28.10.2021 | Presseinfo Nr. 51

Ausbildungsbereitschaft weiterhin hoch – Gute Chancen für Spätentschlossene

Ausbildungsmarktbericht des Berufsberatungsjahres 2020/2021
 

Im Berufsberatungsjahr 2020/2021 (1. Oktober bis 30. September) registrierte der Agenturbezirk Traunstein mit den vier Landkreisen Traunstein, Altötting, Berchtesgadener Land und Mühldorf insgesamt 2 478 Bewerber für Berufsausbildungsstellen. Das sind 411 junge Menschen weniger als im vorangegangenen Berufsberatungsjahr 2019/2020. Dem standen 4 000 Berufsausbildungsstellen gegenüber, 95 oder 2,3 Prozent weniger als im Vergleichsvorjahr.
Rein rechnerisch standen jedem Bewerber 1,6 Ausbildungsstellen zur Verfügung. Am 30. September, dem Stichtag des Berufsberatungsjahres, waren im Agenturbezirk Traunstein noch 6 Bewerber unversorgt, das sind 3 mehr als im Beratungsjahr davor. Den 6 unversorgten Bewerbern stehen theoretisch 124,8 Berufsausbildungsstellen gegenüber. Nachdem nahezu sämtliche Ausbildungsstellen in der Jobbörse veröffentlicht waren und die Nutzung stetig steigt, waren letztendlich 749 der bei uns gemeldeten Ausbildungsstellen unbesetzt, das sind 88 oder 13,3 Prozent mehr als im Beratungsjahr davor.

Von den insgesamt 2 478 Bewerbern nahmen 1 669 eine Berufsausbildung auf und 123 junge Menschen entschieden sich für eine Erwerbstätigkeit. Für Gemeinnützige Dienste, wie Bundes- oder Jugendfreiwilligendienst entschieden sich 33 Bewerberinnen und Bewerber und zur Bundeswehr gingen 5 Bewerber. In einen weiteren Schulbesuch meldeten sich 471 ab, darunter sind 20, die ein Studium aufnehmen, 9 weitere entschieden sich für ein Praktikum. Fördermaßnahmen nahmen 43 junge Menschen in Anspruch.

Die Jahresbilanz zeigt 248 Bewerber ohne Angabe des Verbleibs. „Darunter sind auch die 6 unversorgten jungen Menschen“, erläutert Jutta Müller, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Traunstein, “diese werden durch die Berufsberatung besonders intensiv betreut, um den Anschluss in eine neue Ausbildung möglichst reibungslos zu schaffen. Den jungen Menschen ohne Verbleibsinformation telefonieren die Berufsberaterinnen und Berufsberater nach. In den meisten Fällen sind die jungen Leute in einer Ausbildung oder gehen weiter zur Schule und hatten sich noch nicht abgemeldet“, so Müller.

1 942 Bewerber sind aus dem diesjährigen Schulentlassjahr und 190 aus dem vergangenen Jahr. 339 junge Menschen haben den Schulabschluss schon länger als ein Jahr hinter sich und sind nun auf der Suche nach einer Ausbildung. „Hier gibt es die verschiedensten Gründe für die lange Zeit zwischen Schule und Ausbildung. Längere Auslandsaufenthalte, Erwerbstätigkeit oder auch Ausbildungsabbruch, familiäre Gründe und persönliche Orientierung finden sich in den Lebensläufen“, erläutert Müller, „darunter sind auch beruflich verwertbare Erfahrungen, etwa Fremdsprachenkenntnisse oder einschlägige Praktika, die die ohnehin ausgezeichneten Chancen, einen Ausbildungsplatz zu finden, noch erhöhen.“

Mit 2 168 ist der überwiegende Anteil der Ausbildungssuchenden unter 20 Jahre alt, 68 sind älter als 25 Jahre, einer mehr als im vergangenen Berichtsjahr. Darunter sind 41 Männer und 27 Frauen. „Sowohl bei den Ausbildungssuchenden, als auch bei den Arbeitgebern hat sich in den letzten Jahren etwas an der Einstellung geändert“, so Müller, „Arbeitgeber profitieren von der persönlichen Reife und dem Verantwortungsbewusstsein und in den Berufsschulen sieht man, dass ältere Azubis schon lange keine Einzelfälle mehr sind. Ältere Azubis berichten häufig, dass sie ihre Ausbildung sehr ernst nehmen und der zukünftige Beruf einen anderen Stellenwert habe, als das einige Jahre früher, in jüngeren Jahren der Fall war“, erläutert Müller.

950 Bewerber haben einen Hauptschulabschluss, 1 060 verfügen über die Mittlere Reife und 308 haben Fachhochschul- oder Hochschulreife. Knapp 60 Prozent der Bewerber, 1 478, sind männlich. „Bei den Berufswünschen beobachten wir auch weiterhin geschlechtertypische Prioritäten“, analysiert Müller, „bei den Jungen stehen technische oder handwerkliche Berufszweige auf der Wunschliste und bei den Mädchen eher noch kaufmännische oder medizinische Ausbildungen. Wir diskutieren in der Beratung viel über den sogenannten Wunschberuf und so manches Mal geht es nach einem Berufseignungstest in eine ganz neue Richtung für den jungen Menschen, die er oder sie vorher gar nicht bedacht, oder sich nicht zugetraut hatte“, schließt Müller.

Unter den 4 000 Ausbildungsstellen bilden 1 350 Angebote aus Produktion und Fertigung mit dem Schwerpunkt Maschinenbau, Fahrzeugtechnik und Mechatronik den größten Anteil. 1 092 Ausbildungsplätze gab es im Bereich kaufmännische Dienstleistungen und Handel, mit Ausbildung im Verkauf allgemein (496), Handel (221), und Verkauf von Lebensmitteln (157).

504 Ausbildungsstellen boten Unternehmensorganisation und Buchhaltung mit dem größten Angebot im Bereich Sekretariat/Büro mit 183 ausgeschriebenen Stellen. 100 Angebote kamen aus Versicherungs- und Finanzdienstleistungen. 308 Angebote waren in den Berufen des Gesundheits- und Sozialwesens und 329 Ausbildungsstellen aus Bau, Architektur und Gebäudetechnik. Die meisten der 749 unbesetzten Ausbildungsplätze sind in den kaufmännischen Berufen (277). Insgesamt blieben bis zum Stichtag 10,7 Prozent der Ausbildungsstellen unbesetzt, gegenüber 16,1 Prozent im vorangegangenen Berichtsjahr.

In den Top Ten der unbesetzten Ausbildungsplätze findet sich nur ein technischer Beruf, die anderen Berufe sind aus dem Lebensmittelbereich, Medizin oder kaufmännisch. „Oftmals tragen einige Berufe noch an einem negativen Image“, erläutert Müller, „dies kann sich auf die Bezahlung, die Arbeitszeiten, oder die körperliche Anstrengung beziehen. Es gilt, verfestigte Vorurteile aufzulösen und sich Berufe sachlich anzuschauen. Bei Beginn einer Ausbildung darf man nicht aus den Augen verlieren, dass jede Ausbildung in jedem Beruf der Grundstein zum Weiterkommen ist. Ich kann nur ermutigen, denn je nach Ausbildungsberuf und eventueller Vorkenntnisse ist es auch noch bis Ende November oder sogar Dezember möglich, in die Ausbildung einzusteigen.“

Die 26 Berufsberaterinnen und Berufsberater, darunter 6 akademische Berater/innen und zusätzlich 7 Rehabilitationsberater betreuten im Beratungsjahr 2020/2021 regelmäßig 90 Schulen der Sekundarstufe I und II (davon 64 nur Sekundarstufe I) in den vier Landkreisen. Darüber hinaus betreuten die Rehabilitationsberater regelmäßig weitere 6 Schulen für Jugendliche mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung und 5 Sozialpädagogische Förderzentren mit Förderschwerpunkt Lernen.

In den insgesamt 290 Abgangsklassen konnten im vergangenen Schuljahr 6 950 Schüler das Beratungsangebot der Agentur für Arbeit nutzen. Die 245 Vorentlassklassen hatten 5 500 Schüler. An den Berufsschulen der vier Landkreise wurden weitere rund 150 jugendliche Flüchtlinge der Berufsintegrationsklassen regelmäßig informiert und beraten.

Die Berufsberatung veranstaltet jährlich für alle Vor- bzw. Entlassklassen mindestens zwei Gruppeninformationen zur grundsätzlichen Berufsorientierung und den Möglichkeiten, die individuelle Eignung herauszufinden. Diese Veranstaltungen finden in Präsenz direkt in den Schulen statt. Alternativ hierzu wurden im letzten Jahr Veranstaltungen in digitaler Form durchgeführt. Dies wird ergänzt durch regelmäßige Schülersprechstunden. Daran schließt sich häufig ein Termin zur persönlichen Beratung oder zur Videoberatung an. Bei den Elternabenden der Schule wurde über berufliche und schulische Ausbildungswege und Unterstützungsmöglichkeiten durch die Agentur für Arbeit informiert. Durch das neue Selbsterkundungstool „Check-U“ sowohl für Ausbildung, als auch für Studium, können die Schülerinnen und Schüler bereits mit den ersten Ergebnissen, bezogen auf die Berufsrichtung, in die persönliche Beratung kommen.

Die Berufsberaterinnen und Berufsberater beteiligten sich im vergangenen Berichtsjahr an stattfindenden digitalen Berufsinfo- oder Studieninfotagen, sowie in Zusammenarbeit mit dem Berufsinformationszentrum (BiZ) an regionalen digitalen Berufs- und Bildungsmessen mit virtuellen Infoständen und Live-Chats.

An Maßnahmen zur Berufseinstiegsbegleitung an den Mittelschulen nahmen in unterschiedlichen Jahrgängen rund 500 Schülerinnen und Schüler mit Unterstützungsbedarf teil.

Für die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) waren 500 Plätze, dazu weitere Plätze für Assistierte Ausbildung (AsA) eingerichtet. Neben den betrieblichen Ausbildungsstellen, die von Arbeitgebern gemeldet oder von Mitarbeitern eingeworben werden, wurden im Agenturbezirk Traunstein 72 Plätze, zuzüglich rund 200 behindertenspezifische Plätze in Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen (BvB) zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus gab es 107 Plätze – mit Teilnehmern unterschiedlicher Ausbildungsjahre – für Berufsbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE). Im Bereich Rehabilitanden wurden weitere 42 Plätze angeboten.

„So wie sich die Berufswelt ändert, ändert sich auch die Ausbildungswelt. Ausbildungsinhalte werden ständig angepasst um mit der Digitalisierung Schritt zu halten“, führt Müller aus, „natürlich kann nicht jede/r alles gleich gut, deshalb bieten wir vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten, wenn es in der Ausbildung nicht glatt läuft. Das wichtigste ist, sich diese Unterstützung rechtzeitig zu holen und nicht bei der ersten Schwierigkeit aufzugeben, denn eine solide Ausbildung bleibt Grundstein für beruflichen Erfolg“, so Müller abschließend.