02.11.2022 | Presseinfo Nr. 54

Auszubildende händeringend gesucht

Immer mehr Ausbildungsstellen bleiben unbesetzt

Die klare Bilanz des Berufsausbildungsjahres 2021/2022 lautet: Für Betriebe in der Region Trier wird es immer schwieriger, Auszubildende zu finden. „Der Ausbildungsmarkt ist in einer Schieflage“, sagt Heribert Wilhelmi, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Trier. „Die Schere zwischen dem Angebot an Ausbildungsstellen und verfügbaren Bewerberinnen und Bewerbern klafft immer weiter auseinander,“ erklärt er. „Gründe dafür sind der demografische Wandel, aber auch eine erhöhte Schul- und Studienneigung.“

Zum Ende des aktuellen Berichtsjahrs für den Ausbildungsmarkt, das den Zeitraum vom 1. Oktober 2021 bis zum 30. September 2022 umfasst, weist die Statistik der Bundesagentur für Arbeit in der Region Trier ein Verhältnis von 1,8 Ausbildungsstellen pro Bewerber:in aus. 4.309 Berufsausbildungsstellen, 368 oder 9,6 Prozent mehr als im Ausbildungsjahr 2020/2021 waren gemeldet. Doch nur 2.365 junge Menschen suchten eine Ausbildungsstelle, 289 oder 10,9 Prozent weniger als im vergangenen Berichtsjahr. Besonders deutlich bildete sich das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage im Handel, mit sieben Stellen pro Bewerber:in, in der Metallbearbeitung (5,8 : 1) und der Lebensmittelherstellung (5,6 : 1) ab. 822 Ausbildungsplätze sind noch unbesetzt, 83 oder 11,2 Prozent mehr als zum Ende des vorigen Berichtsjahres.

Der Anteil an unversorgten Bewerberinnen und Bewerbern ist im aktuellen Berichtsjahr leicht gesunken, 166 junge Menschen haben bis Ende September keine Ausbildungsstelle gefunden – 7,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Dennoch macht die Entwicklung der Agentur für Arbeit Sorgen, denn pro unversorgtem jungem Menschen weist die Statistik noch 5,0 unbesetzte Ausbildungsstellen aus. Die Diskrepanzen zeigen sich deutlich beim Blick auf die Top Ten-Berufe der unbesetzten Ausbildungsstellen und unversorgten Ausbildungssuchenden. So sind zum Beispiel noch 43 Ausbildungsangebote im Bereich der Kaufleute im Einzelhandel zu haben, doch auch noch 10 Bewerberinnen und Bewerber auf der Suche nach einer entsprechenden Lehrstelle.

„Hier Vermittlung und Orientierung zu leisten, ist eine Aufgabe, der wir uns mit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit vorrangig widmen“, sagt Heribert Wilhelmi. „Wir haben die intensive Beratung von Jugendlichen, Eltern, Schulen und Ausbildungsbetrieben, auch in enger Zusammenarbeit mit wichtigen Kooperationspartnern wie IHK und HWK ausgebaut. Dazu sind neue Informationsangebote, Online-Produkte und Services zur Ergänzung der Beratung entstanden. Wir haben die Jugendberufsagenturen gestärkt, erfolgreich die Ausbildungsmesse FUTURE an den Start gebracht und Nachvermittlungsaktionen durchgeführt.“

Zentraler Bestandteil der Arbeitsagentur in der Beratung von jungen Menschen und Ausbildungsbetrieben ist die Umsetzung von Förderangeboten wie die „Assistierte Ausbildung Flexibel (AsAFlex). „Damit bieten wir ein besonderes, weil individuelles und flexibles Förderprogramm an, das hilft, betriebliche Ausbildungsverhältnisse zu stabilisieren“, erklärt Heribert Wilhelmi.

Mit Blick auf erfolgreich abgeschlossene Ausbildungsverhältnisse konnte laut Ulrich Schneider, dem Geschäftsführer Ausbildung der Industrie- und Handelskammer Trier zu Ende des Monats September 2022 der Negativtrend der vergangenen beiden Corona-Jahre in den IHK-Berufen vorerst gestoppt werden. Mit 1.790 neueingetragenen Ausbildungsverhältnissen lag ein Plus von 2,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr vor (1.751). „Hervorzuheben ist, dass insbesondere das Gastgewerbe und Industriekaufleute zu der positiven Zahl beitrugen, auch wenn hier nach wie vor viele Ausbildungsstellen nicht besetzt werden konnten“, sagt Ulrich Schneider. Insgesamt waren Ende September bei der IHK Trier 4.441 Ausbildungsverträge in 1.196 Ausbildungsbetrieben registriert.

Im Handwerk hingegen ist der Trend eher rückläufig. Die Handwerkskammer verzeichnet zum Ende des Monats September 2022 für den Berichtszeitraum eine Gesamtzahl von 2.908 Lehrlingen in den regionalen Handwerksbetrieben (Summe aller Lehrjahre). Im Vorjahr waren es noch 2.963. Auch bei den im aktuellen Monat neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen zeigt sich ein Minus gegenüber September 2021: waren damals 1.093 neue Lehrverträge registriert worden, so waren es im September 2022 nur noch 1.022.

Dass gerade in den soliden Ausbildungen der Betriebe in der Region hervorragende Zukunftschancen für junge Menschen liegen, ist Teil der Beratung, auf die die Agentur für Arbeit setzt, betont Heribert Wilhelmi, denn: „Gut ausgebildete Fachkräfte werden in Zukunft mehr denn je benötigt.“