Trotz Krieg und Unsicherheiten Arbeitsmarkt in robuster Verfassung

Ukrainer beantragen Grundsicherung

30.06.2022 | Presseinfo Nr. 53

Erste Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine sowie die wirtschaftlichen Unsicherheiten sind auf dem Arbeitsmarkt zu spüren. Die geflüchteten Ukrainer haben seit Juni die Möglichkeit, Grundsicherung bei den Jobcentern zu beantragen. Davon haben viele Gebrauch gemacht. Damit verbunden ist, dass sie als arbeitslos registriert werden. Durch die starke Inanspruchnahme der Grundsicherung steigt die Arbeitslosigkeit saisonuntypisch an. Ohne diesen Effekt, wäre die Arbeitslosigkeit leicht gesunken.

„Die zunehmenden Unsicherheiten in der Wirtschaft durch gestiegene Rohstoff- und Energiekosten sowie die Unterbrechung von Lieferketten führt zu einer Zurückhaltung der Unternehmen bei der Neueinstellung. Davon betroffen sind insbesondere die Zeitarbeit sowie der Bereich Lager/ Logistik. Hier meldeten die Unternehmen deutlich weniger offene Stellen als in den Vormonaten. Dagegen stieg der Personalbedarf im Gesundheitswesen, im Handel, in der Gastronomie gegenüber dem Vorjahr an“, sagte Ivo Dauksch, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Gotha.

„Durch den Wechsel in der Zuständigkeit der ukrainischen Flüchtlinge vom Asylbewerberleistungsgesetz in die Grundsicherung, kam es in diesem Monat zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit. Während in der Arbeitsagentur die Zahl der Arbeitslosen leicht sank, stieg sie in den beiden Jobcentern an. Auch die Zahl der ausländischen Arbeitslosen hat in diesem Zusammenhang deutlich zugenommen. Die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt bei Geflüchteten immer dann gut, wenn die Sprachbarriere überwunden ist. Die ukrainischen Flüchtlinge sind überwiegend gut ausgebildet und motiviert. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen sind Deutschkenntnisse wichtig, um eine Arbeit aufnehmen zu können“, betont Ivo Dauksch.

Die Zahl der offenen Stellen ist gegenüber dem Vormonat um 11 Prozent gesunken. Ebenso sank die Zahl der Arbeitslosen, die seit Jahresbeginn einen neuen Job gefunden haben, gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 15 Prozent. Die weltweiten Unsicherheiten und gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise verunsichern die Unternehmen. Hinzu kommt der Transformationsprozess im Fahrzeugbau, der viele Hersteller und Zulieferer beschäftigt.

Arbeitslosigkeit leicht steigt an

Im Juni waren 7.016 Menschen im Agenturbezirk Gotha arbeitslos gemeldet. Das waren 272 mehr als im Vormonat, aber 738 weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote stieg auf 5,6 Prozent an. Im Vorjahr betrug sie noch 6,1 Prozent. Im Landkreis Gotha lag die Arbeitslosenquote bei 5,0 Prozent (Vormonat 4,7 %, Vorjahr 5,4 %). Die Arbeitslosenquote des Freistaates Thüringen betrug im Juni 5,1 Prozent. Im Unstrut-Hainich-Kreis stieg die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent (Vormonat 6,4 Prozent, Vorjahr 7,1 Prozent).

Rechtskreise

Während die Zahl der Arbeitslosen in der Arbeitsagentur sank, stieg sie in den Jobcentern an. Im Juni waren 2.395 Arbeitslose in der Arbeitslosenversicherung gemeldet, 79 weniger als im Vormonat und 544 weniger als im Vorjahr.

Die Zahl der Arbeitslosen in den Jobcentern stieg an. Grund hierfür ist die geänderte Zuständigkeit seit Juni für Geflüchtete aus der Ukraine. Diese werden seit Juni in den Jobcentern betreut. Im Juni waren 4.621 Arbeitslose in beiden Jobcentern registriert. Damit sind zwei von drei Arbeitslosen bei den Jobcentern gemeldet. Gegenüber dem Vormonat stieg die Zahl um 351 an, gegenüber dem Vorjahr sank die Zahl um 194.

Unterbeschäftigung

In der Unterbeschäftigung werden zusätzlich zu den registrierten Arbeitslosen auch Teilnehmende an Maßnahmen, Weiterbildungen und arbeitsunfähig Erkrankte erfasst. Sie bietet damit einen umfassenderen Eindruck der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der Menschen in Unterbeschäftigung (ohne Kurzarbeit) betrug im Juni 8.636. Das waren 714 weniger als im Vorjahr. Die Unterbeschäftigungsquote lag bei 6,9 Prozent und damit unter dem Wert des Vorjahres (7,3 Prozent).

Bewegung auf dem Arbeitsmarkt

Die Dynamik auf dem Arbeitsmarkt bleibt weiter auf einem hohen Niveau. Im Juni änderte sich für fast jeden zweiten der Arbeitslosen der Status.

Im Juni beendeten 1.468 Personen ihre Arbeitslosigkeit, 46 mehr als im Vormonat, aber 175 weniger als im Vorjahr. Von ihnen nahmen 439 Personen eine Erwerbstätigkeit auf dem 1. Arbeitsmarkt auf. Seit Jahresbeginn konnten 2.811 Arbeitslose eine neue Beschäftigung aufnehmen, das sind 16 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig meldeten sich im Juni 1.741 Menschen neu oder erneut arbeitslos, 453 mehr als im Vormonat und 507 mehr als im Vorjahr. 597 waren zuvor auf dem 1. Arbeitsmarkt beschäftigt. Seit Jahresbeginn haben 3.521 Menschen ihren Job verloren. Das sind ebenso viele wie im Vorjahreszeitraum.

Fachkräftenachfrage liegt über dem Vorkrisenniveau

Die Zahl der neu gemeldeten Stellen sank gegenüber dem Vormonat deutlich. Die Unternehmen meldeten 370 offene Stellen, 125 weniger als im Vormonat und 249 weniger als im Vorjahr.

Aktuell liegen 2.190 offene Stellen zur Besetzung vor, 267 weniger als im Vorjahr, liegt aber über Vorkrisenniveau (2019 – 2.064 Stellen). Nur 317 Stellen sind in Teilzeit, alle anderen in Vollzeit gemeldet. Die meisten Stellen sind für ausgebildete Fachkräfte ausgeschrieben (80 Prozent). Es liegen 415 Stellen für Helfer- und Anlerntätigkeiten vor. Die Besetzungszeit für eine offene Stelle hat sich weiter verlängert. So dauert es durchschnittlich 155 Tage, um eine Stelle zu besetzen, 32 Tage mehr als im Vorjahr.

Landkreis Gotha

Die Arbeitslosenquote im Landkreis Gotha stieg auf 5,0 Prozent an und liegt weiterhin unter dem Thüringer Wert (5,1%). Im Vorjahr betrug die Arbeitslosenquote 5,4 Prozent.

Im Juni waren 3.583 Menschen arbeitslos gemeldet, 195 mehr als Vormonat, aber 359 weniger als im Vorjahr. Der Anstieg ist ausschließlich im Jobcenter festzustellen. Seit Juni können Geflüchtete aus der Ukraine Leistungen der Grundsicherung beziehen. Im Juni waren 694 Ausländer arbeitslos gemeldet. Damit hat jeder fünfte Arbeitslose einen Migrationshintergrund.

Im Juni meldeten sich 929 Menschen erstmals oder erneut arbeitslos, 211 mehr als im Vormonat und 287 mehr als im vergangenen Jahr. 352 davon waren vorher auf dem
1. Arbeitsmarkt beschäftigt. Seit Jahresbeginn mussten sich 1.901 Menschen aus einer Arbeit heraus arbeitslos melden, ebenso viele, wie im vergangenen Jahr.

Gleichzeitig beendeten im Juni 736 Menschen die Arbeitslosigkeit, 19 mehr als im Vormonat, aber 76 weniger als im Vorjahr. Von ihnen nahmen 218 eine Erwerbstätigkeit auf. Seit Jahresbeginn konnten 1.478 Menschen einen neuen Job finden, 20 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Juni wurden 217 offene Stellen gemeldet. Aktuell liegen 1.404 offene Stellen zur Besetzung vor, ebenso viele wie im Vorjahr. Die Besetzung einer offenen Stelle dauert durchschnittlich 184 Tage und damit 43 Tage länger als im Vorjahr.

Unstrut-Hainich-Kreis

Die Arbeitslosenquote stieg leicht an und liegt bei 6,5 Prozent (Vormonat 6,4%, Vorjahr 7,1 Prozent). Aktuell sind 3.433 Menschen arbeitslos gemeldet, 77 mehr als im Vormonat, aber 379 weniger als im Vorjahr. Während die Zahl der Arbeitslosen in der Arbeitsagentur sank, stieg sie im Jobcenter an. Die Flüchtlinge aus der Ukraine sind hier die Hauptursache. Sie können seit Juni Leistungen der Grundsicherung beantragen. Dies haben viele genutzt, so dass die Zahl der ausländischen Arbeitslosen im Juni um 143 Personen zugenommen hat. Aktuell sind 454 Ausländer arbeitslos gemeldet. Das entspricht einem Anteil von 14 Prozent an allen Arbeitslosen.

Im Juni meldeten sich 812 Menschen arbeitslos, 242 mehr als im Vormonat und 220 mehr als im Vorjahr. 245 meldeten sich nach einer Beschäftigung auf dem 1. Arbeitsmarkt arbeitslos. Seit Jahresbeginn haben 1.620 Menschen ihren Job verloren. Das sind etwa genauso viele wie im Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig beendeten im Juni 732 ihre Arbeitslosigkeit, 27 mehr als im Vormonat, aber 99 weniger als im Vorjahr. 221 nahmen eine Erwerbstätigkeit auf. Seit Jahresbeginn konnten 1.333 Menschen einen neuen Job finden. Das waren 10 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Juni wurden 153 offene Stellen von den Unternehmen neu gemeldet. Aktuell liegen 786 offene Stellen zur Besetzung vor, 25 weniger als im Vorjahr. Die Besetzung einer offenen Stelle dauert durchschnittlich 103 Tage und damit 10 Tage länger als im Vorjahr.

Mehr Infos zur BA finden Sie in unseren sozialen Kanälen

  • Xing
  • Kununu
  • Linkedin
  • Instagram
  • Facebook
  • Youtube
  • Twitter