihrer Ausbildung arbeitssuchend melden, damit wir zeitnah mit der Vermittlung beginnen können,“.  Leicht rückläufig ist der Bestand bei den Personengruppen der über 50-jährigen (- 64), der schwerbehinderten Menschen (-21) und der Langzeitarbeitslosen (-17). 19,3% aller Arbeitslosen (2.062) sind Ausländer, davon stammen 827 bzw. 40% aus der Ukraine. Der überwiegende Teil der ausländischen Arbeitslosen kommt aus anderen Herkunftsländern.

Entwicklung in den Regionen

Gegenüber dem Vormonat hat sich die Arbeitslosenquote im Landkreis Sonneberg (+0,5%), im Landkreis Schmalkalden (+0,2), in der Stadt Suhl (+0,5%) und im Landkreis Hildburghausen (-0,2%) verändert. Nur im Wartburgkreis blieb die Quote unverändert. Mit einer Quote von 3,6% verzeichnet der Landkreis Hildburghausen die geringste Arbeitslosigkeit innerhalb des Agenturbezirkes Suhl, die höchste Quote mit 6,1% entfiel auf die Stadt Suhl.

Arbeitsmarkt

6.404 freie Arbeitsstellen zählen im Berichtsmonat Juli zum Bestand, das sind 128 bzw. 2% weniger als noch im Vormonat. Ähnlich wie in den letzten Monaten fallen 44% der Stellen in das Berufsfeld Fertigung/Produktion, 15% auf Verkehr/ Logistik und 14% auf Gesundheit/ Soziales. „Die Nachfrage, besonders in diesen Branchen, bleibt unverändert hoch. Dabei ist über alle Berufsbereiche hinweg das Anforderungsniveau der freien Stellen sehr verschieden. Derzeit qualifizieren wir 558 arbeitslos gemeldete Menschen, um zumindest einen Teil der Nachfrage auszugleichen,“ betont Gold. Im Juli meldeten Unternehmen und Einrichtungen 921 Stellen neue Stellen, das sind 107 bzw. 10,4% weniger als im Juni 22 neu gemeldet wurde. „Wir haben im Agenturbezirk einen hohen Beschäftigungsstand und werden diese rückläufige Entwicklung nicht überbewerten. Dennoch ist der Zugang an neuen Stellen immer ein Indikator für die Lage am Arbeitsmarkt,“ so der Agenturchef.

Ausbildungsmarkt

Im aktuellen Berichtsjahr 2021/2022 zählt die Suhler Arbeitsagentur bisher 1.748 Jugendliche und junge Erwachsene als ausbildungssuchend. „Auch wenn wir das Vor-Corona-Niveau noch nicht wieder erreicht haben, so hat sich doch ein großer Teil der insgesamt 3.687 Schulabgänger*innen für das kommende Ausbildungsjahr ausbildungssuchend gemeldet,“ betont Gold und ergänzt: „Das Überangebot von Ausbildungsstellen besteht seit vielen Jahren. Unsere Aufgabe ist es jetzt, die noch 437 unversorgten Bewerber*innen auf die 1.209 freien Ausbildungsstellen zu vermitteln,“. Besonders viele Auszubildende werden in den Berufsfeldern Fertigung/Produktion (498), Handel/Vertrieb (385) und in der Buchhaltung/Recht/Verwaltung mit 99 offenen Stellen gesucht.

Entwicklung in den Rechtskreisen

Von den insgesamt arbeitslos gemeldeten Personen (10.690) zählen 37,2% bzw. 3.975 Arbeitslose zum Rechtskreis SGB III, das sind 18 bzw. 0,5% weniger als im Vormonat. Damit sind dem Rechtskreis SGB II 6.715 bzw. 62,8% arbeitslos gemeldete Personen zugeordnet, 218 bzw. 3,4% mehr als letzten Monat. Gold erklärt: „Der Zuwachs im Rechtskreis SGB II ist überwiegend auf den Übergang von Ukraine-Geflüchteten in die Grundsicherung zurückzuführen. Gleichzeitig gibt es natürlich auch weitere Gründe, wie beispielsweise Übergänge nach langer Arbeitslosigkeit oder auch verstärkt Arbeitslosmeldung aus Nichterwerbstätigkeit,“.