30.06.2022 | Presseinfo Nr. 36

Ukrainekrieg zeigt Auswirkungen auf den regionalen Arbeitsmarkt

Die Arbeitslosigkeit in der Region Trier verzeichnet einen saisonuntypischen Anstieg. Die Entwicklung ist auf die zunehmende Zahl von Arbeitslosmeldungen ukrainischer Staatsbürger zurückzuführen.
Es gibt weiterhin großen Fachkräftebedarf, der Bestand an offenen Stellen im Agenturbezirk liegt auf sehr hohem Niveau.

  • Arbeitslosigkeit in der Region Trier steigt saisonuntypisch an
  • Arbeitslosmeldungen ukrainischer Bürger steigen an
  • Zahl der Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten sinkt
  • Bestand an offenen Stellen bleibt weiter auf hohem Niveau

Der seit Februar verzeichnete kontinuierliche Rückgang der Arbeitslosigkeit in der Region Trier ist im Juni erstmals gestoppt worden. Die Zahl der Arbeitslosen wuchs seit Mai um 574 auf 9.680 Personen, die Arbeitslosenquote stieg um 0,2 Prozentpunkte auf 3,3 Prozent.

Im Vergleich mit den Vorjahreswerten liegt die Arbeitslosigkeit jedoch auf deutlich niedrigerem Niveau. Gegenüber Juni 2021 ist die Zahl der Arbeitslosen um 1.307 oder 11,9 Prozent gesunken und die Arbeitslosenquote um 0,5 Prozentpunkte gefallen.

„Mit der steigenden Arbeitslosigkeit im Juni verzeichnen wir eine saisonuntypische Entwicklung, die ursächlich in den Folgen des Ukrainekrieges zu sehen ist“, sagt Heribert Wilhelmi, Leiter der Agentur für Arbeit Trier. „Seit März sind viele Menschen aus dem Kriegsgebiet auch nach Deutschland in die Region Trier geflohen, wo ihnen mit Erteilung der Aufenthaltserlaubnis der Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht wird. Standen ihnen zunächst Leistungen aus dem Asylbewerber-Leistungsgesetz durch die Kommunen zu, haben sie seit dem ersten Juni grundsätzlichen Anspruch auf Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende, die über die Jobcenter ausgezahlt werden“, beschreibt der Agenturchef die Ausgangslage. „Ukrainische Geflüchtete, die diese Leistungen aufgrund von Hilfsbedürftigkeit beziehen wollen, melden sich daher seit dem ersten Juni verstärkt bei den Jobcentern der Region. Da sie dort auch bei der Integration in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt begleitet werden, werden sie zudem in der Arbeitslosenstatistik erfasst“, erklärt Heribert Wilhelmi. „Der saisonuntypische Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juni, der sich im Vergleich zum Vormonat statistisch überdurchschnittlich bei Frauen, Jüngeren und Ausländern abbildet, lässt sich also auf die wachsende Zahl an Arbeitslos- oder Arbeitssuchendmeldungen ukrainischer Staatsangehöriger bei den Jobcentern zurückführen.“

Auch bei den Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten ist der regionale Arbeitsmarkt etwas ins Stocken geraten. Die Beschäftigung im Agenturbezirk entwickelt sich schwächer als im bundesdeutschen Vergleich. Zum letzten Quartalsstichtag der Beschäftigungsstatistik mit gesicherten Angaben Ende Dezember 2021 hat die Zahl der Sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gegenüber dem Vorquartal um 1.572 auf 178.969 Personen abgenommen.

Nach wie vor ungebrochen ist jedoch die hohe Personalnachfrage in der Region. Zwar liegt die Anzahl der im Juni neu gemeldeten Stellen mit 1.180 um 34 Offerten niedriger als im Vorjahresmonat. Doch im Vergleich mit Mai gingen 81 Jobangebote mehr ein, und der Bestand verharrt mit 6.703 offenen Stellen weiterhin auf sehr hohem Niveau.

Besonders im Verarbeitenden Gewerbe, im Handel, im Gesundheits- und Sozialwesen, in Gast- und Baugewerbe haben es Betriebe trotz vermehrter Stellenangebote schwer, geeignetes Personal zu rekrutieren. Hier sieht Heribert Wilhelmi eine der größten Herausforderungen für die Zukunft. „Um den Fachkräftebedarf von Morgen zu decken, müssen wir gemeinsam mit allen Akteuren auf dem Arbeitsmarkt jede nur denkbare Anstrengung unternehmen, und alle Möglichkeiten nutzen, seien es verstärkte Investitionen in Aus- und Weiterbildung, Qualifizierung oder Fachkräftegewinnung aus dem Ausland“, sagt der Experte. „Wir in der Agentur für Arbeit Trier stehen den Arbeitgebern, aber auch Arbeitnehmer:innen und Arbeitssuchenden zur Seite und vermitteln gerne die passenden Angebote und Fördermöglichkeiten“.

Die Arbeitsmarktzahlen im Überblick

In der Region Trier waren im Juni 9.680 Menschen arbeitslos gemeldet, 574 mehr als im Mai. Die Arbeitslosenquote stieg auf 3,3 Prozent. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen um 1.307 Personen oder 11,9 Prozent gesunken. Die Arbeitslosenquote liegt 0,5 Prozentpunkte niedriger als im Juni 2021.

Die gestiegene Arbeitslosenzahl im Juni 2022 resultiert aus einer sprunghaften Zunahme von Arbeitslosmeldungen in den Jobcentern (Rechtskreis SGB II). Da seit dem ersten Juni ihr Anspruch auf Leistungen aus der Grundsicherung für Arbeitssuchende greift, sprechen Geflüchtete aus der Ukraine verstärkt in den Jobcentern der kreisfreien Stadt Trier, der Kreise Bernkastel-Wittlich, Vulkaneifel und Trier-Saarburg vor und werden dort in der Arbeitslosenstatistik erfasst. Als Folge stieg die Zahl der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II seit Mai um 649 Personen oder 13,3 Prozent auf 5.544 Menschen ohne Job. Im Rechtskreis SGB III sank sie hingegen um 75 Personen auf 4.136.

Die Bewegungsdaten, die die Zugänge in Arbeitslosigkeit und die Abgänge aus Arbeitslosigkeit bewerten, geben wichtige Hinweise zur Dynamik am Arbeitsmarkt. Mehr Abgänge als Zugänge deuten auf sinkende Arbeitslosigkeit. Im Juni konnten 2.138 Menschen ihre Arbeitslosigkeit beenden, 2.706 Personen haben sich arbeitslos gemeldet. Der Zugang an Arbeitslosen liegt um 595 Personen höher als im Vormonat, der Abgang aus Arbeitslosigkeit um 218 Personen niedriger als im Mai.

Personengruppen – jugendliche und ältere Arbeitslose, Frauen und Männer, Ausländer und Langzeitarbeitslose

5.042 der Arbeitslosen im Agenturbezirk Trier sind Männer, 4.638 Frauen. Unter den insgesamt 9.680 Arbeitslosen befinden sich 936 Jüngere unter 25 Jahren, 3.470 Ältere ab 50 Jahren (davon 2.557 55 Jahre und älter) sowie 2.828 Ausländer und 2.821 Langzeitarbeitslose. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juni fällt überdurchschnittlich stark bei drei Personengruppen aus: Bei den Ausländern stieg die Zahl der Arbeitslosen um 29,5 Prozent oder 645 Personen auf 2.828. Bei den Frauen stieg sie um 10,9 Prozent oder 456 Betroffene auf 4.638. Und bei den Jüngeren bis 20 Jahren erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen um 18,5 Prozent oder 40 Personen auf 256.

Auch diese Werte sind aus dem Zuwachs an Arbeitslosen und Arbeitssuchenden aus dem Kreis der ukrainischen Kriegsflüchtlinge zu erklären, da er sich vorwiegend aus Frauen, Kinder und Jugendlichen zusammensetzt. Im Juni wurden in den Jobcentern der Region und der Agentur für Arbeit Trier 718 ukrainische Staatsangehörige neu als arbeitslos und 1.140 neu als arbeitssuchend erfasst. Im Mai belief sich der Zugang noch auf 77 Arbeitslose und 215 Arbeitssuchende aus der Ukraine, im April auf 20 Arbeitslose und 32 Arbeitssuchende.

Stellenangebote

Die Zahl der freien Stellen in der Region Trier liegt mit 6.703 Angeboten 29,2 Prozent über dem Vorjahresniveau. Gegenüber Mai hat sich der Bestand um 113 Stellen erhöht. Im Juni sind 1.180 Ausschreibungen neu gemeldet worden, 7,4 Prozent mehr als im Vormonat, aber 2,8 Prozent weniger als im Juni 2021.

Die meisten offenen Stellen gibt es in der Zeitarbeit (wo die Fluktuation generell hoch ist) mit 1.699 Angeboten, im Verarbeitenden Gewerbe mit 965 freien Jobs, im Handel mit 828, im Gesundheits- und Sozialwesen mit 623, im Gastgewerbe mit 613 und im Baugewerbe mit 601 Stellenangeboten.

Unterbeschäftigung

Wer an einer Qualifizierung teilnimmt oder erkrankt ist, wird während dieser Zeit laut Gesetz nicht als Arbeitsloser gezählt. Um hier Transparenz zu schaffen, publiziert die Bundesagentur für Arbeit jeden Monat die sogenannte Unterbeschäftigungsquote. Sie bezieht zusätzlich zu den Arbeitslosen unter anderem all jene ein, die zur Erhöhung ihrer Integrationschancen arbeitsmarktpolitisch gefördert werden. Laut aktueller Datenbasis lag im Juni die Unterbeschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Trier bei 12.470 Personen. Die Unterbeschäftigungsquote ist gegenüber Mai um 0,2 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent gestiegen. Gegenüber Juni 2021 sank sie um 0,5 Prozentpunkte.

Blick in die einzelnen Regionen

Stadt Trier

Entsprechend der Entwicklung im gesamten Agenturbezirk ist auch in der Stadt Trier die Arbeitslosigkeit im Juni gestiegen. 3.348 Menschen sind arbeitslos gemeldet, 280 mehr als im Vormonat und 442 weniger als im Juni 2021. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,5 Prozent, 0,5 Prozentpunkte höher als im Mai und 0,7 Prozentpunkte niedriger als im Vorjahresmonat.

In der Stadt Trier sind 1.811 der Arbeitslosen männlich, 1.537 weiblich. Unter den insgesamt 3.348 Arbeitslosen befinden sich 409 Jüngere unter 25 Jahren, 883 Ältere über 50 Jahre (davon 612 ab 55jährige), 1.158 Ausländer und 1.023 Langzeitarbeitslose. Im Juni haben sich 967 Menschen im Stadtbezirk arbeitslos gemeldet, 689 konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Auch in der Stadt Trier trägt insbesondere der wachsende Anteil an ukrainischen Arbeitslosen zum Anstieg der Arbeitslosigkeit bei, wie die Steigerung in der Personengruppe der Ausländer um 30,7, in der Gruppe der Frauen um 17,3 und bei den Jugendlichen bis 20 Jahren um 38,8 Prozent spiegelt. 266 neue Arbeitslosmeldungen von ukrainischen Staatsangehörigen in der Stadt Trier wurden im Juni statistisch erfasst.

Landkreis Bernkastel-Wittlich

Auch die Arbeitslosigkeit im Kreis Bernkastel-Wittlich ist im Juni angestiegen. 2.010 Menschen sind arbeitslos, 187 mehr als noch im Mai, das entspricht einer Steigerung von 10,3 Prozent. Gegenüber Juni 2021 ging die Zahl der Arbeitslosen um 47 Personen bzw. 2,3 Prozent zurück. Die Arbeitslosenquote liegt 0,3 Prozentpunkte höher als im Mai und beträgt jetzt 3,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Quote um 0,1 Prozentpunkte.

In den Juniwochen meldeten sich 681 Bürgerinnen und Bürger im Landkreises Bernkastel-Wittlich arbeitslos. Das sind 245 mehr als im Vormonat und 283 mehr als vor einem Jahr. 497 Personen konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, 50 weniger als im Mai und 108 weniger als im Juni 2021. 944 der insgesamt 2.010 Arbeitslosen sind Männer, 1.066 sind Frauen. Darunter befinden sich 150 Jüngere zwischen 15 und 24 Jahren, 832 Arbeitslose, die älter als 50 und 635, die älter als 55 Jahre sind, 625 Ausländer und 514 Langzeitarbeitslose. Auch hier wirkt sich ein Zugang von 249 Arbeitslosen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft auf die Statistik aus.

Eifelkreis Bitburg-Prüm

Anders als im Gesamtbezirk ist die Arbeitslosigkeit im Eifelkreis Bitburg-Prüm geringfügig gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen ging gegenüber Mai um 2 auf 1.193 Personen zurück. Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Prozentpunkte und beträgt nun 2,2 Prozent. Das ist die niedrigste Quote im Agenturbezirk Trier. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind 334 Personen weniger arbeitslos, und die Arbeitslosenquote liegt 0,7 Prozentpunkte niedriger als im Juni 2021.

Unter den aktuell 628 arbeitslosen Männern und 565 arbeitslosen Frauen befinden sich 120 Jüngere zwischen 15 und 24 Jahren, 456 Ältere ab 50 Jahren, davon 330 ab 55jährige, 316 Ausländer und 339 Langzeitarbeitslose. 319 Menschen konnten im Juni ihre Arbeitslosigkeit beenden, 11 mehr als im Mai und 87 weniger als im Vorjahresmonat. 309 Personen meldeten sich erstmals oder erneut arbeitslos, 1 weniger als im Mai, und 32 weniger als im Juni 2021.

Einen Zugang ukrainischer Arbeitsloser weist die Statistik für den Eifelkreis Bitburg-Prüm im Juni nicht aus. Das kann unter Umständen durch Zeitverzögerungen bei der Erfassung bedingt sein.

Kreis Vulkaneifel

Im Vulkaneifelkreis ist die Arbeitslosigkeit im Monat Juni leicht, um 0,4 Prozent gestiegen. 4 Personen mehr als im Mai sind arbeitslos gemeldet, insgesamt liegt die Zahl der Arbeitslosen bei 1.006 Menschen. Gegenüber dem Vorjahresmonat verzeichnet die Arbeitslosigkeit ein Minus von 173 betroffenen Personen, das entspricht einem Rückgang um 14,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote hat sich um 0,1 Prozentpunkte auf 3,1 Prozent erhöht. Gegenüber Juni 2021 sank sie um 0,4 Prozentpunkte.

Im Juni haben sich 208 Bürgerinnen und Bürger aus dem Vulkaneifelkreis arbeitslos gemeldet, 28 mehr als im Vormonat und 14 mehr als im Juni 2021. 198 konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden, 17 weniger als im Mai und 42 weniger als im Vorjahresmonat. Von den 1.006 Arbeitslosen sind 528 Männer und 478 Frauen, darunter befinden sich 69 Jüngere unter 25 Jahren, 429 Ältere ab 50 Jahren (davon 304 ab 55jährige), 196 Ausländer und 325 Langzeitarbeitslose. 36 Arbeitssuchende aus der Ukraine wurden neu erfasst.

Landkreis Trier-Saarburg

Im Landkreis Trier-Saarburg stieg die Arbeitslosigkeit im Juni. Die Zahl der Arbeitslosen erhöhte sich seit Mai um 105 auf 2.123 Personen. Im Vergleich zum Juni 2021 hat sich die Arbeitslosigkeit um 12,8 Prozent bzw. 311 Personen reduziert. Die Arbeitslosenquote ist vom Mai bis Juni um 0,1 Prozentpunkte auf 2,6 Prozent gestiegen und im Vorjahresvergleich um 0,4 Prozentpunkte gesunken.

Unter den 1.131 arbeitslosen Männern und 992 arbeitslosen Frauen befinden sich 188 Jüngere unter 25 Jahren, 870 Ältere ab 50 Jahren (davon 676 ab 55jährige), 533 Ausländer und 620 Langzeitarbeitslose. 541 Menschen meldeten sich arbeitslos, das sind 88 mehr als im Mai und 120 mehr als im Juni 2021. 435 Personen, 32 weniger als im Vormonat und 47 weniger als im Vorjahresmonat, haben ihre Arbeitslosigkeit beendet.

1136 Menschen mit ukrainischer Staatsbürgerschaft wurden im Juni im Kreis Trier-Saarburg neu als arbeitslos registriert.